Anke Engelke wird 50. – Ich muss zugeben, ich war leicht „geschockt“, als ich dies registriert habe. Mir scheint es noch gar nicht so lange her zu sein, dass sie, als ich noch ein kleiner Junge war, als Teenie-Moderatorin das ZDF Ferienprogramm moderierte und mir damit den ein oder anderen verregneten Sommerferientag versüßte. Noch heute erinnere ich mich an den Text der Titelmelodie: „Hallo! Leute es sind Ferien! Alle machen blau von Flensburg bis nach Oberammergau…“. Mittlerweile ist das auch schon wieder 30 Jahre her und in diesen drei Jahrzehnten hat sich Anke Engelke mehr als hervorragend weiterentwickelt. Komikerin, Schauspielerin, Entertainerin, Musikerin, Synchronsprecherin und Moderatorin – die meisten würden wahrscheinlich schon in einem Job davon scheitern – Engelke hat sie alle gemeistert und das von Kindesbeinen an.

Die Anfänge

Am 21. Dezember 1965 im kanadischen Montreal geboren, wuchs Anke Engelke dreisprachig auf (Deutsch, Englisch, Französisch), was ihrer späteren Karriere sicherlich förderlich war. 1971 zog die Familie nach Rösrath bei Köln, wo Anke Engelke Mitglied des Schulchores Die Sonntagskinder wurde. Mit eben jenen Chor hatte Engelke den ersten Kontakt zum Showbiz, denn 1975 trat sie mit den Sonntagskindern in Peter Frankenfelds TV-Show Musik ist Trumpf auf, als Begleitchor eines gewissen Heino. 1977 begleitete der Chor Udo Jürgens auf dessen Tournee. Anke Engelke, damals zarte elf Lenze jung, durfte sogar ein Duett mit Jürgens singen. Dabei wurde sie von Radio Luxemburg entdeckt, wo sie anschließend von 1978 bis 1980 die Sendung Moment mal moderierte. Nebenbei sang sie auch in der Gruppe Manuel & Pony und hatte auch einen Auftritt in der ZDF Hitparade.

Dem breiten deutschen, vor allem jüngeren, TV-Publikum wurde Anke Engelke als jugendliche Moderatorin des ZDF Ferienprogramms bekannt, indem sie an der Seite von Benny Schnier und dessen Bobtail Wuschel von 1979 bis 1986 durchs Programm führte.

Engelke begann in Köln Anglistik, Romanistik und Pädagogik zu studieren, brach das Studium aber vorzeitig ab. Stattdessen fing sie eine Ausbildung als Redakteurin beim SWF an, wo sie bis 1998 auf SWF 3 Radiosendungen wie den Pop Shop moderierte. Im Jahr 1997 spielte sie in der Tatort-Folge Tod im All sich selbst als SWF 3 Moderatorin.

Auch dem Gesang blieb sie weiterhin treu. Seit 1989 sind Engelke und ihre Schwester Susanne Sängerin der Band Fred Kellner und die famosen Soulsisters. Mit dieser Soul-Band tourt Engelke zwei Wochen pro Jahr, meist zur Karnevalszeit.

Ihrem komödiantischen Talent konnte Engelke von 1993 bis 1996 im SWF 3-Comedy-Ensemble Gagtory freien Lauf lassen. Von nun an wechselte Anke Engelke vom Hörfunkmikrofon vor die Kamera und die wichtigsten Stationen wollen wir nun ein bisschen genauer beäugen.

Comedy

Die Wochenshow

Insgesamt vier Jahre, von 1996 bis 2000, trat Engelke neben Ingolf Lück, Bastian Pastewka, Marco Rima und Markus Maria Profitlich in der Sat 1 Comedysendung Die Wochenshow auf. Schon damals bewies Anke Engelke ihre unglaubliche Wandlungsfähigkeit. Bis heute unvergessen ihre Rolle als Ricky auf ihrem Popsofa, eine Parodie auf die gleichnamige Sängerin der deutschen Mädchenband Tic Tac Toe. Und auch das „Zurück zu Lück – Danke, Anke“ hat sich ins Gehirn ihrer Fans gebrannt. Neben ihren Auftritten in Der Wochenshow war Engelke ab 1999 noch in einer weiteren Sat.1 Produktion zu sehen.

