Anlässlich des deutschen Kinostarts ihres Animationsfilms Luis & die Aliens am Donnerstag, hat maxdome die Produzentin des Films, Emely Christians, zu ihrer Arbeit und Filmleidenschaft befragt. Derzeit arbeiten sie und ihr Team unter anderem an der Verfilmung von Sir Terry Pratchetts Roman „Maurice der Kater“.

Emely Christians ist Geschäftsführerin und Produzentin der Ulysses Filmproduktion. Die Hamburger Produktionsfirma hat sich auf die Entwicklung und Finanzierung von Animationsfilmen und -serien für Kinder für den internationalen Markt spezialisiert. 2016 wurde Emely in Lyon zur Produzentin des Jahres gewählt. Das Jahr darauf erhielt sie gemeinsam mit Kristine Knudsen den Preis für den Besten Kinder- und Jugendfilm für Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper beim Bayerischen Filmpreis 2017.

Die Firma

Warum hast Du Dich mit Deiner Produktionsfirma gerade auf Animationsfilme und -serien spezialisiert?

Emely Christians © 2018 Ulysses Films

Wir produzieren Animationsfilme, weil uns dieses Genre sehr gefällt. Unsere Helden können alles, was wir wollen: Rentiere fliegen, Spatzen sprechen und Aliens landen auf der Erde. Das macht Spaß. Und außerdem haben wir so den Vorteil, dass unsere Produktionen recht gut planbar sind und uns über lange Zeiträume beschäftigt halten. Wir haben nie (!) mit schlechtem Wetter zu kämpfen oder mit schwierigen Schauspielern. Und außerdem können wir unsere Filme sehr gut weltweit herausbringen, da wir ja nicht auf regional bekannte Schauspieler setzen müssen.

Warum ist Euch dabei der internationale Aspekt wichtig?

Wir bei Ulysses haben von Anfang an international gedacht und nicht vorrangig für den deutschen Markt produziert. Wir setzen auf Originalstoffe und haben damit die Chance, genau das zu erzählen, was wir erzählen wollen. International zu produzieren bringt einen großen Mehrwert für die Projekte. Schon in der Entwicklung arbeiten wir eng mit unseren Partnern aus dem europäischen Ausland zusammen und beleuchten die Geschichten und die Designs aus verschiedenen Blickwinkeln. Somit testen wir die Markttauglichkeit sozusagen intern schon mal, bevor wir an Finanzierungspartner herantreten. Zudem ist es natürlich toll, so viele Leute aus so vielen Ländern kennenzulernen und täglich in Kontakt zu sein.

Was ist der besondere Reiz an der Produktion von Kinderfilmen?

Filme für Kinder zu produzieren macht besonders Spaß, denn Kinder sind, anders als man annehmen könnte, ein sehr anspruchsvolles Publikum. Kinder sind sehr aufmerksam, was die Inhalte angeht, sie verstehen die Geschichten oft intuitiv und auf einer ganz anderen Ebene, als wir Erwachsenen das tun. Unlogisches decken sie auf, aber wenn es für die Helden der Kinder brenzlig wird, hoffen sie auf Wunder. Kinder sind so direkt in die Geschichte involviert, für sie bedeutet Kino ein großes Erlebnis – und daran haben wir große Freude, leuchtende Augen und ein mitfieberndes Publikum im Kinosaal zu haben.

Nach was sucht ihr Eure Projekte aus?

Zuallererst steht die Geschichte im Vordergrund, manchmal bekommen wir schon fertige Drehbücher, von denen wir begeistert sind und die wir unbedingt verfilmen möchten, aber meistens starten wir mit einer Idee oder einem ausführlichen Konzept. Dann kommt die Arbeit am Drehbuch und parallel dazu die visuelle Entwicklung der Charaktere und Orte. Im Grunde suchen wir uns die Projekte aus, die uns selber gefallen und die wir auch selber gerne im Kino sehen würden.

Die Projekte

Was für Behind the Scenes Infos kannst Du uns zu Luis & die Aliens verraten?

LUIS & DIE ALIENS © 2018 Ulysses Films

An Luis hat uns von Anfang an die Idee begeistert, dass unsere Aliens sich in Menschen und Tiere verwandeln können, wenn sie ein Haar der entsprechenden Personen runterschlucken. Das hatten sich die Regisseure Wolfgang und Christoph Lauenstein als Grundidee sehr früh ausgedacht und dies war der Aufhänger der ganzen Geschichte, natürlich zusammen mit der Sohn und Vater Konstellation. Die Verwandlung der Aliens technisch umzusetzen, hat einige Entwicklungs- und Forschungsarbeit gebraucht, sowas ist spannend und eine gute Herausforderung für die Teams in den Animationsstudios.

Was ist Deine persönliche Lieblingsszene von Luis und die Aliens und warum?

Meine Lieblingsszene ist als Valentina, die Putzfrau, sich mit ihrem Schrubber bewaffnet und auf die Badezimmertüre zustürmt, um zu sehen, was denn darin wohl los sei. Valentina ist sowieso großartig, sie ist unerschrocken, direkt und sehr lösungsorientiert …

Wer sollte sich Deiner Meinung nach unbedingt Luis und die Aliens ansehen?

LUIS & DIE ALIENS © 2018 Ulysses Films

 Unser Film ist für die ganze Familie gedacht. Kinder werden ganz besonderen Spaß an den Aliens haben, die benehmen sich ja wirklich schräg und bringen Luis in allerlei unmögliche Situationen. Aber auch für die Erwachsenen haben wir eine Menge Witze eingebaut, nach ersten Screenings haben wir viele begeisterte Kommentare von Erwachsenen bekommen, dass sie sich sehr gut unterhalten gefühlt haben. Das ist uns auch ganz wichtig, wir wollen ja niemanden, wirklich niemanden langweilen!

