Drew Goddards neuester ist ein Spektakel für Augen und Ohren! Rund Sechs Jahre nach seinem furiosen Regiedebut „Cabin in the Woods“ meldet sich der Autor von Fernsehserien wie „Buffy – Im Bann der Dämonen“ und „Lost“ oder Erfolgsfilmen, wie „World War Z“ und „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ auf dem Regiestuhl zurück. Sein zweites Werk „Bad Times at the El Royale“ ist eine stylische Hommage an das Kino, das vor allem Quentin Tarantino Mitte der 90er mit seinen großartigen Filmen Jackie Brown und Pulp Fiction entscheidend mitprägte.

Der Inhalt

Eine breite Linie zieht sich über den Parkplatz und durch die Lobby des ehemaligen Casinos und Szene-Hotels El Royale. Sie symbolisiert die Grenze zwischen Nevada und Kalifornien. Das „Zwei-Staaten-Hotel“ ist Schauplatz eines skurrilen Aufeinandertreffens mysteriöser Menschen in den 1960ern. Der Priester Daniel Flynn (Jeff Bridges), der Staubsaugervertreter Laramie Seymour Sullivan (Jon Hamm), die Sängerin Darlene Sweet (Cynthia Erivo) und eine geheimnisvolle Hippie-Frau (Dakota Johnson) erfragen bei dem undurchsichtigen und schüchternen Portier Miles (Lewis Pullman) ein Zimmer. Sehr schnell wird allen beteiligten und vor allem dem Zuschauer klar, dass hier bis auf eine einzige Person, keiner der ist, der er vorgibt zu sein. Das geschichtsträchtige Hotel, das sich ein Stück von seinem alten Glanz bewahren konnte, stellt sich im Laufe des Films als „Perversen-Hotel“ heraus. Die unheilvolle Lage spitzt sich weiter zu, als der charismatisch-diabolische Sektenführer Billy Lee (Chris Hemsworth) das Szenario betritt.

Die Kritik

Nachdem Drew Goddard in seinem phantastischen ersten Film „Cabin in the Woods“ das Horror-Genre dekonstruierte und auf den Kopf stellte, widmet er sich jetzt einem anderen Genre: Dem modernen Gangsterfilm-Noir, wie ihn vor allem Quentin Tarantino prägte. Inhaltliche Parallelen zu Tarantinos „The Hateful Eight“ sind dabei unverkennbar. Ein Drehort und ein paar geheimnisvolle Menschen, die sich gegenseitig das Leben schwer machen. Ähnlich wie Tarantino unterteilt Goddard seinen Film in verschiedene Kapitel, die die Hintergrundgeschichten der Protagonisten darlegen.

„Bad Times at the El Royale“ ist aber viel mehr als ein bloßer Abklatsch gängiger Genre-Etiketten. Zwar bedient sich Goddard zahlreicher Genre-Klischees, verdeutlicht aber durch seine Hintergrundgeschichten, dass seine Charaktere viel mehr darstellen, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Ähnlich wie bei Tarantinos „The Hateful Eight“, der als Metapher auf den Rassismus in den USA zu sehen ist, deutet die Grenze im Hotel subtil die Zerrissenheit der USA an. Die wahren Hintermänner, die hinter den kriminellen Machenschaften stehen, bleiben unbekannt. Die staatlichen Organisationen verfolgen ihre eigenen Ziele ohne Rücksicht auf kollaterale Verluste.

Die Frage nach Recht und Unrecht, sowie wer gut und wer böse ist, wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, so dass sich der Zuschauer nach jedem Kapitel ein neues Bild machen muss. Hinzu kommen überraschende und heftige Wendungen. Dabei bleiben Seitenstränge offen, denen man mehr Spielraum zugedacht hätte. Das mag bei dem ein oder anderen für Unmut sorgen, passt aber zum Gestus des Films: Nicht jedes Mysterium oder Geheimnis muss gelüftet werden. Um Spoiler zu vermeiden, soll darauf jetzt jedoch nicht näher eingegangen werden.

Die Dialoge haben nicht die Spritzigkeit oder geschwätzige Wucht, die Tarantino seinen Charakteren in den Mund legt. Trotzdem ist der Film stark geschrieben und schafft es schwarzen Humor und tiefgründige Gedanken gleichsam zu transportieren. Der Cast überzeugt und begeistert dabei durchgehend. Jeff Bridges spielt seine Rolle mit dem Maß an Verletzlichkeit, Stolz und Würde, wie nur er es beherrscht. Dakota Johnson überzeugt in ihrer Rolle als undurchschaubare Fremde, die sich nicht in die Karten schauen lässt. Cynthia Erivo spielt und singt sich gefühlvoll durch den Film. Ihre Rolle hat zusammen mit der von Jeff Bridges die stärksten Dialoge und emotionalsten Momente. Lewis Pullman spielt den traumatisierten und nach Vergebung suchenden Hotelportier ohne große Gesten und bewegend zurückhaltend. Zwei Schauspieler stechen jedoch unter den bisher genannten hervorragenden Leistungen noch hinaus: Zum einen Jon Hamm, als herrlich von sich selbst überzeugter Staubsaugervertreter und Chris Hemsworth, der sich als Charles Manson-ähnlicher Sektenführer austoben und dabei die schillerndste und eindeutigste Rolle des Films spielen darf.

Neben dem Cast begeistert der Film jedoch am meisten durch seinen großartigen visuellen Stil. Jedes Bild ist stilistisch genauestens durchgeplant. Die Kulisse und das Setting strotzen nur so vor 60er Jahre-Flair und der phantastische Retro-Soundtrack (Anm. d. Red. Diana Ross lässt grüßen) untermalt jede Szene bzw. hebt diese sogar noch hervor.

 

Film-Empfehlungen für Dich:

Punkte
  • 9.5/10
    Style/Flair - 9.5/10
  • 9.5/10
    Musik - 9.5/10
  • 8/10
    Story - 8/10
  • 9.5/10
    Schauspieler - 9.5/10
  • 9/10
    Spaß - 9/10
9.1/10

Summary

Das Fazit

„Bad Times at The El Royal“ ist trotz seiner Länge von über 140 min extrem unterhaltsames Genre-Kino, das einfach Spaß macht. Die Schauspieler begeistern und die stilistische Komposition von Bild und Sound überzeugt. Zehn Minuten weniger hätten dem Film nicht wehgetan und vielleicht die ein oder andere Länge vermieden, aber das fällt wirklich kaum ins Gewicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.