ACHTUNG: SPOILER-ALARM! Folge 5 der neuen Staffel von Game of Thrones läutet das Grande Finale einer großartigen Staffel ein: Immerhin werden wir nur noch in den Genuss zweier weiterer Episoden kommen, bevor es wieder ein Jahr auf die letzte Staffel zu warten gilt.

Ostwacht“ knüpft nahtlos an die letzte Folge „Kriegsbeute“ an und bietet trotz einiger etwas holpriger Zeitsprünge Hochspannung auf Kinoniveau: Die politischen Verstrickungen verdichten sich, altbekannte Figuren kehren zurück und gliedern sich bestens in die bestehenden Charakterkonstellationen ein und die letzten Minuten dieser großartig inszenierten Folge lassen nichts Gutes vermuten. Wieder einmal gilt: Es kann jeden treffen, jede Figur ist in Gefahr und auch wenn der Cliffhanger der letzten Folge sehr schnell beruhigend aufgelöst wurde, so wurden ganz neue Konfliktherde geschaffen, die eine Menge Zündpotenzial entfalten könnten.

Feuer & Asche

Gleich zu Beginn von Folge 5 wird der Cliffhanger von „Kriegsbeute“ aufgelöst: Jaime Lennister (Nikolaj Coster-Waldau) und sein Retter, Ser Bronn vom Schwarzwasser (Jerome Flynn) tauchen unversehrt aus den Fluten auf. In einem zynischen Gespräch erklärt Bronn, dass beim Einsatz von Drachen seine Loyalität endet und Jaime muss einsehen, dass ein Krieg gegen feuerspeiende Monster kaum Aussichten auf einen Sieg zulässt. So kehrt er niedergeschlagen nach Königsmund zurück, um seiner Schwester und großen Liebe, Königin Cersei (Lena Headey) die vernichtenden Neuigkeiten zu übermitteln.

In der Zwischenzeit präsentiert sich Daenerys Targaryen (Emilia Clarke), ihrerseits Königin von Westeros und rechtmäßige Regentin als gnadenlose Vollstreckerin. Nach dem todbringenden Kampf in der Weite ist nicht mehr viel übrig außer Asche und verbrannte Felder und so bleibt für die gefangen genommenen Soldaten und Heerführer nichts anderes als das Knie zu beugen. Einzig Ser Randyll Tarly (James Faulkner) weigert sich, eine neue Königin anzuerkennen, was man ihm zugute halten muss: Wie abscheulich er seinen Sohn Samwell (John Bradley) auch behandelt haben mag, Tarly ist ein Mann von Prinzipien und zu diesen steht er auch. Dass sein Sohn Dickon (Tom Hopper), der sich als wachsamer Krieger und ehrenvoller Erbe erwiesen hat, mit ihm zum gemeinsamen Todesurteil schreitet, ist weder ihm recht noch den treuen Beratern von Königin Daenerys: Immerhin wird mit dem Tod dieser beiden Figuren ein weiteres Haus in Westeros ausgelöscht. Daenerys vollstreckt das Urteil mit einem sanften „Dracarys“ und lässt Drogon die Verräter verbrennen. Zuvor erklärt sie jedoch, dass es Cersei ist, die die Völker Westeros’ unter ihrer Geißel hält und Tod und Hunger bringt: Daenerys ist die Erlöserin, auch wenn sie eine Fremde ist.

Löwen & Schafe

Inzwischen ist Jaime in Königsmund angekommen und überbringt die schrecklichen Nachrichten: Es gibt kaum Überlebende, die Vorräte sind vernichtet, Daenerys hat mit nur einem Drachen und ein paar hundert Dothraki eine ganze Schlacht für sich geschlagen. Kommt der Krieg zwischen den beiden verfeindeten Königinnen, so weiß Jaime (und auch Cersei muss es wissen), dass dieser nicht zu gewinnen ist. Doch Cersei ist die Tochter ihres Vaters und so bleibt sie uneinsichtig. Sie weiß, dass sie in den Kampf ziehen und sterben, oder sich ergeben und sterben kann und so wählt sie den gefährlicheren, aber stolzeren Weg, wie man es ihr in die Wiege gelegt hat. Mit den Nachrichten vom Ausgang der Schlacht überbringt Jaime auch die letzten Worte Olenna Tyrells (Diana Rigg): Nun weiß auch Cersei, dass es Olenna war, die ihren geliebten Sohn Joffrey ermordet hat, und sie wünscht sich in guter alter Cersei-Manier, dass sie Jaime nicht gestattet hätte, Olenna einen sanften Gifttod zu gewähren.

