Kino zwischen zwei Kulturen – Türkisch-Deutsche Filmemacher

23.06.2015 von Sabrina Schuschke Schlagwörter: , ,

In den 1970er und 1980er Jahren waren die (wenigen) deutsch-türkischen Filme noch geprägt von ernsten Geschichten über Migration und die oft damit einhergehenden Krisen und Schwierigkeiten. Heute steht deutsch-türkisches Kino für alle möglichen Genres und die Themen Einwanderung und kulturelle Unterschiede werden gerne auch mit Augenzwinkern in Komödien thematisiert. Das wohl prominenteste Beispiel hierfür ist die Kultserie Türkisch für Anfänger von Erfolgsregisseur Bora Dağtekin. Er und seine Kollegen haben mit ihren Rom-Coms, Dramen, Dokus und Krimis maßgeblich zur Vielfältigkeit der Filme in Deutschland beigetragen. Hier ist eine Auswahl der besten deutsch-türkischen Filmemacher:

 

http://www.filmportal.de/sites/default/files/imagecache/person-teaser/Akin,%2520Fatih.jpgFaith Akin

Schon als Teenager wusste Faith Akin, Sohn türkischer Einwanderer, dass er später einmal Filme machen möchte. Das Mitwirken am Schultheater war Schritt eins. Noch vor seinem Schulabschluss bastelte er sein erstes Drehbuch zusammen und schickte es an Produzent Ralph Schwingel (Einmal Hans mit scharfer Sauce). Der stellte den engagierten jungen Mann daraufhin prompt als Set-Aushilfen ein. 1998 dürfte Akin dann sein Skript realisieren und führte selbst Regie bei Kurz und schmerzlos, der Krimi-Geschichte um drei Migranten in Hamburg. Seinem zweiten Werk Im Juli gab Akin einen deutlich positiveren Touch. Das Roadmovie wurde mit Moritz Bleibtreu (Stereo)und Christiane Paul (Die Welle) besetzt und erzählt von der Suche nach einer schicksalhaften Liebe. 2004 gründete Akin die Produktionsfirma „Corazón International“ und setzte mit dem Drama Gegen die Wand den Grundstein für seine „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie. Ein großer Coup gelang ihm mit dem Feelgood-Movie Soul Kitchen, das beim Filmfestival in Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde.

Kritisches Leidenschaftswerk

Fünf Jahre darauf, im Herbst 2014, dürfte Akin mit dem Abschluss der „Liebe, Tod und Teufel“-Reihe wieder in der schwimmenden Stadt Premiere feiern. The Cut erzählt die Geschichte von Nazaret (Tahar Rahimn, Le Passé – Das Vergangene), einem Schmied, der den Völkermord an den Armeniern überlebt hat und sich auf der Suche nach seinen Töchtern befindet. Die meisten Kritiker befanden das dramatische Epos als überladen und unstimmig, von einigen gab es aber auch lobende Worte wie „leidenschaftlich“, „ergreifend“ oder „überwältigend“. Akin, für den der Film mit politischem Hintergrund ein Herzensprojekt war, sagte nach den Reaktionen er fühle sich „wie verprügelt“. Doch auch wenn The Cut nicht allen Erwartungen gerecht wurde, hat der 41-Jährige mit der Verfilmung eines der dunkelsten Kapitel seines Heimatlandes doch eins bewiesen: eine Menge Mut.

 

http://www.filmportal.de/sites/default/files/imagecache/person-teaser/fn076338_sm_06.jpgBora Dağtekin

Bora Dağtekin schwimmt spätestens seit seinem Megahit Fack ju Göthe auf der Erfolgswelle. Die derbe Komödie über einen kriminellen Lehrer mit etwas alternativen Unterrichtsmethoden lockte in nur 4 Monaten fast sieben Millionen Zuschauer in die Kinos, eine Fortsetzung ist bereits auf dem Weg. Den Grundstein für seine Karriere legte Dağtekin an der Ludwigsburger Filmakademie Baden-Württemberg, wo er bis 2006 Drehbuch studierte. Sein Talent für gewitzte Dialoge und abgedrehte Storylines machten ihn schnell zu einem gefragten Autor und Regisseur, das Skript Kinofilm Wo ist Fred mit Til Schweiger und Jürgen Vogel (Hin und Weg) in den Hauptrollen stammt beispielsweise auch aus seiner Feder.

