Eigentlich hätte sich im Leben von Forest Whitaker alles um ein großes, ledernes Ei und nicht um Filme drehen sollen. Der 1961 in Texas geborene Schauspieler kam über ein Football-Stipendium ans College und galt als großes Talent. Doch schon bald musste Forest aufgrund einer Rückenverletzung seinen Traum vom Profisport begraben. Nach einer Schauspiel-Karriere sah es trotzdem lange Zeit nicht aus. Tausendsassa Whitaker hatte schon das nächste Stipendium in der Tasche, diesmal für ein Musikstudium. Doch obwohl er auch hier voll und ganz überzeugte, wechselte Forest Whitaker erneut den Studiengang und auch die Uni, an der Eliteuniversität Berkeley erhielt er ein Stipendium für einen Schauspielstudiengang und zog diesen diesmal durch. Die Ironie des Schicksals zeigte sich dann bei Whitakers Filmdebüt. Im Alter von 21 spielte er in dem Film Ich glaub ich steh‘ im Wald ausgerechnet einen Footballspieler.

Forest Whitaker, das Multitalent. Was für das Leben des Afroamerikaners gilt, gilt auch für seine wohl größte Gabe, die Schauspielerei. Whitaker kann einfach alles spielen, daran hindert ihn auch nicht sein aufgrund der Krankheit Ptosis herabhängendes Augenlied. Seinen Durchbruch auf der großen Filmbühne feierte der damals 27-Jährige in der Rolle eines begnadeten Musikers, wobei ihm sicher seine musikalische Ausbildung zugute kam. 1988 verkörperte er in Clint Eastwoods Film Bird den legendären Saxophonisten Charlie Parker, was ihm prompt die Auszeichnung als bester Schauspieler bei den Filmfestspielen in Cannes einbrachte. Auch in anschließenden Rollen als Soldat (Crying Game) und als in sich gekehrter Vater (Smoke) überzeugte Whitaker voll und ganz.

Forest Whitaker, der den schwarzen Gürtel in Karate besitzt, kann auch böse. In Jim Jarmuschs vielgelobten Indiefilm Ghost Dog: Der Weg des Samurai schlüpfte er 1999 in die Rolle eines kompromisslosen Killers. Wie in vielen seiner vorherigen Filme überzeugte Whitaker auch hier mit seiner charismatischen und ausdruckstarken Darstellung. Diese Fähigkeit brachte den Charakterdarsteller dann an den bisherigen Gipfel seiner Karriere: 2007 gewann Whitaker für seine Rolle als blutrünstiger ugandischer Diktator Idi Amin in Der letzte König von Schottland den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Ein Jahr zuvor war er für seine brillante Darstellung bereits mit dem Golden Globe ausgezeichnet worden. Wie schon bei Bird, als er monatelang Saxophon übte, bereitet sich Whitaker für die Dreharbeiten von Der letzte König von Schottland akribisch auf seine Rolle vor und weilte monatelang in Afrika.

Der bekennende Vegetarier Whitaker ist nicht nur wegen seines Oscargewinns eine Institution in Hollywood. Er führte auch in einigen Filmen wie Waiting to Exhale – Warten auf Mr. Right und Eine zweite Chance Regie, zudem spielte der Familienvater in Serien wie The Shield und Emergency Room mit. Seine Filmografie umfasst über 60 Filme in zahlreichen verschiedenen Genres. Da ist es fast schon beruhigend, dass auch Multitalent Whitaker nicht alles gelingt: Im Jahr 2000 spielte er an der Seite von John Travolta in dem SciFi-Streifen Battlefield Earth – Kampf um die Erde mit. Der Film gilt bis heute als einer der schlechtesten aller Zeiten.

Die besten Forest Whitaker Filme

Der letzte König von Schottland (2006)

Der schottische Arzt Nicholas Garrigan (James McAvoy, Abbitte, Die Lincoln-Verschwörung) sucht in Uganda das Abenteuer und heuert 1971 in der Mission von Dr. Merrit (Adam Kotz, Schüsse durchs Herz) und dessen Frau Sarah (Gillian Anderson, Akte X, Shadow Dancer) an. Schon bald darauf kommt in dem afrikanischen Land Idi Amin (Forest Whitaker, Smoke, Downtown) durch einen von England unterstützten Militärputsch an die Macht. Nachdem der frischgekrönte Staatschef einen Unfall hat, kommt ihm der zufällig anwesende Nicholas zur Hilfe. Amin ist von dessen Fähigkeiten beeindruckt und engagiert ihn als seinen Leibarzt. Schon bald zeigt Amin sein brutales Gesicht als erbarmungslos herrschender Diktator.

Der letzte König von Schottland ist ein packender Politthriller, der sich teilweise auf eine wahre Geschichte beruft. Für seine beeindruckende Darstellung des blutrünstigen, aber auch faszinierend vielschichtigen Diktators Idi Amin wurde Forest Whitaker mit dem Golden Globe (2006) und dem Oscar (2007) ausgezeichnet, jeweils in der Kategorie Bester Hauptdarsteller.

Bird(1988)

Bird erzählt die Lebensgeschichte des weltberühmten Saxophonisten Charlie Parker (Forest Whitaker, Platoon, Street Kings), alias Bird. Dabei wird unter anderem gezeigt, wie Parker seine Frau Chan (Diane Venora, Ein wahres Verbrechen, Insider) kennenlernt und durch die USA tourt. Auch seine schwere Heroinabhängigkeit und ein Selbstmordversuch nach dem Tod seiner Tochter Pree sind Thema des berührenden Biopics.