Neue Pläne in Drachenstein

In Drachenstein erwartet Jon Schnee (Kit Harington) die Ankunft der Königin und erlebt einen überaus magischen Moment, als diese elegant auf Drogon vor ihm landet und der Drache Jons sanfte Annäherung gnädig zulässt. Für viele Zuschauer ist das ein weiteres Indiz für eine mögliche Liaison/Verbindung von Daenerys und Jon, etwas, das echten Fans Kopfzerbrechen macht. Immerhin ist es fast sicher, dass Jon ein Targaryen ist, nun da auch er dem Drachen nahekommen durfte, und damit wäre er der Neffe von Daenerys. In dieser Folge wird auch in einem Nebensatz noch einmal von Prinz Rhaegar und seiner unehrenhaften Flucht aus der Ehe mit Elia Martell gesprochen. Schon in der ersten Staffel berichtete Kleinfinger von diesem Ereignis – nun ist es fast zu hundert Prozent anzunehmen, dass Rhaegar und Ned Starks Schwester Lyanna ineinander verliebt waren, was Jon Schnee zur Frucht einer Stark-Targaryen-Verbindung macht – dies könnte ihn noch mächtiger und wichtiger werden lassen, als er es ohnehin schon ist im Spiel der Throne.

Für Daenerys gibt es eine erfreuliche Zusammenkunft mit einem alten Bekannten: Endlich ist Ser Jorah Mormont (Iain Glen) zu ihr zurückgekehrt und macht sich prompt wieder auf den Weg zu neuen Herausforderungen. Bei einer Ratssitzung überzeugt Jon Daenerys davon, Cersei Lennister zum Kampf gegen die Armee des Nachtkönigs zu überreden. Dafür soll Tyrion (Peter Dinklage) vom ehemaligen Schmuggler Ser Davos in Königsmund abgesetzt werden und eine Besprechung mit Jaime herbeiführen. In der Zwischenzeit soll Ser Jorah einen der Weißen Wanderer beschaffen, um Cersei und ihre Schergen von der Existenz der Untoten zu überzeugen, denn bis dato glaubt diese immer noch, die Notrufe aus dem Norden, die von Brandon Stark (Isaac Hempstead-Wright) gesendet werden, seien Humbug. Der sieht in gefährlich akkuraten Visionen als Rabe, wie der Nachtkönig mit seiner gigantischen Armee unaufhaltsam auf Ostwacht an der See zuschreitet, eine der letzten Stätte der Nachtwache, die momentan von Tormund Riesentod gehalten wird und einem Aufmarsch der Untoten keineswegs standhalten kann.

So spinnt Daenerys ihre taktischen Fäden weiter, indem sie sich mit Jon auf ein Bündnis einlässt und ihre Berater in ihre Aufgaben entlässt.

Löwenbrüder und Bastardsöhne

Einige ungeschickte Zeitsprünge später (wie schnell kann man in Westeros denn in Staffel 7 Distanzen überbrücken, für die der Zug des Königs in Staffel 1 fast 10 Folgen gebraucht hat?) landen Ser Davos und Tyrion in Königsmund, wo es zu einer weiteren erfreulichen Rückkehr kommt: Ser Davos findet doch tatsächlich Gendry (Joe Dempsie), eine Figur, die viele Fans in Staffel 1 bis 3 sehr liebgewonnen haben und die durch Ser Davos’ Eingreifen vor dem bitteren Tod durch Verbrennung geredet wurde: Damals hatte Melisandre, die Rote Priesterin, vorgehabt, den Schmied, durch dessen Adern Königsblut rinnt, als Königsopfer darzubieten, um so Stannis’ Sieg zu gewährleisten. Mittlerweile wissen wir, dass Melisandre unrecht hatte und Stannis keineswegs Azor Ahai, der Lichtbringer ist und Gendrys Tod somit umsonst gewesen wäre. Umso besser dass der stattliche Bastardsohn von König Robert noch am Leben ist und von Ser Davos zu Jon Schnee gebracht wird.

In der Zwischenzeit arrangiert Ser Bronn (wie auch immer dies geschehen ist) eine Unterredung zwischen Tyrion und Jaime in der Krypta. Ser Jaime, immer noch erbost über Tyrions Flucht und die Ermordung ihres Vaters, lässt den kleinen Bruder nicht in Erklärungen flüchten – stattdessen erfragt er, was Tyrion (und damit auch Königin Daenerys) wollen: Tyrion unterbreitet Jaime sein Anliegen und hofft auf Jaimes Verstand und Vernunft.

