ACHTUNG: SPOILER-ALARM! Die vierte Folge der neuen Staffel von Game of Thrones ist nicht nur die kürzeste Episode aller bisherigen Staffeln, sondern wartet auch mit einem außergewöhnlichen Rekord auf und beeindruckt nach den gemächlich dahinplätschernden Szenen der ersten beiden Drittel mit einem herausragenden, nervenzerfetzenden Showdown.

Kriegsbeute“ leitet bereits die Halbzeit der neuen Staffel ein und bringt eine neue Lawine von Ereignissen ins Rollen. Dazu gehören nicht nur eine geschichtsträchtige Rückkehr und die Bloßstellung einer drahtziehenden Figur, sondern auch das Anbahnen zärtlicher Gefühle und der Stolz einer kämpferischen Königin.

Der Plünderungszug in der Weite

Die neue Folge beginnt mit einem Gespräch: Heerführer Jaime Lennister (Nikolaj Coster-Waldau), dem nur eine Episode zuvor die Entmachtung der Tyrells und die Plünderung des fruchtbarsten Königsland aller Sieben gelang, und Ser Bronn von Schwarzwasser (Jerome Flynn) unterhalten sich über Jaimes Erfolg. Dabei stichelt Bronn gegen Jaime und fragt ihn, ob Olenna Tyrell, die Dornenkönigin, ihn gestochen hat. Jaime (und der aufmerksame Zuschauer natürlich auch) weiß genau, was Olenna ihm erzählt hat: Sie hat seinen Sohn Joffrey ermordet, und zwar kaltblütig und ohne Reue. Immerhin plündert er jetzt ihre Lande, ein befriedigender Racheakt: die Lennisters nehmen alle Vorräte und alles Gold aus Rosengarten mit, um der Eisernen Bank die Schulden zurückzuzahlen, die die Krone unter König Roberts und der Herrschaft seiner Nachkommen angehäuft hat. Dabei verhandelt Cersei (Lena Headey) mit dem Boten der Bank wie einst ihr Vater, der schon seit dem Finale der vierten Staffel nicht mehr unter uns weilt. Lieber ist uns ohnehin die Königin, die ihrem eigenen Vater gleicht, als dem von Daenerys Targaryen – in letzter Zeit machte Cersei immer mehr Anstalten, ebenso wahnsinnig zu werden, wie der Irre König während seiner Regentschaft.

Chaos ist eine Leiter

Während im Süden von Westeros geplündert, regiert und strategisch manövriert wird, spinnt auch Petyr „Kleinfinger“ Baelish (Aidan Gillen) seine Fäden – jedoch im hohen Norden, in Winterfell, wo er es nach fehlgeschlagenen Verbündungsversuchen bei Sansa (Sophie Turner) und Jon Schnee (Kit Harington) beim jüngst angekommenen Stark-Sprössling Bran (Isaac Hempstead-Wright) versucht. Der ist aber erstens kein Stark mehr und zweitens absolut über Kleinfingers Machenschaften im Bilde. Das beweist sein Satz: „Chaos ist eine Leiter“, den Kleinfinger Varys (Conleth Hill) gegenüber in Staffel 1 fallen ließ, wo er überzeugt davon war, wenn er genug Chaos stiften würde, könnte er selbst bis auf den Eisernen Thron kommen. Durch dieses Wissen wird Bran natürlich zu einer Bedrohung für Kleinfinger, der bisher sehr gekonnt all seine Gegner vorsätzlich ausschaltete oder mundtot machte. Aber Bran ist der dreiäugige Rabe, wie er nur zu oft feststellt, und lässt sich weder einschüchtern, noch dazu herab seine Schwester Sansa vor Kleinfinger zu warnen.

Stattdessen zeigt er, wie wenig Mensch er noch ist: Meera Reet (Ellie Kendrick) will nach Hause zurückkehren und erhofft sich Abschiedsworte von dem Jungen, den sie hinter die Mauer und zurückgebracht hat, und für den ihr Bruder und Hodor gestorben sind. Doch Bran hat nicht viel übrig für das Mädchen, ein kleines „Danke“ scheint ausreichend – Bran wird mehr und mehr zum Dreiäugigen Raben und es kann nicht mehr lange dauern, bis auch er, eingewurzelt in einen Baum, nicht mehr imstande sein wird, in die reale Welt zu blicken, sondern nur noch in die Zeit nach vorne, zurück oder in die Köpfe anderer.

