Der indisch-amerikanische Filmemacher M. Night Shyamalan gehört zu den kontroversesten und am meisten polarisierenden Regisseuren unserer Zeit. Mit grandiosen Filmen wie The Sixth Sense, Signs und Unbreakable sicherte er sich einen Platz unter den besten Regisseuren. Aufgrund von darauf folgenden Filmflops wie After Earth und Die Legende von Aang war er dann bald als Regisseur verschrien, nur um sich jüngst mit Split fulminant zurück zu melden.

1970 wurde Shyamalan in Mahé, Indien geboren und wuchs in der Nähe von Philadelphia auf. Schon früh wollte er Filme machen; große Regisseure wie Steven Spielberg oder Alfred Hitchcock waren seine Vorbilder. Deshalb ging er auf die Filmschule, die er 1992 abschloss. In seiner Studienzeit hatte er schon mehrere Filme gedreht, darunter das vom American Film Institute geförderte Drama Praying with Anger. Der Film wurde als Debütfilm des Jahres ausgezeichnet und verschaffte Shyamalan die nötige Resonanz, um im Filmbusiness Fuß zu fassen.

Nachdem er mehrere Drehbücher unter anderem an 20th Century Fox und Miramax verkaufte, lag seine Regiekarriere vorerst auf Eis. Die Studios wollten keinen unbekannten Jungregisseur großbudgetierte Projekte inszenieren lassen und so verdiente Shyamalan sein erstes Geld mit den Drehbüchern zu Filmen wie Stuart Little oder der (für ihn sehr untypischen) High-School-Komödie Eine wie keine, welche ein Überraschungshit wurde.

1999 gelang Shyamalan dann der Durchbruch: Sein Psychothriller The Sixth Sense, mit einem grandiosen Bruce Willis in einer für ihn sehr unkonventionellen Rolle, geriet sowohl bei den Kritikern, als auch beim Publikum zum überragenden Erfolg.

M. Night Shyamalan Filme bei maxdome

The Sixth Sense (1999)

Ein kleiner Junge (Haley Joel Osment) wird von seiner Mutter Lynn (Toni Collette) zur Therapie geschickt. Cole behauptet nämlich regelmäßig, von toten Menschen besucht und angesprochen zu werden. Sein Psychiater Malcolm (Bruce Willis) ist ein sehr empathischer Mann, der schnell Zugang zu dem Jungen findet. Doch Cole bekommt es immer mehr mit der Angst zu tun: Es gibt auch böse Geister, die ihn besuchen, und besonders ein kleines Mädchen (Mischa Barton) will unbedingt mit Cole in Kontakt treten…

Mit einem fantastischen Twist am Ende des Films, der jeden Zuschauer dazu zwingt, den Film noch einmal anzusehen, machte Shyamalan sich schlagartig zum gefragten Filmregisseur. Neben der Inszenierung und der schauspielerischen Leistung wurde auch das Drehbuch gelobt. Nach diesem Durchbruch wurde Shyamalan die Regie von Planet der Affen angeboten, was er jedoch ablehnte. Stattdessen drehte er den Film Unbreakable – Unzerbrechlich, zu welchem er das Drehbuch extra für Bruce Willis als Hauptperson geschrieben hatte. Disney zahlte Shyamalan 10 Millionen Dollar für Drehbuch und Regie und machte ihn damit zu einem der bestbezahlten Filmemacher Hollywoods. Unglaublich angesichts der Tatsache, dass er erst wenige Jahre im Geschäft war und The Sixth Sense seinen ersten kommerziellen Erfolg darstelle.

Unbreakable – Unzerbrechlich (2000)

David Dunn (Bruce Willis) überlebt ein tragisches Zugunglück als einziger von 131 Zuginsassen – unverletzt. Daraufhin begegnet er dem eigenartigen Kunstsammler Elijah Price (Samuel L. Jackson), der behauptet, David sei eine Art Superheld – und daher unverwundbar. Während seine Ex-Frau (Robin Wright, House of Cards) eher skeptisch ist, glaubt Davids kleiner Sohn sofort, dass sein Vater ein Superheld ist. Erst als David weitere Unfälle unbeschadet übersteht und sich an Ereignisse aus seiner Vergangenheit erinnert, beginnt er Prices Theorie Glauben zu schenken. Doch was bedeutet das für ihn? Und wenn es wirklich Superhelden gibt – müsste es dann nicht auch Bösewichte geben?

Nachdem auch Unbreakable ein großer Erfolg wurde, kam Shyamalan als Regisseur für die Verfilmung von Harry Potter und der Stein der Weisen infrage. Chris Columbus bekam den Regieposten schlussendlich, während Shyamalan bereits an seinem nächsten Film arbeitete: Signs – Zeichen eine geniale Mischung aus Alienfilm, Familiendrama und Suspense-Thriller.

