In der Bibel gibt es ein Zitat welches lautet „Alter Wein in neuen Schläuchen“. Grob übersetzt bedeutet dies nichts anderes, als jemandem eine alte Idee in anderer Verpackung als neu zu verkaufen, frei nach dem Motto „Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix“. Natürlich macht diese Methode auch vor der Filmwelt nicht Halt und wenn einem dann die Ideen oder der Stoff für einen neuen Film fehlen, was liegt da näher, als einen schon mal dagewesenen Streifen einfach noch einmal neu zu verfilmen? Wenn man sich dann durch die unendlichen Weiten des Internets begibt, ist es schon bemerkenswert wie viele Remakes es eigentlich schon auf die Kinoleinwände oder den DVD-Rekorder geschafft haben. Mit der folgenden Liste der besten Remakes möchte ich euch einen Überblick über Original und Reboot geben.

 Liste der besten Remakes

Ladykillers (GB 1955 und USA 2004)

Fünf Gauner wollen mit Hilfe einer nichts ahnenden alten Dame einen großangelegten Geldraub ausführen. Als ihnen die rüstige Lady doch noch auf die Spur kommt, ist sich die Bande einig: Sie muss umgebracht werden. Doch das ist gar nicht so einfach. Genial makabrer englischer Kriminalklassiker aus den 50er-Jahren mit einer Topbesetzung um Alec Guinness  und Peter Sellers (Eine Leiche zum Dessert). 49 Jahre später nehmen sich die Coen-Brüder (The Big Lebowski) des Ladykillers-Stoffes an, verlegen den Ort des Verbrechens vom Nachkriegs-London in die amerikanischen Südstaaten der Gegenwart und als Objekt der Begierde dient nun kein Geldtransporter mehr, sondern ein Casino.  Hollywood-Superstar Tom Hanks brilliert in diesem Remake als schrulliger Professor und Boss einer Chaotentruppe von Gaunern.

 

Es geschah am hellichten Tag  (Deutschland 1958 und 1997)

Dieser hochspannende Psychokrimi nach einem Drehbuch von Friedrich Dürrenmatt um einen pensionierten Kommissar, der einen Kindermörder sucht und dabei ein kleines Mädchen als Lockvogel einsetzt, hat bereits mehrere Remakes nach sich gezogen. Heinz Rühmann zeigt im Original in der Rolle des von Gewissenkonflikten geplagten Kommissars Matthäi eine seiner besten schauspielerischen Leistungen. Auch Gert Fröbe, als von der Ehefrau unterdrückter Mörder, bietet sein ganzes Können auf und schafft es, obwohl Bösewicht, für einen kurzen Moment das Mitleid der Zuschauer zu erregen. 1997 erschien das deutsche Remake mit Joachim Król als Kommissar und Axel Milberg in der Rolle des Mörders. Drei Jahre später verfilmte Sean Penn (Milk) Dürrenmatts Werk als US-Version mit Jack Nickolson, Benicio Del Toro und vielen anderen Stars.

 

Die Fliege (OT: The Fly, USA 1958 und 1986)

Science-Fiction-Horror-Klassiker um einen Wissenschaftler, der nach einem misslungenen Experiment zu einem Mensch-Fliegen-Zwitterwesen mutiert. Zwar ist das titelgebende Insekt nur selten zu sehen, doch der Schrecken des Films speist sich aus den Reaktionen der Menschen, die den grässlichen Anblick ertragen müssen. In der Rolle des Forscherbruders ist Horrorfilmstar Vincent Price zu sehen. 1986 drehte Regisseur David Cronenberg das Remake mit Jeff Goldblum in der Hauptrolle. Im Vergleich zum 50er-Jahre-Original spart Cronenberg bei seiner Neuverfilmung von Die Fliege nicht mit Szenen, in denen das mutierte Mensch-Insekten-Wesen in seiner ganzen Pracht zu sehen ist.  Das Make-Up wurde  mit einem Oscar ausgezeichnet.

