Es scheint sie zu geben, auch wenn man es als Fan kaum glauben mag: Jene Menschen, die zwar Serien gucken, aber auf Game of Thrones verzichten können. Klingt furchtbar, ist aber so. Für all jene, die zu dieser Gruppe gehören, aber auch für solche, die zwischen den einzelnen Game-of-Thrones-Episoden andere Unterhaltung brauchen, gibt es hier ein paar richtig gute Alternativen zur besten Serie der Welt:

Westworld (Western, Sci-Fi / 2+ Staffeln)

Basierend auf dem Filmklassiker von 1973 ist auch die gleichnamige HBO-Serie eine Parabel für den industrialisierten und cyber-technologisierten Abgrund, auf den sich die moderne Gesellschaft zubewegt. Preisgekrönt, hochbudgetiert und starbesetzt gehört Westworld zu Recht zu den meistgesehenen und erfolgreichsten Serien der letzten Jahre. Und sie steht ja erst am Anfang.

Westworld ist der Name eines Freizeitparks, in dem sich die Superreichen eine Auszeit von ihrem Leben nehmen können, indem sie ihre Fantasien an extra konstruierten Androiden ausleben können.  Das Setting entspricht einem alten Western-Film und bietet Sex, Unterhaltung, Revolverduelle und sogar Morde. Dabei kann den Besuchern nichts passieren, denn die künstlichen Wesen sind dafür geschaffen worden, jeden morgen ohne Erinnerung an den vorherigen Tag aufzuwachen – und sterben können sie ja nicht, da sie gar nicht leben. Doch irgendwann hat jedes System einen Fehler, und der Fehler in Westworld liegt in der Konstruktion der Androiden. Die entwickeln nämlich langsam aber sicher ein Bewusstsein und damit auch einen gefährlichen, eigenen Willen.

Westworld beeindruckt mit opulenten Sets, einer vielschichtigen Story mit authentischen Figuren und einer Schauspielriege, die ihresgleichen sucht: Anthony Hopkins ist der Parkbesitzer Ford, Jeffrey Wright sein Chefprogrammierer Lowe. Evan Rachel Wood spielt die Androidin Dolores, James Marsden ihren Geliebten Teddy und Ed Harris den enigmatischen Mann in Schwarz. Die Drehbücher stammen übrigens von Jonathan Nolan, der bereits die Serie Person of Interest geschrieben hatte und der Bruder und häufige Schreibpartner des Regisseurs Christopher Nolan (Inception) ist.

 

Breaking Bad (Drama / 5 Staffeln)

Breaking Bad (engl.) für “auf die schiefe Bahn geraten”, “vom rechten Weg abkommen”

Und genau das ist es, was Protagonist Walter White, einem rechtschaffenen und etwas bieder anmutenden Chemielehrer widerfährt. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, an deren Anfang eine Lungenkrebs-Diagnose steht, wird der überdurchschnittlich intelligente Lehrer mithilfe seines ehemaligen Schülers Jesse Pinkman zum Meth kochenden Drogenbaron Heisenberg. In seinem Methamphetamin-Labor braut er das Suchtmittel im großen Stil und gewinnt schnell an Selbstvertrauen, Kunden – und Ruf. Es dauert nicht lange, da ist ihm ein versierter DEA-Agent auf den Fersen. Zu Walters/Heisenbergs Leidwesen ist es ausgerechnet sein Schwager Hank, der ihm langsam aber sicher auf die Spur kommt. Aber Walter hat den Hauch des Todes im Nacken und so wird er immer skrupelloser und risikobereiter…

Bryan Cranston (Godzilla) spielt die preisgekrönte Rolle des Heisenberg, Aaron Paul (Need for Speed) seinen gelehrigen Ex-Schüler Pinkman, mit dem er sich auf ein gefährliches, aber lukratives Spiel einlässt. In 5 Staffeln zeigt sich der Werdegang eines Mannes, der vom Familienvater zum Drogenverbrecher wird – und könnte spannender, abwechslungsreicher und epischer nicht sein.

