Joel und Ethan Coen – Rasenmähen als erster Schritt zur Kinokarriere

09.04.2014 von Rebecca Hoffmann Schlagwörter: , , ,

Von keinem anderen Regisseur oder Drehbuchautor werden Filmcharaktere so unerbittlich für Gier und Dummheit bestraft wie bei Joel und Ethan Coen. In einem Interview erklärten sie, sich diese „kleine Prise Schlechtigkeit“ auch weiterhin zu bewahren. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Die Coen Brüder zählen zu den visionärsten Filmemachern des späten 20. Jahrhunderts. Einspielergebnisse jenseits der 100 Millionen-Dollar-Marke zeigen den großen kommerziellen Erfolg ihrer Filme. The Big Lebowski  ist Kult und Fargo – Blutiger Schnee ein Klassiker.

Dabei muss jeder klein anfangen. Aufgewachsen sind Joel (geboren 1954) und Ethan (geboren 1957) in St. Louis Park, einem sehr jüdisch geprägten Vorort von Minneapolis. Joel verdiente sich mit Rasenmähen sein Geld und kaufte sich davon eine Super 8 Kamera. Zusammen mit seinem Bruder und dem Nachbarsjungen drehte er Filme aus dem Fernsehen nach. Der erste Schritt zu einer Kinokarriere war also gemacht. Nach dem College nahm Joel Coen am öffentlichen Filmprogramm der New York University teil. Als Abschlussarbeit reichte er einen 30-minütigen Film ein. Ethan Coen studierte an der Princeton University Philosophie.

Begeistert vom Filmschnitt arbeitete Joel Coen nach seinem Abschluss als Produktionsassistent. Er traf auf Sam Raimi (Regisseur, Spider-man, Drag me to hell), der für seinen Film The Evil Dead einen Assistenten suchte. Auch Ethan begeisterte sich schnell für die Produktionsarbeit. Für ihre Filme schreiben die Coens gemeinsam am Drehbuch, führen Regie und sind an der Produktion beteiligt. Ihr erster Film erschien 1984 mit dem Titel Blood Simple – Eine mörderische Nacht. Das Erstlingswerk sollte bereits wegweisend für die nachfolgenden Produktionen werden. Der Film ist eine Hommage an den Film noir. Von der Presse wurde das Debüt einhellig gelobt. Es folgten unter anderem Arizona Junior (1987), Miller´s Crossing (1990), Hudsucker – Der große Sprung (1994) und schließlich Fargo – Blutiger Schnee (1996). Letzterer machte sie auf einen Schlag berühmt und mit der Karriere ging es seitdem steil bergauf. Unter dem Pseudonym Roderick Jaynes wirken Joel und Ethan als Cutter am Filmschnitt in weiteren Produktionen mit.

Die Coen Brüder legen sehr viel wert auf stete Zusammenarbeit. So bevorzugen sie meist den zehnfach oscarnominierten Roger Deakins als Kameramann. Die meiste Filmmusik stammt von Carter Burwell. Und auch bei den Schauspielern setzen sie auf Stetigkeit. Georg Clooney, John Goodman, Jeff Bridges, Steve Buscemi und Frances McDormand zählen zum bekannten Ensemble. Mit letzterer ist Joel Coen seit 1984 verheiratet.

Viele ihrer Filme wurden mit Preisen ausgezeichnet. Unter anderem erhielten ihre Produktionen vier Oscars, zehn Oscarnominierungen, einen Golden Globe und Auszeichnungen auf den Internationalen Filmfestspielen in Cannes. Ihr letzter Film Inside Llewyn Davis ging zwar bei den Oscars 2014 leer aus, die kommenden Produktionen sind aber sicher wieder heiße Anwärter auf den begehrten Preis.

 

Die besten Filme von Joel und Ethan Coen

Inside Llewyn Davis (2013)

imageId-6917531Llewyn Davis (Oscar Isaac, Der Mann, der niemals lebte, Sucker Punch) ist ein erfolgloser Folk-Musiker. In den Nächten der 1960er Jahre tritt er in verschiedenen New Yorker Kneipen auf. Leben kann er von seiner Musik aber nicht. Noch dazu ist Sängerin Jean (Carey Mulligan, Der große Gatsby, An Education) von ihm schwanger und seine Platte „Inside Llewyn Davis“ lässt sich nicht vermarkten. Durch eine Reise nach Chicago und das Treffen mit einem bekannten Clubbesitzer erhofft er sich den Durchbruch.

