Roland Emmerich Filme – Von Universal Soldier bis Anonymus

24.05.2012 von
Roland Emmerich

Der deutschstämmige Regisseur Roland Emmerich ist mittlerweile jedem ein Begriff. Spätestens seit seinem Megablockbuster Independence Day aus dem Jahr 1996 hat er sich auch in Hollywood einen Namen gemacht. Seit einigen Tagen ist nun auch sein aktuellster Film Anonymus im Verleih erhältlich.

Bereits in Emmerichs erstem eigenständigen Regiewerk – davor war er Co-Regisseur zweier kleiner deutscher Filmproduktionen – ist seine Vorliebe für Science-Fiction-Geschichten und Weltuntergangsszenarien erkennbar. In Das Arche Noah Prinzip geht es um eine futuristische Raumstation, die unter militärische Kontrolle gebracht und als Waffe eingesetzt wird. Mit einem Budget von nur ca. 1,2 Millionen D-Mark hat Emmerich 1984 ein ordentliches Regiedebüt abgegeben.

Nach den beiden Fantasywerken Joey (1985) und Hollywood-Monster (1987) folgte 1990 schließlich Moon 44, wiederum ein futuristischer Sci-Fi-Film, der sich an amerikanischen Vorbildern orientiert und mit bekannten Darstellern wie Michael Paré (Das Philadelphia Experiment) und Malcolm McDowell (Uhrwerk Orange) aufwarten kann. Moon 44 war auch der letzte Emmerich Film, der in seiner schwäbischen Heimat Sindelfingen gedreht wurde.

 

Universal Soldier (1992)

In seinem Hollywood-Debüt Universal Soldier stand Roland Emmerich ein Budget von 23 Millionen Dollar zur Verfügung. Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren verkörpern zwei genetisch verbesserte Supersoldaten, die eigentlich keinen eigenen Willen haben sollten. Genau das nutzt Emmerich auch aus und lässt anstelle tiefgängiger Dialoge lieber die Waffen sprechen. Genrefans danken es ihm, denn Universal Soldier wurde ein kompromissloses Action- und Special-Effects-Feuerwerk, das auch an den Kinokassen Erfolg hatte. Mit Universal Soldier 2 – Brüder unter Waffen, Universal Soldier 3 – Blutiges Geschäft, Universal Soldier – Die Rückkehr und Universal Soldier: Regeneration wurde aus Emmerichs Film eine ganze Reihe, in der er aber den Regiestuhl abgab. Für dieses Jahr wird der sechste Teil der Reihe Universal Soldier: A New Dimension erwartet – wieder mit Van Damme und Lundgren, aber ohne Roland Emmerich.

 

Stargate (1994)

Die zweite Hollywood-Station auf dem Weg zu größerem Budget und höherem Einspielergebnis ist das Science-Fiction-Abenteuer Stargate. Wie in vielen seiner Filme hat auch hier Roland Emmerich sowohl Regie geführt, als auch am Drehbuch mitgewirkt.

Archäologen finden in Ägypten ein fremdartiges Gerät, mit dessen Hilfe die Reise zu einem entfernten Planeten möglich ist. Der Soldat Jack O’Neil (Kurt Russell) und der Wissenschaftler Daniel Jackson (James Spader) finden dort eine primitive Bevölkerung vor, die von einer überlegenen außerirdischen Rasse unterdrückt wird, die sich ihnen als ägyptische Götter zeigen.

Ähnlich wie Universal Soldier wurde auch Stargate später fortgesetzt. 1997 erschien die Fernsehserie Stargate, von der ganze zehn Staffeln produziert wurden. Später folgten noch Stargate: Atlantis (2004-2009) und Stargate Universe (ab 2009).

 

Independence Day (1996)

Mit einem Einspielergebnis von über 800 Millionen Dollar war Independence Day Emmerichs erster Megablockbuster. Die Welt steht vor ihrer totalen Vernichtung, als wie aus dem Nichts Alien-Raumschiffe über den Großstädten der Erde auftauchen. Nachdem so ein Großteil der Bevölkerung ausgelöscht wurde, liegt es an einigen wenigen Helden, die Erde vor der Eroberung zu bewahren. Militärpilot Steven Hiller (Will Smith), Fernsehtechniker David Levinson (Jeff Goldblum) und der Präsident der Vereinigten Staaten höchstpersönlich (Bill Pullman) entscheiden über das Schicksal der gesamten Menschheit.