Signs – Zeichen (2002)

Der Ex-Priester Graham (Mel Gibson) hat den Glauben an Gott verloren, als seine Frau bei einem tragischen Autounfall ihr Leben verlor. Seitdem lebt er zurückgezogen auf einer Farm mit seinen Kindern, dem asthmakranken Morgan (Rory Culkin) und der etwas sonderlichen kleinen Bo (Abigail Breslin), und seinem Bruder Merrill (Joaquín Phoenix), einem ehemaligen Baseball-Profi. Eines Tages erschüttern Nachrichten über eine Alien-Invasion die Familie – auch sie sind von einem Vorboten der Invasion, einem seltsamen Kornkreis, betroffen. Während die Katastrophe immer näher rückt, schart Graham seine Familie um sich. Und dann bemerkt der ehemalige Pastor Zeichen, die ihm sagen, dass Gott ihn vielleicht doch noch nicht verlassen hat. Er will kämpfen – für sich und seine Familie.

Auch Signs – Zeichen wurde dank des genialen Twists, der ruhigen Inszenierung und der sehr unkonventionellen Herangehensweise an das Thema Alien-Invasion zum Kassenschlager. Daraufhin drehte Shyamalan wenig später einen weiteren Film, ebenfalls mit Joaquin Phoenix in einer Hauptrolle.

The Village – Das Dorf (2004)

Die blinde Ivy (Bryce Dallas Howard) lebt Ende des 19. Jahrhunderts in einem Dorf mitten im Wald, welches von bösen Kreaturen, den sogenannten Unaussprechlichen, heimgesucht wird. Als eines Tages ihre große Liebe Lucius (Joaquin Phoenix) in die ferne Stadt aufbrechen will, um dringend notwendige Medikamente zu besorgen, wird dieser von dem geistig beschränkten Noah (Adrien Brody) verletzt. Nun liegt an Ivy, ihrem Geliebten die Medikamente zu besorgen. Die blinde Frau will sich aufmachen und den Wald durchqueren – doch die Unaussprechlichen kommen dem Dorf immer näher und haben auch schon eindeutige Drohungen hinterlassen…

Obwohl The Village – Das Dorf einen fantastischen Kinostart hinlegte, flaute der Kassenerfolg schnell ab. Auch die Kritiken zum Film waren zutiefst gespalten. Shyamalan lehnte daraufhin die Verfilmung des Romans Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel ab. Ang Lee übernahm diese dann etwas später und heimste mehrere Oscarnominierungen damit ein.

Nachdem Shyamalan mit Disney und vor allem der ausführenden Produzentin Nina Jacobson (die später die Panem-Reihe produzierte) brach, ging er zu Warner Bros und verfilmte für das Studio seine Gutenachtgeschichte Das Mädchen aus dem Wasser.

Das Mädchen aus dem Wasser (2006)

Cleveland (Paul Giamatti) ist Hausmeister einer Wohnanlage. Eines Tages findet er im Pool der Anlage eine junge Frau (Bryce Dallas Howard), die ihn vor dem Ertrinken rettet und sich selbst „Story“ nennt. Sie erzählt ihm, sie sei eine Nymphe und käme aus der „Blauen Welt“. Ihre Aufgabe ist es, einen Schriftsteller zu finden und ihn zu erleuchten. Cleveland, der Gefühle für die junge Frau entwickelt, stellt ihr einen Schriftsteller vor, der bei ihm in der Anlage lebt. Als er herausfindet, dass ein wolfsähnliches Monster hinter Story her ist, versammelt er die Bewohner des Wohnhauses, um dem Mädchen zu helfen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn Cleveland entschlüsselt eine asiatische Sage, die ihm genau vorgibt, wie er Story retten kann – doch das ist schwieriger als gedacht.

Die wirre Geschichte rund um eine Nymphe in der modernen Welt verpasste Shyamalan den ersten großen Rückschlag: Der Film geriet zum finanziellen Misserfolg und bekam horrende Kritiken weltweit. So wurde es für Shyamalan auch schwierig, ein Studio für sein nächstes Projekt zu finden. Schließlich tat er sich mit Fox zusammen, um The Happening zu inszenieren.

