Es ist beileibe keine leichte Aufgabe, einen Blogartikel über die besten Kriegsfilme zu schreiben. Denn die einen Kriegsfilme müssen sich dem Vorwurf gefallen lassen, martialisches Einzelkämpfertum zu verherrlichen und tappen daher nicht selten in die Propagandafalle. Andere Kriegsfilme appellieren an den Frieden, indem sie recht drastisch die Schrecken des Krieges zeigen (die sog. Antikriegsfilme). Wir wollen uns an dieser Stelle allerdings auf keine filmwissenschaftliche Diskussion einlassen. Deshalb folgt ganz im Sinne von Regisseur Francis Ford Coppola, der einmal in einem Interview mit der Times sagte, dass alle Kriegsfilme Antikriegsfilme seien, eine Auflistung der unserer Meinung nach wirklich sehenswerten Kriegsfilme.

Liste der besten Kriegsfilme

 

Apocalypse Now Redux (1979)

Regie-Schwergewicht Francis Ford Copolla hat mit Apocalypse Now Redux einen treffenden Abgesang auf den Vietnamkrieg abgeliefert. Orientiert an Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ schafft Coppola einen der besten Kriegsfilme. Martin Sheen spielt hier Captain Willard, der den abtrünnigen Colonel Kurtz (grandios von Marlon Brando verkörpert) aufspüren und liquidieren soll. Während seiner Suche, wird Willard mehr und mehr des Kriegswahnsinns bewusst und er beginnt, an seinem Auftrag zu zweifeln. Eine ganz besondere Note bekommt dieser satirische Kriegsfilm auch durch den unvergesslichen Auftritt von Robert Duvall als surfbegeisterter Lieutenant Kilgore und seinen markanten Sprüchen („Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen“).

Full Metal Jacket (1987)

Full Metal Jacket zeigt das Leben des jungen Private Joker, der mit 18 Jahren eingezogen wird, um im Vietnamkrieg zu dienen. Die erste Hälfte des Films spielt dabei im Ausbildungslager, wo er und seine Mitrekruten vom Drillsergeant Hartman drangsaliert werden. Gerade diese erste Hälfte ist schon sehenswert, da hier deutlich gezeigt wird, unter welchem Druck die jungen Soldaten schon zu Beginn stehen – ohne überhaupt in das Kriegsgeschehen verwickelt zu sein. Ganz großes Kino von Meisterregisseur Stanley Kubrick, der mit Full Metal Jacket versucht hat, ein möglichst realistisches Bild des Vietnamkriegs zu zeigen.

 

Die durch die Hölle gehen (1978)

Um den 2016 verstorbenen Regisseur Michael Cimino ist es in den letzten Jahrzehnten sehr ruhig geblieben. Ausschlaggebend dafür war, dass er mit seinem Western Heaven’s Gate einen der größten Flops der Filmgeschichte landete. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass er mit seinem dreistündigen Epos Die durch die Hölle gehen einen der besten Kriegsfilme gedreht hat. Schonungslos wird über das Leben von drei russischstämmigen Stahlarbeitern erzählt, die psychisch traumatisiert aus dem Vietnamkrieg zurückkehren. Der Film wurde damals vollkommen zurecht mit fünf Oscars ausgezeichnet und ist überdies mit Robert De Niro, Christopher Walken und Meryl Streep hervorragend besetzt.

Platoon (1986)

Regisseur Oliver Stone hat selbst im Vietnamkrieg gedient und seine Erfahrungen in seiner sog. „Vietnam-Trilogie“ verarbeitet. Mit dem Film Platoon nahm sie ihren Anfang. Hier spielt Charlie Sheen einen College-Abbrecher, der sich freiwillig zum Dienst meldet. In Vietnam angekommen, muss er allerdings feststellen, dass ungefähr gar nichts seinen Vorstellungen vom heroischen Kriegsalltag entspricht. Die Soldaten kämpfen nur darum zu überleben und konsumieren Drogen, um den Schrecken des Krieges zu entfliehen. Mit den ebenso sehenswerten Kriegsfilmen Geboren am 4. Juli (1989) und Zwischen Himmel und Hölle (1993), schloss der für seine politischen Filme bekannte Regisseur seine Reihe ab.

