Russell Crowe – Charakterdarsteller mit Ecken und Kanten

02.02.2014 von Bettina Schott Schlagwörter: , , ,

Russell Crowe spielt nicht nur in seinen Filmen gerne eher raue Gesellen, auch privat ist das neuseeländisch-australische Schauspieltalent für sein feuriges Temperament bekannt.  Das bekam zum Beispiel der Fernsehproduzent Malcolm Gerrie zu spüren, als Crowe bei den British Academy Awards ausrastete, weil seine Dankesrede für den Preis als „Bester Hauptdarsteller“ für A Beautiful Mind gekürzt wurde. Ein anderes Mal forderte er eine Reporterin, die sich über seinen Fitnesszustand lustig gemacht hatte, zu einem 20-Kilometer-Radrennen heraus und gewann mit großem Abstand.

Abgesehen von gelegentlichen Wutausbrüchen im Privatleben, scheint sich Russell Crowe seiner Vorbildfunktion als Schauspieler jedoch durchaus bewusst zu sein. Mit seinen Filmen möchte er nicht nur sein Publikum emotional berühren, sondern auch wichtige Botschaften vermitteln und etwas bewegen. Russell Crowe gilt als extrem wählerisch bei der Auswahl seiner Rollen und nimmt laut eigener Aussage eine Rolle nur dann an, wenn er beim Lesen des Drehbuches eine physische Reaktion verspürt. Die Liste der prestigeträchtigen Rollen, die Crowe ablehnte, ist daher lang: Logan/Wolverine in X-Men, Morpheus in Matrix, Sergeant Norm ‚Hoot‘ Hooten in Black Hawk Down – um nur einige zu nennen. Zudem lehnt er es strikt ab, sich wie die meisten Schauspielkollegen einen Nebenverdienst als Werbeikone zu genehmigen.

Das Genre hingegen spielt bei der Filmauswahl für Russell Crowe offenbar keine große Rolle: Von Western (Todeszug nach Yuma), über Politthriller (State of Play, Der Mann der niemals lebte, Broken City), Sci-Fi/Fantasy (Man of Steel, Winter’s Tale), Kriminalfilm (L.A. Confidential, American Gangster, Tenderness), Action-Thriller (72 Stunden), biographisches Drama (A Beautiful Mind), historischer Epos (Gladiator, Robin Hood) und romantische Feelgood-Komödie (Ein gutes Jahr) ist in seiner Filmografie alles dabei. Daneben standen bis zu den frühen neunziger Jahren für Russell Crowe musikalische Auftritte mit seiner Band 30 Odd Foot of Grunts gleichwertig neben der Schauspielerei. Das änderte sich, als er mit dem Skinhead Drama Romper Stomper erstmals internationale Aufmerksamkeit erregte und 1995 schließlich mit dem Western Schneller als der Tod neben Sharon Stone (Basic Instinct, Alpha Dog, Total Recall), Gene Hackman (Das Urteil, Absolute Power, Erbarmungslos) und Leonardo DiCaprio (Inception, Titanic, Der große Gatsby) seinen Durchbruch in Hollywood schaffte. Sharon Stone bestand darauf, dass der Jungstar Crowe für Schneller als der Tod gecastet wurde und ließ angeblich sogar die Dreharbeiten anhalten, bis er verfügbar war.  

Die besten Russell Crowe Filme

Winter’s Tale (2014)

Winter's Tale : KinoposterPeter Lake (Colin Farrell) leidet an Gedächtnisverlust und begibt sich gemeinsam mit Virginia (Jennifer Connelly) auf die Suche nach seiner Vergangenheit. Dabei stoßen die beiden auf ein mehr als hundert Jahre altes Foto, das ihn mit der schönen Beverly Penn (Jessica Brown Findlay) zeigt. Nach und nach kommen in Peter Erinnerungen auf an eine unmögliche Liebe zwischen einem Kleinganoven und der todkranken Beverly sowie an seinen hartnäckigen Verfolger den Gangster Pearly Soames (Russell Crowe). Auf unerklärliche Weise ist Peter aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts in die Neuzeit gelangt und hat nun seltsame Visionen seiner verloren geglaubten Liebe. Gibt es am Ende etwa doch eine Möglichkeit sie zu retten?

Mit Winter’s Tale kommt pünktlich zum Valentinstag eine märchenhafte Romanze vermischt mit Fantasy-Elementen in die Kinos. Basierend auf dem Bestseller von Mark Helprin wagt der erfolgreiche und für A Beautiful Mind Oscar-prämierte Drehbuchautor und Produzent Akiva Goldsman (The Da Vinci Code – Sakrileg, I, RobotI am Legend) sein Regiedebüt.