The Happening (2008)

An der US-amerikanischen Nordküste beginnt eine Reihe unaufgeklärter Suizide. Menschen erstechen sich, erdrosseln sich, ertränken sich, erhängen sich oder stürzen sich mitten am Arbeitstag aus großen Höhen. Irgendetwas geht vor sich, doch eine Erklärung hat niemand dafür. Das Paar Alma (Zooey Deschanel) und Elliot (Mark Wahlberg) erfahren, dass die Behörden Terroranschläge mit biomodifziertem Giftgas vermuten. Die beiden beschließen vor der Bedrohung zu fliehen, doch dann findet der Biologielehrer Elliot heraus, wer oder was wirklich hinter den Suiziden steckt: Es sind die Pflanzen, die es auf die Menschen abgesehen haben.

The Happening fiel kommerziell gesehen etwas besser aus als sein Vorgängerfilm, doch die Kritiker verrissen Shyamalans Psychohorror. Journalisten attestierten ihm Verlust seiner Fähigkeiten und Kreativität, andere schrieben ihm zu, unter zu großem Druck nicht mehr richtig arbeiten zu können.

Statt eine Pause einzulegen, machte sich Shyamalan jedoch an die Verfilmung der beliebten Anime-Fernsehserie Avatar – Der Herr der Elemente. Nach einem Rechtsstreit mit James Cameron, der die Namensrechte an „Avatar“ besaß, kam Shyamalans Fantasyverfilmung unter dem Titel The Last Airbender in die Kinos.

Die Legende von Aang – The Last Airbender (2010)

Die Feuernation hat es unter der Führung des skrupellosen Feuerlords Ozai (Cliff Curtis) auf einen Krieg zwischen den Reichen abgesehen. Die Luftnomaden sind bereits vernichtet, die Wasserbändiger und das Erdkönigreich sollen sich unterwerfen – oder ebenfalls sterben. Die einzige Hoffnung auf Frieden ist der Avatar, derjenige, der alle vier Elemente beherrschen kann. Doch der Avatar ist schon lange verschwunden. Eines Tages entdecken die Wasserbändigerin Katara (Nicola Peltz, Transformers: Ära des Untergangs) und ihr Bruder Sokka (Jackson Rathbone, Twilight – Biss zum Morgengrauen) einen im Eis eingefrorenen Jungen, der offensichtlich zu den Luftnomaden gehört. Der junge Aang (Noah Ringer, Cowboys & Aliens) hat außergewöhnliche Fähigkeiten und das Herz am rechten Fleck. In Katara keimt Hoffnung, ob Aang vielleicht der Avatar sein könnte – doch diese Vermutung hat die Feuernation auch…

Kommerziell gesehen war der Film erfolgreich, doch die Kritik verriss Shyamalans Verfilmung der erfolgreichen Serie. Vor allem die 3D-Konventierung und das unausgegorene Drehbuch wurden regelrecht verspottet.

Shyamalan machte trotz Auszeichnungen mit der Goldenen Himbeere weiter und ließ sich als Produzent für den Horror Devil – Fahrstuhl zur Hölle verpflichten. Er arbeitete am Drehbuch mit und stand dem Regisseur John Erick Dowdle auch in Inszenierungs- und Ideenfragen zur Seite. Der Film bekam positive Kritiken und sollte der Auftakt zu einer Horrortrilogie werden.

Die Trilogie ließ auf sich warten, Shyamalan machte als Regisseur jedoch weiter. Er inszenierte einen Science-Fiction-Actionfilm mit Will Smith und dessen Sohn Jaden in den Hauptrollen. Der Film wurde zum Flop des Jahres.

After Earth (2013)

Die Menschheit hat sich vor einem Jahrtausend zu einem neuen Planeten, Nova Prime, aufgemacht. Dort befindet sie sich in einem ständigen Krieg mit einer hochintelligenten, außerirdischen Spezies. Die setzen genetisch konstruierte Kampfbestien gegen die „Ranger“ genannten Milizen der Menschen ein und dezimieren sie so. Auch Cypher Raige (Will Smith) ist ein Ranger, sein Sohn Kitai (Jaden Smith, Karate Kid) ist in der Ausbildung. Eines Tages stürzen die beiden mit einem Trainingsschiff auf der eigentlich verlassenen und gesperrten Erde ab. Dort muss Kitai seinem Vater, zu dem er ein sehr gestörtes Verhältnis hat, das Leben retten. Eine der außerirdischen Bestien war auf dem Schiff eingesperrt und ist nun frei gekommen – und wirklich bewohnbar ist die Erde auch nicht mehr. Ein Kampf gegen die Zeit beginnt für Kitai – denn sein Vater ist schwer verletzt und die einzige Hilfe über hundert Kilometer weit entfernt.

Erstmals in seiner Karriere war Shyamalan mit einem absoluten Flop konfrontiert: Sowohl kommerziell, als auch in der Presse war After Earth ein Misserfolg. Der Film ist eigentlich handwerklich gut gemacht und wäre bei anderen Regisseuren vom Publikum wohl akzeptiert worden. Die Fans von Shyamalan erwarteten sich wohl überdurchschnittliche Bildsprache und ein wendungs- und überraschungsreiches Drehbuch.

