Mit Wonder Woman feierten das Hollywoodstudio Warner Bros. und das DC Extended Universe einen großen Erfolg. Knapp fünf Monate später kehrt die Amazonenkriegerin (Gal Gadot) zurück, um an der Seite alter Bekannter für die Gerechtigkeit zu kämpfen. Leider ist der Versuch, im DC-Universum einen Gegenpol zu den Avengers aufzubauen, gnadenlos gescheitert.

Dabei ist das ganze Setting sehr vielversprechend: Die Figuren Batman (Ben Affleck) und Superman (Henry Cavill) sind altbekannt, selbst von The Flash (Ezra Miller) und Aquaman (Jason Momoa) hat man schon gehört. Doch Zack Snyder muss in Justice League trotzdem erst einmal mehr als ein Drittel der Laufzeit dafür aufwenden, die Figuren einzuführen. Warum dabei Wonder Woman und Batman wieder einen eigenen überlangen Auftakt bekommen, ist der pathoshaften Inszenierung des Regisseurs geschuldet. Was gar kein Kritikpunkt ist, sondern ein Lob: Denn Pathos, Action und Bombast kann er, der Snyder. Und das ist bei einem guten Superheldenfilm angebracht.

Nur leider ist Snyder wegen einer familiären Tragödie frühzeitig aus dem Projekt ausgestiegen und ein alter Marvel-Veteran hat seinen Platz übernommen: Für 25 Millionen Dollar hat Joss Whedon Nachdrehs vorgenommen und dem ganzen Comicspektakel eine gehörige Portion Gags in Screwball-Manier verpasst, den Zack Snyder nie an den Tag legen würde. Doch die flachen Dialoge und die steifen Monologe der Protagonisten sind unter beiden Regisseuren geblieben.

Justice League kann aber auch punkten: Mit großartigen Actionszenen, rasanten Verfolgungsjagden und einer überzeugenden Gruppendynamik. Vor allem Ezra Miller sticht als eigenbrötlerischer Superheld Barry Allen/The Flash heraus. Auch Ray Fisher als selbstzweifelnder Cyborg ist durchaus sympathisch. Und Gal Gadot als Wonder Woman macht eine heroische Figur, wobei ihr nach dem sensationellen Wonder Woman ausgesprochen wenig Charaktertiefe im Drehbuch von Justice League zugesprochen wird.

Den muskelbepackten Batman kauft man Ben Affleck weniger ab als den schwerreichen Philanthropen Bruce Wayne. Nach Christian Bale in diese Rolle zu schlüpfen, war aber bereits in Batman v Superman eine kaum überwindbare Herausforderung. Henry Cavill bleibt der adonishafte Kryptonier, der in alter Clark-Kent-Manier erst durch die Liebe zu seiner Lois (Amy Adams) auf den richtigen Weg findet.

Game-of-Thrones-Star Ciáran Hinds (er spielte zwei Staffeln lang den König-jenseits-der-Mauer Mance Ryder) verleiht dem Filmbösewicht Steppenwolf Mimik, Gestik und Stimme. Der Fiesling fährt volle Geschütze auf und lässt eine Armee unheimlicher Paradämonen auf die Menschheit los. Diamantene Tentakel und lodernde Höllenfeuer tun ihr Übriges.

Bildtechnisch ist Justice League dabei durchaus als gewaltig zu bezeichnen: Da wissen Zack Snyder & Co, was sie tun. Auch mit dem Setdesign und den Kostümen kann Justice League überzeugen.

Leider bleibt die erste Verfilmung über die Gerechtigkeitsliga trotzdem weit hinter den Erwartungen zurück. Und das mag vor allem an der übermächtigen Konkurrenz aus dem Hause Marvel liegen, die sich einfach Jahre Zeit ließen, bis sie ihre geliebten Superhelden in einem Film aufeinandertreffen ließ. Mittlerweile ist das MCU bei Film 17 angelangt und die Figuren längst bei Kinogängern gelernt: Zu Thor, Iron Man, Hulk & Co braucht man nicht viel zu sagen – sie sind bekannt und beliebt.

Hoffentlich kann DC dies noch aufholen, denn mit Wonder Woman haben sie bewiesen, dass Potenzial da wäre. Bis dahin bleibt aber abzuwarten, ob sie mit dem neuen humorvollen Ansatz richtig fahren, oder ob sie dem Zack-Snyder-Pathos nicht besser treu geblieben wären.

 

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