 

Der schmale Grat (1998)

Wie bei einigen anderen der hier gezeigten Filme, hat man ein schlechtes Gewissen, wenn man nur eine kurze Beschreibung zum Inhalt oder der Intention der Filme gibt. Es ist eigentlich unmöglich, den Film Der schmale Grad so zu beschreiben, dass es dem Film gerecht wird. Wie fast alles von dem philosphisch angehauchten Regiesseur Terrence Malick, ist auch Der Schmale Grad ein Film, den jeder individuell für sich erfahren und durchleben sollte. Wenn man sich darauf einlässt, dann sieht man Bilder von bedrückender Schönheit und von einer seelenruhigen Friedlichkeit, die im starken Kontrast zu den Grausamkeiten und dem Chaos des Krieges stehen. Besonders kommt in der Romanverfilmung die Botschaft zum Ausdruck, dass kein Mensch den Krieg als Gewinner verlässt.

Der Soldat James Ryan (1998)

Die ersten Minuten von Der Soldat James Ryan sind Filmgeschichte. Die Landung in der Normandie wird als das riesige brutale Gemetzel dargestellt, das es auch war. Dabei zeigt Steven Spielberg in beeindruckenden Bildern, dass das Überleben hier reiner Zufall war. Jeden Moment konnte eine Kugel kommen und ein Leben auslöschen. Dem Film wird oftmals vorgeworfen, dass er ein zu klischeehaftes Feindbild zeige und sich im amerikanischen Pathos verliere. Trotzdem ist er einer der wichtigsten Antikriegsfilme. Die Rahmenhandlung mag kritisch betrachtet recht einfach sein – eine Gruppe von Männern soll einen bestimmten Soldaten befreien – aber die fast dokumentarische Inszenierung des Kriegsgeschehens setzte neue Maßstäbe. Zudem sind die verschiedenen Charaktere der Gruppe, um den großartigen Tom Hanks als Anführer, alles andere als klischeehaft.

Dunkirk (2017)

Christopher Nolan ist ohne Zweifel einer der größten Regisseure des neuen Jahrhunderts. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich der gebürtige Brite einer der größten und bekanntesten englischen Kriegsgeschichten annimmt: Der Flucht und der Evakuierung aus Dünnkirchen. Das inszeniert Nolan auf unnachahmliche Art und und Weise. Er löst das klassische Gebilde von Narration und erzählter Zeit auf, um die Schrecken des Krieges anhand von verschiedenen Einzelschicksalen zu verdeutlichen. Jeder kann jeden Augenblick getötet werden. Der Feind ist nicht zu erkennen, den Tod bringen Bomben und Schüsse von nicht erkennbaren Gegnern. Tom Hardy und Cillian Murphy brillieren hier in eindrucksvollen Rollen.

Das Boot (1981)

Das Boot ist neben Bernhard Wickis Die Brücke der zweite große Klassiker des deutschen Antikriegsfilms über den Zweiten Weltkrieg. Die beklemmende Geschichte über ein deutsches U-Boot, deren Besatzung ums Überleben kämpft, verzichtet auf Klischees und zeigt die deutschen Marine-Soldaten als Menschen, die auf engstem Raum in eine Ausnahmesituation geschickt werden und dort mit der alltäglichen Bedrohung, für immer im Meer zu verschwinden, leben müssen. Wolfgang Petersen schuf mit diesem Film den Eckpfeiler seiner Weltkarriere und auch für zahlreiche große deutsche Schauspieler ist der Film ein Meilenstein ihrer Karriere. Darunter der großartige Jürgen Prochnow und Otto Sanders. Gibt es auch als Serie.