72 Stunden – The next Three Days (2010)

72 Stunden - The Next Three DaysDas idyllische Familienleben von John Brennan (Russell Crowe) findet ein jähes Ende, als ein Spezialkommando der Polizei in sein Haus eindringt und seine Frau Lara (Elisabeth Banks) wegen Mordes verhaftet. Obwohl alle Beweise gegen sie sprechen, glaubt der Lehrer und Vater eines kleinen Sohns felsenfest an die Unschuld seiner Frau und kämpft für ihre Freilassung. Doch das Gericht verurteilt Lara und ordnet die Verlegung der psychisch mittlerweile äußerst labilen Frau in ein Hochsicherheitsgefängnis an. In seiner Verzweiflung sieht John nur noch einen Ausweg: Gemeinsam mit dem Ex-Häftling Damon Pennington (Liam Neeson) schmiedet er einen irrwitzigen Plan, um Lara in den verbleibenden 72 Stunden vor der Verlegung aus dem Gefängnis zu befreien.

Bei diesem Kriminal-Thriller vom Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis (Im Tal von Elah) bleibt es bis zur letzten Sekunde spannend. Da sich die Handlung entgegen dem Titel nicht nur über 3 Tage, sondern über ganze 3 Jahre erstreckt, startet 72 Stunden eher langsam und gibt damit den Schauspielern genug Zeit, um ihre Rollen zu entwickeln, bevor es richtig spannend wird. Insbesondere Russell Crowe überzeugt als verzweifelter Durchschnittsbürger mit starkem Gerechtigkeitssinn, der alles für seine Frau tun würde. Aber auch Elisabeth Banks (Die Tribute von Panem – Hunger Games, Zack and Miri make a Porno, Der Fluch der 2 Schwestern) liefert als liebevolle Mutter die zunehmend daran zerbricht zu Unrecht verurteilt und von ihrem Sohn getrennt zu werden eine großartige Schauspielleistung. Auch wenn 72 Stunden einige Logiklöcher aufweist und teils die Fronten etwas zu klar absteckt, lassen die herausragenden Darsteller und das fulminante Finale über diese Mängel hinwegblicken.

Todeszug nach Yuma (2007)

Todeszug nach Yuma (Cover)Arizona im Jahre 1864: Der Veteran Dan Evans (Christian Bale) hat während des amerikanischen Bürgerkrieges ein Bein verloren und versucht jetzt als Farmer mit allen Mitteln seine Familie zu ernähren. Die Lage ist allerdings hoffnungslos und der verschuldeten Familie droht der Verlust ihrer Farm. Evans ist durch die missliche Lage und seine Kriegsverletzung von tiefen Selbstzweifeln zerfressen. Um sich nicht als Versager zu fühlen und die Farm zu retten, nimmt er einen lukrativen aber lebensgefährlichen Auftrag an: Der kürzlich verhaftete Gesetzlose und mehrfache Mörder Ben Wade (Russell Crowe) soll mit einem Zug zum Bundesgerichtshof nach Yuma gebracht werden. Evans muss dafür sorgen, dass Wade den Zug auch erreicht. Aber auch die skrupellosen Komplizen des Verbrechers – allen voran Wades treu ergebener zweiter Mann Charlie Price (Ben Foster) – wollen ihren Anführer um jeden Preis befreien.

Todeszug nach Yuma ist ein modern inszenierter Western mit herausragenden Darstellern. Russell Crowe brilliert in James Mangolds (Walk the Line, Identität, Wolverine – Weg des Kriegers) Werk als charismatischer Bösewicht und Gegenspieler von Christian Bale (The Dark Knight Rises, Prestige – Die Meister der Magie, Public Enemies).

Gladiator (2000)

Gladiator (Cover)Für Maximus (Russell Crowe), den gefeierten General und potenziellen Nachfolger des Kaisers Marcus Aurelius (Richard Harris) wirkt sich dessen plötzlicher Tod äußerst ungünstig aus. Aurelius Sohn Commodus (Joaquin Phoenix) wird der neue Herrscher Roms und verurteilt als erste Amtshandlung seinen Rivalen zum Tode.Maximus kann zwar entkommen, doch Commodus lässt in seinem blinden Hass seine Familie töten. Obwohl er gefangen genommen und als Sklave verkauft wird, schwört Maximus Rache und lässt sich als Gladiator ausbilden, um nach Rom zurückzukehren.

Das actiongeladene Historienepos bewährte sich nicht nur an der Kinokasse, sondern verhalf Russell Crowe nur ein Jahr nach der Nominierung für Insider auch zu seinem ersten Oscar. Dieser ist wohlverdient, denn Crowe etabliert sich in diesem Sandalenfilm nicht nur endgültig als Actionheld, er verleiht der Story auch eine Tiefe und Komplexität, die man auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Zudem beweist Russell Crowe in Gladiator, dass er auch äußerlich äußerst wandlungsfähig ist: Als muskelbepackter Gladiator erinnert der Ausnahmeschauspieler in keinster Weise mehr an den etwas dicklichen Angestellten, den er nur ein Jahr zuvor in Insider spielte. Auch Joaquin Phoenix (Walk the Line, 8 MM, Helden der Nacht ) brilliert als grausamer Herrscher Commodus, in dessen Machtplänen einzelne Menschenleben keine Rolle spielen. Neben bildgewaltigen Schlachten kann Gladiator daher auch mit einer mitreißenden Handlung und herausragenden Darstellern aufwarten. Für Russell Crowe war dieser Monumentalfilm die erste Zusammenarbeit mit Regisseur Ridley Scott, der viele weitere gemeinsame Filmprojekte folgen sollten (Robin Hood, American Gangster, Der Mann der niemals lebte, Ein gutes Jahr).

