Am 22. November 1940 in Minneapolis geboren, ist Terry Gilliam das einzige Mitglied der britischen Kult-Comedy-Gruppe Monty Python, der nicht in Großbritannien zur Welt kam. Neben John Cleese (The Art of Football von A bis Z), Eric Idle (Nonnen auf der Flucht), Terry Jones (Erik der Wikinger), Graham Chapman und Michael Palin war er als Teil des 1969 gegründeten Komikerteams zunächst vor allem für surreale Kurztrickfilme zuständig.

Bereits in ihrem ersten Kinofilm Die Ritter der Kokosnuss führte er zusammen mit Terry Jones die Regie, ebenso wie im dritten und letzten Spielfilm der Gruppe, Der Sinn des Lebens. Parallel drehte er bereits eigene Filme, wie die Horrorgroteske Jabberwocky und die Fantasykomödie Time Bandits. Die dystopische Satire Brazil mit Python-Kollege Michael Palin gilt als eins seiner besten Werke.

Mit dem modernen Märchen Die Abenteuer des Baron Münchhausen erhielt Gilliam vier Oscar-Nominierungen. Die teure Produktion floppte jedoch an den Kinokassen. Danach wandte sich Gilliam mit König der Fischer einer eher realistischen Geschichte zu. Mit dem Zeitreise-Thriller 12 Monkeys landete er im Anschluss seinen größten Hit, mit der ersten Oscar-Nominierung für den damals noch fast unbekannten Brad Pitt.

Sein nächster Film Fear and Loathing in Las Vegas nach dem Bestseller von Hunter S. Thompson war zwar erneut eine Enttäuschung an der Kinokasse, erlangte jedoch auf DVD Kult-Status. Im Anschluss versuchte er vergeblich, die Geschichte von Don Quixote zu verfilmen. Das Protokoll seines Scheiterns zeigt die Doku Verloren in La Mancha. 2005 kam dann endlich sein wohl kommerziellster Film heraus: Brothers Grimm.

Bei Das Kabinett des Doktor Parnassus schlug erneut das Schicksal zu: Hauptdarsteller Heath Ledger starb, bevor der Film zu Ende gedreht war. Gilliam behalf sich, indem er die Rolle mit Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell (Winter’s Tale) zweit-, dritt- und viertbesetzte.

In seinem neuesten Film The Zero Theorem kehrt er wieder in eine dystopische Zukunft im Stil von Brazil zurück. Und der über 70-jährige ist immer noch nicht müde geworden: Als Nächstes will er sich erneut daran wagen, seine Geschichte von Don Quixote neu zu verfilmen. Für die Hauptrolle ist John Hurt (Oxford Murders) im Gespräch.

Die besten Filme von Terry Gilliam auf maxdome

The Zero Theorem (2013)

Der exzentrische Programmierer Qohen Leth (Christoph Waltz, Inglourious Basterds) arbeitet in einer dystopischen Zukunft für das allmächtige Unternehmen Mancom. Eines Tages bekommt der menschenscheue Hypochonder den Auftrag, das Zero Theorem zu lösen. Die Gleichung, an der schon vor ihm zahlreiche Mathematiker gescheitert sind, vereinnahmt schnell sein ohnehin einsiedlerisches Leben.

Wie schon in Brazil präsentiert Terry Gilliam eine dystopische Zukunft, die an die beklemmenden Romane Kafkas erinnert. Gleichzeitig ist sein Film eine ätzende Satire der konsumbesessenen Generation Facebook.

12 Monkeys (1995)

Im Jahr 2035 wird die Welt von einem tödlichen Virus entvölkert, die wenigen Überlebenden leben tief unter der Erde. Der Strafgefangene James Cole (Bruce Willis) wird von Wissenschaftlern mit einer Zeitmaschine in das Jahr 1996 geschickt. Dort soll er herausfinden, wie es zu dem Ausbruch des Virus kam. Doch zunächst landet er erstmal im Irrenhaus. Dort trifft er die Ärztin Kathryn Railly (Madeline Stowe, Bad Girls) und den irren Jeffrey Goines (Brad Pitt). Außerdem entdeckt er Hinweise auf eine mysteriöse Armee der 12 Monkeys.