Der Film erzählt eine Woche aus dem Leben des Musikers Llewyn Davis mit all seinen Tiefen. Dabei ist Joel und Ethan Coen aber wieder ein überaus humorvoller Film gelungen. Trotz der vielen Niederschläge im Leben von Davis kann der Betrachter nicht umhin, sich über die abstrusen Verstrickungen zu amüsieren. Für Coen-Fans ist dieser Film sowieso ein Muss. Alle anderen sollten auch einschalten.

Fargo – Blutiger Schnee (1995)

imageId-64543Der naive Jerry Lundegaard (William H. Macy, The Cooler, Spartan) hat durch dubiose Geschäfte einen Berg voll Schulden. Dieses Problem möchte er lösen, in dem er seine Frau Jean entführen lässt und das Lösegeld kassiert. Dafür heuert er die Kriminellen Gaear Grimsrud (Peter Stormare, The Last Stand, Constantine)  und Carl Showalter (Steve BuscemiReservoir Dogs, Kindsköpfe 2) an. Die sollen seine Frau „ohne Brutalität“ kidnappen. Doch das läuft nicht nach Plan. Die hochschwangere Polizistin Marge Gunderson (Frances McDormand, Moonrise Kingdom, Cheyenne – This must be the place) nimmt die Ermittlungen auf.

Mit Fargo haben die Coen Brüder einen hochkarätigen Thriller mit viel schwarzem Humor geschaffen. Sieht am Anfang noch alles recht beschaulich aus, so manövriert sich die Handlung immer mehr in ein Blutbad. Für den packenden Film gab es zwei Oscars.

 

The Big Lebowski (1998)

imageId-53826Jeff Lebowski (Jeff Bridges, True Grit – Vergeltung, Crazy Heart) ist ein alternder Hippie, der mit seinen beiden Freunden Walter Sobchak (John Goodman, Argo, Even Allmächtig) und Donny Kerabatsos (Steve Buscemi, Desperado, Interview) am liebsten zum Bowlen geht. Von seinen Freunden wird er nur „Dude“ genannt. Doch das sonst so ruhige Leben des Dudes ändert sich schlagartig, als zwei Kriminelle ihn mit dem Millionär Jeffrey Lebowski verwechseln, in seine Wohnung einbrechen und auf seinen Teppich pinkeln. Der Dude fordert Schadenersatz für seinen verunreinigten Teppich und sucht den Millionär auf. Dort erfährt er, dass dessen Frau Bunny Schulden bei Gangster Jackie Treehorn (Ben Gazzara, Die Thomas Crown Affäre, Road House) hat und entführt wurde.

Der Dude ist Kult! Jeff Bridges, der als alternder Hippie seine Zeit am liebsten auf der Bowlingbahn und mit seinem Lieblingsgetränk „White Russian“ verbringt ist an Witzigkeit kaum zu überbieten. Auch die weiteren Figuren des Films sprühen nur so von absurd komischen Charaktereigenschaften. Den Film muss man unbedingt gesehen haben!

 

A Serious Man (2010)

imageId-589931Das Leben läuft eigentlich gut für Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg, Hitchcock, Blue Jasmine). Er führt ein beschauliches Leben in einer kleinen jüdischen Gemeinde in den USA. Gopnik ist liebender Ehemann, führsorglicher Vater und erfolgreicher Professor. Doch plötzlich verlangt seine Frau die Scheidung, um mit ihrem Liebhaber zusammenleben zu können. Sein Sohn hat Probleme in der Schule und seine Tochter bestiehlt ihn, um sich eine Nasenkorrektur zu finanzieren. Dann quartiert sich auch noch der psychisch labile Bruder bei ihm ein und Gopniks Karriere gerät auf einmal ins Stocken.