Der Norden wird erinnert

Nach diesem etwas unangenehmen Moment kommt es zu einer sehr erfreulichen (und langersehnten!) Rückkehr: In einer berührenden Szene erblickt Arya Stark (Maisie Williams) ihre Heimat Winterfell und macht sich prompt auf zum Tor. Sie trickst die Wachen aus und wird von Lady Sansa in den Katakomben der Festung aufgefunden. Die beiden Schwestern fallen sich in die Arme und so sind nun alle verbliebenen Stark-Kinder auf Winterfell vereint: Einzig Bastardsohn (beziehungsweise: rechtmäßiger Neffe!) Jon Schnee befindet sich noch in Drachenstein. Er kehrt aber hoffentlich bald zurück und sieht, wie erwachsen, schlagfertig und stark seine kleine Schwester Arya geworden ist, der er am Anfang der Serie ihr erstes Schwert vermacht hat: Nadel.

Statt Jon ist es nun Bran, der Arya eine Waffe schenkt, nämlich einen Dolch aus Valyrischem Stahl. Ironischerweise hat er ihn von Kleinfinger bekommen, der ihn damals damit ermorden lassen wollte, als Bran unerwartet nach seinem Sturz aus dem Turm wieder aufgewacht war und somit den Inzest von Königin Cersei und Ser Jaime preisgeben hätte können – was Kleinfingers Pläne zu nichte gemacht hätte.

Nun erhält jedenfalls Arya den Dolch aus Drachenglas und beweist gleich, was für eine außergewöhnliche Frau sie geworden ist: Brienne von Tarth (Gwendoline Christie), die mit ihrem Knappen Pod trainiert, lässt sich von Arya zu einer Schwertstunde überreden. Dabei muss die loyale Kriegerin nicht nur erkennen, dass Arya eine geradezu unmenschliche Schnelligkeit und Wendigkeit an den Tag legt, sondern auch noch mit gut bedachten Finten ihre Gegnerin schlägt. Sansa beobachtet das Treiben ihrer Schwester von einer Balustrade aus und muss genauso feststellen, dass Arya zu einer bemerkenswerten Kämpferin herangewachsen ist.

Drachenglas

Währenddessen erleben Jon Schnee (Kit Harington) und Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) einen magischen Moment in der Höhle aus Drachenglas unter Drachenstein: Jon ist dort, neben dem dringend benötigten Glas, auf Zeichnungen der Kinder des Waldes gestoßen. Die waren ja, wie wir uns erinnern, für die Erschaffung des Nachtkönigs verantwortlich, sind jedoch schlussendlich an der Seite der Ersten Menschen gegen ihn und seine Weißen Wanderer in den Krieg gezogen. Jon zeigt Daenerys die Malereien der Schlacht und beeindruckt sie mit seinem Talent, völlig bescheiden über die wichtigsten Fragen und dringendsten Anliegen zu sprechen. Er will, dass die beiden sich verbünden, um diesem einen großen Feind gemeinsam gegenüberzutreten.

Daraufhin sagt Daenerys Targaryen, die sture, mächtige und starke Drachenmutter und Sturmtochter, dass sie für Jon kämpfen wird, dass sie ihm seine Armeen stellt und mit ihm gegen den Nachtkönig in den Krieg zieht. Wenn er das Knie beugt.

Jon kann es nicht bejahen, denn sein Volk würde keine Herrscherin aus dem Süden dulden. Doch Daenerys beharrt darauf, dass sein Volk ihn um seinetwillen gewählt hat. Und wenn er ihr folgen würde, würde das auch sein Volk tun. Er dürfe nur nicht zu stolz sein, um sein Volk zu retten.

 

Das Temperament eines Drachen

Eine Schrecksekunde erleben wir, als Daenerys und Jon aus der Höhle zurückkehren und Tyrion (Peter Dinklage) seiner Königin die Eroberung Casterlysteins mitteilt und den damit verbundenen Verlust der Weite und Rosengartens – mitsamt allen Vorräten und dem kompletten Vermögen des reichsten verbliebenen Hauses in Westeros. Daenerys ist wütend auf Tyrion und will Königsmund mit ihren Drachen angreifen, um Cersei zu beweisen, dass sie immer noch kampffähig ist, auch wenn sie nun Dorne, die Tyrells und die Eiserne Flotte verloren hat.

