ACHTUNG: SPOILER-ALARM! Die zweite Folge der 7. Staffel der Erfolgsserie behält das Tempo bei, das die erste Folge an den Tag gelegt hat: Rasant und nervenaufreibend werden neue Allianzen geschmiedet, Intrigen gesponnen, alte Bekannte getroffen und neue Pläne gemacht. Ein Familientreffen scheint immer näher zu rücken und die Königin der Drachen bekommt wichtige Ratschläge. Und das Finale von Folge 2 ist dem eines Staffelendes würdig – wenn das so weitergeht, brauchen wir mehr als sieben Tage Pause zwischen den Episoden!

Die Sturmtochter

Folge 2 beginnt mit einer zehnminütigen Szene auf Drachenstein, wo Daenerys (Emilia Clarke) und ihre kriegerische Gefolgschaft sich niedergelassen haben. Und wo sie sich nicht zuhause fühlt, wie sie sagt. Nach einem nervenaufreibenden Schlagabtausch mit Varys (Conleth Hill) bleibt sie ihm gnädig, trotz seines Verrates an den vorherigen Königen und obwohl er es war, der ihre Ermordung in die Wege geleitet hatte als sie noch eine Dothraki-Braut in Essos war. Daenerys zeigt sich somit (wieder einmal) als eiserne und des Thrones würdige Regentin, die zur richtigen Zeit Gnade für Recht ergehen lässt (anders als der vorherige Herr von Drachenstein). Im Anschluss an das Gespräch trifft sie auf eine Rote Priesterin aus Asshai – die sie vielleicht noch nicht, wir aber sehr wohl kennen. Es ist Melisandre (Carice van Houten), die den weiten Weg aus dem Norden hinter sich gebracht hat, um Daenerys zu einem Bündnis mit Jon Schnee (Kit Harington) zu überreden. Sie beruft sich auf die Prophezeiung vom „Prinzen der versprochen wurde“, wobei wir nebenbei erfahren, dass es auch durchaus eine Prinzessin sein könnte. Tyrion (Peter Dinklage), stimmt als Hand der Königin einem Bündnis des Nordens mit Daenerys zu – allerdings weil er von der Ehrenhaftigkeit und der Tapferkeit Jon Schnees überzeugt ist und nicht weil es ihm der Rote Gott in den Flammen gesagt hat. Immerhin reiste er zusammen mit Jon zur Mauer, vor einer halben Ewigkeit in Staffel 1.

Der Norden erinnert sich (noch immer)

Jon Schnee hat inzwischen einen Raben aus Drachenstein erhalten und bespricht mit Sansa (Sophie Turner), wie vertrauenswürdig Tyrion Lennister ist. Danach verkündet er im vollbesetzten Sitzungssaal seine Entscheidung, mit Ser Davos (Liam Cunningham) nach Drachenstein zu reisen, um mit Königin Daenerys eine mögliche Allianz zu besprechen. Nach Widerstand aus den Reihen seiner Gefolgsmänner macht Jon seine Schwester Sansa zur Wächterin des Nordens. Er muss nach Drachenstein, denn dort findet er nicht nur mögliche Verbündete, sondern auch ein gewaltiges Drachenglas-Vorkommen. Dies muss unter allen Umständen so schnell wie möglich abgebaut und zu Waffen geschmiedet werden – Drachenglas allein vermag Weiße Wanderer und die Untoten in der Armee des Nachtkönigs zu töten. Wobei das gleißende Feuer aus drei Drachenmäulern sicherlich auch nicht zu verachten wäre.

 

Cersei intrigiert (schon wieder)

Um sich die Gefolgschaft der Lehensmänner der Tyrells zu sichern, verkündet Cersei (Lena Headey) im Thronsaal von Königsmund, dass Daenerys Targaryen wie ihr Vater, der Irre König, ein völkermordender Tyrann mit allesvernichtenden Haustieren ist. Unter den Anwesenden ist auch Samwell Tarlys Vater, der Herr von Hornburg, Randyll Tarly (James Faulkner), der sich in einem Gespräch mit Jaime Lennister (Nikolaj Coster-Waldau) nicht hundert Prozent von Cerseis Regentschaft überzeugt zeigt. Jaime will den Lehensmann der Tyrells unbedingt auf der Seite der Löwen wissen, immerhin gehört Tarly zu den größten und gefürchtetsten Schwertkämpfern seiner Zeit. Dafür ist er sich auch nicht zu schade, Sams Vater mit einem ehrenvollen Titel und großem Reichtum zu bestechen.

