Die maxdome-Kinokritik zu „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“

16.11.2016 von Christina Brugger Schlagwörter: , , ,

Mit Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (Fantastic Beasts and where to find them) bringen J. K. Rowling und Regisseur David Yates die magische Welt von Harry Potter zurück auf die Leinwand – und maxdome hat den Film vorab gesehen, um festzustellen, ob es sich für euch lohnt, ins Kino zu gehen oder nicht.

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Als Newt Scamander (Oscarpreisträger Eddie Redmayne) in New York City eintrifft, hat der britische Zauberer nicht mehr bei sich, als seinen ramponierten braunen Reisekoffer. Doch der völlig gewöhnlich aussehende Koffer beherbergt fantastische, magische Geschöpfe, die aus dem Gepäckstück des Tierforschers entkommen möchten. In einer Bank trifft Newt auf den Nichtmagier Jacob Kowalski (Dan Fogler). Dessen sehnlichster Wunsch ist es, eine eigene Bäckerei zu haben, deshalb trägt er einen Koffer voller Pasteten und Teigwaren mit sich. Doch dann passiert etwas völlig Unerwartetes: Erst entkommt Newt ein flinker Niffler, den er in einer wilden Verfolgungsjagd einfangen muss. Und schließlich vertauscht er auch noch seinen Koffer mit dem des Muggles, der natürlich prompt Newts phantastische Tierwesen auf die Stadt loslässt!

Neue Gesichter und alte Bedrohungen

Keine gute Idee, denn in Amerika sind die Gesetze und die Strafverfolgung, was die Geheimhaltung der Magie betrifft, noch viel strenger als in Großbritannien. Unter der Führung von Madam President Seraphina Picquery (Carmen Ejogo; The Purge: Anarchy) versucht deshalb der zwielichtige Magier Percival Graves (Colin Farrell; Minority Report) herauszufinden, wer oder was die Stadt angreift und regelmäßig ganze Viertel in Schutt und Asche legt. Natürlich gerät Newt Scamander unter Verdacht, denn seine entflohenen Tierwesen sind eine Bedrohung für die magische und nichtmagische Gemeinschaft. Gut, dass er ein tolles Team an seiner Seite hat:  Muggel Jacob, Ex-Aurorin Tina Goldstein (Katherine Waterston; Inherent Vice), die ihn entdeckt und gefasst hat und deren schöne Schwester, eine Gedankenleserin namens Queenie (Alison Sudol). Gemeinsam gehen sie der Verschwörung auf den Grund und versuchen, den wahren Täter zu entlarven…

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – Filmkritik

Das Intro von Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind lässt die Herzen von Potter-Fans höher schlagen; mit dem altbewährten Klang von John Williams‘ Harry Potter-Theme läutet das Warner-Bros.-Logo die neue Ära der Rowling-Filme ein. Dann der Peitschenhieb: Der Film beginnt viel düsterer und unheimlicher als erwartet, um einiges düsterer sogar als es schon der erste Teil von Heiligtümer des Todes war. Durch eingeblendete Zeitungsartikel wird sofort klar, dass wir uns im Amerika der 1920er Jahre befinden und dass auch diesmal wieder ein gefährlicher Bösewicht sein Unwesen treibt, dessen Name Fans der Reihe wohl einen Schauer über den Rücken laufen lässt: Gellert Grindelwald.

