Mit dem intensiven und hochsensiblen Familiendrama Manchester by the Sea ist Casey Affleck in aller Munde – Filmkritiker feiern ihn als brillanten Charakterdarsteller, er wird mit Filmpreisen (etwa dem Golden Globe) überhäuft und als Oscarkandidat gehandelt. Doch Affleck hat schon vor Manchester by the Sea großartige Filme gedreht und bewiesen, dass er es schauspieltechnisch locker mit seinem großen Bruder Ben aufnehmen kann.

Von Fernsehrollen zum Oscarkandidaten

Casey Affleck wurde 1975 in Massachusetts geboren, wuchs dort auch auf und ging später fürs Studium nach Washington, D.C.. Schon während seiner Jugend- und Collegezeit arbeitete er gelegentlich fürs Fernsehen. Fuß in der Schauspielbranche fasste der sympathische Neuengländer dann dank Rollen an der Seite seines Bruders, etwa in Chasing Amy oder Bens oscarprämierten Welterfolg Good Will Hunting.

Der wahre Durchbruch kam aber erst nach einer kleinen Rolle in den Oceans-Filmen: 2007 wurde Casey für die Verkörperung des Robert Ford gecastet, dem Mörder Jesse James‘, der im Film Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford von Brad Pitt gespielt wird. Für seine überragende Darstellung wurde Casey für einen Oscar nominiert und erhielt weitere Nominierungen, beispielsweise für den Golden Globe oder den Screen Actors Guilt Award.

Danach folgten große Hauptrollen in Filmen wie Gone Baby Gone, The Killer inside me oder The Finest Hours.

 

Die besten Casey Affleck Filme

 

Manchester by the Sea (2016)

Lee Chandler (Casey Affleck) ist kein Mann vieler Worte. Er lebt zurückgezogen und einsam, trinkt etwas zu viel und teilt auch gern mal einen ordentlichen Fausthieb aus. Als sein Bruder Joe (Kyle Chandler) stirbt, wird Lee zum Erziehungsberechtigten seines 16-jährigen Neffen Patrick (Lucas Hedges), der mitten in der Pubertät steckt. Lee muss also in seine Heimatstadt Manchester-by-the-Sea zurück, um für seinen Neffen da zu sein und alle Formalitäten für Josephs Nachlass klären. Dabei wird er mit den längst verdrängten Erinnerungen an seine traumatische Vergangenheit konfrontiert und lernt auf brutale Weise aufs Neue, warum er überhaupt damals fortgehen musste.

Für Kenneth Lonergans meisterlich gefilmtes, sensibel erzähltes und absolut überwältigendes Familiendrama gab es 6 Oscarnominierungen, darunter für den Besten Film, das Beste Originaldrehbuch und für die drei Darsteller Casey Affleck (Lee), Lucas Hedges (sein Neffe Patrick) und Michelle Williams (seine Exfrau Randi).

 

Triple 9 (2016)

Die russische Mafia, unter der Rute von Irina Vaslov (Kate Winslet), kontrolliert Atlanta. Um ihre kriminellen Aktivitäten durchziehen zu können, machen die Mafiosi gemeinsame Sache mit der örtlichen Polizei: Marcus Belmont (Anthony Mackie), Gabe Welch (Aaron Paul) und Michael Atwood (Chiwetel Eijofor) rauben sogar regelmäßig Banken für die Russen aus. Eines Tages kommt ein neuer Cop in die Stadt, der mit Korruption nichts am Hut hat: Chris Allen (Casey Affleck) ist zwar ein etwas raubeiniger Geselle, doch als Neffe von Sergeant Detective Allen (Woody Harrelson) lässt er sich nicht auf zwielichtige Geschäfte ein.