 

 

Anke

Anke ist ein weiteres Comedyformat, in dem Engelke von 1999 bis 2001 die Moderatorin einer fiktiven TV-Talkshow darstellte. Für diese Rolle wurde sie zweimal mit dem Deutschen Comedypreis als Bester Komikerin ausgezeichnet. Zudem wurde die Serie, in der auch Ingo Naujoks und Roswitha Schreiner regelmäßig zu sehen waren, 2001 für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. Doch es sollte noch besser kommen.

 

 

Ladykracher

Mit ihrer Sketch-Show Ladykracher (2002 bis 2004) machte Anke Engelke auch international auf sich aufmerksam. Neben dem Gewinn des Deutschen Comedypreises, der Rose D’Or von Montreux und zahlreichen anderen Auszeichnungen, wurde Ladykracher 2003 für den US-amerikanischen TV-Preis Emmy nominiert. Eine Ehre, die nicht vielen deutschen Schauspielern oder Produktionen zuteil wurde. Aufgrund anderer Formate, ließ Engelke Ladykracher nach der 3. Staffel bis 2008 ruhen, danach folgten bis 2013 noch fünf weitere Staffeln. Da Engelke in allen Sketchen die unterschiedlichsten Rollen spielte, wurde sie auch als „Die Frau mit den 250 Gesichtern“ bezeichnet. Zum Hauptcast der ersten drei Staffeln gehörte auch Christoph Maria Herbst, der, nachdem er mit der Serie Stromberg erfolgreich wurde, die Serie verließ und danach nur noch Gastauftritte in der vierten Staffel hatte.

 

Anke Late Night

Anke Late Night ist einer der wenige „Reinfälle“ in der Karriere der Anke Engelke. Auf dem ehemaligen Sendeplatz der Harald Schmidt Show bekam sie ihre eigene Late Night Show. Erst am 17. Mai 2004 gestartet, war am 21. Oktober 2004 schon wieder Schluss. Anke Late Night konnte von Beginn an die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Dem Vorsatz, in jeder Show tagesaktuelle Gäste einzuladen, konnte man nie gerecht werden. Im Vorfeld sorgte eine Wette zwischen Rudi Carrell und Olli Dittrich für Aufsehen. Der niederländische Showmaster wettete um 10.000 Euro, dass die Show scheitern werde, zog die Wette aber wieder zurück.

 

 

Ladyland

Ladyland (2005 – 2007) war im Grunde genommen eine Weiterentwicklung von Ladykracher. Es wurden nicht mehr viele kurze Clips eingespielt, sondern zwei bis drei komplette Geschichten. Dies gab die Möglichkeit, den dargestellten Charakteren eine Persönlichkeit entwickeln zu lassen. Unnötig zu erwähnen, das Anke Engelke auch hier wieder in zahlreichen unterschiedlichen Rollen zu sehen war. Und wie schon für ihre Comedyserie Anke, gab es auch für Ladyland den Deutschen Comedypreis in der Kategorie Beste Komödie.

 

 

Wolfgang & Anneliese

Anke Engelke und ihr kongenialer Partner Bastian Pastewka spielen das bayerischen Volksmusik-Paar Wolfgang & Anneliese Funzfichler. Die zwei sind seit mehr als 30 Jahren im Showgeschäft und das ihre Ehe wegen Wolfgangs Affären kriselt, halten sie vor dem Publikum erfolgreich geheim. Erstmals konnten man die beiden in Fröhliche Weihnachten! – Mit Wolfgang & Annelies sehen. Die Persiflage der deutschen Volksmusik-Szene wurde 2008 mit dem Adolf-Grimme-Preis, dem Bayerischen Fernsehpreis und dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet. Auch die zweite Ausgabe von Fröhliche Weihnachten! – Mit Wolfgang & Annelies aus dem Jahr 2009 konnte den Deutschen Comedypreis einheimsen. 2011 folgte Fröhlicher Frühling mit Wolfgang & Anneliese.

Spielfilme

Tatort: Tod im Weltall (1997)

In ihrer ersten Filmrolle hat es Anke Engelke noch leicht,  als Radiomoderatorin spielt sie sich selbst, denn sie war damals wirklich als Moderatorin von SWF 3 tätig.