 

Sherlock (Krimi, Drama / 4+ Staffeln)

Sherlock Holmes und seine üblichen Adaptionen sind eigentlich allesamt im späten 19. bzw. frühen 20. Jahrhundert angesiedelt. In der BBC-Serie löst Sherlock seine Fälle jedoch in der Neuzeit – bewaffnet mit Smartphone, Google Maps, DNA-Analysen und Internet-Suchmaschinen.

Verkörpert wird der etwas arrogante Sherlock von Benedict Cumberbatch (Dr. Strange), dem diese Rolle wie auf den Leib geschneidert ist. An seiner Seite agiert Martin Freeman (Der Hobbit), der einen pragmatischen und gutmütigen Dr. Watson darstellt, der nicht wie viele filmische Vorgänger von seinem Partner eingeschüchtert ist, sondern selbstbewusst an der Seite des brillanten Ermittlers auftritt. Gemeinsam lösen sie komplexe Fälle und bringen jeden noch so genialen Verbrecher hinter Gittern. Davor müssen sie aber persönliche Differenzen und Probleme aus dem Weg räumen, denn Dr. Watson leidet an einer kriegsbedingten posttraumatischen Belastungsstörung und Sherlock Holmes – nun ja, so brillant er auch ist, so wenig gesellschaftsfähig ist er auch.

Mit Cumberbatch und Freeman in den Hauptrollen, einer großen Portion Humor und perfekt geschriebenen Episodendrehbüchern reiht sich Sherlock zu den besten Serien überhaupt ein. Auch Nicht-Krimi-Fans können sich auf spannende Fälle und zahllose Wendungen freuen, wenn Sherlock und Dr. Watson zusammen ermitteln. Hinter der Serie steht das Autorenduo Steven Moffat (Dr. Who) und Mark Gatiss (League of Gentlemen).

 

The Walking Dead (Horror, Drama, Endzeitserie / 6+ Staffeln)

Mit The Walking Dead wurde das Zombie-Subgenre neu belebt. 2010 ging das Endzeitdrama in Serie und dominiert seither mit wenigen Konkurrenten die TV-Landschaft. Kaum ein anderes Format hat so viel Resonanz, positiv wie negativ, hervorgebracht, wie die Geschichte um die wenigen Überlebenden einer katastrophalen Viruspandemie.

Im Zentrum der Handlung stehen der abgeklärte Rick Grimes (Andrew Lincoln) und (zu Beginn) seine Familie, sowie einige weitere Überlebende. Rick ist in einem Krankenhaus aus dem Koma erwacht und fand die Welt von „Beißern“ bevölkert vor, verwesten Geschöpfen, die hungrig auf der Jagd nach noch atmenden Menschen sind. Einzig ein Kopfschuss kann die faulenden Beißer zerstören. Doch neben der ständigen Bedrohung durch die Zombies gibt es noch viele andere Faktoren, die Rick und seinesgleichen das Leben erschweren: Hunger, Durst, die Einsamkeit und vor allem Konflikte mit anderen Überlebenden sowie untereinander. So passiert es nicht selten, dass jemand aus ihrer Gruppe gar nicht den Beißern zum Opfer fällt, sondern durch die Hand normaler Menschen getötet wird.

In 6 Staffeln hat The Walking Dead viele Protagonisten verloren und dazugewonnen, neue Schauplätze etabliert und die Spannungsschraube immer weiter nach oben gedreht. In einer von fleischfressenden Zombies bevölkerten Welt ist nur eines sicher: Jeder kann sterben. Und das macht diese Serie so unvergleichlich spannend und erstklassig.

 

House of Cards (Politthriller, Drama / 5+ Staffeln)

Kein Politthriller hat jemals so viel Furore gemacht, wie die spannungsgeladene Dramaserie House of Cards, die nicht nur hundert Prozent authentische Figuren und deren Geschichten liefert, sondern eine einwandfreie Abbildung des kapitalistischen Machtgefüges der mächtigsten Nation der Erde. In den Hauptrollen brillieren Oscarpreisträger Kevin Spacey (1999 ausgezeichnet für American Beauty) und die vielfach unterschätzte Robin Wright als machthungriges, korruptes Politikerehepaar Frank und Claire Underwood.