 

Die Zeitmaschine / The Time Machine (USA 1960 und 2002)

Klassiker des Science-Fiction Genre nach einem Roman von H.G. Wells und dem damaligen Hollywood-Star Rod Taylor in der Hauptrolle. Im Jahr 1899 entwickelt der Wissenschaftler George eine Maschine, mit der er durch die Zeit reisen kann. Nach anfänglich eher kurzen Zeitsprüngen erlebt George die beiden Weltkriege im Schnelldurchlauf und landet schließlich im Jahr 802.701, in dem sich die Menschheit in zwei Rassen aufgeteilt hat, die friedlichen Eloys und die boshaften Morlocks. 2002 sorgte mit Simon Wells ein Urenkel von Autor H.G. Wells für ein Remake. Wie schon die 1960er-Version basiert auch die Neuverfilmung The Time Machine nur lose auf der Romanvorgabe und auch zum Originalfilm gibt es einige Abweichungen. So heißt der Wissenschaftler nicht mehr George, sondern Alexander Hartdegen, er versucht mehrmals in der Zeit zurückzureisen, um einen schrecklichen Vorfall in der Vergangenheit ungeschehen zu machen und es kommt auch nicht zu einer atomaren Katastrophe, sondern zu einer Explosion des Mondes, welches das Leben auf der Erde verändert.

Ocean’s Eleven (USA 1960 und 2001)

Genialer Kriminalfilm mit einer Traumbesetzung um das Rat Pack mit Frank Sinatra, Dean Martin, Joey Bishop, Peter Lawford  und Sammy Davis Jr. über einen Super-Coup, fünf Spielcasinos in Las Vegas gleichzeitig auszurauben. In der deutschen Synchronisation heißt die Hauptfigur Frankie, statt Danny Ocean, weswegendas Original zu Ocean’s Eleven hierzulande auch als Frankie und seine Spießgesellen beworben wurde. Auch beim Remake von Steve Soderbergh aus dem Jahr 2001 geben sich die Hollywood-Stars die Klinke in die Hand. Die Figur des Danny Ocean wird von George Clooney verkörpert, Unterstützung erhält er u.a. von Brad Pitt, Matt Damon, Don Cheadle und Julia Roberts. Als Kasinobesitzer und Ocean’s Widersacher agiert Andy Garcia. Mit Ocean’s 12 (2004)  und Ocean’s 13 (2007) wurden zwei  nicht minder erfolgreiche Fortsetzungen produziert, in denen auch alle Gangster aus dem ersten Teil zu sehen sind.

The Italian Job (GB 1969 und USA 2003)

In dieser britischen Gaunerkomödie plant der frisch aus der Haft entlassene Meisterdieb Charlie Crocker (Michael Caine) einen Goldraub in Turin. Um die ortsansässige Mafia und auch die Polizei in die Irre zu führen, sorgen Crocker und seine Bande für ein totales Verkehrschaos mittels präparierter Minis. Doch auf der Flucht läuft nicht alles nach Plan und plötzlich könnten Crocker und Co. ohne ihre Beute dastehen.  Dank seiner lockeren Handlung und einer rasanten Verfolgungsjagd mit den Mini-Coopers avancierte The Italian Job – Charlie staubt Millionen ab in Großbritannien zum absoluten Kultfilm. Es sollte 34 Jahre andauern, bis auch diesem Heist-Movie ein Remake widerfahren sollte. Die Grundidee des Goldraubes in Italien und der Einsatz der Mini-Cooper bleiben erhalten. Regisseur Felix Gary Gray verlegt jedoch den Haupthandlungsort von Turin nach Kalifornien und auch der Widersacher trägt diesmal keine Polizeiuniform oder entspringt der Mafia, sondern kommt diesmal aus den eigenen Reihen. U.a. standen für die Neuverfilmung The Italian Job – Jagd auf Millionen Mark Wahlberg, Edward Norton, Jason Statham, Donald Sutherland und Charlize Theron vor der Kamera.