FTB933_FBST_DTR4 2055.tifCGI-Effekte auf höchstem Niveau

Die eigentliche Handlung beginnt mit der Ankunft des Protagonisten, Newt Scamander, in New York. Oscarpreisträger Eddie Redmayne spielt den eigentümlichen britischen Zauberer sehr sympathisch und ist wie gemacht für eine Rolle, die mit Zauberstab und Umhang durch New York flaniert. Schon gleich am Anfang begegnen wir ersten „phantastischen Tierwesen“, die Buchlesern allesamt ein Begriff sein dürften, alle anderen aber auch begeistern werden: Von putzig über witzig bis unheimlich ist bei den top animierten CGI-Geschöpfen alles vertreten. Auch die Namen klingen (wie alles in Rowlings Welt) magisch, aber auch irgendwie vertraut: Niffler, Bowtruckle, Donnervogel

Spannungsgeladene Verfolgungsjagden

Mit Spannung und Action wird in den Anfangssequenzen und auch später ebenfalls nicht gegeizt: Als Newt eines seiner Tierwesen entkommt, muss er es in einerFANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM rasanten Verfolgungsjagd wieder einfangen – und uns wird eine weitere Hauptfigur vorgestellt; der lustige Charakter des Jacob Kowalski (Dan Fogler), der wie erschlagen wirkt, als er Magie am eigenen Leib erfährt – und doch ist es für ihn (wie für uns Zuschauer) doch alles ziemlich cool.

Mit der Inszenierung komplizierter Figurenkonstellationen und der Einführung vieler verschiedener Charaktere kennt sich Harry-Potter-Altmeister David Yates natürlich aus. Auch die Rowling-typischen Twists inszeniert er so, dass jeder Zuschauer kurz überlegt, ob es wirklich so sein kann – und dann erkennt: Bei Merlins Bart, wieso bin ich da nicht selbst draufgekommen! Tolle Darsteller wie Colin Farrell (dessen Rolle ein bisschen an Minority Report erinnert), Ron Perlman als Kobold-Mafia-Boss Gnarlak oder Jon Voight als Muggel-Millionär verleihen dem ansonsten mit eher unbekannten Darstellern besetzten Film Hollywood-Akzente.

Rowlings neuester Streich

FTB933_FBST_DTR4 2615.tifDie Geschichte an sich, deren Vorlage von Rowling stammt, und welche diese selbst zum Drehbuch adaptierte, ist stimmig, rund und über alle Maßen unterhaltsam. Die eigensinnige Kombination aus Fantasy, Thriller, Humor und Nostalgie macht den Auftakt des Franchises zu einem großen Kinohighlight. Untermalt mit der Musik von James Newton Howard (Panem, I am Legend) nähert sich der Soundtrack sehr an die alten Filme an, ist aber trotzdem etwas Eigenständiges und Neues (und ein Muss fürs CD-Regal!)

Ein, zwei Minuspunkte greifen die „phantastischen Tierwesen“ aber auch ab: Erstens, weil der Zuschauer sich wahrscheinlich mit dem liebenswerten, aber sehr verschrobenen Newt Scamander weniger identifizieren wird, als mit seinem trolligen Muggelfreund Jacob Kowalski. Und zweitens, weil man nach über zwei Stunden Filmlaufzeit ein bisschen das Gefühl hat, auf etwas gewartet zu haben, das gar nicht kam. Natürlich ist von Anfang an klar, dass es kein Harry-Potter-Spin-Off ist, und auch kein wirkliches Sequel, sondern eine ganz eigenständige Geschichte in einer bekannten Welt. Doch das ganz leichte Gefühl der Enttäuschung ist eben da.

Dem Fazit können diese Kritikpunkte aber nichts anhaben:FANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM Phantastische Tierwesen ist ein großartig inszeniertes, toll geschriebenes und packendes Fantasy-Abenteuer. Darüber hinaus bietet er gute Darsteller, originelle Ideen und viel Platz für weitere Geschichten. Für Potter-Fans ist es ein Muss, auch wenn ihnen klar sein muss, dass kein Harry, kein Hagrid und auch kein Dumbledore durchs Bild spazieren werden, dass wir kein Hogwarts sehen und dass auch die amerikanische Zauberschule für spätere Filme aufgehoben wird. Für alle anderen Zuschauer bietet Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind jede Menge Unterhaltung, Spannung und eine düstere, magische Welt voll mit Bösewichten, außergewöhnlichen Geschöpfen und vielen unerwarteten Wendungen.

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