Am 5. Oktober startete Blade Runner 2049 mit Ryan Gosling und Harrison Ford in den deutschen Kinos. Grund genug für uns, nochmal den Originalfilm Blade Runner genauer unter die Lupe zu nehmen. Dieser spielt in der inzwischen nicht mehr wirklich fernen Zukunft 2019. Doch wenn wir von Original sprechen, welche der vielen Versionen des Films meinen wir dann eigentlich? Und welche ist die beste? Und was hat es mit dem Einhorn auf sich? Über kaum einen Film wurde und wird bis heute immer noch so heiß diskutiert wie über diesen Kultklassiker aus dem Jahr 1982. Wir schauen uns heute an warum.

Eigentlich hätte Blade Runner 1982 an den Kinokassen ein riesiger Erfolg sein müssen. Da haben wir auf der einen Seite Hauptdarsteller Harrison Ford, der dank Kino Megahits wie Star Wars: Eine neue Hoffnung, Star Wars: Das Imperium schlägt zurück und Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes zum internationalen Star wurde. Auf der anderen Seite den Regisseur Ridley Scott, welcher mit Alien einen absoluten Kritikerliebling und Zuschauermagnet geschaffen hatte. Doch irgendwie verhalf dies trotzdem nicht zum gewünschten Kinokassenhit: Die Fans blieben dem Kino fern und die Kritiker lobten den Film zwar für seinen Optik, kritisierten jedoch auch stark die Handlung. So meinte der Kritiker David Pirie im britischen Filmkompendium Time Out Film Guide: „Das Voice-over des Helden und das Ende wirken, als hätten sie sich aus einem anderen Film hierher verirrt.“ Und auf eine gewissen Art und Weise hatte er damit auch Recht, doch später mehr.

Die Handlung von Blade Runner

In dem Science Fiction Film mit Elementen aus dem Film-Noir-Genre geht es um Rick Deckard, einen Blade Runner. Er ist eine Art Detektiv, der vier Replikanten, täuschend menschenähnlichen Androiden ohne Empathievermögen, finden und töten soll. Parallel dazu versuchen die Replikanten, angeführt von Roy Batty (Rutger HauerDer Tag des Falken) ihren Schöpfer Dr. Eldon Tyrell (Joe Turkel, Shining) zu treffen, um ihre nur vierjährige Lebensspanne zu verlängern. Deckard trifft die schöne Rachael (Sean Young, Dune – Der Wüstenplanet) und entdeckt dabei ein Geheimnis, welche das „Mensch sein“ an sich in Frage stellen wird… Hier würde ich normalerweise aufhören und sollte man definitiv auch, falls man den Film bis jetzt immer noch nicht gesehen hat. Da wir hier jedoch genauer auf die Hintergründe und Geschichte des Films eingehen wollen, ist das leider in diesem Fall nicht möglich. Daher an dieser Stelle eine Spoilerwarnung.

 

 

 

 

 

 

 

Rachael ist nämlich kein Mensch, sondern ein auch Replikant. Doch dank künstlich eingepflanzten Erinnerungen ist sie überzeugt, ein Mensch zu sein. Deckard und Rachael verlieben sich. Und das obwohl er einen Replikant nach dem anderen aufspüren und ausschalten kann. Währenddessen findet Rutger Hauers Charakter keine Lösung für seine verkürzte Lebenszeit. Es kommt zum Unvermeidlichen und Harrison Ford stellt Rutger Hauer in einem leerstehenden Gebäude. Ein kurzer aber intensiver Kampf bricht aus, in dem der physisch stärkere und agilere Roy Batty deutlich überlegen ist. Am Ende jedoch als Deckard droht an einem Häuserdach im strömenden Regen abzurutschen, rettet Roy Deckard dessen Leben kurz bevor seine eigene Lebenszeit endet. Damit beweist er, dass er anders ist und doch Menschlichkeit und Empathie verspürt.

Die verschiedenen Fassungen von Blade Runner

Die verschiedene Fassungen des Films ändern massiv seine Story. Zunächst gab es die US- und internationale Kinofassung von 1982. Damals dachte das Studio, der Film sei so, wie er von Ridley Scott ursprünglich geplant war, zu kompliziert für normale Kinobesucher. Deswegen wurde gegen den Willen des Regisseurs ein Happy End und ein Voice-Over, also ein Kommentar der Hauptfigur Deckard über bestimmte Szenen, vom Studio eingeführt. Hier kommt nun wieder die Kritik von David Pirie, der genau das Voice-Over und Ende bemängelte, ins Spiel.  Sogar Harrison Ford selbst fand die Idee mit dem Voice-Over dermaßen unpassend für den Film, dass er es mit Absicht schlecht und lustlos eingesprochen hat, in der Hoffnung, dass man sich vielleicht doch noch im letzten Moment dagegen entscheiden würden. Wer noch eine englische Version der Kinofassung hat, dem kann ich nur empfehlen, sich den Film im Original mit besagtem Voice-Over anzusehen.