Ein Käfig voller Narren (F 1979) / Birdcage (USA 1996)

Frech-frivole Drag-Queen-Komödie über den schwulen Besitzer einer Transvestiten-Bar, der mit seinem langjährigen Partner die „heile Hetero-Welt“ vortäuschen muss, als sich der Sproß einer Jugendsünde verloben will und seinen Vater nun den spießigen Eltern seiner Liebsten vorstellen möchte. Michel Serrault und Ugo Tognazzi brillieren in dieser lasziven Komödie, die sich mit einem, für die damalige Zeit, Tabuthema auseinandersetzt und in Frankreich zum absoluten Blockbuster wurde. Selbst im spießigen Amerika wurde La cage aux folles (so der Originaltitel) für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Mit Robin Williams und Nathan Lane als durchgeknalltes Tuntenpärchen kommt 1996 mit Birdcage – Ein Paradies für schrille Vögel das US Remake in die Kinos. Neben den beiden Komikern glänzen die beiden Oscar-Gewinner Gene Hackman und Dianne Wiest als erzkonservativer US-Senator und dessen traditionsbewusste Ehefrau. Von Frankreich nach Amerika verlegt, bleibt die Birdcage Neuverfilmung seiner Filmvorlage treu und gefällt als freche, urkomische Farce über traditionelle Familienwerte und gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen. Egal ob Original oder Remake, diese charmanten Komödien sind auch heute noch einen Filmabend wert.

Nikita (F 1990) / Codename: Nina (USA 1993)

Großartig inszenierter und spannender Thriller um eine junge Frau, die bei einem Überfall einen Polizisten töttn und nun vom Geheimdienst vor die Wahl gestellt wird, entweder für den Rest ihres Lebens hinter Gitter zu wandern oder als ausgebildete Killerin für den Geheimdienst unliebsame Personen ins Jenseits zu befördern. Frankreichs Starregisseur Luc Besson gelingt in seinem Film Noir der gekonnte Spagat zwischen actionreichem Thriller und romantischer Lovestory. Anne Parillaud wurde für ihre hervorragende Leistung als Killern mit dem César ausgezeichnet. Dieses mal dauerte es auch nur drei Jahre, bis mit Codename: Nina das amerikanische Remake über die Kinoleinwände flimmerte. Die Variante von US-Regisseur John Badham (Nummer 5 lebt) erreicht zwar nicht die Eleganz des französischen Vorbilds, entschädigt aber mit zahlreichen Actionszenen und Bridget Fonda als Killerin, der man nicht lange böse sein kann.

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Infernal Affairs (Hong Kong 2002) / Departed – Unter Feinden (USA 2006)

Brillanter und höchst spannender Cop-Thriller aus Hong Konk,  in dem ein Polizeieinsatz bei einem Drogendeal scheitert  und beide Seiten nun nach der undichten Stelle suchen. Der bei den Triaden eingeschleuste Undercover-Polizist und sein bei den Gesetzeshütern agierender Gegenspieler müssen sich gegenseitig ans Messer liefern, ohne die Identität des anderen zu kennen. Statt einer Überdosis Action setzt Regisseur Lau eher auf die Charakterisierung seiner Hauptfiguren und deren innerer Konflikte, was erfreulicherweise nicht für weniger Spannung sorgt. Das dieses clevere Katz-und-Maus-Spiel  in Hong Kong selbst internationale Blockbuster wie Harry Potter und die Kammer des Schreckens an die Wand spielte, blieb auch in den USA nicht unentdeckt. Kein Geringerer als Star-Regisseur Martin Scorsese machte sich im Jahr 2006 an eine Neuverfilmung des asiatischen Cop-Thrillers für den US-Markt. Für sein Remake Departed – Unter Feinden holte er sich eine wahre Starflut um Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Mark Wahlberg und Jack Nickolson vor die Kamera. Aus Hong Kong wird Boston und die Mafia ersetzt bei Scorsese die Triaden, ansonsten hält sich der Altmeister fast nahtlos an das Original aus Fernost. Als Dank gab es für Departed – Unter Feinden vier Oscars u.a. für den besten Film und die beste Regie. Gut kopiert ist eben doch noch besser als schlecht selbstgemacht.