Wie kam es zu Eurem neuen Projekt, der Adaption von Sir Terry Pratchetts Roman, Maurice?

Als unser Film Ooops! Die Arche ist weg… gerade fertig war, hatten wir ein Treffen mit der Rechteagentur von Terry Pratchett, der ja leider mittlerweile verstorben ist. Sie haben sich unseren „Ooops!“ Film mit uns im Kino angesehen und daraufhin waren wir uns schnell einig, dass das Erbe und der Stoff Maurice bei uns in guten Händen sei. Die Rechtegeber vertrauen uns und wir werden alles tun, aus dem Roman einen anspruchsvollen und qualitativ sehr hochwertigen Film zu machen – mit dem Pratchett eigenen Humor und den gefeilten und unnachahmlichen Dialogen.

Dabei werden wir natürlich auch auf die Fans zugehen, die sind uns sehr wichtig, denn letztlich kennen sie sich ja am besten mit Pratchett und dessen unglaublichem Scheibenwelt Universum aus. Wir werden uns sehr genau ansehen, welche Vorstellung die Fans von den Charakteren haben und dies bei all unseren Visualisierungen beachten. Natürlich müssen wir auch darauf achten, den Roman gut fürs Kino anzupassen, ein Roman und ein Film sind ja zwei sehr unterschiedliche Medien. Aber das schaffen wir, da bin ich ganz sicher.

Was kannst Du uns schon zu Eurer Pratchett Adaption verraten?

Mit The Amazing Maurice von Terry Pratchett haben wir was ganz großes vor. Dieses Buch ist so toll, das liegt uns sehr am Herzen. Wir haben ein richtig gutes Drehbuch vorliegen, das hat Terry Rossio (Shrek, Pirates of the Caribbean, Small Soldiers, etc.) für uns geschrieben und momentan arbeiten wir auf Hochtouren an den Charakter Designs. Und dann geht es in die Finanzierung. Auf dieses Projekt freuen wir uns ganz besonders, denn hier werden wir zeigen können, dass echtes Family Entertainment von Deutschland aus möglich ist.

Die Person

Was sind Deine Lieblingsfilme & warum?

Im Animationsbereich ist mein Lieblingsfilm Die Unglaublichen – The Incedibles, der ist jetzt schon ganz schön alt, aber diese Familienkonstellation und die Beschreibung der einzelnen Figuren begeistern mich noch immer! Ich freue mich auf die Fortsetzung in diesem Jahr.

Was macht für Dich als Privatperson Filme & Serien so wichtig?

Filme zu gucken ist einfach eine tolle Beschäftigung, zu sehen, wie sich andere Leute in bestimmten Situationen verhalten – und wie es überhaupt zu diesen Situationen kommt – finde ich oft sehr amüsant, manchmal natürlich auch traurig oder spannend. Und die ganzen Serien, die momentan laufen, angefangen bei den skandinavischen Reihen über US Produktionen und auch andere europäische Projekte, finde ich ganz großartig. Im Bereich der Serien hat man natürlich, anders als in einem einzelnen Kinofilm, die Möglichkeit, die Menschen viel besser kennenzulernen, über viele Minuten. Das finde ich gut und das finde ich auch wichtig.

Kannst Du privat zur Entspannung überhaupt noch Filme gucken, wenn Du beruflich schon den ganzen Tag damit konfrontiert bist?

Auf jeden Fall kann ich privat zur Entspannung Filme und Serien gucken. Das Tolle an anderen Produktionen ist ja, dass man selber nichts damit zu tun hat und sich zum Glück weder um die Drehbücher noch um die Finanzierung kümmern muss. Manchmal erwische ich mich aber tatsächlich bei dem Gedanken daran, wie aufwendig dies und jenes wohl in der Umsetzung gewesen sein muss und was das für eine Anspannung im Team bedeutet haben muss – aber dann bin ich sehr schnell auch wieder beim Inhalt und freue mich über die gute Unterhaltung! Zudem gehe ich gerne ins Kino. Da gucke ich eigentlich alles, was mich irgendwie anspricht: Von Song to Song, über LaLaLand, über Transit, über Drei Tage in Quiberon und und und …

Was genau bedeutet Dir die Auszeichnung zur Europäischen Produzentin des Jahres“?

Über die Auszeichnung zur „Produzentin des Jahres“ habe ich mich sehr gefreut. Das Tolle daran ist, dass diese Auszeichnung von 700 Professionellen aus dem Animationsbereich vergeben wird, Produzenten, Vertriebe, Sender, etc. Das ist natürlich großartig zu sehen, dass diese riesige Jury die Arbeit, die ich mit meinem Team, dem Animationsstudio und den Koproduzenten mache, so schätzt.

Luis & die Aliens ist ab Donnerstag, den 24.05.2018, in den deutschen Kinos zu sehen.

Emely Christians wurde 1970 in Wuppertal geboren. Sie absolvierte ihr Studium zur Diplom Betriebswirtin mit dem Schwerpunkt Medienrecht an der Universität Hamburg.

Zuvor machte sie eine Ausbildung zur Medienkauffrau und ein Volontariat zur Bilddokumentarin.

Ihr Volontariat absolvierte Emely Christians bei der Fotografenagentur Bilderberg. Dort leitete sie später das Ressort Werbung.

Anschließend leitete sie die Hamburger Niederlassung einer deutschlandweit agierenden Fotoagentur und das Artbuying einer namhaften Hamburger Werbeagentur.

Seit 2007 ist sie Geschäftsführerin und Produzentin der Ulysses Filmproduktion.

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