Nach dem #oscarssowhite-Skandal 2016, aufgrund dessen viele namhafte afroamerikanische Schauspieler der Verleihung fernblieben (Will Smith etwa), den Änderungsrufen bezüglich der Academy selbst, die aus weißen, im Rentenalter angesiedelten, eher reichen Männern besteht und den zuletzt Wellen schlagenden #metoo-Debatten, haben sich die Oscars schon mit Bekanntgabe der Nominierung im Jahr 2018 rehabilitiert. Ein Überblick:

2016 waren kein einziger afroamerikanischer Schauspieler und keine einzige afroamerikanische Schauspielerin für einen Oscar nominiert. Und bis zu diesem Jahr war die Academy weißen, gut situierten, alten Männern vorbehalten. Die Vorgängerin des jetzigen Präsidenten John Bailey, eine intelligente, charismatische Dame namens Cheryl Boone Isaacs, änderte das mit der Öffnung der Academy für eine Rekordzahl junger, weiblicher und nicht weißer Mitglieder. Allein das schaffte dem „Whitebashing“ schon Abhilfe. Und auch die #metoo-Debatte dürfte der Diversität beim wichtigsten Filmpreis der Welt die Tore geöffnet haben.

Dieses Jahr stehen die Nominierungen nämlich ganz unter diesem Motto: Diversität. Jordan Peele, ein junger, humorvoller und sehr ambitionierter Regisseur steht stellvertretend für afroamerikanische Filmemacher. Mit einem historischen Triple gelingt ihm ein Meilenstein: Mit seinem Horrorfilm Get Out wurde er sowohl für die Beste Regie, als auch für das Beste Drehbuch und den Besten Film nominiert.

Die afroamerikanische Schauspielerin und Sängerin Mary J. Blige sichert sich ebenfalls einen Rekord: Für Mudbound wurde sie sie als Beste Nebendarstellerin nominiert – und gleichzeitig für den Besten Song. Dieses Doppel gab es noch nie.

Diversität wird auch in der Regie-Sparte dieses Jahr großgeschrieben. Der bereits genannte Jordan Peele ist erst der fünfte Regisseur mit schwarzer Hautfarbe, der nominiert wurde (zuletzt Steve McQueen 2014 für 12 Years a Slave), Greta Gerwig darf sich dank ihres Regie-Debüts Lady Bird als ebenfalls erst fünfte Frau über eine Nominierung freuen. Kathryn Bigelow gewann 2010 als erste Frau den Regie-Oscar für Hurt Locker.

Trotz Präsident Trumps Hetze gegen die Nationen des Nahen Osten wagen sich die Oscars dieses Jahr an eine Nominierung für den Libanon – sicher aus Trotz, aber auch als Ehrung für einen grandiosen Spielfilm. The Insult ist der erste Film aus diesem Land, der sich über eine Nominierung als Bester fremdsprachiger Film freuen darf. (Deutschland ging trotz Fatih Akins Favoritenfilm Aus dem Nichts leer aus).

Auch in der Kamerasparte bahnt sich ein historisches Ereignis an: Die Kamerafrau Rachel Morrison wurde für Mudbound nominiert – als allererste weibliche Filmschaffende in dieser Kategorie.

Bei den Darstellern wurden neben Mary J. Blige und dem Hauptdarsteller aus Jordan Peeles Get Out, Daniel Kaluuya altbekannte Größen wie Denzel Washington oder Octavia Spencer bedacht, die beide schon einen Goldjungen zuhause stehen haben.

Neben den eigentlichen Nominierungen ist auch die Verkündung dieser von einem neuen Ton geprägt: Vor den Verlautbarungen wurden kleine Promo-Clips eingespielt, die Schauspielerinnen zeigten, welche das jeweilige Handwerk verkörpern. Unter den Akteuren für diese hübschen Einspieler war auch Jada Pinkett Smith, welche die Osars 2016 aufgrund des White-Bashings boykottiert hatte.

Die Zeichen stehen also auf Versöhnung bei der Academy, und auch wenn die Nominierungen für Überraschungen gesorgt haben (so wurde etwa Wonder Woman komplett ausgelassen und James Franco trotz einstimmiger Prognosen nicht für The Disaster Artist nominiert wurde), gab es dennoch auch Altbewährtes:

Meryl Streep freut sich über ihre 21. Oscarnominierung (Die Verlegerin), Christopher Plummer wird mit 88 als ältester Schauspieler überhaupt nominiert (Alles Geld der Welt), Komponist John Williams wird zum 51. Mal mit einer Nominierung bedacht (für Star Wars: Die letzten Jedi).

Daneben gab es noch ein paar interessante Details, die zu erwähnen wären: Christopher Nolan wurde zum ersten Mal für den Regie-Oscar nominiert, obwohl er schon vor Dunkirk des Öfteren in der Sparte Bester Film vertreten war. Pixar ist nach acht Auszeichnungen wieder mit einem abendfüllenden Animationsfilm (Coco) vertreten und Logan aus der X-Men-Reihe feiert Filmgeschichte: Als erste Comicbuchverfilmung wurde der Film mit einer Nominierung für das Beste Adaptierte Drehbuch geehrt.

Eventuell sorgt dieses Jahr auch die Verleihung der Oscars für ein paar Überraschungsmomente. Auf jeden Fall ist es bemerkenswert, wie schnell die Academy auf die gerechtfertigten Vorwürfe und die Skandale der Filmwelt reagiert hat. Die wichtigste Filmpreisverleihung der Welt ist divers, modern und endlich wieder zeitgemäß. Da freut man sich doch auf die Verleihung am 4. März 2018.

Alle Nominierten gibt es übrigens hier nochmal im Überblick.

 

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