Shonda Rhimes. Ein Name, der zumindest in Deutschland vielen noch unbekannt sein dürfte. Doch sie ist dafür verantwortlich, dass Millionen von Menschen vor dem Bildschirm in Tränen ausbrechen, sich die Fingernägel abkauen und mitfiebern, wenn sie die neuesten Geschehnisse im Leben von Meredith in Grey’s Anatomy oder Olivia Pope in Scandal mitverfolgen.

Ihre Erfolge

Ihre TV-Serien sind fast immer Erfolge. In dem US-amerikanischen Fernsehen gilt Shonda Rhimes deswegen als die mächtigste Frau des Unterhaltungsfernsehens und wurde 2007 von dem TIME-Magazine unter die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres gewählt. Der Sender ABC etablierte sogar den „Shonda Thursday“: Der Donnerstagabend ist einzig und allein ihren Serien vorbehalten und wird mit den neuesten Folgen von Grey’s Anatomy, Private Practice oder ihrer neusten Produktion The Catch gefüllt. Aber auch bei uns in Deutschland sind die Serien allseits beliebt und zählen definitiv zu meinen absoluten Favoriten.

Die Person Shonda Rhimes

Doch wer ist das Gesicht hinter diesem Erfolg? Shonda Rhimes wurde am 13. Januar 1970 in Chicago geboren. Als afro-amerikanisches Mädchen mit fünf älteren Geschwistern lernte sie schnell, sich durchzusetzen. Nach ihrem College-Abschluss in Englisch und Filmwissenschaft begann sie erste Drehbücher zu verfassen. Schließlich gelang es ihr, die Regie für die Filme Not a Girl mit Britney Spears und Plötzlich Prinzessin 2 zu übernehmen. Der große Erfolg kam 2005 mit der Produktion der Serie Grey’s Anatomy. Sie sollte ursprünglich nur ein Lückenfüller im Programm sein, doch nach dem zweiterfolgreichsten Serienstart in der TV-Geschichte, wurde die rührende Story von Meredith und Derek weitergeführt.

Grey’s Anatomy

Grey‘s Anatomy handelt von der Assistenzärztin Meredith Grey (Ellen Pompeo), die eine problematische Beziehung zu ihren Eltern hat, eine Affäre mit ihrem neuen Chef Derek Shepherd  (Patrick Dempsey, Tranformers 3) beginnt und dabei ihrem Traum nachgeht, Chirurgin zu werden. Meredith ist nicht das Strahlemädchen, das man bisher aus Hollywood kannte. Sie ist zurückhaltend und hat ihren eigenen Kopf. Und gerade das macht sie in meinen Augen so sympathisch. Bis heute wurden ganze 13 Staffeln der Serie produziert. Rhimes erhielt für Grey’s Anatomy sämtliche Auszeichnungen der TV-Branche, unter anderem einen Golden Globe.

Private Practice

Doch das war erst der Anfang. 2007 erschien im amerikanischen Fernsehen die Serie Private Practice, ein Spin-Off von Grey’s Anatomy. Im Gegensatz zu Meredith ist Addison Montgomery (Kate Walsh) bereits eine erfahrende und erfolgreiche Ärztin, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzt, allerdings nach der Scheidung von Derek etwas mitgenommen ist. Addison will ein neues Kapitel in einer Privatpraxis in L.A. aufschlagen und merkt schnell, dass sie nicht als Einzige auf der Suche nach sich selbst ist.

Scandal

Die Serie Scandal, welche 2012 startete, handelt von der erfolgreichen PR-Agentin Olivia Pope (Kerry Washington, Django Unchained), die eine Affäre mit dem US-Präsidenten hat. Pope ist hin und hergerissen zwischen ihren Gefühlen für das amerikanische Staatsoberhaupt und dem moralisch richtigen Verhalten. Pope ist außerdem eine erfolgreiche und talentierte PR-Agentin, die sich leidenschaftlich ihrem Job hingibt, peinliche Skandale zu verhindern. Dabei wäre ihr Privatleben der größte Skandal.

How to get away with murder

In dem neuen Serienhighlight How to get away with murder (ab 2014) kämpft die knallharte Strafverteidigerin Annalise Keating (Viola Davis, Prisoners) für Angeklagte in ganz harten Fällen. Außerdem unterrichtet sie an der Universität das Fach Strafrecht und lehrt dabei, wie man mit Mord davonkommen kann. Als ihr Ehemann von ihren Studenten ermordet wird, dringt Keatings Privatleben immer mehr in ihren beruflichen Alltag. Es zeigt sich, dass die berechnende Strafverteidigerin eigentlich sehr verletzlich und einsam ist.

Arbeitsplatz-Thriller

Die Serien von Shonda Rhimes sind sogenannte Arbeitsplatz-Thriller. Sie zeigen die Höhen und Tiefen des Lebens. Okay, etwas überspitzt sind sie schon, es ist schließlich nicht alltäglich einen Flugzeugabsturz zu überleben oder eine Affäre mit dem Präsidenten zu haben. Aber trotzdem leidet man mit. Und die eigenen Probleme sehen plötzlich ganz klein aus. Gespannt sitze ich vor dem Bildschirm und fiebere mit meinen Lieblingscharakteren mit. Und die Probleme werden jedes Mal gelöst. Und das ist irgendwie beruhigend.

Echte Idole

Die Protagonistinnen könnten nicht unterschiedlicher sein, haben jedoch eines gemeinsam: Es sind Frauen, wie sie auch im echten Leben vorkommen. Sie sind eigensinnig und kompliziert. Sie machen Fehler. Aber sie sind allesamt ehrgeizig. Sie beißen sich durchs Leben, egal welche Steine ihnen in den Weg gelegt werden. Sie sind mehr als nur „die Ehefrau von“. Sondern sie sind echte Idole, die inspirieren. Ob farbig, weiß, homosexuell oder hetero: Rhimes erschafft vielschichtige Persönlichkeiten und scheut sich dabei nicht gesellschaftskritische Themen, wie beispielsweise Abtreibung, anzusprechen. Dazu sagte sie einmal:

„Ich schreibe keine Märchen, die perfekt sind. Und darauf bin ich stolz. Vor allem bin ich stolz darauf, das Recht zu haben, das zu tun.“

Kein Märchen

Shonda Rhimes ist eine afro-amerikanische Frau in einer männerdominierenden Branche. Und schafft genau deshalb mit ihren Serien Raum für starke Frauen wie sie selbst. Scandal war die erste Serie mit einer farbigen Frau in der Hauptrolle seit 1974. Als Viola Davis einen Emmy für die beste Hauptdarstellerin in How to get away with murder als erste afro-amerikanische Frau in der Geschichte erhielt, sagte sie: „Man kann keinen Emmy mit Rollen gewinnen, die nicht da sind“.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Rhimes ausschließlich farbigen Frauen eine Hauptrolle gibt. Vielmehr schafft sie Charaktere, die mehr sind als ihre Hautfarbe und durch ihre Persönlichkeit überzeugen. Und genau das macht ihre Serien so erfolgreich.

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