Bei den diesjährigen Oscars war Dallas Buyers Club von Regisseur Jean-Marc Vallée (C.R.A.Z.Y – Verrücktes Leben, Young Victoria) der große Sieger. Das Aids-Drama sicherte sich gleich drei Academy Awards, darunter die Auszeichnungen in den prestigeträchtigen Kategorien Bester Hauptdarsteller und Bester Nebendarsteller. Matthew McConaughey (Der Mandant, Die Jury) und Jared Leto (Requiem for a Dream, Fight Club) nahmen die beiden begehrten Trophäen mit nach Hause.

Ihr Triumph war gleichzeitig ein Triumph des Method Actings, des Sich-Reinarbeitens in eine Filmrolle mit allen Mitteln. McConaughey wollte seine Rolle des HIV-positiven Cowboys Ron Woodroof, dem die Ärzte noch 30 Tage Restlebenszeit geben, möglichst authentisch wirken lassen und speckte deshalb innerhalb von vier Wochen über 20 Kilo ab. Auch sein Filmpartner Leto nahm für seine Verkörperung eines ebenfalls mit HIV infizierten Transvestiten drastisch ab.

Extremes Abnehmen ist eine weit verbreitete Technik, mit der Schauspieler ihre Rolle möglichst authentisch machen wollen. Es gibt aber noch andere Formen des Method Actings. Im Folgenden findet Ihr Beispiele besonders extremer Filmrollen. In diesen Filmen sind Schauspieler bis an ihre Grenzen und darüber hinaus gegangen!

Extreme Filmrollen – Schauspieler am Limit

Dallas Buyers Club

Vom belächelten Frauenschwarm zum gefeierten Charakterdarsteller: Matthew McConaughey ist mit seiner Oscar-prämierten Rolle als Cowboy Ron Woodroof in Dallas Buyers Club im Hollywood-Olymp angekommen. Der ehemalige RomCom-Spezialist beeindruckt in dem Drama als aidskranker Cowboy, der sich vom homophoben Säufer zum Gutmenschen wandelt.

Für diese Rolle nahm McConaughey innerhalb kürzester Zeit extrem ab. Sein Geheimrezept: Er nahm statt fester Nahrung nur noch Tee zu sich. Gelohnt haben sich die Strapazen für McConaughey. Der Schauspieler darf sich inzwischen Oscar-Gewinner nennen.

Wie ein wilder Stier

Einer der Schauspieler, der sich in jüngeren Jahren wohl am extremsten auf seine Filmrollen vorbereitet hat, ist Robert De Niro (GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia; Meine Braut, ihr Vater und ich). So trainierte er für seine Rolle in Wie ein Wilder Stier – er verkörperte in dem Film den Boxer Jake LaMotta – wie besessen im Box-Gym. Angeblich ließ sich De Niro für eine Filmszene sogar freiwillig das Gesicht zerschlagen.

De Niro verkörpert in dem Film allerdings nicht nur den durchtrainierten, sondern auch den alten, dick gewordenen Jake LaMotta. Hierfür nahm die Schauspiellegende 27 Kilogramm Gewicht zu. Auch bei De Niro lohnten sich letztlich die Qualen – er erhielt 1981 den Oscar als Bester Hauptdarsteller.

Taxi Driver

Robert De Niro tauchte nicht nur tief in die Boxszene ein. Für seine Darstellung des vereinsamten Taxifahrers Travis Bickle in Taxi Driver (1976) griff der Schauspieler zwar nicht zu so extremen Mittel wie in Wie ein wilder Stier, doch auch hier versuchte er sich voll und ganz in seine Rolle hineinzuversetzen und fuhr mehrere Wochen in New York Taxi.

Auch bei Taxi Driver hat sich sein Method Acting für De Niro gelohnt. Der Film von Regisseur Martin Scorsese (The Wolf of Wall Street, Casino), in dem Jodie Foster (Das Schweigen der Lämmer, Panic Room) eine junge Prostituierte spielt, gilt bis heute als der Durchbruch De Niros in Hollywood.

Der Maschinist

Einer der extremsten Vertreter der Schauspiel-Zunft ist Christian Bale (Batman Begins, American Psycho). Der Brite ging 2004 für seine Rolle in Der Maschinist fast schon zu weit. In dem Psycho-Thriller mit Jennifer Jason Leigh (Weiblich, ledig, jung sucht…, Margot und die Hochzeit) spielt Bale einen seelisch angeschlagenen Maschinenarbeiter, der seit einem Jahr an Schlaflosigkeit leidet und sich mehr und mehr zum Wrack entwickelt.