Bei der Abreise im Schmugglerboot wird Tyrion von Rotröcken (der Königsmundgarde) entlarvt und kann nur durch Gendrys rasches (blutiges) Eingreifen gerettet werden. Ser Davos, Tyrion und Gendry verlassen Königsmund und rudern zurück nach Drachenstein, wo Jon Schnee sie empfängt.

Winterfell

In Winterfell unterstellt Arya (Maisie Williams) ihrer Schwester Sansa (Sophie Turner) Jon in den Rücken zu fallen, wenn sie das Gerede der Lehensmänner über Jons Verrat und seine Abwesenheit zulässt. Außerdem glaubt Arya zu merken, wie Sansa ihre neue Macht genießt – und womöglich über eine Rückkehr ihres Halbbruders gar nicht so erfreut wäre wie sie sollte. Kleinfinger spinnt seine Intrigen weiter und scheint Arya in eine Falle zu locken. Gar zu auffällig lässt er eine alte Rabenbotschaft ausfindig machen und versteckt sie in seiner Kammer, wo sie von Arya mit schreckgeweiteten Augen gelesen wird. Dies wiederum beobachtet Kleinfinger aus einem Versteck heraus, was uns zu unheimlichen Frage bewegt, was er schon wieder plant und ob die ganze Botschaft eine Finte war. Irgendjemand muss den Mann in den Griff bekommen, bevor er alles aufs Spiel setzt, wofür Jon Schnee bis zum Tod (und darüber hinaus) gekämpft hat: Die Freiheit des Nordens.

Der letzte Tarly

In der Zitadelle brütet Samwell Tarly (John Bradley) unwissend über den Tod seines Vaters und Bruders über den Büchern der Maestern und fühlt sich – wieder einmal – völlig nutzlos, während seine Wildlingsfreundin Gilly mit ihm die Anzahl von Fenstern studiert. Als in einer Maesterversammlung die Ankunft des Raben aus Winterfell diskutiert wird, stellt Sam klar, dass Bran Stark ein verkrüppelter Waisenjunge ist, der augenscheinlich jahrelang jenseits der Mauer überlebt hat, etwas, das keinem Posten der Nachtwache, keinem Wildling und auch nicht Jon Schnee gelungen ist. Sam weiß, dass die Gefahr jenseits der Mauer real ist und mit jedem Tag bedrohlich näher kommt – doch die Maester sind nicht vollends überzeugt und wollen sich weiter beraten. Diese Ignoranz nimmt Sam als Anlass, die Zitadelle zu verlassen und mit Gilly und ihrem Sohn weiterzuziehen. Er will nicht länger nur über die Taten großer Männer lesen.

Ein Löwenjunges

Cersei zeigt wieder einmal ihr Gesicht, als sie auf Jaimes Geständnis gelassen reagiert: Sie wusste von der Unterredung der Brüder und will, dass Jaime Ser Bronn für seinen Verrat bestraft. Jaime will seine Schwester von der Dringlichkeit in Tyrions Forderungen überzeugen, doch Cersei schmiedet eigene Pläne, um Daenerys zu vernichten. Sie will sich mit der Drachenkönigin einlassen, um ihr dann den entscheidenden Schlag zu versetzen. Jaime ist nicht von Cerseis Vorhaben überzeugt und fürchtet um Cerseis geistiges Wohl (von dem wir Zuschauer uns bereits in Staffel 4 verabschiedet haben). Doch dann holt Cersei Jaime zurück auf ihre Seite, als sie ihm verkündet schwanger zu sein. Und zu seiner Überraschung will sie offiziell verlautbaren lassen, dass es ihr gemeinsames Kind ist.

