Seit Jahrzehnten hört man immer wieder, dass der Western ein totes Genre sei. Zu alt und akquiriert seien die genretypischen Merkmale, zu langsam und unmodern das Leben im Wilden Westen. Nach der Hochphase der 50er, 60er und 70er Jahre, wurde es tatsächlich verhältnismäßig etwas ruhiger in der Prärie. Dabei jedoch von einem toten Genre zu reden, ist schlichtweg falsch. Der Westernfilm ist dank seiner großen Anpassungsfähigkeit immer im Stande sich neu zu erfinden und als Sinnbild für die Probleme der Gegenwart zu funktionieren. Hier eine Auswahl der besten Western nach dem Jahr 2000.

 

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (2007)

Einer der bildgewaltigsten und beeindruckendsten Western-Epen jüngerer Zeit ist die Charakterstudie rund um die Ermordung des vermeintlichen „Robin Hoods des Westens“ Jesse James. Die Schauspieler Brad Pitt, Casey Affleck, Sam Rockwell und Sam Shepard brillieren allesamt in dem sehr nachdenklichen und berührenden Film. Ein Nebendarsteller der Geschichte wird hier zum Protagonisten. Der fantastische Soundtrack von Nick Cave unterstützt zudem die bedrückende Schönheit der Landschaft und die melancholische Stimmung des Films.

Todeszug nach Yuma (2007)

Dan Evans (Christian Bale) nimmt aus Geldsorgen heraus den Auftrag an, Verbrecher Ben Wade (Russel Crowe) bei einem Gefangenentransport zu eskortieren. Dabei baut sich ein spannendes Psychoduell zwischen den beiden Schauspiel-Schwergewichten und ihren unterschiedlichen Charakteren auf, das einen sofort in seinen Bann zieht. Hinzu kommen hervorragende und temporeiche Actionsequenzen. James Mangold hat einen großartigen Western geschaffen, den jeder Western-Fan kennen sollte.

True Grit (2010)

Auch wenn er vielleicht nicht der beste Film der Coen-Brüder ist, so ist True Grit trotzdem ein fantastischer Western, der vor allem mit einem Top-Cast, bestehend aus Jeff Bridges, Matt Damon und Hailee Steinfield, überzeugt. Die Charaktere stehen mehr im Vordergrund als die Story und insbesondere Jeff Bridges als versoffener und fertiger Marshall tritt in John Waynes Spuren. Dazu sind die Coen-Brüder einfach Meister ihres Fachs und überzeugen mit messerscharfen Dialogen und der gewohnten Prise schwarzen Humors.

Django Unchained (2012)

Quentin Tarantinos Filme wurden stilistisch von Mal zu Mal mehr zum Western, bis er mit Django Unchained dann endgültig im Wilden Westen angekommen war und dort einen fulminanten Geniestreich hinlegte. Er entwarf einen Film über eine der größten Ikonen des Spaghetti-Westerns überhaupt und zelebrierte einen stilistisch unvergleichbaren Hip-Hop-Western, der als eine – unfassbar gut besetzte – große Hommage an das gesamte Genre und seine Klassiker gesehen werden kann.

Das finstere Tal (2013)

Zwar sind die österreichischen und bayrischen Alpen nicht unbedingt das klassischer Wilde Westen-Gebiet, allerdings ist Andreas Prochaskas Das finstere Tal trotzdem ein sensationeller „Alpen-Western“. Die Kulisse der schneebedeckten Berge und Täler sind ein spektakuläres Ambiente für eine knallharte Rache-Story. Als eines Tages ein Fremder in ein abgeschottetes Bergdorf gelangt, ist es dort mit der vermeintlichen Idylle schnell vorbei. Das finstere Tal ist nicht nur ein fantastischer Western, sondern auch einer der besten deutschsprachigen Filme der letzten Jahre.

Slow West (2015)

Michael Fassbender begeistert als abgehalfterter Kopfgeld-Jäger, der von dem jugendlichen Greenhorn Jay (Kodi Smit-McPhee) auf einer gemeinsamen Reise immer mehr zurück zu seiner Menschlichkeit findet. Slow West ist ein berührender Film über die große Liebe und die Bereitschafft alles für diese zu tun. Hier steht weniger der „coole“ einsame Revolverheld im Zentrum, als vielmehr ein naiv wirkender junger Mann, der mit seinen festen Überzeugungen schlichtweg am falschen Platz der Erde ist. Die Natur Neuseelands diente als idyllische Kulisse und wurde malerisch in dem Film eingefangen.

*erster Monat kostenlos; danach 7,99 €/Monat und monatlich kündbar

The Hateful Eight (2015)

Drei Jahre nach Django Unchained drehte Quentin Tarantino seinen zweiten „klassischen“ Western. Diesmal als eine Art Kammerspiel, in der die aufgeteilte Hütte den zerrissenen Zustand der Vereinigten Staaten der Gegenwart symbolisiert. The Hateful Eight ist ein typischer Tarantino-Film, aber sein oftmals ironisch-sarkastischer Ton bekommt hier eine deutliche Bitterkeit, die schon in Django Unchained zu spüren war, aber hier nochmal stärker durchkommt. Gewohnt großartige Dialoge und hervorragende Schauspieler sind bei Tarantino meist eine Selbstverständlichkeit. Großes Kino!

The Revenant (2015)

Für dieses Werk erhielt der ewige Oscar-Nominierte, aber am Ende immer leer ausgehende Leonardo DiCaprio endlich seine Auszeichnung. Kein Wunder, so war der Film auch eine unfassbare „Tour de Force“ für den Hauptdarsteller. Ob kriechend durch eiskalte Nächte, schwimmend in den noch kälteren Flüssen Patagoniens oder das Essen roher Bisonleber, DiCaprio ging in The Revenant von Oscar-Regisseur Alejandro G. Inarritu aufs Ganze. Neben dem auf Rache sinnenden Hauptdarsteller, sind es vor allem Tom Hardy – als skrupelloser Gegenspieler – und die unfassbaren Kameraaufnahmen von Emmanuel Lubezki, die den Film zu einem intensiven und unvergesslichen Film-Erlebnis machen.

Feinde – Hostiles (2017)

Der Film Feinde – Hostiles mit Christian Bale, Rosamunde Pike und Wes Studi ist wohlmöglich einer der besten und bewegendsten Western-Filme aller Zeiten. Im Mittelpunkt stehen die beiden Erzfeinde Captain Joseph Blocker und Häuptling Yellow Hawk, die sich beide als brutale Berserker in den Kriegen zwischen Kolonialisten und Indianern einen gewissen Ruf verschafft haben. Ausgerechnet Blocker soll jetzt Yellow Hawk in sein altes Stammesgebiet führen, damit der in Ruhe sterben kann. Blocker jedoch ist nach wie vor von Hass gegenüber den Indianern zerfressen. Mit der Zeit verändert sich allerdings das Weltbild von Blocker. Ein hochemotionales Plädoyer gegen blinden Hass und Rassismus. Auch heute aktueller denn je.

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