Nach After Earth und dessen Resonanz zog Shyamalan sich aus dem Regiegeschäft erstmal zurück und beschäftigte sich mit der Produktion der Serie Wayward Pines.

Sein Comeback im Kino feierte Shyamalan dann mit dem Low-Budget-Horror The Visit. Der Film wartete mit einem genialen Twist und einer ungewöhnlich humoristischen Stimmung auf. Der nur mit 5 Millionen Dollar budgetierte Found-Footage-Horror wurde ein kommerzieller Erfolg und war Shyamalans Rückfahrtkarte in die Regieliga Hollywoods.

The Visit (2015)

Zwei Kinder werden von ihrer Mutter zu ihren Großeltern geschickt, die sich zunehmend seltsam verhalten. Immer wieder kommt es zu dubiosen, gar gruseligen Vorfällen, die den Kindern Angst machen und sie dazu nötigen, sich im Haus nicht mehr wohlzufühlen. Sie zeichnen die ungewöhnlichen Vorfälle auf und beginnen sich zu fragen, welch mörderisches Geheimnis Oma und Opa zu verbergen haben – und wie groß die Gefahr ist, in der sie schweben…

Nach dem Erfolg von The Visit machte sich Shyamalan an das Drehbuch zu einem komplexen Film über multiple Persönlichkeiten und Umgang mit Missbrauch. Für die begehrte Rolle des Schizophrenen war erst Joaquin Phoenix im Gespräch, doch dann erhielt der schottische Schauspieler James McAvoy den Part. Die Hauptrolle spielt die junge Anya Taylor-Joy, die in The Witch ihr Debüt gab und in Das Morgan Projekt ein Mädchen aus der Retorte verkörpert.

Split (2017)

Claire Benoit (Haley Lu Richardson) behandelt den jungen Kevin (James McAvoy) der an einer multiplen Persönlichkeitsstörung leidet und dessen 23 Persönlichkeiten im Inneren einen Krieg ausfechten. Ohne dass die Therapeutin davon erfährt, entführt Dennis, eine von Kevins Persönlichkeiten, drei junge Mädchen und hält sie in seinem Keller gefangen. Abwechselnd werden die Mädchen von seinen Persönlichkeiten heimgesucht: Mal ist es der perverse Dennis, mal die perfide Patricia, manchmal auch der neunjährige Junge Hedwig, den Casey (Anya Taylor-Joy), eines der entführten Mädchen mit einer traumatischen Vergangenheit, dazu bringen will, sie zu befreien. Die Zeit wird immer knapper, denn die Persönlichkeiten glauben, dass die Ankunft einer weiteren Persönlichkeit bevorstehe: Sie wird nur „die Bestie“ genannt und scheint der Grund für die Entführung der Mädchen zu sein. Während Casey also fieberhaft nach einem Weg nach draußen sucht und die Bestie schon darauf wartet, endlich auszubrechen, versucht Claire Therapiekollegen davon zu überzeugen, dass multiple Persönlichkeiten auch zu unglaublichen körperlichen Veränderungen führen können. Sie hat ja keine Ahnung, dass einem ihrer Patienten genauso eine Verwandlung bevorsteht..

Split bedeutete das endgültige Comeback des Ausnahmeregisseurs. Die überragende bildliche Inszenierung, ein grandios spielender James McAvoy und das in sich schlüssige Drehbuch machten Split nicht nur an den Kinokassen zum Überraschungshit des Jahres. Der Film verbuchte auch etliche begeisterte Kritiken und überzeugte selbst Shyamalan-Zweifler von seinem perfektionistischen Handwerk.

Im Mai 2017 verkündete der Regisseur dann eine Fortsetzung zu Split, die 2019 in den Kinos anlaufen soll. Das Sequel zum Thriller ist gleichzeitig ein Crossover mit UnbreakableUnzerbrechlich, das im selben Filmuniversum spielt, wie die letzte Szene in Split schon zeigte. Dort taucht Bruce Willis alias David Dunn aus Unbreakable nämlich auf und beobachtet die Geschehnisse rund um Kevin im Fernsehen.

M. Night Shyamalan bewies also mit seinem letzten Film, dass er immer noch für Überraschungen gut ist und irre Wendungen und unvorhersehbare Twists genau sein Ding sind. Nach seinem Comeback darf man gespannt sein, was er noch so alles in petto hat. Geplant ist anscheinend eine Realverfilmung von Geschichten aus der Gruft in Form einer Serie, bei der er zum Showrunner und eventuell sogar der Regisseur werden soll.

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