Um seinen Charakter glaubwürdig darzustellen, hungerte sich Bale von 85 Kilo Körpergewicht auf 55 Kilo herunter. Er wollte sogar noch mehr abnehmen, doch die Filmcrew hielt ihn davon ab…

The Fighter

Bale liebt offenbar die Extreme. Für seinen anschließenden Film Batman Begins (2005) packte der Schauspieler wieder ordentlich Muskelmasse drauf. Musste er auch, schließlich spielte Bale in der Comicverfilmung von Regisseur Christopher Nolan (The Dark Knight, Inception) den Titelhelden Batman – ein Superheld mit 55 Kilo Körpergewicht wäre nicht sehr furchteinflößend gewesen. Auch 2008 bei der nächsten Batman-Verfilmung  The Dark Knight zeigte sich Bale muskelbepackt und durchtrainiert.

2010 war für Bale wieder Fastenzeit: Für das Oscar-prämierte Boxerdrama The Fighter nahm der Mime wieder massiv ab – er spielte an der Seite von Mark Wahlberg (Boogie Nights, Planet der Affen) und Amy Adams (American Hustle, Man of Steel) einen Junkie. Für seine beeindruckend authentische Darstellung wurde Bale anschließend mit dem Oscar als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

American Hustle

Bale wäre nicht Bale, wenn er nicht gleich das nächste Extrem suchen würde: Für The Dark Knight Rises (2012) trainierte er wieder kräftig und gab erneut den muskelbepackten Superhelden Batman. Nur ein Jahr später konnte Bale sich dann mal richtig gehen lassen.

Für seine Rolle des Trickbetrügers Irving Rosfeld in der Gauner-Komödie American Hustle musste Bale nicht hungern oder pumpen, sondern ordentlich futtern – rund 20 Kilo nahm er für den Film zu und überraschte seine Fans mit über 100 Kilo Körpergewicht und einem stattlichen Bauch. Auch diese Art von Method Acting war erfolgreich und wurde mit einer Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller honoriert.

McConaughey, De Niro und Bale sind bei weitem nicht die einzigen Hungerkünstler Hollywoods. So nahm Oscar-Gewinner Tom Hanks (Forrest Gump, Philadelphia) für seine Rolle als Schiffsbrüchiger in Cast Away stolze 26 Kilo ab. Auch Rapper und Schauspieler 50 Cent (Get Rich or Die Tryin‘, Escape Plan) machte für All Things Fall Apart eine drastische Diät. Um einen an Krebs erkrankten Footballer glaubwürdig darstellen zu können, speckte er 20 Kilo ab. Die ohnehin eher zierliche Natalie Portman (Filmreihe Star Wars, Freundschaft Plus), verlor für ihre Rolle in Black Swan zehn Kilo an Gewicht. Zudem nahm sie für das Drama angeblich ein Jahr lang jeden Tag Ballett-Unterricht.

Doch warum immer abnehmen? Für die Darstellung eines abgehalfterten CIA-Agenten an der Seite von Leonardo DiCaprio (The Wolf of Wall Street, Titanic) in Der Mann, der niemals lebte futterte sich Russell Crowe (Gladiator, L.A. Confidential) satte 30 Kilo zusätzlich auf die Rippen. Für Charlize Theron (Im Auftrag des Teufels, Prometheus – Dunkle Zeichen) lohnten sich rund 14 Kilo Zusatzgewicht: Die Südafrikanerin spielte in Monster eine Prostituierte und Serienmörderin derart überzeugend, dass sie 2004 mit dem Oscar als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde.

The Dark Knight

Nicht nur Christian Bale bereitete sich auf seine Rolle als Batman für The Dark Knight akribisch vor. Auch sein Filmkollege, der viel zu früh verstorbene Heath Ledger (Brokeback Mountain, Der Patriot), ging für seine Rolle als psychopathischer Bösewicht Joker an seine Grenzen.

So sperrte sich der Australier eigenen Angaben zufolge einen Monat lang in ein Hotelzimmer ein, um sich ungestört komplett die Rolle des Psychopathen einverleiben zu können. Zudem habe er nachts wegen der Vorbereitung auf seinen Schauspiel-Part nur noch wenige Stunden schlafen können. Angeblich kommunizierte Ledger während der Dreharbeiten auch nur noch als Joker mit der Filmcrew. Ledgers Verkörperung des Jokers gilt als überragend, nach seinem Tod wurde er posthum mit dem Oscar als Bester Nebendarsteller geehrt.

