Lars von Trier mag sich manchmal in der Öffentlichkeit etwas daneben benehmen, trotzdem gehört er zu den markantesten Filmemachern seiner Zeit. Nichts bestätigt das mehr, als die Nominierung des Dramas Nymphomaniac Director’s Cut – Volume I & II für den Europäischen Filmpreis als bester Spielfilm.

Der dänische Regisseur wurde am 30. April 1956 in Kopenhagen geboren. Mit 20 Jahren beginnt Lars von Trier sein Filmwissenschafts-Studium in der dänischen Hauptstadt und hatte bereits schon als Student Erfolge als Filmemacher. Sein erstes Kinodebüt war das Werk The Element of Crime, doch der große Durchbruch ließ noch auf sich warten. Aus dem Film machte er eine Trilogie und wird bei den Filmfestspielen in Cannes mit drei Preisen ausgezeichnet.

Als Mitgründer der Dogma-Bewegung mit dem Film Breaking the Waves erregte Lars von Trier mit der ungewöhnlichen Kameraführung eine internationale Aufmerksamkeit. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hat er das Publikum für sich gewonnen und erweitert seither regelmäßig seine Preis-Sammlung.

Den Namen als Skandalregisseur hat sich Lars von Trier mit den extravaganten Szenen im Werk Antichrist und Nymphomaniac gemacht. Aber eines muss man ihm lassen: Er inszeniert wie kein Zweiter und hat ein Händchen für Schauspieler. Unter anderem konnte er die isländische Sängerin Björk und Hollywood-Star Nicole Kidman für die Hauptrollen seiner Projekten engagieren.

Die besten Filme von Lars von Trier

Nymph()maniac I (2013)

Joe (Charlotte Gainsbourg) ist Nymphomanin. An einem kalten Winterabend wird sie bewusstlos und zusammengeschlagen von einem fremden Mann namens Seligman (Stellan Skarsgrad) in einer abgelegenen Straße aufgefunden. Der alte Junggeselle bringt sie mit in seine Wohnung und beschließt die schwache Joe zu pflegen. Seligman betrachtet die Wunden und versucht die Frau zu verstehen. Als Joe zu sich kommt, fragt er, was geschehen ist. Nun fangt Joe ihre Geschichte zu erzählen an – und zwar sehr detailgetreu, ohne jegliche Scheu. Sie beginnt in ihrer Kindheit und lässt keine Affäre aus…

Bei Nymphomaniac I geht mir eines durch den Kopf: Entweder hat Lars von Trier eine psychische Störung oder er ist einfach der genialste Regisseur unserer Zeit. Mögen muss man die Story nicht, jedoch gibt es kaum einen Filmemacher, dessen Werke interessanter sind, als seine. Das zweigeteilte Drama Nymphomaniac ist provokant und detailgenau, ein typischer Lars von Trier Film eben.

 

Nymph()maniac II (2014)

Nymphomanin Joe (Charlotte Gainsbourg) erzählt ihre dramatische Lebensgeschichte weiter. Sie ist in der Wohnung vom Junggesellen Seligman (Stellan Skarsgrad) und während er sich um sie kümmert, berichtet sie in langen Gesprächen über ihre Vergangenheit. Dabei schildert sie ihre langweilige Beziehung zu Jerome (Shia LeBeouf) und wie sie ihre Lust am Sex verlor und wieso sie beim Sado-Maso-Künstler K (Jamie Bell) gelandet ist. Im Laufe der Zeit erfährt Joe auch mehr über ihren Held, Seligman, der ein ganz anderes Geheimnis hütet.

Oft denkt man sich, dass der zweite Teil eines Filmes nicht so gut ist, als der 1. Teil. Aber nicht bei Nymphomaniac! Regisseur Lars von Trier baut einen genialen Cliffhanger zwischen den 1. und 2. Teil und setzt genau dort an, wo der erste Teil endete. Der Zuschauer erfährt mehr über die Protagonisten und im Mittelpunkt steht der Niedergang der Hauptfigur.

 

Antichrist (2009)

Nach dem Unfalltod ihres Sohnes zieht ein Ehepaar von Seattle in den Wald Eden. Es versucht dort, seine Trauer aufzuarbeiten. Der Wald wirkt harmlos, doch für die Frau (Charlotte Gainsbourg) ist er mit Furcht belegt. Sie kämpft mit schwerer Depression und ihr Mann (Willem Dafoe), ein Psychologe, beginnt sie selbst zu therapieren. Doch statt einer Verbesserung ihres Zustandes eskaliert die Situation und die Folgen sind ungeahnte Handlungen.