Liebesluder (2000)

Liebesluder war der erste Kinofilm, in dem Anke Engelke mitspielte. Sie mimt darin eine schwangere Frau, deren Zukünftiger am Tag der Hochzeit mit der Schwangerschaft seiner Affäre konfrontiert wird. Ein nette Provinzposse, in der Anke Engelke am Ende… nein, das werde ich hier natürlich nicht verraten.

 

 

 

Der Wixxer (2004)

In dieser Persiflage der Edgar-Wallace-Klassiker spielt Anke Engelke die sächsische Touristin Doris Dubinsky. Ihre Einsatzzeit im Film selbst ist relativ kurz, doch im Abspann und im Video The Wizard ist sie an der Seite der Band Right Said Fred zu sehen.

 

Freche Mädchen (2008)

In diesem Jugendfilm spielt Engelke die Mutter der pubertierenden Mila (Emilia Schüle), die eine kurze Affäre mit dem Schul-Referendar ihrer Tochter hat. Da Mila selbst ein Auge auf den Pauker Pit geworfen hat, ist diese natürlich entsetzt, als ihre Mutter offenbart, dass sie von Pit schwanger ist. 2010 folgt mit Freche Mädchen 2 eine Fortsetzung, in der Anke Engelke ebenfalls wieder mitspielt.

 

 

Rico, Oskar und die Tieferschatten (2014)

In diesem Kinderfilm über die Freundschaft zweier ungleicher Jungs, die sich auf die Suche nach einem berüchtigten Kindesentführer machen, schlüpft Engelke in die Rolle der Eisverkäuferin. Sicherlich nicht die größte Rolle, aber dafür sicher lecker.

 

 

 

Frau Müller muss weg! (2015)

In dieser Komödie von Sönke Wortmann spielt Anke Engelke die besorgte Mutter eines Dresdner Grundschülers. Besorgt um die schulischen Leistungen ihrer Kinder beschließen die Eltern, dass die Lehrerin – Frau Müller – Schuld an den schlechten Noten hat und ihre Klasse abgeben soll. Frau Müller muss weg! Soll zwar unterhalten, ist aber auch als Kritik an dem immer schlimmer werdenden Verhalten von Erziehungsberechtigten am Elternabend zu verstehen.

 

Gespensterjäger (2015)

Der als Angsthase geltende elfjährige Tom entdeckt im Keller das schleimige Gespenst Hugo. Hugo erweist sich jedoch als harmlos und freundlich. Von einem bösen Geist aus seinem Schloss vertrieben, muss Hugo dorthin zurück, sonst löst er sich in Luft auf. Also überredet Tom die Gespensterjägerin Hedwig Kümmelsaft (Anke Engelke) dazu, Hugo das Geisterleben zu retten. Für ihre Rolle wurde Engelke mit Lob überschüttet und als veritable Charakterdarstellerin bezeichnet.

Synchronsprecherin

Anke Engelke brilliert jedoch nicht nur als Comedian, Moderatorin, Sängerin und Schauspielerin, sondern seit Beginn des Jahrtausends auch als Synchronsprecherin. So lieh sie unter anderem in Findet Nemo (2002), der unter Amnesie leidenden Palettendoktorfisch-Dame Dorie ihre Stimme. Auch in Oh, wie schön ist Panama (2006), Urmel aus dem Eis (2006), Urmel voll in Fahrt (2008), Horton hört ein Hu! (2008) und Gnomeo und Julia (2011) ist Anke Engelke zu hören. Am bekanntesten dürfte jedoch Engelkes Sprechrolle in der Fernsehserie und dem gleichnamigen Film Die Simpsons sein, wo sie nach dem Tod von Elisabeth Volkmann ab 2007 die deutsche Synchronstimme von Marge Simpson wurde.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, Anke Engelke hat ihre bisherigen 50 Lebensjahre voll genutzt und eine bemerkenswerte und mit Preisen überhäufte Karriere hingelegt. Für all die vielen Jahre der tollen Unterhaltung bleibt mir zum Abschluss nur noch eines zu sagen: Danke, Anke und alles Gute zum 50. Geburtstag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.