End of Watch

Wenig Schlaf fanden bei den Dreharbeiten zu dem Cop-Thriller End of Watch auch Jake Gyllenhaal (Brokeback Mountain, Prisoners) und Michael Peña (World Trad Center, Gangster Squad). In dem Found-Footage-Film von Regisseur David Ayer (Sabotage, Street Kings), der durch seine Handkameraführung fast schon Dokumentations-Charakter hat, spielen die beiden zwei Streifenpolizisten in South Central Los Angeles. Sie filmen dabei ihre gefährlichen und von Gewalt überschatteten Einsätze im Gang-Milieu.

Um ihre Rollen möglichst realistisch spielen zu können, bereiteten sich Gyllenhaal und Peña über fünf Monate vor und nahmen dabei einiges auf sich. Neben dem Trainieren mit Schusswaffen und Kampfsport-Sessions begleiteten die beiden Schauspieler echte Polizisten bei ihren nächtlichen Einsätzen. Und erlebten dabei schnell einen Schock: Schon bei ihrer ersten Fahrt im Streifenwagen wurden sie im Juli 2011 Zeuge einer Schießerei rivalisierender Gangs, bei der ein Mann vor ihren Augen verblutete.

Gyllenhaal berichtete anschließend, er habe noch nie so viel Gewalt gesehen, Menschen seien mit Fäusten, Messern oder Schusswaffen aufeinander losgegangen. Nach den Einsatzfahrten habe er oft nicht schlafen können und heftige Alpträume gehabt. Dass sich die beiden Hauptdarsteller so intensiv auf die Dreharbeiten vorbereitet haben, merkt man – ihre Performance in End of Watch ist überragend und macht den Film zu einer packenden und realitätsnahen Milieu-Studie.

Lincoln

Als „König des Method Actings“ gilt gemeinhin Daniel Day-Lewis (There Will Be Blood, Im Namen des Vaters). Dass sich der Brite extrem in seine Rollen hineinversetzt, zeigte er zuletzt bei den Dreharbeiten zu Lincoln: Day-Lewis spielte in dem Film den legendären US-Präsidenten Abraham Lincoln. Zunächst las er sich ein Jahr in die Rolle ein und versuchte sich Lincolns derben Südstaaten-Akzent sowie seine hohe Stimme anzueignen.

Am Filmset sprach Day-Lewis angeblich nicht mit Crewmitgliedern, nur mit Regisseur Steven Spielberg (Filmreihe Indiana Jones, Jurassic Park). Außerdem ließ er sich nur noch mit „Sir“ und „Mr. Lincoln“ ansprechen. Personen mit britischem Akzent durften während und nach des Filmdrehs nicht mit ihm reden, ihnen drohte andernfalls die Kündigung. Die Strapazen lohnten sich letztlich für alle Beteiligten, Lincoln gilt als Meisterwerk und gewann 2013 zwei Oscars, einer davon ging an Day-Lewis als Bester Hauptdarsteller.

Daniel Day-Lewis versucht stets, sich mit allen Mitteln voll und ganz in seine Rollen hineinzuversetzen. So erlernte er für Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins Tschechisch, weil das Drama überwiegend in Prag spielt. Für Mein linker Fuß schadete der Charakterdarsteller gar seiner eigenen Gesundheit. Um den schwerbehinderten Christy Brown in dem Biopic glaubhaft darzustellen, verließ Day-Lewis am Set während der gesamten Dreharbeiten seinen Rollstuhl nicht. Aufgrund seiner unnatürlichen Körperhaltung brach sich der Mime zwei Rippen.

Für die Vorbereitung für Der letzte Mohikaner lernte Day-Lewis Kanus zu bauen, das Jagen und Häuten von Tieren und ernährte sich dann für einen gewissen Zeitraum nur von seinen Fängen. Und was machte der Schauspieler, um „Bill The Butcher“ im Gangster-Drama Gangs of New York von Regie-Ass Martin Scorsese (Aviator, Shutter Island) authentisch zu spielen? Richtig, er absolvierte einige Monate einen Metzger-Crashkurs in einer Londoner Fleischerei!

Dass sich solch extremes Method Acting lohnen kann, zeigt das Beispiel Day-Lewis eindrucksvoll: Bis heute wurde kein anderer männlicher Schauspieler bei den Oscars jemals mit drei Auszeichnungen als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet!

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