Seine neuen Kollegen haben jedoch anderes im Sinn: Für einen hochgefährlichen Raubzug wollen sie den Polizeifunkcode „999“ auslösen, der den Tod eines Beamten im Dienst signalisiert. Dafür muss natürlich auch einer im Dienst draufgehen – und das soll ausgerechnet Chris sein…

Triple 9 ist ein aufregender, unkonventioneller Thriller mit einem schlagfertigen Casey Affleck in der Hauptrolle. Kate Winslet als süffisante Mafiabraut ist ein absolut Highlight.

 

The Finest Hours (2016)

Ray Sybert (Casey Affleck) ist Teil der Besatzung eines Öltankers namens SS Pendleton, welcher vor der Küste Neuenglands seinen Geschäften nachgeht. Am 18. Februar 1952 wird das Schiff jedoch von seinem größten Erzfeind heimgesucht: Dem tosenden Meer. Ein orkangleicher Sturm sucht die Küste heim und macht die Gewässer zu einer absolut tödlichen Falle. Als die SS Pendleton in der Mitte auseinanderbricht werden etwa 30 Überlebende innerhalb des tonnenschweren Kolosses eingeschlossen. Als rangältester Überlender übernimmt Ray die Aufgabe, seinen Männern Mut zuzusprechen und sie von einem zum Scheitern verurteilten Plan zu überzeugen.

In der Zwischenzeit macht sich eine Rettungsmission unter der Leitung von Bernie Webber (Chris Pine) daran, die Eingeschlossenen zu retten. In einem Rettungsboot nähern sie sich dem Wrack der SS Pendleton, unwissend darüber, dass unter Rays Führung das beabsichtigte Auflaufen auf eine Untiefe angeordnet wurde – und der Sturm hat noch lange nicht aufgehört…

The Finest Hours ist ein packender Katastrophenfilm, der den Spannungsbogen von Anfang bis Ende aufrecht erhält. Mit Chris Pine und Casey Affleck wurden zwei Sympathieträger gefunden, die es mit einem gefährlichen Gegner aufnehmen müssen: der Zeit.

 

Interstellar (2014)

Ex-Astronaut Cooper weiß, dass seinen Kinder Tom (später: Casey Affleck) und Murphy (Mackenzie Foy) kein langes Leben auf der Erde vergönnt ist. Der blaue Planet stirbt und mit ihm alles Lebendige. Dürren und Sandstürme haben die letzten Pflanzen getötet, selbst der einst widerstandsfähige Mais, den Cooper anbaut, um seine Familie zu ernähren, gibt langsam auf. Eines Tages nimmt jedoch Professor Brand (Michael Caine) Kontakt mit Cooper auf. Er ist Wissenschaftler bei der NASA und will Cooper durch ein Wurmloch nahe des Planeten Saturn in eine entfernte Galaxis schicken, um die Menschheit dort neu anzusiedeln.

Weil Cooper weiß, dass dies die einzige Chance für seine Kinder und deren Enkelkinder ist, alt zu werden, tritt er die gefährliche Reise an der Seite von Brands Tochter Amelia (Anne Hathaway) und einigen weiteren Kosmonauten an. Bei seinem Abschied kann Murphy nicht glauben, dass ihr Vater sie zurücklässt; aufgrund der immensen Zeitverschiebungen ist es ein Lebewohl für immer. Cooper bricht auf in die entlegenen Winkel des Universums und während er von Planet zu Planet reist, um eine Lösung für die Menschheit zu finden, bemüht sich die inzwischen erwachsene Murphy (Jessica Chastain) auf der Erde um das Gleiche…

Christopher Nolan’s spektakulärer Spacetrip wirft unausgesprochene Fragen über Existenz und Sinn auf. Für seinen Cast hat er nicht nur die Hauptrollen ausgezeichnet besetzt, sondern auch jede Nebenrolle wird von großartigen Darstellern gespielt. So tritt Michael Caine als NASA-Wissenschaftler auf, Casey Affleck verkörpert Matthew McConaugheys erwachsen gewordenen Filmsohn, der wegen der Entscheidungen seines Vaters verbittert und kalt geworden ist.