Doch dann besinnt sie sich auf Jon Schnee und fragt ihn nach dessen Meinung. Und Jon wäre nicht Jon, wenn er nicht der gnadenvolle, gerechte und ehrliche Nordmann wäre, der er ist. Er spricht Daenerys aus, eine große Regentin und Eroberin zu sein, doch sie wäre wie alle anderen Herrscher in Westeros, würde sie Städte wie Königsmund einfach mit den außergewöhnlichen Geschöpfen, die sie nach Westeros brachte, dem Erdboden gleichmachen. Das bringt Daenerys dazu, ihre Pläne zu überdenken – und einen neuen Plan zu schmieden.

Ein Krake und ein Wolf

Während Jon im Süden nichts von der Ankunft seiner Geschwister Bran und Arya in Winterfell mitbekommen hat, so trifft er trotzdem einen alten Bekannten wieder: Theon Graufreud (Alfie Allen) entsteigt schuldbewusst und ängstlich einem Beiboot der Eisernen Flotte und wird von seinem ehemaligen Ziehbruder am Kragen gepackt. Jon tötet Theon nur deshalb nicht, weil er für Sansa da war, als sie es am bittersten nötig hatte. Dennoch ist nichts unvergessen für einen Mann aus dem Norden: Wie wir uns erinnern war es Theon, der in Staffel 2 in Winterfell einen Putsch durchgeführt hatte und die beiden (vermeintlichen) Erben auf einem Scheiterhaufen verbrennen ließ. Nach dem kurzen, hitzigen Intermezzo zwischen Jon und Theon, liegt es an Theon zu fragen, ob er zur Königin vorgelassen werden könnte. Die ist aber schon gar nicht mehr in Drachenstein – und wir haben eine ganz leise Ahnung, wohin sie gegangen sein könnte.

Drachenfeuer

Jaime Lennister und seine Armee befinden sich mit dem Plünderzug auf dem Rückweg nach Königsmund. Doch es dauert nicht lange, bis Jaime erkennen muss, dass seine glorreiche Rückkehr in die Hauptstadt unter keinem guten Stern steht: Daenerys Targaryen hat ihre Dothraki geschickt, um ihn und seine Vasallen aufzuhalten – und die Vorräte, die Cersei so bitter für den Krieg gegen die Sturmtochter braucht, zu vernichten. Die Dothraki greifen die gut aufgestellten Reihen des Löwen an, doch die Männer haben wenig Chance gegen die Wildheit, den Mut und die Unerschrockenheit der Pferdeherren von Essos.

Und dann kommt es zu einem der größten Highlights aller Game-of-Thrones-Staffeln, und wahrscheinlich zu einem der besten Gänsehautmomente der Seriengeschichte: Daenerys Targaryen gleitet auf ihrem Drogon an die Linien der Feinde heran und spricht, von einer epischen, orchestralen Atmosphäre untermalt, das eine Wort, das schon für andere vorher sehr verheerend war: Dracarys.

Zum ersten Mal sehen wir nun, was ein Drache auf dem Schlachtfeld wirklich anzurichten vermag: Die Pfeile der Bogenschützen durchdringen den Panzer nicht, sein Feuer ist zielgenau und er folgt seiner Herrin aufs Wort: Drogon ist eine der gefährlichsten Waffen, die es überhaupt gibt, und als Kampfmaschine ist er unschlagbar. Hunderte Soldaten der Lennisters fallen in seinem todbringenden Feueratem und selbst Jaime sieht schreckerfüllt, wie seine Krieger einer nach dem anderen zu Asche zerfallen. Den Dothraki sind sie nicht gewachsen und dem vernichtenden Feueratem eines ausgewachsenen Drachen auch nicht. Doch Jaime hat noch ein letztes Ass im Ärmel: Qyburns Drachentöter, die überdimensionale Armbrust, das Geschoss, das selbst die Knochen Balons des Schrecklichen durchdringen konnte. Er schickt Bronn zum Wagen, denn er selbst kann einhändig keinen Bolzen abschießen und wird von Bronn und der Maschine gerettet: Ein Dothraki war wutentbrannt auf Jaime losgegangen – dabei musste der ein oder andere Zuschauer bestimmt schlucken, gehört Jaime doch zu jenen Lennisters, die wir mögen. Bronn hat rechtzeitig den Bolzen geschossen und den Dothraki mit enormer Wucht an einem Wagen gegenüber regelrecht aufgespießt.