Bei dem Film führte Clint Eastwood (Million Dollar Baby, Mystic River) Regie, Forest Whitaker glänzte in seiner ersten Hauptrolle als Jazz-Ikone Charlie Parker unter anderem mit seinen musikalischen Fähigkeiten. Der Schauspieler erhielt für seine Rolle bei den Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme und wurde für die Golden Globes nominiert.

Ghost Dog: Der Weg des Samurai (1999)

Der Zen-Buddhist Ghost Dog (Forest Whitaker, Species, 8 Blickwinkel) führt ein zurückgezogenes Leben. Er steht in der Schuld von Mafioso Louie (John Tormey, Stay, Not Fade Away), der ihm einmal nach einem Überfall das Leben rettete. Deshalb führt Ghost Dog für dessen Clan immer wieder Auftragsmorde durch. Nach einem missglückten Mord gerät der Killer selbst ins Visier der skrupellosen Gangster. Ein blutiger Schlagabtausch beginnt.

Die Story von Ghost Dog: Der Weg des Samurai wirkt auf den ersten Blick etwas platt, doch der Film von Regisseur Jim Jarmusch (Broken Flowers, The Limits of Control) ist vielschichtig und reißt auch tiefgründige Themen wie die gewaltsame Unterdrückung kultureller Minderheiten an. Wie in vielen seiner Filme konzentriert sich Jarmusch dabei auf seinen Hauptdarsteller und Forest Whitaker überzeugt mit seiner emotionalen Präsenz und physischen Stärke voll und ganz als spiritueller Samurai.

Panic Room (2002)

Meg Altman (Jodie Foster, Das Schweigen der Lämmer, Taxi Driver) zieht nach ihrer Scheidung mit ihrer Tochter Sarah (Kristen Stewart, Twilight – Biss zum Morgengrauen, The Runaways) in ein Stadthaus in New York. Das luxuriöse Gebäude in der Upper East Side verfügt über einen geheimen und einbruchsicheren Raum, der mit modernster Technik und massiven Stahltüren ausgestattet ist. Schon in der ersten Nacht brechen drei Einbrecher (Forest Whitaker, Jared Leto und Dwight Yoakam) in das Haus ein, Meg und Sarah verschanzen sich in dem so genannten Panic Room. Doch das, was die Gangster suchen, befindet sich dummerweise genau in diesem Raum!

Kult-Regisseur David Fincher (Sieben, Fight Club) hat mit Panic Room einen nervenaufreibenden Thriller auf die Leinwand gebracht, dessen Spannung auch aufgrund vieler überraschender Wendungen für die Zuschauer teilweise nur schwer erträglich ist. Der Film ist auch wegen der Klasse seiner Darsteller absolut sehenswert.

Repo Men (2010)

Organmafia war gestern: In naher Zukunft können die Menschen sich neue Organe bei der Firma „The Union“ kaufen, auch auf pump. Doch falls die Patienten ihre Raten hierfür nicht zahlen können, tritt der Repo Men auf den Plan, er findet die Schuldner und schneidet ihnen die Organe wieder heraus. Die beiden Kumpels Remy (Jude Law, Alfie, Hautnah) und Jake (Forest Whitaker, Stürmische Zeiten, A Little Trip to Heaven) gehören zu den besten Repo Men, sie erfüllen ihren Job präzise, zuverlässig und erbarmungslos. Doch eines Tages kann Remy nach einem Unfall selbst nicht mehr seine Schulden bei „The Union“ zahlen und wird vom Jäger zum Gejagten.

Repo Men ist eine düstere Zukunftsvision, dessen Thema in Zeiten von Organspende-Skandalen höchst aktuell ist. Im Laufe des brutalen Thrillers entwickelt sich ein spannendes Duell der beiden Topstars Jude Law und Forest Whitaker, das in einem furiosen Ende mündet.

Der Butler (2013)

Der Butler erzählt die wahre Geschichte des Afroamerikaners Cecil Gaines (Forest Whitaker, Die dunkle Wahrheit, Nicht auflegen!), der von 1952 bis 1986 im Weißen Haus im persönlichen Dienst des jeweiligen US-Präsidenten stand. Das beeindruckende Biopic zeigt, wie Gaines als Butler hautnah Weltgeschichte miterlebt und parallel dazu einen Kampf mit seinem Sohn Louis (David Oyelowo, 96 Minuten) austragen muss, der als aktives Mitglied der schwarzen Bürgerbewegung in ihm ein Symbol der Untertänigkeit der Schwarzen sieht.

In Lee Daniels‘ (Precious – Das Leben ist kostbar, The Paperboy) Film Der Butler beweist Forest Whitaker einmal mehr, was für ein begnadeter Charakterdarsteller er ist. Er verkörpert glaubwürdig und facettenreich den stoischen Bediensteten, der nach anfänglicher Ehrfurcht sogar etwas Einfluss auf die Geschicke der US-Präsidenten nehmen kann. Für viele war es eine Überraschung, dass Whitaker für seine Rolle nicht als Bester Hauptdarsteller für den Oscar nominiert wurde.

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