 

Auge um Auge (2013)

Russell Baze (Christian Bale) ist nicht zu beneiden: Als Stahlarbeiter muss er Doppelschichten schieben, um über die Runden zu kommen und seiner hübschen Freundin Lena (Zoe Saldana) etwas bieten zu können. Zudem versucht Russell sich um seinen von Irakkrieg-Einsätzen traumatisierten jüngeren Bruder Rodney (Casey Affleck) und seinen kranken Vater zu kümmern. Doch eines Tages muss Russell wegen Trunkenheit am Steuer in den Knast. Rodney will anders als sein großer Bruder nicht in dem örtlichen Stahlwerk in Braddock, Pennsylvania, arbeiten und hofft stattdessen auf das schnelle Geld. Während Russel im Gefängnis sitzt, verzockt Rodney seinen Sold regelmäßig bei Pferdewetten. Wegen seiner Spielschulden gerät er in die falschen Kreise und nimmt schon bald an illegalen Straßenkämpfen teil…

Auge um Auge ist eine düstere Milieustudie der amerikanischen Arbeiterschicht und zeigt einen brillant spielenden Christian Bale. Casey Affleck tritt als traumatisierter Kriegsveteran auf und Woody Harrelson darf seine gewohnte Psychorolle spielen.

 

 

The Killer inside me (2010)

Deputy-Sheriff Lou Ford (Casey Affleck) lebt in den Fünfzigern in einer texanischen Kleinstadt und ist ein Mann mit klaren Prinzipien. Doch nur nach außen hin ist er ein ordnungstreuer, ehrlicher Mann – innerlich sinnt er nach Rache, ist ein Psychopath und ein Sadist. Seine Freundin Amy (Kate Hudson) sieht nicht, was offensichtlich ist: Dass immer mehr Leute in Fords Umfeld verschwinden und sterben und dass eine Spur aus Leichen seinen Weg pflastert. Als sich ein Staatsanwalt den Fällen annimmt und Fords Fährte langsam aber sicher aufnimmt, lässt er sich auf eine sadomasochistische Beziehung mit der Prostituierten Joyce (Jessica Alba) ein. Sie bringt er auch dazu, einen schwerreichen Magnaten um sein Geld zu erleichtern. Scheinbar, um ein neues Leben anzufangen, doch in Wirklichkeit geht es Lou Ford um ganz etwas anderes: Er will seine sadistischen Gelüste ausleben und Rache nehmen an jemandem, den er für den Tod seines Bruders verantwortlich macht.

Das Star-Aufgebot um Affleck, Alba und Hudson bildet in einem rasanten Thriller mit blutigen Bildern und brutalen Wendungen eine Dreiecksbeziehung der Superlative mit überraschendem Ausgang.

 

 

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (2007)

1881: Jesse James (Brad Pitt) ist der Anführer der gefürchtetsten und berüchtigtsten Banditenbande des Wilden Westens. Unter seiner Führung werden Banken überfallen, Postkutschen und Eisenbahnen ausgeraubt und der Gaunerei alle Ehre gemacht. Seine Taten werden landesweit bekannt und der junge Robert „Bob“ Ford (Casey Affleck) hat sich James als Idol auserkoren. Dieser lebt nach vielen Jahren unter falschem Namen mit Frau und Kindern in Missouri – in Bob Fords direkter Nachbarschaft.

James will einen neuen Coup durchziehen und weil seine alte Bande im Gefängnis verrottet oder tot ist, schart er neue Mitglieder um sich. Eine Schar aus Straßendieben und Kleinkriminellen findet sich um den glorifizierten Jesse James und auch Bob und sein Bruder schließen sich ihm an. Schon bald begreift Bob jedoch, dass Jesse James gar nicht der Mann ist, den er zu kennen glaubte: Er verhöhnt den jungen Bob, bringt ihm nur Spott entgegen und beginnt zunehmend, mehr und mehr dem Wahnsinn zu verfallen. Also tut Bob sich mit der hiesigen Polizei zusammen, um James zu bespitzeln und wird schließlich wahrscheinlich genau dorthin kommen, das zu tun, was der Titel des Films schon verrät…

Für seine Darstellung des verschrobenen Robert Ford, der den berüchtigten Banditen Jesse James an die Polizei ausliefert und verrät wurde Casey Affleck für den Golden Globe und den Oscar nominiert.

