Woody Allen wird heute sagenhafte 80 Jahre alt. Und seit 1977 bringt Allen jedes Jahr einen zauberhaften Film zum Vorschein. Man kann also getrost sagen: Er ist ein alter Hase im Filmgeschäft, der immer noch weiß, wie es geht. Zu Ehren seines runden Geburtstags wollen wir Dir sein Lebenswerk nicht vorenthalten und stellen Dir seine besten Filme vor. Aber davor wird es Zeit, das Leben des Ausnahmetalents anzuschauen und das Geheimnis seines Erfolgs zu lüften. Und dieser ist mit vier Oscars und insgesamt 24 Nominierungen nicht zu verleugnen.

Die Geburtsstunde eines Ausnahmetalents

Allan Stewart Konigsberg wird am 1. Dezember 1935 in der New Yorker Bronx geboren. Früh zeigte sich sein Talent und so schrieb er bereits als Schüler Gags für Zeitungskolumnisten.  Der erste Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Bald verdiente er als Gag-Schreiber für das Fernsehen und Zeitungen sein erstes Geld und überzeugte mit seinem Sinn für Humor. Mit 17 Jahren wurde dann aus Allan Konigsberg Heywood Allen, Spitzname Woody.

Erste Versuche

1961 wagte Woody Allen einen weiteren Schritt und trat als Stand-up-Comedian auf und kreierte den neurotischen Intellektuellen, der immer wieder in seinen späteren Werken zu sehen ist. 1966 wird sein erstes Werk auf dem Broadway aufgeführt, ist mit dem Ergebnis aber sichtlich unzufrieden. Die Lösung: Er dreht und spielt selbst.

Das Geheimnis seines Erfolgs

1976 gelingt der großer Durchbruch mit dem Kultfilm Der Stadtneurotiker. Seine damalige Muse Diane Keaton (Morning Glory) darf dabei natürlich nicht fehlen. Es folgen die ernsthaften, reflektierenden Filme Innenleben und Manhattan. 1980 vollendet Woody Allen seine Liebeserklärung an New York mit dem Film Stardust Memories. All seine Drehbücher schreibt Allen auf seiner alten Schreibmaschine von 1952. Fallen Textkorrekturen an, schreibt er sie neu und schneidet sie anschließend aus. Dann werden die Korrekturen über den alten Text geklebt. Ob das das Geheimnis seines Erfolgs ist? Oder doch nur seine etwas anderen Geschichten, die bissigen Dialoge und der perfekt portionierte Humor? Die Mischung macht es wohl aus.

Trotz seiner Vielzahl an Filme, stand Woody Allen wegen seines Privatlebens mehr in der Öffentlichkeit. Denn er heiratete das Adoptivkind seiner Ex-Partnerin Mia Farrow. Soon-Yi wuchs dabei mit Woody Allen auf. Die Kontroverse überschattete sein Filmwerk für lange Zeit. Trotzdem ist dieses nicht zu verleugnen. Deshalb stellen wir Euch zu Ehren seines 80. Geburtstages seine besten Filme vor.

Woody Allens aktueller Kinofilm

Irrational Man mit Joaquin Phoenix (I’m still here) und Emma Stone läuft aktuell in den Kinos und überzeugt mit dem typischen Charme von Allen. Abe Lucas (Joaquin Phoenix) ist Philosophieprofessor und beginnt an einer neuen Uni zu lehren. Sein Ruf eilt ihm allerdings voraus und so versucht die verheiratete, aber einsame Professorin Rita Richards (Parker Posey; New Girl) erste Annäherungen. Auch Philosophiestudentin Jill (Emma Stone) kommt ihm näher. Sein Leben langweilt ihn jedoch und er leidet unter Erektionsproblemen. Ein ganz besonderes Verbrechen soll all seine Probleme lösen…

Die Chemie zwischen Emma Stone und Joaquin Pheonix (Walk the Line) sprüht Funken auf der Leinwand und der Zuschauer wird immer wieder mit nicht vorhersehbaren Momenten überrascht. Natürlich bewegt sich der Film wie viele andere Allens nicht vollständig in der realen Welt. Sondern in einem leicht veränderten Paralleluniversum, in dem etwas Unmögliches möglich ist. Obwohl die aufgeworfenen Fragen nur auf philosophischer Ebene behandelt werden, ist der Film nicht anstrengend. Die Dialoge besitzen den gewohnten Biss und den nötigen Humor. So ist Woody Allen wieder einmal ein Geniestreich gelungen.

Die besten Filme von Woody Allen

Der Stadtneurotiker

Der TV-Komiker und Bühnenautor Alvin Singer (Woody Allen) wird von seiner Freundin verlassen. Damit kommt der stets grübelnde und neurotische Alvin jedoch nicht so leicht hinweg. Dann lernt er die ebenfalls neurotische Annie Hall (Diane Keaton; Der Pate) kennen. Sie verlieben sich ineinander und ziehen zusammen. Zusammen diskutieren sie über ihre Neurosen mit Witz und viel Nachdenklichkeit. Wie lange geht das gut?

