KIN ist ein Mix aus „Coming of Age“-Geschichte, familiärem Sozial-Drama, Science-Fiction-Film und zu guter Letzt Road-Movie. Der Film versucht viele der dabei genretypischen Klischees zu bedienen, verliert sich dabei aber leider in Unstimmigkeiten. Trotzdem weiß KIN zu unterhalten, was vor allem an den beiden hervorragenden Hauptdarstellern liegt.

Der Inhalt

Der junge Eli (Myles Truitt) findet in einer großen Ruine eine mächtige außerirdische Waffe – allerdings dauert es danach erstmal, bis die Waffe wieder zum Mittelpunkt des Geschehens wird. Zunächst ist KIN ein klassisches Sozialdrama, das in einem Arbeiterviertel in Detroit seinen Ursprung hat. Elis älterer Bruder Jimmy (Jack Reynor) kehrt nach einer Haftstrafe zurück zu seinem Vater (Dennis Quaid) und dessen jungem Adoptivsohn Eli. Schnell wird klar, dass Jimmy in Schwierigkeiten steckt und dringend Geld braucht.

Ein berüchtigter Bandenführer (James Franco) verlangt 60.000 Dollar dafür, dass seine Leute Jimmy im Knast beschützt haben. Da sich der Vater der Halbbrüder weigert, seinem Sohn zu helfen, kommt es zur Katastrophe. Die beiden ungleichen Brüder befinden sich fortan auf einer ungewollten Flucht durch die Vereinigten Staaten. Dabei bekommen sie Hilfe von der toughen Stripperin Milly (Zoë Kravitz). Dank Elis außerirdischer Waffe sind die drei ab jetzt gemeinsam Fliehenden alles andere als wehrlos – allerdings befinden sie sich aber auch im Fadenkreuz der gnadenlosen Alien-Krieger, die ihre Waffe zurückhaben wollen.

Die Kritik

Wer denkt, dass KIN durchgehend wilde Action-Szenen aneinanderreiht, der liegt falsch. Obwohl gerade der Trailer glauben lässt, dass es um eine spektakuläre Jagd auf die geheimnisvolle Waffe geht, ist der Film allem voran ein Drama um eine komplizierte Bruder-Bruder Beziehung. Es geht um Schuld und Vertrauen und dabei schlichtweg um die Frage, wer man selbst ist. Die Suche nach seinem Platz im Leben und die Frage nach dem eigenen Ich verkörpert der Newcomer Myles Truitt großartig. Es sind die vielen kleinen Gesten, die sein Spiel zu einer eindrücklichen Performance machen und so die charakterliche Entwicklung des Jungen plausibel aufzeigen.

Es wird deutlich, dass es auch heute noch ein sensibles Thema ist, wenn ein schwarzer Junge von einer weißen Familie adoptiert wird. Dabei geht es hier aber weniger um Rassismus, als um das Bild zweier gesellschaftlicher Außenseiter, die sich zusammenfinden müssen und in der Folge tatsächlich zu einer Familie werden. Jack Reynor spielt den wütenden und verzweifelten Jimmy nicht weniger überzeugend als Myles Truitt Eli.

Hollywood-Haudegen Dennis Quaid überzeugt als hart arbeitender und prinzipientreuer Durchschnittsbürger. Zoë Kravitz als Milly bringt dagegen weiblichen Charme und frischen Wind mit auf die Flucht. Superstar James Franco allerdings bewegt sich stellenweise am Rande des Overactings und läuft damit Gefahr, dass seine Figur und ihr Handeln, gerade gegen Ende, unglaubwürdig wirken – was wohl aber teils auch dem Drehbuchs geschuldet ist.

Dass der Film sinnbildlich eine Waffe als Identifikationsgerät offenbart, ist in Zeiten von High-School-Massakern zumindest fragwürdig. Andererseits wird gegen Ende hin deutlich, dass er auf Fortsetzungen angelegt ist und vor allem eine klassische Heldengeschichte darstellt. Kein König Arthur ohne sein Excalibur.

Fazit

In seinen stärksten Momenten ist KIN ein Unterschichten-Drama, das sich sensibel mit Außenseitertum und der gesellschaftlichen Unterschicht auseinandersetzt. Gleichzeitig aber auch ein stylischer Science-Fiction-Film, mit einem coolen Soundtrack (von der schottischen Band Mogwai) und spektakulären Szenen. Manchmal weiß KIN leider nicht wirklich, was davon er letztlich sein will. Vor allem dann, wenn der Film Züge eines überdrehten Gangster-Films annimmt. Dadurch wirken einige Szenen manchmal etwas fehl am Platz. Das ist schade, denn der Film schafft es so nicht, sein volles Potential zu entfalten. Trotzdem macht er Lust darauf, mehr über die Charaktere und das offene, aber auch spannende Ende zu erfahren.

 

Punkte
  • 7/10
    Gefühle - 7/10
  • 5/10
    Action - 5/10
  • 9/10
    Soundtrack - 9/10
  • 5/10
    Spannung - 5/10
  • 7/10
    Effekte - 7/10
  • 6.5/10
    Unterhaltung - 6.5/10
6.6/10

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