ACHTUNG: SPOILER-ALARM! Folge 3 der aktuellen Staffel von Game of Thrones beginnt nicht nur mit dem wohl am längsten erwarteten Treffen der Seriengeschichte, sondern donnert mit kaum gedrosseltem Tempo auf die epischste Staffel seit Beginn der Saga zu.

Mittlerweile können wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass diese Staffel mit nur sieben, statt der üblichen zehn Episoden aufwartet. Mehr könnten wir auch nicht ertragen, wenn wir ehrlich sind. Nicht nur, dass „Die Gerechtigkeit der Königin“ nervenaufreibende Wendungen auffährt, auch die Ansprachen und Gespräche werden immer unkalkulierbarer – und der Spannungsbogen wird seit der ersten Minute von Staffel 7 kontinuierlich angezogen. Da bleibt uns Zuschauern kaum Zeit zum Verschnaufen, denn nach jeder ruhigen Sekunde holen die Showrunner aus und präsentieren den nächsten Schocker.

Feuer und Eis

Dabei fängt Folge 3 mit einem Ereignis an, auf das Fans der Serie (bewusst oder unbewusst) schon seit einigen Staffeln hinfiebern: Jon Schnee (Kit Harington) legt mit seinem neuen treuen Gefährten und Berater, Ser Davos Seewart (Liam Cunningham) in der Bucht von Drachenstein an – und wird von Daenerys‘ rechter Hand, Tyrion Lennister (Peter Dinklage), ihrer loyalsten Beraterin Missandei (Nathalie Emmanuel, Fast & Furious 8) und einigen zähnefletschenden Dothraki empfangen. Die Begrüßung und das anschließende Gespräch zwischen Tyrion und Jon ist herrlich – schließlich kennen die beiden einander seit der ersten Staffel, in der sie gemeinsam zur Mauer gereist sind. Auch wenn ihr Schicksal (oder auch ihr Können) sie an völlig unterschiedliche Orte der Welt geführt hat, wie sie beide schmunzelnd feststellen, so sind sie sich immer noch sympathisch.

Als Jon und Ser Davos in die Burg geführt werden – und dabei gilt es anzumerken, dass Jon Schnee auf eine höchst belustigende Weise absolut gar nicht in den Süden dieser Welt zu passen scheint – kommt es zum ersten epischen Moment der Folge: Daenerys‘ aufmüpfigster Sohn, der Drache Drogon, gleitet flügelschlagend und mit einem Schrei über die ankommende Prozession hinweg – Jon Schnee und Ser Davos trauen ihren Augen nicht und auch Tyrion muss zugeben, dass man sich an den Anblick der Geschöpfe kaum gewöhnt. Jons Begegnung mit Königin Daenerys (Emilia Clarke) geschieht dann Knall auf Fall. Dabei bleiben die Figuren ihren Charakteren absolut treu. Eine amüsante Szene bietet die Vorstellung der beiden jungen Herrscher: Daenerys wird in mehreren Sätzen und orchestral untermalt von Missandei vorgestellt, während Ser Davos Jon Schnee als Jon Schnee vorstellt. Dabei schwingt der liebenswürdige Ritter jedoch eine sehr überzeugende Rede darüber, warum Jon von den Nordmännern zum König und von den Brüdern der Nachtwache zum Kommandanten gewählt wurde. Daenerys indes entschuldigt sich im hitzigen Wortgefecht mit Jon für die Verbrechen ihres Vaters – und beweist wieder einmal, wie geeignet sie zum Herrschen ist.

Obwohl sie zu keiner Übereinkunft kommen und Jon Daenerys nicht einmal von der Existenz der Weißen Wanderer und des Nachtkönigs überzeugen kann, gelingt es dem gewieften Tyrion, eine Bande zwischen Jon und der Drachenmutter herzustellen: Er bringt Daenerys dazu, Jon den Abbau des Drachenglases aus Drachenstein zu erlauben und rät ihr dazu, den neuen Verbündeten nicht zu vergraulen; auch wenn er der Königin (bis jetzt) noch nicht die Treue geschworen hat, so ist Jon trotzdem ein fähiger Stratege, Kämpfer und ein Mann, der zu seinem Wort steht. So treffen sich die Sturmtochter und der Bastard von Winterfell an der Palisade der Burg und überblicken Daenerys‘ neues Reich. Das intime Gespräch der beiden ist einerseits amüsant, andererseits von geschichtsträchtigem Ausmaß: Nicht nur, dass Daenerys mit sehr großer Wahrscheinlichkeit gerade ihrem Neffen gegenübersteht, von dessen Existenz sie nichts weiß („Ich bin die letzte Targaryen“ ist in dem Fall eine ironische Unwahrheit), auch die Legende von Azor Ahai scheint greifbarer zu sein, als je zuvor: Wer von beiden ist nun der große Lichtbringer? Und wann werden sie sich endlich zusammentun, um der größten Bedrohung der Menschheitsgeschichte entgegenzutreten, die den Roten Priestern nach nur durch ein Bündnis von Feuer und Eis aufgehalten werden kann?