[REC] (Spanien 2007) / Quarantäne (USA 2008)

Erstklassiger Horror-Schocker aus Spanien, in dem ein TV-Team die Feuerwehr bei ihrer Arbeit begleitet und dabei in einem unter Quarantäne gestellten Altbau den absoluten Horrortrip erlebt, bei dem nicht alle Beteiligten lebend wieder rauskommen. Im Stile von Blair Witch Project wurde [REC] durchgehend mit wackeligen Kamerabildern gedreht und überträgt damit, die klaustrophobische Stimmung  auf den Zuschauer, der häppchenweise mit wohlinszenierten Schockmomenten bis zum furiosen Finale gefüttert wird, welches auch dem hartgesottensten Horrorfan das Gruseln lehren könnte. Selten waren die Amerikaner mit einem Remake so fix wie in diesem Fall. In den spanischen Kinos dürfte [REC] noch auf den Spielplänen gestanden haben, da gab es in den USA mit Quarantäne auch schon die amerikanische Neuverfilmung des spanischen Zombiestreifens.

Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Lieferung (Island 2008) / Contraband (USA 2012)

Das nicht einmal 400.000 Menschen umfassende Island ist nicht gerade für seine Filmindustrie bekannt, aber mit Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Lieferung gelang den Insulanern ein äußerst spannender Thriller um den eigentlich geläuterten Schmuggler Kristofer, der aus finanziellen Gründen aber erneut auf die schiefe Bahn gerät. Eine allerletzte Schmugglertour soll alle Geldprobleme lösen, doch diesmal spielt einer falsch und alles was schief gehen kann geht schief. Und dann sind da noch die fiesen Gangster die Kristofers Frau bedrohen. Handwerklich steht Reykjavik – Rotterdam Thrillern aus Frankreich oder den USA in nichts nach und der Streifen scheint auch in Übersee seine Freunde gefunden haben, denn vier Jahre später sieht sich Baltasar Kormákur, der im Original noch die Hauptrolle spielte, dazu veranlasst, ein US Remake zu drehen. In Contraband steht Kormákur jedoch nur noch als Regisseur hinter der Kamera, hat aber in Mark Wahlberg einen mehr als adäquaten Ersatz für die Hauptrolle gewinnen können.

Verblendung (SWE 2009 / USA 2011)

Die hochklassige Verfilmung des ersten gleichnamigen Romans aus Stieg Larssons „Millenium“-Trilogie über den aufrichtigen, investigativen Journalisten Mikael Blomqvist und einer misanthropen Computerhackerin, die einem 40 Jahre alten Verbrechen auf die Spur kommen und hinter der bürgerlichen Fassade einer bekannten Industriellen-Familie auf ein Netz aus Perversion, Lüge und Unmoral stoßen. „Verblendung“ war 2008 in der EU das bestverkaufte Buch und aufgrund des großen Erfolges des Filmes wurden auch die beiden nachfolgenden Filme Verdammnis und Vergebung statt wie geplant gleich im TV dann doch erst ins Kino gebracht. Für die beiden Hauptdarsteller Noomi Rapace (Sherlock Holmes  – Spiel im Schatten) und Mikael Nyqvist (Mission: Impossible – Phantom Protokoll) bedeutete die Romanverfilmung den großen internationalen Durchbruch. Der große Erfolg von Verblendung blieb natürlich auch in den USA nicht verborgen. Da der Ami aber mit Originalfilmen und Untertiteln nichts anfangen kann, hat er Verblendung eben gleich noch einmal neu gedreht, hier in Persona David Fincher.  Wie schon die schwedische Filmversion hielt sich Fincher sehr eng an die Romanvorlage. So verzichtete er zum Beispiel darauf, wie in US Remakes oft üblich, den Handlungsort in die USA zu verlegen, sondern drehte in Schweden. Als Zugpferd für sein Remake holte sich Fincher Bond-Darsteller Daniel Craig als Journalist Blomqvist ins Boot. Als Lisbeth Salander agierte die Nachwuchsschauspielerin Rooney Mara, welche die Computerhackerin im Vergleich zu Rapace etwas verletzlicher darstellte, aber ansonsten dem schwedischen Original in nichts nachsteht.

 

 

 

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