Trotz aller Bemühungen Fords blieb das Voice-Over in dem Film – bis 1989. In dem Jahr wurde die sogenannte Workprint-Fassung ohne Kommentar zufällig von einem Filmrestaurator gefunden. Diese war bei Vorführungen in ausgewählten Kinos derart erfolgreich, dass sich Warner Brothers entschied einen offiziellen Director’s Cut produzieren zu lassen. Ohne Voice-Over und mit einem offenen Ende ausgestattet kam der Film deutlich besser beim Publikum an. Außerdem implizierte er stark das Deckard selbst ein Replikant sei. Zuletzt gibt es dann noch den Final Cut inklusive Einhorntraum, welchen Ihr auch hier auf maxdome sehen könnt. Technisch verbessert und mit zusätzlichen Szenen ausgestattet, konnte er Fans und Kritiker inzwischen gleichermaßen überzeugen. So wurde aus dem anfänglichem Flop nach und nach doch noch der heutige Kultfilm.

Der Gedanke, dass Harrison Fords Charakter ein Replikant ist, ändert den gesamten Filminhalt und führte zu großen Diskussionen – nicht nur zwischen den Fans des Films. Vieles im Film spricht zwar gegen diesen Twist, zum Beispiel wurden Replikanten im Film dem Menschen physisch überlegen dargestellt. Andererseits ist Rachael auch ein Replikant, bei dem nie klar wird, ob er normalen Menschen physisch überlegen ist und dem auch fremde Erinnerungen eingesetzt werden konnten. Harrison Ford selbst ist definitiv kein Fan dieser Wendung. So stritten Ridley Scott und er während der Dreharbeiten zu Blade Runner 2049, über 30 Jahre nach erscheinen des Originals, immer noch am Set darüber. Und, so Regisseur Denis Villeneuve, ging es dabei auch mal lauter zu. Auch einer der Drehbuchautoren Hampton Fancher erzählte, dass es in der ursprünglichen Version des Drehbuchs so nicht geplant war und diese Änderung erst im Nachhinein von Ridley Scott hinzugefügt wurde. Als IGN Ridley Scott fragte, zu welchen Zeitpunkt er entschied, dass Deckard ein Replikant sein, antwortete dieser in unnachahmlicher Weise:

„Oh, it was always my thesis theory. It was one or two people who were relevant were… I can’t remember if Hampton agreed with me or not. But I remember someone had said, “Well, isn’t it corny?” I said, “Listen, I’ll be the best f#@king judge of that. I’m the director, okay?” So, and that, you learn — you know, by then I’m 44, so I’m no f#@king chicken. I’m a very experienced director from commercials and The Duellists and Alien. So, I’m able to, you know, answer that with confidence at the time, and say, “You know, back off, it’s what it’s gonna be.” Harrison, he was never — I don’t remember, actually. I think Harrison was going, “Uh, I don’t know about that.” I said, “But you have to be, because Gaff, who leaves a trail of origami everywhere, will leave you a little piece of origami at the end of the movie to say, ‘I’ve been here, I left her alive, and I can’t resist letting you know what’s in your most private thoughts when you get drunk is a f#@king unicorn!’” Right? So, I love Beavis and Butthead, so what should follow that is “Duh.” So now it will be revealed [in the sequel], one way or the other.“

Was ich grob auf deutsch wie folgt zusammenfassen kann: „Ich  hatte schon immer die Idee, außerdem bin ich der Regisseur und weiß was ich tue. So oder so wird es in der Fortsetzung endgültig geklärt“. Meiner persönlichen Meinung nach gibt es zwar keine perfekte Fassung, aber der Final Cut kommt ihr von allen bisherigen Fassungen nähesten.

Die Ki­ne­ma­to­gra­phie von Blade Runner

Worüber sich sicherlich Alle einig sind ist, dass der Film obwohl er jetzt schon einige Jahre auf dem Buckel hat, immer noch wahnsinnig gut aussieht. Während andere effektreiche Filme aus der Zeit meistens eher schlecht altern, braucht sich Blade Runner auch vor modernen SciFi Streifen nicht verstecken. Die Effekte sind für mich jedenfalls die besten der predigitalen Zeit. Das liegt unter anderem daran, dass hier noch hauptsächlich mit Modellen und Miniaturen gearbeitet wurde, was der Stimmung im Film definitiv zu Gute kommt. Im Vergleich zu Filmen, wie zum Beispiel Independence Day, der fast 15 Jahre später erschien, sieht Blade Runner ein ganzes Eck besser aus. Besonders erwähnen muss man auch das Licht, durch welches die intensive Atmosphäre in Blade Runner erst richtig in Szene gesetzt wird. Dafür muss man dem „Spezialist für Spezialeffekte“ Douglas Trumbull danken, welcher unter anderem bei 2001: Odysee im Weltraum, Unheimliche Begegnungen der dritten Art und den ersten Star Trek Film mitgewirkt hatte. Man kann von Ridley Scott halten was man will, aber der Mann ist einfach einer der besten visuellen Regisseure in der Geschichte des Kinos.

Abschließend kann man sagen, dass Blade Runner – egal in welcher Fassung – bahnbrechend für Science-Fiction Filme war. So wurden Elemente des Cyberpunk zum ersten mal einer breiten Masse gezeigt. Dies hat später maßgeblich Filme wie Matrix, Robocop, Das fünfte Element, Akira, Ghost in the Shell und viele weitere beeinflusst. Egal welche Version man präferiert und was man von den grundlegenden Handlungsänderungen hält, Blade Runner ist und bleibt ein Meisterwerk und damit hat die Fortsetzung Blade Runner 2049 verdammt große Schuhe zu füllen. Ob sie das schafft, könnt ihr hier lesen.

Blade Runner 2049

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