Agatha Christie war und ist heute noch vor allem bekannt für ihre Kriminalromane. Viele Verfilmungen ihrer Stoffe waren große Erfolge. 2017 brachte Regisseur Kenneth Branagh ein Remake von einem dieser Klassiker auf die Leinwand: Mord im Orient-Express.

Das Original

Das Original, an dem er sich orientierte, stammt  aus dem Jahr 1974. Die Besetzungsliste in diesem Jahr ein wahrer Hingucker: Albert Finney, Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergman, Sean Connery und und und…

Die Handlung ist schnell erzählt: Auf einer Zugfahrt wird eine Leiche gefunden. An Bord ist auch der Detektiv Hercule Poirot (Albert Finney), der den Fall lösen soll. Da der Zug mittlerweile im Schnee stecken geblieben ist, bleibt ihm genug Zeit zur Befragung der verschiedenen Reisenden, die alle sehr besondere und unterschiedliche Persönlichkeiten darstellen.

Es handelt sich also um ein interessantes Kammerspiel mit Charakterstudie. Dabei ist der Film stilvoll und mit Albert Finney in der Hauptrolle wunderbar ironisch angehaucht. Nicht nur die fabelhafte Besetzung, sondern auch die elegante Inszenierung machen den Film absolut sehenswert.

Für mich ist aber vor allem eines wichtig: Die Lösung des Falls ist zu keinem Augenblick offensichtlich oder für den Zuschauer in Greifweite. Man wird immer wieder auf die falsche Fährte gelockt und ist sich zu keinem Zeitpunkt sicher, wer der Mörder ist.

Das Remake

2017 – viele Jahre später – ist das Kino natürlich auf einem ganz anderen Level, sowohl technisch als auch erzählerisch. Heute laufen Szenen schneller ab, es gibt mehr Effekte und durch die vielen Kinostarts ist es für Filme sehr viel schwerer herauszustechen.

Das Remake Mord im Orient Express trat allerdings wieder mit einer starken Starbesetzung auf den Plan: Penélope Cruz, Willem Dafoe, Judi Dench, Johnny Depp, Kenneth Branagh… Schon wenn man den Trailer geguckt hat, dachte man sich, dass das nur ein Feuerwerk der Schauspielkunst werden kann. Und in den momentan anhaltenden Hochjahren der Remakes ist das Neuerzählen einer alten Romanvorlage natürlich voll im Trend.

Bei der Handlung ist Kenneth Branagh (sowohl Regisseur als auch Hauptdarsteller) dem Original relativ treu geblieben. Allerdings baut er noch zusätzliche Szenen ein, welche die Hauptfigur vertiefen sollen und teasert auch am Ende schon eine Fortsetzung an. Außerdem lässt er die Szenen weg, die zu Beginn des originalen Films ablaufen, um den Rahmen des Mordfalls zu erläutern.

Technisch tobt sich Branagh voll aus: experimentelle Kameraeinstellungen, lange Totalen, große Effekte. Während die Kamerafahrten wirklich interessante Einblicke in die Handlung bieten, sind die Effekte allerdings teilweise fehlgeschlagen und erscheinen zu künstlich. Außerdem wird das Kammerspiel ein bisschen aufgelöst: Szenen werden auch in den Außenbereich des verschütteten Zugs verlegt. Dies löst die Spannung auf, da die Passagiere nicht dauerhaft im engen Zug gefangen bleiben, und bricht die Logik, dass der Mörder nicht entkommen könne.

Der Hauptcharakter nennt sich selbst den besten Detektiv der Welt, während die Passagiere sich nicht mal seinen Namen merken können. Er wird von Branagh nicht mehr ironisch, sondern unfassbar ernst gespielt. Der Film wird kitschiger und emotionaler als das Original – was dem leichten Unterhaltungsroman von Christie meiner Meinung nach nicht gerecht wird.

Zuletzt lässt der Detektiv den Zuschauer immer wieder laut an seinen Gedankengängen teilhaben, was frühe Hinweise zur Lösung des Mordfalles zur Folge hat. Der verschwiegene und ironische Hercule Poirot von Finney bot also der Spannung der Handlung eine viel bessere Grundlage.

 

Mein persönliches Fazit:

Meiner Meinung nach ist das Original um ein Vielfaches besser. Es macht mehr Spaß anzuschauen – trotz älteren Looks – und ist bis zum Schluss spannend und unvorhersehbar. Wenn man beide Filme anschauen und vergleichen möchte, bitte erst das Original. Hier ist die Lösung des Falls das größere Spektakel!

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