Die Underwoods sind zu Beginn der Serie in ihre Funktionen als Ehemann und Ehefrau und als Abgeordneter und Wohltäterin eingespannt. Es dauert jedoch nicht lange, bis klar wird, dass die beiden viel höher hinaus wollen – und dafür nehmen sie einiges in Kauf. Claire empfindet die Affäre ihres Mannes mit der schönen Jungjournalistin Zoe (Kate Mara) als geringes Übel, er mausert sich durch geschickte Intrigen und sogar Mord vom belächelten Hinterbänkler zum Spitzenkandidat diverser Posten – inklusive dem des Präsidenten.  Dabei haben die Figuren mit so viel inneren und äußeren Konflikten zu kämpfen, dass die Grenze zwischen Gut und Böse, Aufstieg und Abstieg, Liebe und Hass ziemlich schnell verwischt.

Kein Geringerer als Supertalent David Fincher hat mit der Produktion und der Inszenierung der ersten Folgen dieser Erfolgsserie einen Meilenstein in der Serienwelt gesetzt. Mittlerweile läuft die 5. Staffel und ein Ende der Intrigen und Korruption ist nicht in Sicht. Dabei ist es vor allem das Durchbrechen der vierten Wand durch Frank Underwood (Spacey), also das direkte Ansprechen des Zuschauers. die diese Serie zu so einem Suchtpotenzial verhilft.

 

Vikings (Abenteuer, Drama / 4+ Staffeln)

Vikings erzählt von den legendären Heldengeschichten der Wikinger – kommt aber ganz ohne Lagerfeuer-Romantik aus. Vielmehr stehen hier Gemetzel, Opferrituale, Brudermord, Schlachten und fiese Intrigen im Vordergrund, die mit prächtigem Kostüm- und Setdesign perfekt in Szene gesetzt und von routinierten Schauspieltalenten gespielt werden.

Die Legende um Ragnar Lodbrok, der im 9. Jahrhundert als dänischer Wikingerkönig geherrscht haben soll, wird hier zum Leben erweckt. Travis Fimmel (Warcraft) spielt die Hauptrolle des geborenen Anführers, der sich seinem Bruder, Stammesführer Jarl (Gabriel Byrne) widersetzt und in Angelsachsen mit seinen Männern einfällt, um Frauen, Sklaven, Schätze und Rohstoffe zu erobern. So kommen abseits der kriegerischen Handlungen mit anderen Völkern auch interne Spannungen hinzu, vor allem da Ragnars Frau Lagertha (Katheryn Winnick, Kiss & Kill) ebenfalls eine begnadete Kriegerin ist, die lieber Gliedmaßen als Gemüse zerhäckselt. 

Vikings besticht mit fulminanten Bildern, rauer Atmosphäre und durchwegs imposanten Sequenzen. Der geschichtliche Hintergrund ist weniger wichtig, als die Zurschaustellung von realistischen Schlachten, dem Leben in einer Zeit vor dem Mittelalter und dem Sozialgefüge eines der bekanntesten Völker der Weltgeschichte.

 

Mr. Robot (Hackerdrama, Thriller / 2+ Staffeln)

Mr. Robot ist eine der wenigen filmischen Umsetzungen, die sich wirklich mit der Materie Cyberterrorismus, Hacking und IT auseinandersetzen. Anders als in vielen anderen Formaten sind die in der Serie verwendeten Codes und Aktionen allesamt realistisch – und machen die Thrillerserie zu einer der besten ihrer Art.

Im Mittelpunkt steht der junge Elliot (Rami Malek), der in einer Firma für Internetsicherheit arbeitet und geniale Skills besitzt. Durch die wird im Dark Web der mysteriöse Meisterhacker Mr. Robot (Christian Slater) auf ihn aufmerksam, der ihn rekrutiert. Elliot soll für ihn das Sicherheitssystem seiner Firma hacken. Elliot hat strenge Moralvorstellungen, die ihn immer wieder in Versuchung führen; zudem hat er soziale Schwächen und eine psychische Erkrankung, die ihm das Leben schwer machen. So stürzt er sich ungeahnt in ein gefährliches Abenteuer wider besseren Wissens und muss bald feststellen, dass hier um viel mehr geht als ein paar gehackte Sicherheitssysteme.