Schatten der Vergangenheit und Blicke in die Zukunft

Apropos Rote Priester: Während Jon auf Drachenstein in Empfang genommen wird, kommt es zwischen Melisandre (Carice van Houten) und Varys zu einem hitzigen Wortgefecht. Kein Wunder, verdankt Varys seine Existenz als Eunuch doch einem Zauberer und ist daher diesen eher feindlich gesinnt. Melisandre beschwichtigt Varys jedoch mit der Information, dass sie nun nach Volantis reist. Gleichzeitig jedoch kündigt sie bereits ihre Rückkehr an. Der Grund ist perfide: Die Priesterin sah nämlich ihren Tod auf diesem Kontinent voraus, ebenso wie den von Varys. Doch die Spinne, die ihr Leben lang jede Bedrohung aus dem Weg geräumt hat oder räumen ließ, will um keinen Preis der Welt sein Leben lassen. Wohl auch nicht für seine auserkorene Wahlregentin Daenerys Targaryen.

Der Drachenmutter teilt Varys im Anschluss an das hitzige Gespräch mit, wie es um ihre Flotte steht, die von Euron Graufreud (Pilou Asbaek, Ghost in the Shell) geplündert und zerstört wurde.

Ein Verlobungsgeschenk

Der ist mittlerweile auf dem Weg zu seiner Fast-Verlobten, Königin Cersei (Lena Headey), die auf dem Eisernen Thron sitzt. Sie empfängt Euron und seine Verlobungsgeschenke im Thronsaal, nachdem er diese quer durch Königsmund geschleift hat: Es handelt sich um Ellaria Sand (Indira Varma), ihre Tochter, die letzte Sandschlange Tyene (Rosabell Laurenti Sellers) und Eurons Nichte, die besiegte Rebellin Asha Graufreud (Gemma Whelan) werden wie einst die Königin selbst in einer demütigenden Parade durch die Stadt getrieben, um dann wie frisches Fleisch auf dem Metzgerstand vorgeführt zu werden.

Cersei nimmt Eurons Gesuch um ihre Hand an und verspricht, nach dem gewonnen Krieg seine Frau zu werden. Das reibt Euron Cerseis Geliebtem, Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) natürlich sofort unter die Nase und gibt damit einen Ausblick auf einen möglichen (blutigen?) Konflikt zwischen den beiden Männern. Während Euron mit Asha davonzieht, um sich um weitere Kriegsgeschäfte im Namen der Königin zu kümmern, widmet die sich höchstpersönlich ihrem Verlobungsgeschenk.

Rache ist giftig

Im Kerker zeigt Cersei mal wieder ihr wahres Gesicht und bestätigt auf ein Neues die Vermutung vieler Fans, dass sie immer mehr dem Irren König gleicht. In fieser Cersei-Manier teilt sie der geknebelten und an die Wand geketteten Ellaria Sand mit, wie genau die Rache für die Ermordung von Myrcella aussieht: Cersei, der man die Liebe einer Mutter für ihr Kind nicht absprechen kann, küsst Ellarias Tochter mit von Gift benetzten Lippen und wird sie somit genauso töten, wie Ellaria einst Myrcella umbrachte. Doch im Gegenzug zu Cersei wird Ellaria den Abgang ihrer Tochter mitansehen müssen. Ellaria soll mit der verwesenden Leiche der Sandschlange den Rest ihres Lebens in den Eingeweiden des Roten Bergfrieds verbringen: Einen grausameren Racheakt gibt es wohl kaum.

Herrscher, Seher, Feiglinge

Danach kümmert sich Cersei um Staatsgeschäfte und besänftigt den Boten der Eisernen Bank von Braavos, Tycho Nestoris (Mark Gatiss, Sherlock): Mittlerweile tritt sie wie ihr Vater auf und kündigt mit „Ein Lennister begleicht stets seine Schulden“ an, das Problem mit dem immensen Kredit von den mächtigsten Geldgebern dieser Welt aus selbiger zu schaffen. Gleichzeitig betont sie, dass Daenerys mit der Abschaffung der Sklaverei in Essos auch die Geschäfte der Eisernen Bank empfindlich gestört hatte.

