Was wäre, wenn Superhelden tatsächlich existieren würden? Wenn die nächste Stufe der Evolution bedeuten würde, dass Menschen übernatürliche Kräfte und Fähigkeiten entwickeln? M. Night Shyamalan ging diesen Gedanken schon vor fast 19 Jahren in seinem hochgelobten Film Unbreakable – Unzerbrechlich nach. Mit dem Psycho-Horrorfilm Split inszenierte der Regisseur 16 Jahre später dann ein überraschendes Sequel, mit dem er nach einigen Misserfolgen wieder zurück zu alter Stärke fand. Glass ist jetzt der dritte Teil der sogenannten „East Trail 117-Triologie“, in dem beide Filme zusammengeführt werden.

Inhalt

David Dunn (Bruce Willis) arbeitet tagsüber mit seinem Sohn Joseph (Spencer Treat Clark) zusammen in seinem Security-Geschäft. Sobald es dunkel wird, schlüpft er jedoch in sein Superhelden- Alter-Ego und sorgt für vermeintliche Gerechtigkeit. Dabei kommt er Kevin Wendell Crumb (James McAvoy), der unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung leidet, auf die Spur. Eine der 24 Persönlichkeiten Crumbs ist nämlich das sogenannte „Biest“ – ein animalisches Wesen, dass übermenschliche Fähigkeiten entwickelt und eine tödliche Vorliebe für junge unschuldige Teenager-Mädchen hat. Nach einem heftigen Aufeinandertreffen zwischen Dunn und dem Biest, finden sich die Beiden in einer Nervenheilanstalt unter der Leitung der undurchschaubaren Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) wieder. Als auch noch Elijah Prince alias Mister Glass (Samuel L. Jackson) dazu stößt, verschwimmen die Grenzen von Realität und Imagination.

Achtung: Spoilerwarnung! Wer sich völlig überraschen lassen will, bitte erst nach dem Kinobesuch weiterlesen.

Kritik

Shyamalan schafft es, die beiden unterschiedlichen Vorgänger-Filme miteinander zu verbinden und daraus eine durchaus tiefgehende Auseinandersetzung über Superhelden, Bösewichte, Comics, Wahnsinn und Manipulation zu inszenieren. Insbesondere in den ersten zwei Dritteln des Films gelingt es Shyamalan starke Zweifel an den Superkräften der Protagonisten zu erwecken. Geschickt nutzt er die Rolle von Sarah Paulson, um eine vermeintlich rationale Sicht auf das Geschehene zu etablieren. Bruce Willis und Samuel L. Jackson überzeugen abermals in ihren Rollen aus Unbreakable. Insbesondere der Charakter von Jackson ist nach wie vor äußerst faszinierend. Highlight ist jedoch James McAvoy. Wie der Schotte blitzschnell zwischen seinen Charakteren wechselt und jeder Figur dennoch eine tiefe Persönlichkeit verleiht, ist schlichtweg genial – da macht das Zuschauen riesigen Spaß.

Da dies ein M. Night Shyamalan Film ist, kommt das Ende natürlich nicht ohne irgendwelche überraschenden Wendungen. Doch leider muss man hier sagen, dass weniger mehr gewesen wäre. Während ein, zwei Wendungen Sinn machen und der Geschichte eine neue Bedeutung geben, führen andere dazu, dass das Ende zu konstruiert und überladen wirkt. Auch entstehen hierbei starke Logiklöcher, über die man besser nicht allzu lange nachdenken sollte, damit sie den Filmgenuss nicht zu sehr trüben.

Positiv ist, dass die wenigen Actionszenen das absolute Gegenteil von bombastischen DC– und Marvel-Spektakeln sind. Dadurch wirken sie jedoch noch bedrohlicher und physisch intensiver.

Fazit
  • 8/10
    Story/Idee - 8/10
  • 10/10
    McAvoy Show - 10/10
  • 7/10
    Spannung - 7/10
  • 3/10
    Auflösung/Ende - 3/10
7/10

Summary

Fazit: Glass ist insgesamt eine gelungene Zusammenführung der beiden Vorgänger Unbreakable und Split. Insbesondere die ersten zwei Drittel des Films überzeugen durch eine intelligente Auseinandersetzung mit dem Thema Superhelden und einem spannenden Aufbau der Beziehungen der Figuren zueinander. Leider hält er dieses Niveau nicht bis zum stark überkonstruierten Ende.

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