Hacksaw Ridge (2017)

Mit Hacksaw Ridge gelang Mel Gibson ein fulminantes Comeback auf dem Regiestuhl. Mit seinem Antikriegsfilm Hacksaw Ridge inszeniert der Oscar prämierte Regisseur die wahre Geschichte des US Soldaten Desmond Doss. Der weigerte sich aus religiösen Gründen eine Waffe zu benutzen und wurde dennoch als Sanitäter zu einem amerikanischen Kriegshelden. Unbewaffnet rettete er 75 andere Soldaten und brachte sie von dem Schlachtfeld in Sicherheit. Gibsons Film ist dabei trotz allen Pathoses als ein Plädoyer für seine moralischen Überzeugungen zu sehen. Dieser Wille steht bei Hacksaw Ridge gegenteilig zum krassen und brutalen Alltag des Krieges, der auch hier in drastischen Bildern verdeutlicht wird.

Flags of Our Fathers & Letters from Iwo Jima (2006)

Hollywood-Veteran Clint Eastwood wählte in seinem zweiteiligen Epos um die Schlacht der kleinen Pazifikinsel Iwo Jima einen interessanten Ansatz: Während der erste Teil Flags of Our Fathers aus Sicht der Amerikaner erzählt wird und beschreibt, wie eine kleine Gruppe Soldaten mit dem Hissen der US-Flagge für Propagandazwecke in der Heimat genutzt werden, geht es im großartigen zweiten Teil Letters from Iwo Jima aus der Sicht der japanischen Verteidiger darum, wie diese trotz verlorener Sache mit unbedingtem Gehorsam erbitterten Widerstand leisten. Mit nüchterner Erzählweise, die den Zweiten Weltkrieg weder verurteilen noch glorifizieren will, ist Clint Eastwood ein besonderer Wurf gelungen.

 

Die Verdammten des Krieges (1989)

Viele Regisseure von Rang und Namen haben sich an einem Film über den Vietnamkrieg versucht, so auch Brian de Palma mit Die Verdammten des Krieges. De Palma geht aber eher auf die Kriegsverbrechen ein, die US-Soldaten an der vietnamesischen Bevölkerung verübten. Basierend auf wahren Begebenheiten, ist der junge Private Eriksson schockiert darüber, mit welcher Abgebrühtheit seine Kameraden eine vietnamesische Frau entführen und vergewaltigen. Mit Michael J. Fox und Sean Penn in den Hauptrollen braucht sich Die Verdammten des Krieges nicht zu verstecken. Ein packendes Psycho-Drama im Gewand eines Kriegsfilms.

 

Jarhead – Willkommen im Dreck (2005)

Aus jüngere Vergangenheit stammt Sam Mendes Romanverfilmung Jarhead. Mit Jake Gyllenhall in der Hauptrolle, erzählt er über die Erlebnisse des US-Marines Swofford im Ersten Irakkrieg. Die langweilige Wartezeit im Camp überbrücken die Soldaten mit seltsamen Wettkämpfen – Stichwort: Gasmasken-Football – weil der Krieg größtenteils zu Luft geführt wird und deswegen an ihnen vorbeizieht. Als der Bodenkrieg schließlich für sie losbricht, verstehen sie längst nicht mehr, warum und gegen wen sie überhaupt kämpfen sollen. Der Kriegsfilm zeigt ohne große Action die Sinnlosigkeit des Krieges im Soldatenalltag und ist genau deshalb so sehenswert.

In the Land of Blood and Honey (2011)

Während die meisten US-Kriegsfilme sich dem Zweiten Weltkrieg widmen oder die Traumata des Vietnamkriegs behandeln, darf nicht vergessen werden, dass Kriege auch anderswo und in jüngerer Zeit stattfinden. Angelina Jolie, die wegen ihrer humanitären Projekte schon fast als zweite Bono gilt, hat indessen mit dem sehr drastischen Kriegsdrama In the Land of Blood and Honey ein sehenswertes Regiedebüt über den Balkankrieg abgeliefert, das gleichzeitig eine ungewöhnliche Liebesgeschichte erzählt. Die Schauspieler entstammen allesamt aus dem Ex-Jugoslawien und verleihen somit der ganzen Thematik Authentizität, wurde doch bisher kaum ein Film über die Schrecken des Balkankonfliktes (Genozid und Massenvergewaltigungen inklusive) gedreht.

 

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