In der Zwischenzeit wird Theon Graufreud (Alfie Allen) von ihn mit Verachtung strafenden Eiseninslern aus dem Meer gefischt und Sansa Stark (Sophie Turner) beweist sich im Norden als würdige Herrin von Winterfell: Nicht nur, dass sie die Kornkammern des Herrschaftshauses füllt und taktisch kluge Entscheidungen trifft, sie würgt auch Kleinfingers (Aidan Gillen) Bemühen und zweideutige Ratschläge ab. Und dann kommt es zu einem Wiedersehen, das nicht nur tief berührend ist, sondern auch wirklich überrascht. Sansa wird ans Tor gerufen, und wir erwarten mit fast hundert prozentiger Sicherheit ihre Schwester Arya. Stattdessen ist es Bran (Isaac Hempstead-Wright), der von einer weinenden Sansa in den Arm genommen wird. Er erklärt ihr, dass er niemals in Winterfell regieren könne, weil er der Dreiäugige Rabe ist, und spricht dann auch noch ziemlich unsensibel von ihrer grauenvollen Hochzeitsnacht. Dabei beschleicht uns das ungute Gefühl, im Handlungsstrang rund um Bran etwas übersehen zu haben. Ja, er hat Visionen, ja er ist der Erbe des Dreiäugigen Raben und ja, er kann mit Sicherheit den Lauf der Welt ändern. Aber irgendetwas an Bran scheint mittlerweile ein wenig unheimlich und es bleibt nur zu hoffen, dass er nicht irgendwann einen Fehler begeht, der unumkehrbar ist.

Ein Fehler ist es wohl auch, wenn man Kleinfinger unterschätzt, der auch in dieser Folge wieder in einer Großaufnahme sein undurchschaubares schiefes Lächeln präsentiert. So gilt es nur zu hoffen, dass Sansa nicht zu seiner Marionette wird, denn sie ist mittlerweile zu einer mächtigen Spielfigur auf dem Schachbrett der Throne geworden.

Die Zitadelle

Einen kurzen Exkurs in die Zitadelle nach Altsass gibt es auch in dieser Folge, wo Sam (John Bradley) Jorah Mormont (Iain Glen) von den Grauschuppen geheilt hat und dafür vom Erzmaester (immer wieder genial: Jim Broadbent) einerseits gemaßregelt und andererseits gelobt wird.

Die Sequenzen rund um den belesenen und klugen Bruder der Nachtwache zeigen seine immense Charakterentwicklung. Mittlerweile gehen Fans davon aus, dass George R. R. Martin sich selbst in die Buchreihe (und damit Serie) geschrieben hat, nämlich als Samwell Tarly. Das hat mit Sams Wunsch zu tun, die Annalen von Westeros nach König Roberts Tod „irgendwas mit Eis und Feuer“ zu nennen, und außerdem damit, dass er sich langsam aber sicher zu einem genialen Trumpf entwickelt, der nicht nur tödliche Krankheiten heilen kann, sondern mit Sicherheit bald etwas aufdecken wird, das entweder das Schicksal der Menschheit besiegeln oder rechtzeitig ändern kann. Was wohl in den vergammelten Schriftrollen steht, die Sam nun als (milde) Strafe für sein Übergehen der Regeln der Zitadelle abschreiben soll?

Hört mich brüllen!

Danach geht es Schlag auf Schlag auf das Episodenfinale zu, das einmal mehr genial inszeniert und atemberaubend bebildert ist: In einer Parallelmontage erzählt Tyrion in Drachenstein von den Plänen, mit den Unbefleckten Casterlystein einzunehmen und dabei ein von ihm vor Jahren erbautes Schlupfloch in der Kanalisation zu nutzen. Grauer Wurm (Jacob Anderson) und seinen agilen Kriegern gelingt es auch, Casterlystein einzunehmen, doch die Festung scheint kaum besetzt zu sein. Das liegt daran, dass Cersei ihren Bruder Jaime mit der Lennister-Armee nach Rosengarten geschickt hat. Während wir zwar aufatmen können, weil Grauer Wurm noch lebt und in Casterlystein (vorerst) in Sicherheit ist, müssen wir aber erschrocken feststellen, dass Daenerys doch nicht einfach (wie wir leichtgläubig angenommen haben) mit Drachen, Dothraki und Unbefleckten in Westeros ankommt und die Lennisters zermalmt. Die Flotte der Drachenmutter brennt vor Casterlystein, denn wieder ist Euron Graufreud gekommen und festigt die Annahme, dass er der beste Kapitän von Westeros ist. Und Jaime, der gerade wieder unsere Sympathie für ihn verliert, weil er seiner komplett wahnsinnig gewordenen Schwester immer noch erliegt, ist gerade dabei, Daenerys‘ letzte Verbündete in Westeros zu töten: Olenna Tyrell, die Dornenkönigin, die von ihrem Fenster aus zusieht, wie die Lennister-Armee in ihr Land marschiert.