Neben den oscarprämierten Spezialeffekten kam gerade beim amerikanischen Publikum die sehr patriotische und pathetische Handlung gut an, führte zu einem enorm hohen Box Office und ebnete Emmerichs Weg zu noch höheren Budgets und größeren Produktionen.

 

Godzilla (1998)

Nach dem japanischem Vorbild inszeniert Roland Emmerich 1998 den Monsterklassiker Godzilla neu. Mit respektablen Stars wie Jean Reno und Matthew Broderick geht es diesmal der Stadt New York an den Kragen. Die durch Atombombentests mutierte Riesenechse Godzilla hat sich in der Millionenmetropole eingenistet, um dort Eier zu legen. Während sich das amerikanische Militär ganz auf den Kampf gegen das Monster konzentriert, suchen der französische Geheimdienstler Philippe Roache und der Nuklearwissenschaftler Nick Tatopoulus nach einer Möglichkeit, alle gelegten Eier zu vernichten.

Godzilla konnte trotz eines höheren Budgets nicht an den Erfolg von Independence Day anknüpfen, spielte aber dennoch das Dreifache seiner Kosten wieder ein. Eine Fortsetzung war ebenfalls in Planung, wurde aber nach den Terroranschlägen am 9. September 2001 wieder auf Eis gelegt.

 

Der Patriot (2000)

Wahrscheinlich war es Emmerichs Zuneigung zu Amerika, die ihm den Regiestuhl für Der Patriot bescherte. Das Actiondrama spielt zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, erzählt die Geschichte aber aus Sicht der Familie Martin. Benjamin Martin lebt mit seinen sieben Kindern auf einer Plantage in South Carolina. Während er selbst gegen den Krieg mit England ist, zieht es seinen ältesten Sohn Gabriel zu den Truppen. Als der Krieg schließlich Opfer aus Benjamins Familie fordert, sieht er sich trotz aller Bedenken gezwungen, gegen die Kolonialmacht ins Feld zu ziehen.

Emmerich konnte für seinen Historienfilm eine beeindruckende Riege von Hollywoodgrößen verpflichten. Neben dem Hauptdarsteller Mel Gibson haben auch Stars wie Jason Isaacs (Armageddon, Dragonheart), Tchéky Karyo (James Bond: Goldeneye, Bad Boys – Harte Jungs) und Tom Wilkinson (Sinn und Sinnlichkeit, Shakespeare in Love) mitgewirkt. Außerdem sind die Jungstars Heath Ledger (The Dark Knight, Ritter aus Leidenschaft) und Logan Lerman (Die drei Musketiere) zu sehen.

 

The Day After Tomorrow (2004)

Mit seinem Katastrophenthriller The Day After Tomorrow schafft Roland Emmerich zwar nicht den wissenschaftlich korrektesten Film aller Zeiten, verdient aber erneut ein großes Lob für die Umsetzung. Und neben den beeindruckenden Eis-und-Schnee-Landschaften, die bis auf die höchsten Ebenen der New Yorker Wolkenkratzer reichen, sind es vor allem die schauspielerischen Leistungen von Dennis Quaid und Jake Gyllenhaal, die dem Film Spannung und Tiefe verleihen.

Nachdem eine riesige Eisscholle aus dem antarktischen Schelf losbricht und auf den Golfstrom zutreibt, droht ein rapider Klimawandel in Form einer neuen Eiszeit. Während die Welt von Tornados und Hagelstürmen heimgesucht wird, versucht der Paläoklimatologe Jack Hall (Dennis Quaid) seinen Sohn Sam (Jake Gyllenhaal) zu erreichen. Dieser befindet sich in akuter Lebensgefahr, als eine riesige Flutwelle über New York hereinbricht.

