In den 60er-Jahren, als das Fernsehen in Deutschland nur aus drei Programmen bestand und, bis zur Einführung des Farbfernsehens am 25. August 1967, noch äußerst monochrom dargeboten wurde, stand vor allem ein Name für spannende Abende mit kultigen Krimi Filmen vor der mühsam zusammengesparten Flimmerkiste: Edgar Wallace. Über 50 Edgar Wallace Filme wurden seit 1927 in Deutschland produziert, die ersten sechs davon noch als Stummfilm (einige davon wurden jedoch in späteren Jahren nachvertont). Wobei man hier erwähnen muss, dass nur fünf davon auf Edgar Wallace Kriminalromanen basierten, der  Film Der Würger aus dem Jahr 1929 weist zwar auch typische Edgar Wallace Motive auf, ist aber eigentlich die Verfilmung eines britischen Theaterstücks.

Wenn man heute von Edgar Wallace Filmen spricht, bezieht man sich meistens auf die erfolgreiche Edgar Wallace Reihe die von 1959 bis 1972 von Rialto-Film produziert wurden.  Das wohl bedeutendste Merkmal dieser Kinofilme ist die Ansage „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“, welches später noch von einer Reihe Pistolenschüsse und dem Namenszug des Schriftstellers begleitet wurde.  Das markante „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ wurde allerdings nicht vom Autor himself eingesprochen (Wallace starb bereits 1932 und war dementsprechend nicht mehr in der Lage dazu), vielmehr ist bei vielen Filmen die Stimme von Alfred Vohrer zu hören, der allein bei 14 Edgar Wallace Filmen die Regie führte.  Die Arbeit von Vohrer begeistert auch noch Jahre später, so outete sich Hollywood Regisseur Quentin Tarantino (Reservoir Dogs ) einst als großer Alfred Vohrer Fan („Alfred Vohrer is a genius!“).

Oscar-Gewinner schreibt die Filmmusik

Auf die verbale Einführung folgte immer eine reißerische eingängige Titelmusik, anfangs nur stark jazzlastig, später griff man des Öfteren auch auf elektronische, experimentelle Elemente zurück, die schon einen leicht psychodelischen Touch hatten. Bei der italienischen Produktion Das Geheimnis der grünen Stecknadel aus dem Jahr 1972 war sogar der spätere Oscar-Preisträger Ennio Morricone für die Filmmusik verantwortlich.

Nicht nur beim Publikum, auch bei den Schauspielern waren die Edgar Wallace Romanverfilmungen sehr beliebt. Das who’s who der deutschen Schauspielszene stand bei den Kriminalfilmen vor der Kamera, viele von ihnen sogar mehrmals.  Joachim „Blacky“ Fuchsberger  war, in den meisten Fällen als Polizeiinspektor, 13 Mal in einem Edgar Wallace Krimifilm zu sehen.  Daneben traten u.a. auch Heinz Drache (9), Klaus Kinski (16) („Noch einen Wunsch, Mylady“), Siegfried Schürenberg (16), Siegfried Lowitz (4), Harald Leipnitz (3), Karin Dor (5), Klausjürgen Wussow (2),  Dieter Borsche und auch Bond-Bösewicht Gert Fröbe auf. Rekordhalter ist Eddi Arent, der, meist  als Butler oder Journalist, für die komischen Elemente verantwortlich war und insgesamt in 23 Edgar Wallace Kriminalfilmen agierte.

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Einschneidende Veränderungen

Von 1959 bis 1966 wurden von Rialto Film 19 Edgar Wallace Filme produziert. Die 20. Verfilmung Der Bucklige von Soho, sollte gleich in doppelter Hinsicht einen Einschnitt in die bisherige Edgar Wallace Filmreihe bedeuten. Zum einen war es der erste Kriminalfilm der  Reihe, der in Farbe gedreht wurde, und zum anderen war es auch der erste Streifen, der nicht unmittelbar auf einem Roman von Edgar Wallace basierte. Zwar orientierte man sich weiterhin an den Motiven und begann, die Filme auch weiterhin mit dem bekannten Edgar Wallace Schriftzug – der Name hatte sich mittlerweile als Marke für Kriminalfilme etabliert – aber  für die nachfolgenden Filme (die übrigens alle in Farbe gedreht wurden) wurden nun Originaldrehbücher geschrieben und keine Edgar Wallace Krimis mehr 1:1 verfilmt.

Den Drehbuchautoren schienen aber schnell die Ideen ausgegangen zu sein, denn bis 1972 wurden nur noch acht Edgar Wallace Filme gedreht, der Film Der Gorilla von Soho aus dem Jahr 1968 war gar nur eine Neuverfilmung des bereits 1961 produzierten Films Die toten Augen von London.  1971 beendete Rialto Film mit dem Film Die Tote aus der Themse das Unternehmen Edgar Wallace, bei den beiden nachfolgenden italienischen Filmen Das Geheimnis der grünen Stecknadel und Das Rätsel des silbernen Halbmondes war man nur noch co-produzierend mit an Bord.

Der bekannteste Edgar Wallace Film dürfte Der Hexer sein, aber er war nicht der erfolgreichste.  Mit diesem Titel darf sich der Film Das Gasthaus an der Themse schmücken, der im Jahr 1962 sage und schreibe 3,6 Millionen Besucher in die Kinos lockte, dicht gefolgt von Das Geheimnis der gelben Narzissen (3,5 Mio.).

Zwischen 1995 und 1998 produzierte der Kölner Privatsender RTL eine eigene Edgar Wallace Reihe mit insgesamt acht Filmen, von denen aber nur einer ausgestrahlt wurden. Wegen schlechter Einschaltquoten verzichtete man darauf, die anderen sieben Teile zu zeigen. Erst im Jahr 2002 konnte man (sofern man dies überhaupt wollte) die verbleibenden Folgen auf Super RTL ansehen.  Dies nur zur Vervollständigung und nun hüllen wir den Mantel des Schweigens darüber.

Hier ist meine Liste der 8 besten Edgar Wallace Filme:

  1. Der Frosch mit der Maske (1959)
  2. Der grüne Bogenschütze (1961)
  3. Das Gasthaus an der Themse (1962)
  4. Der Zinker (1963)
  5. Das indische Tuch (1963)
  6. Die Gruft mit dem Rätselschloss (1964)
  7. Der Hexer (1964)
  8. Neues vom Hexer (1965)

Edgar Wallace Parodien

2004 entstand, nach einem Drehbuch der Comedians Oliver Kalkofe, Oliver Welke und Bastian Pastewka, die Filmkomödie Der Wixxer, eine Parodie der Edgar Wallace Filme, allen voran des Films Der Hexer. 2007 folgte dann mit Neues vom WiXXer die nicht minder erfolgreiche Fortsetzung, an deren Ende der dritte Teil Triple WixXXx angekündigt wurde.

Edgar Wallace Filme online schauen

Wem jetzt nach diesen Zeilen ein bisschen nach nostalgischer Krimiunterhaltung ist, der kann bei maxdome einen Teil der Edgar Wallace Filme online schauen. Selbstverständlich findet ihr dort auch noch weitere durchaus sehenswerte Kriminalfilme und Filme anderer Genres.

One Response to Edgar Wallace Filme – Die Kult Krimis der 60er Jahre

  1. M. Schaefer sagt:

    Warum ist bitte das Angebot bei Maxdome nicht komplett?
    Es fehlt zum Beispiel „Neues vom Hexer“
    Schade, wenn dann möchte man doch wohl mal alle Filme sehen.

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