Insider (1999)

Insider (Cover)Der Top-Chemiker Jeffrey Wigand (Russell Crowe) ist fassungslos, als er als langjähriger treuer Mitarbeiter von dem Zigarettengiganten Brown & Williamson gefeuert wird. In dieser Situation erscheint das Angebot des TV-Produzenten Lowell Berman (Al Pacino) im seinem renommierten Polit-Magazin über die skrupellosen Geschäftspraktiken des Konzerns auszupacken äußerst verlockend. Jeffrey zögert zwar, erklärt sich schließlich jedoch bereit die brisanten Informationen einer Verschwiegenheitsklausel zum Trotz publik zu machen. Doch der Tabak-Konzern setzt sowohl Jeffrey als auch den Sender massiv unter Druck und scheint bereit zu sein die Geheimhaltung der brisanten Informationen um jeden Preis durchzusetzen.

Russell Crowe wurde für seine Rolle in diesem spannenden Politthriller für den Oscar nominiert. Er stellt den verschlossenen Angestellten, der zwischen den sensationslüsternen Medien und der skrupellosen Tabakindustrie zerrieben wird sehr glaubhaft dar. Seine Hauptrolle in Insider wurde 2006 sogar in der Auflistung der besten Schauspielleistungen der Filmgeschichte des US-Magazins Premiere mit Platz 23 gewürdigt und verhalf Crowe zu seiner ersten Oscar Nominierung. Regie führte Michael Mann (Miami Vice, Heat, Collateral), der zu den wenigen Autorenfilmern Hollywoods zählt und daher am gesamten künstlerischen Entstehungsprozess von Insider wesentlich beteiligt war.

LA Confidential (1997)

L.A. ConfidentialDas Los Angeles der 50er Jahre  ist ein heißes Pflaster, in dem zahlreiche Kriminelle dafür sorgen, dass die Polizei stets alle Hände voll zu tun hat. Als bei einem Massenmord in einem Schnellrestaurant ein Polizist getötet wird, müssen die drei äußerst gegensätzlichen Polizeibeamten Ed Exley (Guy Pearce), Bud White (Russell Crowe) und Jack Vincenness (Kevin Spacey) zusammenarbeiten, um den Fall zu lösen. Während sich Jack in der Glitzerwelt Hollywoods zuhause fühlt, ist Bud ein Schlägertyp, der nicht lange herumfackelt und Ed ein überkorrekter und karrieregeiler Einzelgänger. Doch viel Zeit bleibt den drei Cops nicht, um sich zusammenzuraufen. Eine heiße Spur führt sie zu einem exklusiven Call-Girl-Ring,  in dem die Frauen mit plastischer Chirurgie zu Doubles von Filmstarts gemacht werden. Von dem wunderschönen Call-Girl Lynn Bracken (Kim Basinger) hoffen die Cops entscheidende Informationen zu bekommen.

L.A. Confidential ist die Mutter aller Buddy und Cop Filme und ein Klassiker, den man einfach gesehen haben muss. Seichtes Popkornkino sollte man jedoch nicht erwarten, denn um die komplizierten Verwicklungen dieses cleveren Actionthrillers zu durchschauen ist höchste Konzentration gefragt. Regisseur Curtis Hanson (8 Mile, Glück im Spiel, In den Schuhen meiner Schwester) wagte sich an die filmische Umsetzung von James Ellroys komplexem Gangster Epos. Die Aufmerksamkeit der Macher von L.A. Confidential hatte Russell Crowe durch seine Darstellung in Romper Stomper erregt. Zunächst lehnte er die Rolle jedoch ab, da er fürchtete einen derart komplexen Charakter nicht überzeugend darstellen zu können. Zum Glück überlegte es sich Crowe schließlich doch anders und nahm die herausfordernde Rolle an. Während der intensiven Vorbereitung auf die Rolle lebte er in einer winzigen Wohnung mit sehr niedrigen Türen, um der Rolle entsprechend das Auftreten eines überdurchschnittlich großen Mannes zu bekommen.

Weitere Russell Crowe Filme:

State of Play (2009) American Gangster (2007) Master and Commander (2002) Man of Steel (2013) Broken City (2013)
State of Play - Stand der Dinge (Cover) American Gangster (Cover) Master and Commander Man of Steel Broken City
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