 

Gone Baby Gone (2007)

Patrick (Casey Affleck) und Angela (Michelle Monaghan) sind privat wie beruflich ein Paar. Die beiden Privatdetektive werden von einem Ehepaar engagiert, dessen Nichte spurlos verschwunden ist. Obwohl der Chef der hiesigen Polizei, Chief Doyle (Morgan Freeman) die Amateurermittler nicht duldet, finden sie schneller eine Spur als seine eingesetzten Ermittler. Ein berüchtigtes Drogenkartell scheint die kleine Amanda entführt zu haben – weil ihre Mutter Drogengelder veruntreut hat.

Patrick und Angela nehmen die Spur der Kriminellen mithilfe zweier hartgesottener Bostoner Detectives auf und wollen einen Austausch des Kindes für das veruntreute Geld organisieren. Der Austausch schlägt katastrophal fehl und plötzlich steht nicht mehr nur das Leben des Kindes und seiner Mutter auf dem Spiel, sondern auch das von Patrick und Angela selbst…

Ben Affleck inszeniert diesen soliden Thriller mit überraschenden Wendungen und seinem Bruder Casey in Topform: Mit Filmpartnerin Monaghan stellt er ein authentisches Privatdetektiv-Pärchen da, dass in die perfiden Machenschaften eines Drogenkartells gerät.

 

Good Will Hunting (1997)

Professor Gerald Lambeau (Stellan Skarsgard) kann es nicht fassen, als er an einem Morgen das MIT betritt und eine schier unlösbare Rechenaufgabe gelöst vorfindet. Die Aufgabe hatte er als Gag am Vortag auf die Tafel geschrieben, um seinen Schützlingen zu zeigen, wie viel es in der Mathematik noch zu bewältigen gilt.

Die Lösung der Aufgabe hat nur jemand schaffen können, der auf Nobelpreis-Niveau rechnen kann. Doch welcher seiner Studenten war es? Zu seiner Überraschung findet Lambeau das unentdeckte Mathe-Genie nicht in einem seiner Studenten, sondern in Will Hunting (Matt Damon), einem kleinkriminellen Hilfsarbeiter, der sich im MIT ein wenig Geld mit Reinigungarbeiten verdient. Will steht wieder einmal kurz vor einer Gefängnisstrafe, doch Professor Lambeau will das Mathe-Genie nicht aufgeben, sondern handelt mit dem Gericht einen Deal aus: Wenn Will einmal in der Woche in der Uni erscheint und einmal in der Woche eine Therapiesitzung macht, dann bleibt er auf freiem Fuß. So gedenkt Lambeau Will einen lukrativen Job zu verschaffen, den er mit seinen Fähigkeiten locker bewältigen kann. Doch Will denkt nicht daran sich von einem Therapeuten pseudopsychologisches Gelaber anzuhören und vergrault einen nach dem anderen. Da zieht der gewiefte Professor Lambeau ein Ass aus dem Ärmel: Den aus ärmlichen Verhältnissen stammenden, einfühlsamen und einnehmenden Psychologen Sean Maguire (Robin Williams), der es aufgrund der ähnlichen Vergangenheit schafft, ein Verhältnis zu Will aufzubauen.

Good Will Hunting wurde 1997 von Ben Affleck und Matt Damon geschrieben und wurde mehrfach ausgezeichnet. Die Prämisse, so schlicht sie auch sein mag zieht den Zuschauer dank großartig ausgearbeiteter Figuren einem überragenden Robin Williams immer tiefer in seinen Bann. Matt Damon als Genie aus der unteren Sozialschicht legte mit dem Film den Grundstein seiner Karriere als Hollywooddarsteller.

 

 

 

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