Mit trockenem Humor zeigen die Coen Brüder die Tücken des Lebens. Viel Erbarmen haben sie mit ihrem Hauptcharakter Larry Gopnik aber nicht. Als der Stein erst einmal ins Rollen gerät, ereilt die liebenswerte Figur eine schlechte Nachricht nach der anderen. Bodenständig erzählen Ethan und Joel Coen mit tiefgründigem Humor eine Komödie für alle Fans von intelligenter Unterhaltung.

 

Blood Simple (1984)

imageId-183181Abby (Frances McDormand, Die Wonderboys, Transformers 3) beginnt eine Affäre mit Ray. Ihr Mann Julian Marty (Dan Hedaya, Mulholland Drive – Strasse der Finsternis, Der Wolf hetzt die Meute) ahnt etwas von der Liebschaft und beauftragt Privatdetektiv Loren Visser (M. Emmet Walsh, Die Hochzeit meines besten Freundes, Der Blade Runner), um Gewissheit zu haben. Julian erfährt so von der Affäre und möchte sowohl Ray als auch seine Frau tot sehen. Gegen ein Kopfgeld von 10 000 Dollar heuert er wieder den Privatdetektiv an, um die beiden umbringen zu lassen. Doch dieser hat es erst einmal auf die Belohnung abgesehen. Mit einem Trick täuscht er Julian Marty, um an das Geld zu kommen. Bei dem Überfäll lässt der Privatdetektiv sein Feuerzeug am Tatort zurück.

Das Erstlingswerk der Coen Brüder erhielt sehr gute Kritiken. Mit Blood Simple setzten sie gleich den ersten Meilenstein ihrer Karriere. Der Film ist von der ersten Minute an spannend erzählt. Die Charaktere mit ihren skurrilen Eigenschaften stechen wie immer hervor und machen den Film zu einem Vergnügen.

 

No Country for old men (2007)

imageId-103688Zufällig stößt Vietnamkriegsveteran Llewelyn Moss (Josh Brolin, Gangster Squad, Men in Black 3) auf den Schauplatz eines gescheiterten Drogendeals. Die Gangster haben sich gegenseitig erschossen, eine Wagenladung Heroin und ein Koffer mit zwei Millionen Dollar liegen unbeachtet in der Prärie. Moss schnappt sich den Koffer mit dem Bargeld und verschwindet. Als er in der Nacht noch einmal zum Schauplatz des Verbrechens fährt, wird er entdeckt. Er schafft es zu entkommen, wird seitdem aber von Profikiller Anton Chigurh (Javier Bardem, Biutiful, Eat Pray Love) verfolgt. Dann nimmt auch noch Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones, Im Tal von Elah, Space Cowboys) die Ermittlungen auf.

Das vierfach oscarprämierte Meisterwerk No Country for old men ist einer der besten Filme der Coen Brüder, wenn nicht sogar der Beste. Die simple Geschichte von Jäger und Gejagten ist clever ausgearbeitet und von der ersten Minute an fesselnd.

 

True Grit – Vergeltung (2010)

imageId-1065527Für die 14-jährige Mattie Rosse (Hailee Steinfeld, Enders Game – Das große Spiel) gibt es nichts Wichtigeres als den Mörder Tom Chaney (Josh Brolin, Milk, Jonah Hex) zu finden. Chaney tötete Rosses Vater und sie möchte die Tat nicht ungesühnt lassen. Da sie allerdings auf keinerlei Unterstützung von den Behörden hoffen kann, engagiert sie den raubeinigen und ständig betrunkenen U.S. Marshall Rooster Cogburn (Jeff Bridges, Iron Man, Männer, die auf Ziegen starren). Der sagt nach kurzem zögern zu und hilft ihr. Doch auch Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon, Elysium, Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll) hat es auf Chaney abgesehen.

True Grit – Vergeltung ist ein visuell beeindruckender Film mit einem dramatischen Finale. So spannend wurde der wilde Westen schon lange nicht mehr inszeniert! Die Charaktere sind mit Jeff Bridges, Matt Damon und Josh Brolin topbesetzt, die auch sichtlich Spaß an ihren Rollen haben.

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