Der Sci-Fi-Thriller nach einem französischen Kurzfilm ist eine hochspannende Zeitreisestory mit düsteren, alptraumhaften Bildern.

König der Fischer (1991)

Der arrogante Radiomoderator Jack Lucas (Jeff Bridges, Crazy Heart) nimmt in seiner Talkshow kein Blatt vor den Mund. Doch dann läuft einer seiner Hörer Amok und richtet in einem Restaurant ein Blutbad ein. Als sich Jack daraufhin umbringen will, rettet ihm der irre Obdachlose Parry (Robin Williams) das Leben. Als Jack erfährt, dass Parry den Verstand verloren hat, weil seine Frau beim Amoklauf von Jacks Hörer ums Leben kam, beschließt er, ihm zu helfen.

Das anrührende Drama lebt vom grandiosen Spiel seiner beiden Hauptdarsteller, Terry Gilliam hält sich dazu klugerweise mit seinem typischen schrägen Regiestil zurück.

Der Sinn des Lebens (1983)

Anders als in ihren beiden vorherigen Filmen, ist das letzte Spielfilmprojekt der britischen Kult-Comedygruppe Monty Python eine Aneinanderreihung verschiedener Sketche – und ähnelt somit ihrer TV-Serie Flying Circus. Das verbindende Element ist die Frage nach dem Sinn des Lebens, die sich unter anderem Soldaten im ersten Weltkrieg, eine katholische Großfamilie und eine kürzlich verstorbene Partygesellschaft stellen.

Neben den Animationen steuerte Terry Gilliam vor allem den surrealen Kurzfilm bei, in dem sich eine Versicherung in ein Piratenschiff verwandelt.

Das Kabinett des Doktor Parnassus (2009)

London der Gegenwart: Das heruntergekommene Wandertheater des Doktor Parnassus (Christopher Plummer, Ein russischer Sommer) versucht meist vergebens, Passanten für sich zu begeistern. Was keiner der Schausteller ahnt: Parnassus ist ein Tausendjähriger, der einst seine Seele dem Teufel (Tom Waits, Bram Stoker’s Dracula) versprochen hat. In einem zweiten Pakt versprach er darüber hinaus auch die Seele seiner Tochter Valentina (Lily Cole, Die Sehnsucht der Falter) dem Beezelbub, sobald sie 16 Jahre alt wird. Als dieses Datum näher rückt, nimmt die Truppe den Betrüger Tony (Heath Ledger) bei sich auf, der Parnassus und seine Truppe gehörig durcheinander wirbelt.

Einmal mehr wurde ein Projekt von Terry Gilliam vom Pech verfolgt: Der tragische Tod von Heath Ledger drohte, die Dreharbeiten scheitern zu lassen. Doch Johnny Depp, Colin Farrell (Total Recall) und Jude Law übernahmen seine Rolle in surrealen Traumsequenzen, was letzten Endes sogar fast so wirkt, als wäre es von vornherein geplant gewesen.

Brothers Grimm (2005)

Im Deutschland Anfang des 19. Jahrhunderts ziehen die beiden Brüder Jake (Heath Ledger) und Will Grimm (Matt Damon) durch die Lande und treiben böse Geister und Hexen aus. Tatsächlich sind sie jedoch Betrüger und die vermeintlich übersinnlichen Monster Taschenspielertricks. Als sie jedoch plötzlich einer echten Hexe (Monica Bellucci) gegenüberstehen, sind die beiden Hasenfüße schnell mit ihrem Latein am Ende.

Historisch natürlich kompletter Unfug, lebt der Fantasyspaß von den skurrilen Bildern von Terry Gilliam, den beiden launig spielenden Hauptdarstellern und zahlreichen cleveren Märchenzitaten.

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