Cersei bekommt indes einen Einblick in die Machenschaften ihres hauseigenen Alchemisten und Meister der Flüsterer, Qyburn (Anton Lesser): Der hat eine gewaltige Armbrust aus Eisen gießen lassen und demonstriert am versteinerten Schädel des größten je gelebten Drachens, Balerion, dem Schwarzen Schrecken, die Wucht des Wurfgeschosses – es durchbohrt den Knochen mit Leichtigkeit. So weiß Cersei, dass auch Daenerys‘ Drachen nicht unsterblich sind.

Die Allianz im Süden

In der Zwischenzeit bespricht sich die Drachenmutter im Beisein ihrer engsten Berater mit den neugewonnenen Verbündeten. Die sind sich unterdessen einig und wollen Königsmund sofort angreifen. Allen voran die Dornischen unter Ellaria Sand (Indira Varma) und Olenna Tyrell (Diana Rigg), die Daenerys weniger aus Loyalität unterstützen, sondern vielmehr wegen der Chance auf Rache an Cersei, die Ellarias Geliebten auf dem Gewissen hat und Olennas Familie auslöschte. Daenerys hat jedoch (Tyrion sei Dank) ganz andere Pläne: Sie will Königsmund von den Dornischen und der Tyrell-Armee angreifen lassen, welche die anwesenden Graufreuds Asha (Gemma Whelan) und Theon (Alfie Allen) in die Schwarzwasserbucht verschiffen sollen. Ihre eigene Armee will Daenerys in Casterlystein zum ersten Schlag ausholen lassen – dort, wo es die Lennisters am meisten trifft, dem Sitz ihres Hauses, der außerdem Tyrion einst von seinem Vater verweigert wurde. Überzeugt von Daenerys‘ Kampfgeist und ihrer Intelligenz stimmen die Anwesenden zu.

Nur Olenna Tyrell, die ganz offen auf Daenerys‘ Frage nach ihren Beweggründen antwortet, will vom letzten Targaryen-Spross wissen, ob sie ein Schaf sei oder ein Drache. Denn anders als die meisten Frauen in Westeros habe sie, Olenna, vor allem einen Ratschlag in ihrem Leben stets befolgt: Höre nie auf die Männer, mit denen du dich umgibst. Und Olenna Tyrell, die Dornenkönigin, die alles verlor, was ein Mensch verlieren kann, hat all diese Männer überlebt.

Die Liebe eines Unbefleckten

Ebenfalls in Drachenstein kommt es endlich zu einer langersehnten Szene: Die Ex-Sklavin Missandei (Nathalie Emmanuel) und der Oberbefehlshaber der Unbefleckten Grauer Wurm (Jacob Anderson) gestehen sich in der Nacht vor seiner Abreise Richtung Casterlystein ihre Liebe und schlafen miteinander, was mit einem schon lange kursierenden Gerücht aufräumt: Den Befleckten wird also bei ihrer Initiation nicht alles entfernt, was einen Mann ausmacht.

Das Grauen in der Zitadelle

Nachdem er schon in der ersten Folge mit einer Ekel-Montage viel Leinwandzeit beansprucht hat, bekommt Samwell Tarly (John Bradley) auch in Folge 2 die Gelegenheit, mit einer der abstoßendsten Szenen überhaupt in die Game-of-Thrones-Geschichte einzugehen. War es letzte Woche eine Montage  zwischen Leeren von Nachttöpfen und Ausschenken von Suppe, so ist es dieses Mal die Behandlung von Jorah Mormont (Iain Glen), die empfindliche Zuschauer von der nächsten Mahlzeit abhalten könnte: Sam hat eine mögliche Behandlungsmöglichkeit für Grauschuppen gefunden und nachdem er sich als Bruder der Nachtwache zu erkennen gegeben hat, beginnt er damit, die geschwärzte und eitrige Lederhaut von Jorah abzukratzen, was dieser Rum-gestärkt, mit einem Stück Holz im Mund und nur halbherzig unterdrückten Schmerzenslauten über sich ergehen lässt. So eklig diese Szene auch ist, so genial sind die gesamten Sequenzen in der Zitadelle: Sams Ausbildung zum Maester ist eine faszinierende Entwicklung und mit der Figur des Erzmaesters, gespielt vom preisgekrönten Jim Broadbent, hat Game of Thrones einen eigensinnigen, aber sehr unterhaltsamen Charakter dazugewonnen.