Woody Allens erster Geniestreich begeistert nicht nur, weil Diane Keaton und Woody Allen einfach perfekt harmonieren.  Der Film ist zwar intellektuell, schnell, fordernd und auf den Punkt, trotzdem aber nie abgehoben. Der Stadtneurotiker fließt einfach so vor sich hin, ist nie gezwungen und nimmt einen sofort in seinen Bann.

 

Manhattan

Isaac Davis (Woody Allen) scheint vom Pech verfolgt zu werden. Seine lesbische Ex-Frau Jill (Meryl Streep) plant ein Enthüllungsbuch über ihre Ehe. Und auch die Beziehung zur erst 17-jährigen Tracy (Mariel Hemingway, Rufmord – Jenseits der Moral) steht auf der Kippe, besonders wegen des großen Altersunterschieds. Durch die beruflichen Veränderungen sieht sich Isaac immer mehr im Spannungsfeld zwischen zwei Generationen.

Im Anschluss an Der Stadtneurotiker verbindet Woody Allen in Manhattan seinen typisch scharfen Witz mit einer poetischen Hommage an New York und zeichnet eine Lebenskrise eines amerikanischen Intellektuellen nach. Die schwarz-weiße Farbgebung stellt dabei die richtige Stimmung her und betont die Melancholie hinter der Komik des Films.

 

Midnight in Paris

Gemeinsam mit seiner Verlobten Inez (Rachel McAdams; Wie ein einziger Tag) und deren Eltern verbringt Gil (Owen Wilson) einen Urlaub in Paris. Er ist fasziniert von der Stadt und ihrer Vergangenheit und träumt davon, einen literarisch wertvollen Roman zu schreiben. Er überlegt sogar, seinen Job als Drehbuchautor in Hollywood an den Nagel zu hängen. Seine Verlobte ist davon wenig begeistert und geht lieber mit einem Snob tanzen, als mit ihm die romantischen Straßen von Paris zu erkunden. Leicht angetrunken steigt Gil eines Abends in ein Taxi. Als er aussteigt, kann er es kaum glauben. Er ist im Paris der 20er Jahre gelandet. Umgeben von Größen der Zeit wie Ernest Hemingway (Corey Stoll; Homeland), Pablo Picasso (Marcial Di Fonzo Bo) und Scott Fitzgerald (Tom Hiddleston; Thor) stürzt er sich jede Nacht aufs Neue in eine vergangene Kulturepoche. Während seine Frau alles nur für Phantasien hält, verliebt sich Gil in Picassos Muse – doch es kann nur eine Wirklichkeit geben…

Midnight in Paris ist eine Liebeserklärung von Woody Allen an die Stadt der Liebe. Früher beherbergte die Stadt die größten Künstler der Generation und genau diese Geschichten sind es, die dem Film das Gewisse etwas geben. Einzigartig und magisch!

 

To Rome With Love

Den Überblick in den Liebesirrungen in der Ewigen Stadt hat niemand anderes als ein (echter!) römischer Verkehrspolizist. Er kennt das illustre Treiben der Stadt und bringt Ordnung in die Episoden in Woody Allens To Rome with Love, die mit Roberto Benigni (Das Leben ist schön), Penélope Cruz (Vicky Cristina Barcelona), Alec Baldwin (Departed – Unter Feinden), Ornella Muti, Jesse Eisenberg (The Social Network) und Ellen Page (Inception) prominent besetzt sind.

Die Mischung aus skurril-liebenswerten Geschichten und prominenten Gesichtern macht To Rome with Love zu einem charmanten Woody Allen-Film, auch wenn er dem Vorgänger Midnight in Paris nicht ganz das Wasser reichen kann.

 

Vicky Cristina Barcelona

Die beiden Amerikanerinnen Vicky (Rebecca Hall) und Cristina (Scarlett Johansson) verbringen ihre Sommerferien in Barcelona – Vicky als letzten Single-Urlaub vor ihrer Hochzeit, Cristina auf der Suche nach sexuellen Abenteuern. Als sie auf einen spanischen Künstler (Javier Bardem; Biutiful) und dessen psychisch kranke Ex-Frau (Penélope Cruz) stoßen, nehmen die romantischen Verwicklungen ihren Lauf. Cristina beginnt eine Beziehung mit ihm, Vicky stürzt kurz vor ihrer Hochzeit in ein Gefühlschaos. Doch auch Maria Elena, die temperamentvolle Ex-Frau des Casanovas, hat noch Interesse an Juan Antonio.

Vicky Cristina Barcelona ist eine Hommage an Kataloniens Schönheit und erfrischend wie eine liebliche Sommerbrise. Der Film ist herrlich leicht und heiter, bietet spritzige Dialoge und eine tolle Besetzung. Besonders Penélope Cruz transportiert eine solche Leichtigkeit des Lebens, dass man selbst die warme Sonne auf der Haut spürt.

