Jürgen Vogel ist einer der bekanntesten und besten Charakterdarsteller Deutschlands. Der gebürtige Hamburger hat mittlerweile in über 100 Kino- und Fernsehfilmen mitgespielt und hat noch lange nicht genug, was sein neuester Film Stereo beweist. In dem Psychothriller beeindruckt Jürgen Vogel einmal mehr mit seinem glaubhaften, völlig entfesselten Schauspiel.

Die tolle Karriere von Jürgen Vogel ist eigentlich eine Blamage für die klassische Lehre des Schauspiels, genauer gesagt für die Münchner Schauspielschule. Diese hat Jürgen Vogel nämlich als Teenager trotz langwieriger Aufnahmeprüfung nach nur einem Tag verlassen – zu theoretisch, zu trocken, zu angepasst. Und angepasst ist Jürgen Vogel, dem nach eigenen Angaben nichts im Leben peinlich ist, überhaupt nicht. Im Gegenteil, der am 29. April 1968 in Hamburg geborene Darsteller gehört zu der in seiner Zunft selten verbreiteten Spezies mit Ecken und Kanten. Er macht auch bei heiklen Themen den Mund auf, ist unbequem und lechzt nicht nach Kritikerlob.

Diese Einstellung spiegelt sich auch in Jürgen Vogels Rollen wider: Mal spielt er den Lebenskünstler (Kleine Haie, Ein Freund von mir), mal den Drogendealer (Der Pirat), den Mörder (Die Apothekerin, Angst), den Vergewaltiger (Der freie Wille), den Kidnapper (Rosamunde), den Hetzer (Die Welle) – authentische Figuren, oft Außenseiter oder gebrochene Charaktere, die am Leben verzweifeln. Dabei wirkt Jürgen Vogel erschreckend echt und lehrt die Zuschauer nicht selten das Fürchten. Auch ohne Schauspielausbildung versteht er es wie kaum ein anderer in Deutschland, schwierige Charaktere glaubhaft darzustellen. Hierfür geht Jürgen Vogel stets an seine Grenzen. Er muss laut eigenen Angaben auch immer mal wieder zwischendurch in Komödien mitspielen, um an seinen Rollen nicht zu zerbrechen.

Seinen Durchbruch auf der Leinwand feierte Jürgen Vogel 1992 auch mit einer Komödie, genauer gesagt mit Sönke Wortmanns Film Kleine Haie (mit Armin Rohde und Kai Wiesinger).

Im Laufe seiner langen Karriere spielte Jürgen Vogel dann an der Seite der Crème de la Crème der deutschen Schauspielstars: In Wo ist Fred? und Keinohrhasen neben Til Schweiger, in Quellen des Lebens und Stereo mit Moritz Bleibtreu, in Ein Freund von mir und Good Bye, Lenin neben Daniel Brühl, in Die Apothekerin neben Katja Riemann, in Das Leben ist eine Baustelle neben Armin Rohde und Andrea Sawatzki, in Sass neben Ben Becker, in Nackt neben Benno Fürmann, Heike Makatsch und Alexandra Maria Lara, und in Hotel Lux neben Michael „Bully“ Herbig.

Diese Liste könnte man noch weiter ausführen, angesichts von Jürgen Vogels rund 100 Filmen würde das allerdings den Rahmen dieses Blogs sprengen. Einige seiner besten Werke findet Ihr hier:

Die besten Jürgen Vogel Filme

Stereo (2014)

Landidylle statt Großstadtstress – das denkt sich Erik (Jürgen Vogel), der mit seiner Freundin (Petra Schmidt-Schaller) und deren Tochter (Helena Schoenfelder) in ein Dorf zieht. Dort eröffnet er eine Motorradwerkstatt, die auch gut läuft. Doch Eriks neues Glück währt nur kurz, eines Tages dringt Henry (Moritz Bleibtreu) in sein Leben ein. Der vulgäre Kapuzenpulli-Träger folgt ihm auf Schritt und Tritt und mischt sich in allen Bereichen in sein Leben ein. Und Erik hat ein großes Problem: Nur er kann Henry sehen!

In Stereo stehen die beiden deutschen Schauspiel-Schwergewichte Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel erstmals als Hauptdarsteller gemeinsam vor der Kamera. Der düstere Psychothriller von Regisseur und Drehbuchschreiber Maximilian Erlenwein (Schwerkraft) überzeugt durch seine zahlreichen überraschenden Wendungen und erinnert in seiner Machart ein wenig an den Kultfilm Fight Club.


Die Welle (2008)

Schule ist oft sehr theoretisch, deshalb will Lehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) eine Projektwoche zum Thema „Staatsformen“ mit einem Experiment auflockern: Um zu erklären wie eine Diktatur entstehen kann, sollen die Schüler eine Organisation formen, in der strikte Disziplin, aber auch ein großes Gemeinschaftsgefühl herrschen. Er selbst ernennt sich zum Anführer der Organisation, die „Die Welle“ genannt werden soll. Zunächst beginnt der Versuch harmlos, doch schon schnell gerät die Situation völlig außer Kontrolle!