Mr. Robot ist eine spannungsgeladene Hackerserie, die mit einem überragenden Hauptdarsteller und viel Authentizität punktet.

 

Sons of Anarchy (Drama / 7 Staffeln)

Sons of Anarchy ist ein lauter, schmutziger und mitreißender Einblick in das soziale Gefüge und die verwinkelten Machenschaften einer Motorradgang. Ein Thema, das nicht nur in den USA brandaktuell ist, sondern auch hier in Deutschland, wie die fast täglichen Schlagzeilen über Gangs wie die Bandidos oder die Hell’s Angels beweisen.

In Sons of Anarchy dreht es sich hauptsächlich um Jax Teller (Charlie Hunnam) und seinen Stiefvater, Oberboss Clay Morrow (Ron Perlman). Dessen Frau Gemma (Katey Sagal) zieht im Hintergrund die Fäden, was Jax zu seinem eigenen Vorteil ausnutzt. Denn mit den Methoden seines Stiefvaters ist er häufig nicht einverstanden – und plant die Führung der Sons of Anarchy zu übernehmen. 

Stark gespielte Charaktere und ein einzigartiges Setting machen Sons of Anarchy zu einem aufregenden Serienerlebnis. Neben der rockigen Untermalung und der harschen Dialoge überzeugt die Motorgang-Geschichte vor allem mit seinen dramatischen Elementen und der stetigen Figurenentwicklung.

 

Legion (Action, Comic / 1+ Staffeln)

Legion gehört zu den abgefahrenen Marvel-Serien – und ist trotzdem einzigartig. Denn die agierende Hauptfigur ist kein Avenger oder potenzieller Defender (wie Jessica Jones oder Daredevil), sondern gehört – theoretisch – zu den X-Men.

David Heller, gespielt von Dan Stevens (Die Schöne und das Biest) ist nämlich ein Mutant mit übermächtigen Fähigkeiten – von denen er nichts weiß. Er war nämlihc sein ganzes Leben in psychiatrischer Behandlung wegen einer schwerwiegenden Form der Schizophrenie. Doch dann lernt er die empathische Syd (Rachel Keller) kennen, die ebenfalls große Fähigkeiten besitzt und begreift, welche Macht in ihm schlummert. Denn die Stimmen, die David ständig begleiten, existieren nicht nur in seinem Kopf…

Legion ist bunt, Legion ist rasant, Legion ist laut und unbedarft – und Legion ist eine der besten Comicserien überhaupt. Das die Episoden vor skurrilen Momenten, genialen visuellen Ideen und fantastischer Musik nur so strotzen ist Showrunner Noah Hawley zu verdanken, auf dessen Konto auch die nicht minder fantastische Serie Fargo geht.

 

 

True Detective (Polizeithriller, Drama, Krimi / 2+ Staffeln)

Mit True Detective wurde die Miniserie wiedergeboren – und zwar auf spektakuläre Art und Weise. Oscarpreisträger Matthew McConaughey und Tausendsassa Woody Harrelson spielen die beiden Detectives Rust Cohle und Martin Hart, welche vor 17 Jahren Ritualmorde aufgeklärt und die Täter überführt hatten.

Nun sitzen die beiden ehemals besten Freunde in einem Verhörraum und geraten selbst unter Verdacht. Denn siebzehn Jahre nach der Verhaftung der überführten Täter passiert wieder ein Mordfall – und die beiden Detectives verstricken sich in Widersprüche und Ungereimtheiten. 

True Detective ist nicht nur die Wiedergeburt der Miniserie, sondern brilliert als facettenreicher Krimi mit dramatischen Klängen. Starbesetzt, auch in den Nebenrollen (etwa Michelle Monaghan als Rusts Exfrau), brillant gespielt und hochdramatisch inszeniert gehört True Detective zu den besten Serien unserer Zeit. Nachdem Ausnahmeregisseur Cary Fukunaga (Jane Eyre) die erste Staffel inszenierte, übernahm für die zweite Justin Lin (Star Trek Beyond).

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