Antichrist enthält religiöse Motive des Katholizismus. Damit hat sich der umstrittene Regisseur bestimmt keine Freunde in Religionsgemeinschaften gemacht. Ebenso nimmt die Natur eine bedeutende Rolle ein, wie in allen Lars von Trier Filmen. Der Film ist eine Kombination aus Horror, Psycho und Ehedrama und wurde nur innerhalb von 40 Tagen in Nordrhein-Westfalen gedreht.

 

Dancer in the Dark (2000)

Die USA in den 1960er Jahren: Selma (Björk) ist eine alleinerziehende Immigrantin, die aufgrund einer Erbkrankheit ihr Augenlicht verliert und sie will ihren Sohn das gleiche Schicksal ersparen. Um Geld für seine Augenoperation zu sparen, macht sie Extraschichten in einer Fabrik. Aber als ihr Freund ums Leben kommt, wird Selma wegen Mordes angeklagt und zum Tode verurteilt.

Lars von Trier inszenierte eine Kombination aus Musical und Drama. Die Hauptrolle übernahm die isländische Popdiva Björk und sie komponierte die Musik zu Dancer in the Dark. Angeblich liefen die Dreharbeiten nicht ganz reibungslos ab aufgrund der Meinungsverschiedenheiten von Björk und Lars von Trier, doch das merkt man an dem Ergebnis nicht.

 

Idioten (1998)

Eine Gruppe von jungen Leuten wagt ein Experiment: Sie leben in einem dänischen Ort, ziemlich abgespalten von der Gesellschaft und beschließen ihren „inneren Idioten“ kennenzulernen. Sie geben sich als geistig sowie körperlich Behinderte aus. Mit ihren Ausflügen in die Außenwelt provozieren sie ihre Umgebung mit ihrem Benehmen und gehen dabei an die Grenzen. Dabei wird nicht nur die Toleranz der Mitmenschen, sondern auch ihre eigene auf die Probe gestellt.

Regisseur Lars von Trier kann uns immer wieder überraschen. Im Film Idioten präsentiert er eine Gruppe von Leuten etwa in ihren 30ern, die nur Schwachsinn im Kopf haben und an ihre Grenzen gehen möchten. Ein Projekt mit einem merkwürdigen Beigeschmack.

 

Melancholia (2011)

Justine (Kirsten Dunst) und Michael (Alexander Skarsgård) feiern ihre Hochzeit. Gleich zu Bgeinn verärgert das Brautpaar Justines Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg), indem sie zu spät auf die Feier ankommen. Während Claire ihr Vorwürfe macht, erblickt Justine einen Stern am Himmel, und ihr Astronomie begeisterter Schwager erklärt, dass es sich um Antares handelt. Die Feierlichkeit verläuft weniger harmonisch und Claire ist sich sicher, dass der Planet Melancholia auf die Erde zusteuert und dieses das Ende bedeutet.

Nach einer Pressekonferenz in Cannes zum Drama Melancholia wird Lars von Trier 2011 wegen umstrittenen Äußerungen zum Nationalsozialismus von den dortigen Filmfestspielen ausgeschlossen. Der Film Melancholia bleibt allerdings bei den Filmfestspielen im Rennen und Kirsten Dunst wird sogar mit dem Preis als Beste Darstellerin ausgezeichnet.

 

Dogville (2003)

Grace (Nicole Kidman) ist auf der Flucht vor der Polizei und der Maffia und landet so in ein abgelegenes Dorf namens Dogville. Sie wird vom Schriftsteller Tom Edison (Paul Bettany) überredet, sich in Dogville Unterschlupf zu suchen. Anfangs wird sie gut von den Bewohnern aufgenommen. Aber als diese von der Verfolgung der jungen Frau erfahren, ändert sich die Situation dramatisch und die dunklen Seiten der menschlichen Natur kommen zum Vorschein.

Lars von Trier ist es gelungen, die Schauspielerin Nicole Kidman für die weibliche Hauptrolle zu engagieren. Die Machart war aber ganz und gar nicht Hollywood-Typisch, denn die Kulisse besteht überwiegend aus schwarzen Tafeln, auf die das Bühnenbild gezeichnet wird. Denn was im Theater funktioniert, kann auch auf der Kinoleinwand erfolgreich sein.

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