Die Welle ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Morton Due. Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit und ist bis heute für viele Schüler Pflichtlektüre. Regisseur Dennis Gansel (Napola – Elite für den Führer, Wir sind die Nacht) nahm sich des schwierigen Stoffs an setzte dabei auf eine Riege von bis dato unbekannten Jungschauspielern und auf Jürgen Vogel. Der Schauspiel-Routinier gibt in dem Drama gekonnt den Lehrer Rainer Wenger, der zunächst selbst sehr fasziniert ist von seinem Experiment und nicht merkt, was er damit anrichtet.


Der freie Wille (2006)

Theo (Jürgen Vogel) ist ein Serienvergewaltiger und wird nach einer seiner schaurigen Taten geschnappt und in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Zehn Jahre und etliche Therapiestunden nach der Tat kommt er in den Maßregelvollzug. Der Triebtäter ist voller Reue und dem spürbaren Bestreben es besser zu machen und nie wieder einem Menschen wehzutun. An seinem Arbeitsplatz lernt Theo die von ihrem Vater missbrauchte Nettie (Sabine Timoteo) kennen und sie verlieben sich ineinander. Doch schon bald holt die Vergangenheit die beiden ein.

Jürgen Vogel spielt in Der freie Wille erschreckend authentisch den Vergewaltiger Theo, der nach abgeleisteter Strafe ein neues Leben beginnen will, jedoch weiter mit seinen Trieben kämpft. Für seine grandiose Schauspielleistung wurde Jürgen Vogel mehrfach ausgezeichnet, unter anderem bei den Filmfestspielen von Berlin mit dem Silbernen Bären.

Wo ist Fred? (2006)

Bauarbeiter Fred (Til Schweiger) hat es mit seiner Freundin Mara (Anja Kling) nicht leicht. Ihr Sohn Linus mag Fred nicht und will, dass dieser ihm einen handsignierten Ball der Basketballer von Alba Berlin besorgt. Dumm nur, dass diese Bälle nach dem Spiel stets auf die Behinderten-Tribüne geworfen werden. Was nun? Fred kommt auf die Idee, sich von seinem Freund Alex (Jürgen Vogel) in einem Rollstuhl in die Alba-Halle bringen zu lassen und dort einen Behinderten zu „spielen“. Der Plan geht zunächst auf, doch dann gerät Fred mehr und mehr in die Bredouille.

Wo ist Fred? ist eine sehenswerte Komödie, die mit viel Humor vorherrschende Klischees und Vorurteile über behinderte Menschen auf die Schippe nimmt. Til Schweiger und Jürgen Vogel sorgen als kongeniales Duo für jede Menge Spaß und auch sonst ist die Besetzung von Wo ist Fred? hochwertig: Neben den beiden Schauspiel-Assen spielen unter anderem noch Alexandra Maria Lara (Rubbeldiekatz, Der Fischer und seine Frau) und Christoph Maria Herbst (TV-Serie Stromberg, Neues vom Wixxer) mit.


Die Apothekerin (1997)

Die biedere und überkorrekte Apothekerin Hella (Katja Riemann) lernt den Zahnmedizin-Studenten Levin (Jürgen Vogel) kennen. Dieser entpuppt sich als wahrer Taugenichts, der eigentlich nur auf das Erbe seines Großvaters (Joachim Tomaschesky) spekuliert. Hella will das nicht wahrhaben und hilft ihm schließlich sogar noch, diesen zu vergiften. Als dann auch noch der Kriminelle Dieter (Richy Müller) auftaucht, ist das Chaos perfekt!

Die Literaturverfilmung Die Apothekerin ist eine skurril-makabere Komödie mit einem groß aufspielenden Schauspielensemble. Für Jürgen Vogel ist Die Apothekerin zudem ein Déjà-vu: In dem Film wohnt er mit Schauspiel-Kollege Richy Müller unter einem Dach – genauso wie Mitte der Achtzigerjahre, als die beiden in Berlin zusammen in einer WG lebten.

Ein Freund von mir (2006)

Oberspießer Karl (Daniel Brühl) ist beruflich extrem erfolgreich, allerdings wegen seiner verklemmten und besserwisserischen Art in seinem Versicherungskonzern nicht teamfähig. Deshalb schickt in sein Chef zu einer Autovermietung, er soll dort Basisarbeit leisten und Versicherungsrisiken abschätzen. In der Mietwagenfirma lernt er den durchgeknallten Lebenskünstler Hans (Jürgen Vogel) kennen, der genau das Gegenteil von ihm ist: Ein spontaner Dampfplauderer, der voller Lebenslust und Optimismus strotzt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, die Karls Leben völlig auf den Kopf stellt.

Ein Freund von mir ist eine amüsante Buddy-Komödie mit zwei brillanten Hauptdarstellern. Daniel Brühl und Jürgen Vogel erscheinen ihre Rollen wie auf den Leib geschnitten. Anders als in vielen amerikanischen Buddy-Filmen schlägt Ein Freund von mir aber auch ruhige, nachdenklichere Töne an und versucht die Frage zu beantworten, was wahre Freundschaft eigentlich ist.

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