Bitterböser Humor

2007 erarbeitet er zusammen mit Produzentin Steffi Ackermann (Jesus liebt mich) die Arztserie Doctor’s Diary, die Stars wie Diana Amft (Mädchen Mädchen 2 – Loft oder Liebe) und Florian David Fitz populär gemacht hat. Als Geniestreich entpuppte sich seine Comedy-Serie Türkisch für Anfänger. Die Story um die verklemmte Lena und ihren türkischen Macho-Steifbruder Cem bekam drei Staffeln und eine riesige Fangemeinde. Für den Türkisch für Anfänger-Kinofilm setzte Dağtekin die Story wieder auf Null und schiffte Lena, Cem und Co. kurzerhand auf eine thailändische Insel. Obwohl die Fans zunächst skeptisch waren, bewies der türkische Regisseur wieder sein Gespür für herrlich schwarzen Humor und landete mit der bitterbösen Komödie einen Hit. Auch nach Fack Ju Göthe 2, der diesen Sommer in die Kinos kommt, wird es für den Master of Comedy mit Sicherheit weiter bergauf gehen.

 

http://www.filmportal.de/sites/default/files/imagecache/person-teaser/fn083293_sm_06.jpgSinan Akkuş

Frohnatur Sinan Akkuş wurde 1970 in der Türkei geboren. Drei Jahre nach seiner Geburt wanderte die Familie nach Deutschland aus. Akkuş , ein guter Schüler, ging aufs Gymnasium und nach dem Abitur an die Universität in Kassel. Nach ein paar Semestern Philosophie und Germanistik zog es ihn an die Hochschule für bildende Künste, wo er visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Film und Fernsehen studierte. Bereits neben dem Studium arbeitete er bei einer Film- und Fernsehproduktionsfirma. Nach seinem Abschluss werkelte Akkuş an seinen ersten eigenen Kurzfilmen und ging gleichzeitig seine ersten Schritte vor der Kamera. Eine seiner bekanntesten Rollen ist die des karriereorientierten Ressortleiters Sinan Turculu in der Hit-Comedy Stromberg.

 Vor und hinter der Kamera

Seinen ersten Spielfilm, die romantische Komödie Evet, ich will, stellte er 2008 fertig. Danach war es lange ruhig um den heute 43-Jährigen. Neben ein paar kleinen Schauspielparts (unter anderem in Stromberg – Der Film und 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse) arbeitete er intensiv an seinem aktuellen Werk: Die Culture-Clash-Komödie 3 Türken und ein Baby um drei deutsch-türkische Brüder und ihr unfreiwilliges Babyglück kam Januar diesen Jahres in die Kinos. Lose an den französischen Kinohit Drei Männer und ein Baby angelegt, wartet der Streifen zwar nicht mit großen storytechnischen Überraschungen, dafür aber mit jede Menge deftigem Humor auf. Den „krassesten und lustigsten Mensch im Showbiz“ nennt 3 Türken und ein Baby-Darsteller Kida Ramadan (Berlin am Meer) den Regisseur. Wenn das mal kein tolles Kompliment ist.

 

http://www.berlinale.de/media/60_jubilaeum_1/starportraits/2013_5/2013-02-09-9576-1180_Thomas_Arslan_IMG_x900.jpgThomas Arslan

Als Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters wuchs Thomas Arslan in Essen auf. Er machte in Hamburg sein Abitur, leistete seinen Zivildienst ab und startete dann an ein Germanistik-Studium in München. Seiner Neigung zum Film zuliebe brach er nicht lang danach seine Zelte in München ab und ging nach Berlin. An der Deutsche Film- und Fernsehakademie studierte er sechs Jahre lang Regie. Gemäß seinen Wurzeln befassten sich einige seiner ersten Werke, wie die Film-Trilogie Geschwister, Dealer und Der schöne Tag, mit dem Leben türkisch-stämmiger Menschen in Deutschland.

 Ästhetisches Kino

Arslans Stil ist nüchtern, beinahe dokumentarisch. Dealer konnte er bei der Berlinale 1999 vorführen und gewann den FIPRESCI-Preis sowie dem Preis der ökumenischen Jury. Auf die Doku Aus der Ferne folgte das Familiendrama Ferien und der Gangsterfilm Im Schatten, für das er hervorragende Kritiken bekam. Sein letzter Film, der Western Gold, spielt im Jahr 1898. Eine Gruppe deutscher Auswanderer zieht es darin in die Wildnis Kanadas – doch statt Glück wartet nur das Verderben auf sie. Seine Erfahrung gibt der talentierte Regisseur gern auch an die nächste Generation Filmschaffender weiter. Er unterrichtet Narration in und mit technischen Bildmedien an der Berliner Universität der Künste.

 

Wer Lust auf einen deutsch-türkischen Filmabend hat, sollte den Streifen dieser kreativen Köpfe unbedingt einen Blick schenken. Passende Rezepte, damit die Movie Night auch kulinarisch ein Hit wird, gibts auf KochDichTürkisch.de!

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