Ostwacht an der See

In Ostwacht endet die Folge, die nach der nervenzerreißenden Schlachtsequenz der letzten ein wenig Ruhe mit sich bringt. Dorthin hat es Jon Schnee mit Ser Davos, Ser Jorah und Gendry verschlagen. Empfangen vom Verwalter Ostwachts, Tormund Riesentod, werden sie mit ein paar eingekerkerten Gefangenen bekannt gemacht: Die Bruderschaft ohne Banner unter Berric Dondarrion und Toros von Mhyr hat sich mit Sandor Clegane, dem Bluthund, ebenfalls auf in den Norden gemacht um sich der Armee des Nachtkönigs zu stellen. Sie wurden von Tormunds Männern gefangengenommen und wollen nun mit Jon hinter die Mauer. Ihre Beweggründe sind ähnlich wie die der frisch angereisten Verbündeten: Sie wollen Westeros vor der ewigen Dunkelheit schützen. In einer unheilvollen letzten Szene wird das schwere Tor, der letzte Schutz vor dem, was hinter der Mauer lauert, nach oben gezogen und die neue Vereinigung von Bruderschaft, Jon Schnee und seinen Verbündeten wird in die Wildnis entlassen. Dort werden sie von undurchdringbarem Schneetreiben empfangen und bedrohliche Musik kündigt die Ankunft des nahenden Nachtkönigs an. Nach der Drachenschlacht in „Kriegsbeute“ werden wir in der nächsten Folge wohl eine erste Schlacht gegen die Eiszombies erleben – wie gut also, dass „Ostwacht“ verhältnismäßig entspannt über die Bühne gelaufen ist.

Fragen, die es zu klären gilt

Nun ist in dieser Folge einiges passiert, was zur Aufklärung gedient hat: Wir wissen, wo Gendry war und wie es mit ihm weitergeht. Wir wissen, dass Ser Jorah zu Daenerys zurückgekehrt ist und sie ihm vergeben hat – er hat wieder einen Platz an ihrer Seite. Wir wissen, dass Sam Bücher aus der Zitadelle gestohlen hat und einen Weg finden will, die Armee des Nachtkönigs aufzuhalten. Und wir haben eine Ahnung davon, wie Cerseis Pläne aussehen.

Was wir nicht wissen: Wie geht es Grauer Wurm und den Unbefleckten? Was macht Euron Graufreud und was hat er mit seiner Nichte Asha vor? Was plant Kleinfinger und wie loyal ist eigentlich Varys, der immer öfter ausspricht, was auch Tyrion ebenfalls insgeheim befürchtet: Dass in Daenerys Targaryen doch mehr von ihrem Vater schlummert, als angenommen und dass sie eines Tages dem gleichen Wahnsinn verfallen könnte wie er. Doch bis dahin ist noch Zeit und jetzt gilt es erst einmal herauszufinden, ob Jon Schnee dem Tod wieder einmal von der Schippe springen kann, oder ob der Nachtkönig es schafft, den König des Nordens endgültig aus dem Weg zu räumen.

Der Anfang vom Ende

Mit großer Selbstsicherheit und vielen erzählerischen und inszenatorischen Tricks rast Game of Thrones auf eine ganz und gar epische Schlacht zu. Die wird sich wohl auf die alles entscheidende Frage stützen, ob der Nachtkönig überhaupt aufgehalten werden kann – und wenn ja, wer ihm gegenübertritt. Neben den vielen Tatsachen, die Game of Thrones uns häppchenweise präsentiert, ranken sich seit Ende der Buchvorlage (und auch davor schon) etliche Fantheorien um den Ausgang der Fantasysaga. Eine davon besagt etwa, dass Bran Stark höchstpersönlich der Nachtkönig ist, zu dem er in einer seiner Zeit- und Raumüberwindenden Visionen geworden sein soll. Andere Theorien sehen Jon Schnee und Daenerys Targaryen als Paar, das sich schlussendlich gegeneinander entscheiden muss, um dem Bösen hinter der Mauer ein Ende zu setzen – Azor Ahai, der Lichtbringer, muss schließlich vor dem Ende ein großes Opfer bringen.  Auch darum, wie genau Kleinfinger den Eisernen Thron an sich reißen will drehen sich Theorien und Gerüchte – dass er Arya Stark und ihre Schwester Sansa gegeneinander ausspielt, ist seit der letzten Folge glasklar. Wann genau er ins Geschehen rund um den Krieg zwischen Cersei und Daenerys eintritt, ist noch nicht abzusehen – ganz sicher hat er aber noch seinen Part zu spielen. Neben so vielen Mutmaßungen gibt es auch einige handfeste Spekulationen: Sicher werden wir schon diese Staffel eine Ahnung davon bekommen, wie brutal der Angriff der Untoten auf die Menschen von Westeros niedergehen wird. Was Daenerys’ Kinder anrichten können, haben sie feuerspeiend und eindrucksvoll bereits bewiesen. So oder so: Game of Thrones bleibt hochkarätige Serienunterhaltung auf Kinoniveau und präsentiert sich seit seinem Start elektrisierend, unkonventionell und mit viel Suchtpotenzial.

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