Jaime, Dornen stechen!

Ihr Abgang scheint gewiss, denn Olenna (Diana Rigg) sitzt schon erwartungsvoll in ihrem Zimmer. Immer noch in Trauerschwarz und immer noch taff wie eh und je präsentiert sich die Dornenkönigin einmal mehr als eine der klügsten und gelungensten Figuren in Game of Thrones. Im Internet gehen die Wogen hoch, zehntausende Memes und Tweets ehren Olenna in ihren letzten Minuten. Nicht nur, dass sie Jaime Lennister, der sie auch einfach mit dem Schwert erschlagen könnte, einen gutgemeinten Ratschlag bezüglich seiner manischen Schwester/Liebhaberin gibt, nein, sie trinkt auch noch den Rotwein in einem Zug aus, den Jaime höflich mit schmerzlosen Gift aufgepeppt hat. Und dann bekommt Olenna einen derart würdigen und augenzwinkernden letzten Auftritt, dass uns Hören und Sehen vergeht: In ihrer gewohnt ruhigen, aber auch streng maßregelnden Art teilt sie Jaime Lennister mit, dass sie sehr froh ist, nicht wie sein Schwein von Sohn sterben zu müssen. Joffreys würgender, gurgelnder und grauenvoll anzusehender Abgang bleibt ihr erspart. Mit einer Großaufnahme von Jaimes Gesicht sehen wir (mit ein wenig Genugtuung), dass er realisiert, was dieses Gerede bedeutet: Olenna will, dass Cersei weiß, dass sie Joffrey auf dem Gewissen hat. Olenna Tyrell, Königin der Dornen und Meisterin der epischen Abgänge. Touché für diesen Schlag in Cerseis Gesicht.

Die Gerechtigkeit der Königinnen

Folge 3 überzeugt mit vielen äußerst gelungenen Dialogen zwischen wichtigen Figuren, wobei Daenerys‘ und Jons Treffen natürlich ein fast kolossales Ausmaß hat. Auch die kleinen Details, die hier eingepflanzt wurden, werden von großer Wichtigkeit sein, wenn die Zusammenhänge dann klar sind: Brans Rückkehr, die Rettung Theons, Melisandres Ankündigung, Varys‘ Reaktion.

Cersei mausert sich immer mehr zur absoluten Bedrohung, während in dieser Folge nichts davon gezeigt wurde, was gerade jenseits der Mauer passiert (was ein schlechtes Zeichen sein kann). Jon kann Drachenglas abbauen und sich damit Waffen schaffen, doch seine Allianz mit der Drachenmutter ist noch sehr, sehr fragil. Die verliert alle Verbündeten und hält mit Grauer Wurm und seinen Unbefleckten einen schwachen Posten auf dem Lennister-Hort.

Folge 3 enthält (wie seit Staffel 5 die meisten Episoden) jede Menge Zeitsprünge, die oftmals etwas störrisch in den Handlungsfluss integriert sind. Dem Zuschauer ist oft nicht klar, in welchen Abständen gewisse Szenen passieren, auch deswegen, weil das Wetter kein Indiz für Jahre oder Monate mehr ist. Manchmal wird der Zuschauer deshalb etwas überrumpelt oder zu schnell vor vollendete Tatsachen gestellt. Dafür lassen sich die Macher aber in der dritten Folge für zwei tolle Szenen viel Zeit: Minutiös wird das Gespräch zwischen Olenna und Jaime aufgebaut und gibt ihr die richtige Zeit, einen grandiosen Badass-Moment zu erleben und den besten Abgang der Game-of-Thrones-Geschichte hinzulegen. Und Cerseis Racheakt an Ellaria Sand wird ebenfalls sehr viel Zeit geschenkt, was auch nötig ist: Nur so wird das Ausmaß von Cerseis Wahnsinns und ihr Kalkül klar. Cersei ist eine Frau, die Hass und Rache so sehr auslebt, wie Jon Schnee Gerechtigkeit und Gnade. Wir sind gespannt, was die Löwin als nächstes plant und können nur hoffen, dass ihr treuer Berater Qyburn nicht noch mehr Asse aus dem Ärmel schüttelt, als er ohnehin schon tut.

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