 

Arya und ihre Vergangenheit

Mit einem äußerst unangenehmen Übergang von abgekratzten Grauschuppen zu einem herzhaften Biss in ihr Abendbrot geht es mit Arya Stark (Maisie Williams) weiter, die auf zwei alte Bekannten trifft: Einmal Heiße Pastete, ein einstiger Mitreisender, der ihr von Jon Schnee und Sansa auf Winterfell erzählt, was Aryas Pläne komplett durcheinanderbringt. Und zweitens Nymeria, ihre Schattenwölfin, die inzwischen mit einem Rudel durch die Wälder streift und Arya beinahe angegriffen hätte. Mit einem leisen „Das bist nicht du“ entlässt Arya ihre einstige Begleiterin und wir sind uns nicht sicher, ob sie nicht vielleicht sich selbst gemeint hat. Immerhin hat sie gerade beschlossen, Cersei Lennisters Namen noch ein wenig länger auf ihrer Todesliste zu lassen und stattdessen in den Norden zu reisen, nach Winterfell, wo die letzten lebenden Mitglieder ihrer Familie sind.

 

Das Finale auf dem Wasser

Wir haben uns natürlich schon gedacht, dass die zweite Folge einiges an Spannung drauflegen würde, aber dass das Finale derart aus dem Ruder läuft, hätte wohl keiner erwartet: Asha, Theon, die Dornischen (mit den Sandschlangen) und ihre Gefolgsmänner gleiten auf ihren Schiffen Richtung Königsmund. Während sich zwischen Asha und Ellaria ein Techtelmechtel anbahnt, gelingt es jedoch einer anderen Flotte, unbemerkt aufzuschließen: Mit einem Knall wird ein gewaltiges Gefecht eingeleitet, denn Euron Graufreud (Pilou Asbaek) und seine Männer sind nicht gekommen, um zu verhandeln. Eine blutige Schlacht beginnt, die in den grausamen Toden zweier Sandschlangen und in der Gefangenschaft Ellaria Sands gipfelt. Obwohl sie ungemein tapfer kämpft, muss sich auch Asha sich in einem Zweikampf mit ihrem Onkel geschlagen geben. Anstatt ihr zur Seite zu stehen, springt der an seine Bolton-Gefangenschaft erinnerte Theon lieber ins Wasser und schwimmt davon. Asha wird von Euron mitgenommen und während Leichen und brennende Flaggen die Schiffe zieren, treibt Theon auf dem Wasser zwischen den zerstörten Bugen dahin – seinen Onkel sieht er mit dem Graufreud-Kraken auf den Segeln davonfahren. Uns ist sofort klar wohin, immerhin hat der Kapitän der Eiseninseln nur eine Folge vorher Cersei als Verlobungsgeschenk ein ganz besonderes Mitbringsel versprochen. Das dürfte er nun wohl in der Hand haben.

Das Tempo ist nicht zu drosseln

Ein Schlagabtausch folgt dem nächsten, die Bilder sind gewaltig, die Musik mitreißend, die Figuren ambivalent und charakterstark, die Wendungen unvorhersehbar und das Tempo der Erzählung beängstigend: Lange kann es nicht mehr dauern, bis es zur ersten großen Schlacht kommt. Jetzt heißt es erstmal abwarten, was passiert, wenn Jon Schnee nach Drachenstein gelangt, wenn Daenerys von Cerseis Schlag durch Euron Graufreud erfährt und was Sansa im Norden macht, vor allem weil Petyr Baelish (Aidan Gillen) ganz offensichtlich seine eigenen Pläne verfolgt – auch wenn Jon Schnee ihm klargemacht hat, unerwünscht zu sein. Die zweite Folge war episch, brutal und sehr klar strukturiert. Bei Game of Thrones geht es Knall auf Fall, hier wird nichts dem Zufall überlassen – und den Göttern schon gar nicht.

 

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