 

10.000 BC (2008)

Emmerich betritt mit dem Steinzeitabenteuer 10.000 BC beinahe schon das Märchengenre. Viele Elemente, wie z.B. der Erzähler aus dem Off, eine märchentypische Liebesgeschichte und die Quest, die den Protagonisten auf eine gefährliche Reise in unbekanntes Gebiet führt, erinnern an klassische Fabelgeschichten.

D’leh lebt in einem primitiven Bergstamm aus Jägern und Sammlern. Als eines Tages das blauäugige Mädchen Evolet gefunden wird, prophezeit die Schamanin einen Lebenswandel, der den gesamten Stamm vor dem Aussterben bewahren wird. Während der kommenden Jahre wächst die Liebe zwischen D’leh und Evolet. Als seine Gefährtin eines Tages von einer fortschrittlicheren Kriegerkultur entführt wird, macht sich D’leh mit einer kleinen Gruppe auf den Weg, um seine Liebe und die Heilsbringerin seines Stammes zu retten.

 

2012 (2009)

Wir waren gewarnt! Die Maya wussten bereits vor vielen Jahrhunderten, dass im Jahr 2012 die Welt untergehen würde. Nun haben Wissenschaftler eine erhöhte Sonnenstrahlung festgestellt, die die Erdkruste zum Schmelzen bringt und letztendlich zum Brechen der tektonischen Platten führt. In Folge dessen kommt es auf der ganzen Erde zu Mega-Tsunamis, Vulkanausbrüchen und Erdbeben – der Kataklysmus ist unabwendbar. Inmitten des Chaos unternimmt der erfolglose Schriftsteller Jackson Curtis alles menschenmögliche, um seine Ex-Frau und seine beiden Kinder vor der Katastrophe zu retten. Die einzige Hoffnung sind vier riesige Archen, in denen der Fortbestand von Menschen und Tierarten gesichert werden soll.

Nach The Day After Tomorrow ist 2012 Roland Emmerichs zweiter Naturkatastrophenfilm. Doch anders als damals fliegt in 2012 wirklich nur alles Erdenkliche in die Luft, wird von strömenden Wassermassen zerborsten oder versinkt in gigantischen Rissen unter der Erde. Das hat selbst Michael Bay noch nicht geschafft.

 

Anonymus (2011)

In Anonymus widmet sich Emmerich der provokanten Oxford-Theorie, wonach die Werke von William Shakespeare eigentlich von Edward De Vere, einem Angehörigen des britischen Adels, stammen.

Am Hof von Königin Elizabeth I. herrscht Intriganz und Habgier vor. Den Machtspielen der königlichen Beraterschar kann sich auch Edward De Vere, 17. Earl of Oxford, nicht entziehen. Und obwohl er ein begnadeter Schriftsteller ist, kann er seine kritischen Werke nicht veröffentlichen, ohne seine Stellung zu verlieren. So kommt es, dass der einfältige Theaterschauspieler William Shakespeare die Lorbeeren für De Veres Bühnenstücke einheimst und so zu Weltruhm gelangt.

Anonymus ist ein erfrischend anderer Emmerich-Film: kein Science-Fiction, kein Weltuntergang, kein Amerika. Stattdessen wagt sich der renommierte Regisseur auf neues Terrain und schafft ein spannendes Politdrama im England des 16. Jahrhunderts. An den Kinokassen konnte Anonymus seine Produktionskosten von nur 30 Millionen Dollar nicht wieder einspielen und so ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich Emmerich vorerst wieder seinen erfolgreichen Actionproduktionen widmet. Schade, denn er hat hier gute Arbeit geleistet!

 

Momentan arbeitet Roland Emmerich an dem TV-Thriller Dark Horse. Zusammen mit Harald Kloser, der auch schon bei 2012 und 10.000 BC mitgewirkt hatte, verfasste er auch das zugehörige Drehbuch. Dark Horse soll noch dieses Jahr veröffentlicht werden. Für 2013 steht das Actiondrama White House Down an, in dem ein Agent des Secret Service das Leben des US-Präsidenten beschützen muss. Wir können uns also wieder auf einen Blockbuster in Emmerichs Paradedisziplin freuen!

 

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