 

 

The Magic in the Moonlight

Magic in the Moonlight spielt in den 1920er Jahren an der luxuriösen Côte d’Azur und erzählt die Geschichte eines berühmten Zauberkünstlers, der verzweifelt versucht, eine Hellseherin als Betrügerin zu entlarven. Der chinesische Hexenmeister Wei Ling Soo ist der berühmteste Zauberer seiner Zeit, doch nur wenige wissen, dass sich hinter diesem Künstlernamen der grantige, arrogante Engländer Stanley Crawford (Colin Firth; Tatsächlich…Liebe) verbirgt, der sehr von sich überzeugt ist und jene Spiritisten verachtet, die behaupten, statt zu tricksen wirklich übersinnlich begabt zu sein.

The Magic in the Moonlight nimmt einen mit auf eine zauberhafte, leichtfüßige Reise in die Vergangenheit. Die Chemie zwischen Emma Stone und Colin Firth ist stimmig und verleiht dem Film eine charmante Note. Der perfekte Film für einen entspannten Filmabend.

 

 

Match Point

Ein junger Tennislehrer von bescheidener Herkunft, Chris Wilton (Jonathan Rhys Meyers; Die Tudors), verschafft sich eine Anstellung in einem der nobelsten Tennis-Clubs des vornehmen London. Er freundet sich mit Tom Hewett (Matthew Goode; Verlobung auf Umwegen) an, dem Sprössling einer reichen Familie. Tom lädt ihn zu seinen Eltern ein, wo Chris auch Bekanntschaft mit seiner Schwester Chloe (Emily Mortimer; Paris je t’aime) macht sowie seiner Verlobten Nola Rice (Scarlett Johansson), einer jungen amerikanischen Schauspielerin. Im gleichen Moment, da Chris zarte Bande mit Chloe knüpft, die auch den erhofften gesellschaftlichen Aufstieg beinhalten, fühlt er sich unwiderstehlich zu Nola hingezogen …

Woody Allen schlägt in Match Point ernste Töne an. Herzhafte Zynik überschattet den bekannten Allen-Humor. Virtuos und bitterböse zugleich ist der Film eine erfreuliche Ausnahme im Meer der Hollywood-Filme.

 

Blue Jasmine

Millionärsgattin Jasmine (Cate Blanchett) verliert von einem auf den anderen Tag alles. Ihr Mann Hal (Alec BaldwinWenn Liebe so einfach wäre) wird wegen Investmentbetrugs verhaftet und das gesamte Vermögen des New Yorker High-Society-Ehepaares beschlagnahmt. Die verwöhnte Jasmine ist gezwungen bei ihrer Schwester Ginger (Sally Hawkins; Happy-Go-Lucky) unterzukommen. Doch Supermarktverkäuferin Ginger lebt in einer komplett anderen, für Jasmine schier unerträglichen Welt. Als ehemals verwöhntes Upper-Class-Mitglied ist Jasmine angewidert vom Alltag der Menschen, die es gewohnt sind, für ihren Lebensunterhalt in die Arbeit zu gehen und zu kämpfen. Doch ohne Geld auf dem Konto muss sich auch Jasmine langsam dieser für sie tristen Realität stellen…

Nachdem Allen zuletzt eher romantisch angehauchte Komödien wie Midnight in Paris oder To Rome With Love produziert hat, kehrt er mit Blue Jasmine zu seinen Wurzeln zurück: Der Film ist eine pessimistische Tragikomödie im Stil von Stardust Memories oder Verbrechen und andere Kleinigkeiten. Wie die gefallene Society-Lady Jasmine widerwillig ins Leben der Normalsterblichen hinabsteigen muss und dabei immer wieder die Leute vor den Kopf stößt, ist absolut sehenswert.

 

Whatever Works

Das einstige Physik-Genie Boris Yellnikoff (Larry David) ist mit seinem Leben auf ganzer Linie gescheitert. Bis ihm eines Tages die Ausreißerin Melody (Evan Rachel Wood; Dreizehn) in die Arme fällt und dann auch gleich bei ihm einzieht. Das funktioniert alles für eine Weile auch ganz gut, bis plötzlich Melodys Mutter Marietta (Patricia Clarkson; The Green Mile) unangemeldet vor der Tür steht. Wenig begeistert von ihrem neuen „Schwiegersohn“ sucht sie nach einer geeigneten Alternative für ihre Tochter und entdeckt ganz nebenbei ihre sexuelle Erfüllung und Berufung als Künstlerin.

Whatever Works ist für Woody Allens Verhältnisse ein Feel-Good-Movie. Erfrischend und stringent erzählt, ist die Komödie großes Kino und überzeugt mit viel Humor und bissigen Dialogen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.