Feuriger Showdown

Im Finale dieser kurzen Episode folgt dann eine Schrecksekunde der Nächsten. Bronn ist kurz davor, Drogon vom Himmel zu schießen, Jaime steht im Visier des Drachen und Tyrion ist gekommen, um die Schlacht aus der Ferne mitzuverfolgen. Nachdem die Spannungsschraube fast schmerzhaft zugedreht wird, kommt der Moment, vor dem sich alle gefürchtet haben: Bronn trifft Drogon in die Seite, der Drache trudelt und Daenerys zeigt das erste Mal Todesangst, als sie im Sturzflug auf das Schlachtfeld zurast. Drogon zerstört mit seinem Flammenatem das Gebilde, das ihn beschossen hat, Bronn kann sich durch einen waghalsigen Sprung retten. Jaime beobachtet das Geschehen, genauso wie Tyrion, den er (bisher) nicht erblickt hat. Drogon kommt auf dem Boden auf, lebt noch und ist nicht halb so tot, wie wir erwartet haben: Daenerys versucht verzweifelt den Bolzen aus ihrem Kind zu ziehen und kümmert sich nicht um das Geschehen ringsum (wobei da außer Asche und ein paar vereinzelten zappelnden Soldaten nicht mehr viel zu sehen ist) – doch dann fast Jaime einen schicksalsträchtigen Entschluss: Er greift sich einen Speer und läuft auf die unbewachte Daenerys zu, etwas, das sein Bruder Tyrion mit den Worten „Tu es nicht du Idiot“, kommentiert, weil er weiß, wie Drogon auf Bedrohungen reagiert. Just in dem Moment, als wir schon eine unserer Lieblingsfiguren – Daenerys oder Jaime – sterben sehen, lässt Drogon sein Feuer auf Jaime los, der jedoch (mutmaßlich) von Ser Bronn mit einem unsanften Schubs ins Wasser gerettet wird. Das Feuer hat ihn nicht verbrannt, doch was mit Daenerys, Drogon und Jaime ist, können wir nur erahnen (oder erhoffen): Ser Jaime versinkt in den Fluten und einen letzten Blick auf die Drachenmutter und ihr ausgewachsenes Kind gibt es nicht.

Die Schlacht der Schlachten

Mit diesem Vorgeschmack auf die Feuergewalt eines Drachen, Daenerys‘ Mut und die blinde Vernarrtheit der Lennisters in Mannzahl und Goldstücke entlässt uns Folge 4 in die Unwissenheit: Lebt Jaime noch? Lebt Drogon noch? Was wird Daenerys jetzt tun? Wird zwischen ihr und Jon jemals was laufen? Wird sie mit den Drachen zur Mauer fliegen? Und, die wichtigste Frage: Was hat Sam diese Folge eigentlich gemacht?

Für die Macher gilt es nun, den Zuschauern diese Fragen zu beantworten und die Geschichte weiterspinnen. Dabei wird es wohl auch auf eine monumentale Schlacht hinauslaufen, wie wir sie so noch nie gesehen haben. Schon das Finale von Folge 4 war bahnbrechend: 73 brennende Menschen waren zu sehen, als Drogon auf die feindlichen Reihen losging. Und 20 Stuntmen wurden für diese Szenen gleichzeitig in Brand gesteckt – bisher lag die Rekordzahl bei 18 in Brand gesteckten Stuntmännern, für den Monumentalfilm Braveheart.

Rowley Irlam (Harry Potter, Guardians of the Galaxy) zeigt sich für die Stunts bei Game of Thrones verantwortlich und wurde bereits zweifach mit dem Emmy ausgezeichnet. Simon Rosenthal, seines Zeichens leitender Executive der Special-Effects-Abteilung bei Game of Thrones, war wieder einmal für die VFX-Effekte in der Schlachtsequenz verantwortlich. Zuletzt wurde er für die „Schlacht der Bastarde (S6/E9) international hochgelobt und gilt als einer der führenden kreativen Köpfe im Bereich der Spezialeffekte bei Langzeitserien.

Mit solch kreativen und talentierten Serienmachern können D.B. Weiss und David Bernioff, die Showrunner von Game of Thrones, eigentlich nur Großartiges produzieren. Auch wenn Folge 4 am Anfang etwas dahingeplätschert ist, so haben sie wieder im richtigen Moment die Spannung hochgedreht und uns atemlos und völlig verdattert zurückgelassen. Jetzt heißt es wieder: Eine Woche warten und Daumen drücken, dass nicht schon wieder eine Hauptfigur das Zeitliche gesegnet hat.

 

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