Found footage“ bedeutet „gefundenes Material“. Ein Found-Footage-Film ist also ein Film, der gefundenes Videomaterial verarbeitet – oder das zumindest vorgibt.

Die Prämisse ist so schlicht wie effektiv: Was da über die Leinwand flimmert, sollen Aufnahmen von unter mysteriösen Umständen verschollener Amateurfilmer sein, die vom Regisseur nur noch kohärent zusammengeschnitten wurden. Und stets ist klar: Ein gutes Ende kann keine dieser Erzählungen nehmen, immerhin kamen die Menschen hinter den vorgefundenen Aufnahmen nie zurück, um ihr Material persönlich zu präsentieren.  Das macht das Publikum neugierig und stutzig, denn wer glaubt schon ernsthaft an solch bizarre, unerklärliche und wundersame Begegnungen und Vorfälle? Wenn die grausigen Erlebnisse aber dann über die Leinwand flimmern, kommt es einem doch nicht mehr ganz so unwahrscheinlich vor, dass alles wirklich so passiert ist.

Wacklige Kameraführung und naturalistisches Schauspiel, lebensnahe Dialoge und realistisch wirkende Umgebungen sind die charakteristischen Merkmale von Found-Footage Filmen. Dies lässt den Zuschauer noch näher in das mysteriöse Gruselszenario eintauchen und gibt ihm somit  das Gefühl, privat gefilmtes Material zu sehen – in Zeiten von Youtube & Co keine Seltenheit.

Das Found-Footage-Genre hat seinen Anfang in den 1980er Jahren –  Cannibal Holocaust  war einer der ersten Filme, die in diesem Stil gedreht wurden. Doch den wirklichen Startschuss für diese Art von Schockern lieferte das Blair Witch Project 1999, dessen Marketingstrategie bis heute als unnachahmlich einfallsreich und riskant gefeiert wird: Eine Website im Internet berichtete von jungen Studenten, die in Wäldern nahe Maryland verschwunden waren – einzig ihr aufgenommenes Videomaterial war noch da. Mehrere Millionen Klicks konnte diese Website verbuchen, selbst Zeitungen und Nachrichten berichteten von den Jugendlichen, die nach der „sagenumwobenen“ Hexe von Blair suchen. Sagenumwoben? Von wegen. Die Hexe ist frei erfunden und jede Legende, die sich darum rankt, ist ein Einfall der Filmemacher. Gewirkt hat es trotzdem: Mit einem Produktionsbudget von 60.000 US-Dollar spielte der Film letztendlich etwa 248 Millionen Dollar wieder ein. Und ebnete den Weg für eine Reihe mehr oder weniger erfolgreicher Filme, die dem Stil und der Machart von Blair Witch Project folgten.

Die besten Found-Footage-Horrorfilme

 

Blair Witch Project (1999)

Im Oktober 1994 verschwinden drei Filmstudenten in den Wäldern bei Burkittesville, Maryland bei den Dreharbeiten zu einer Dokumentation über die Hexe von Blair. Sie führen in den umliegenden Dörfern Interviews mit den Bewohnern, um sich mehr Informationen zu beschaffen. Ein Jahr später taucht das Filmmaterial auf, welches die letzten Tage der Gruppe vor ihrem mysteriösen Verschwinden zeigt. Nach einigen kurzen Interviews und Gesprächen mit den ängstlichen Bewohnern der nahen Stadt machen sich Heather und ihre Freunde auf in den Wald, um die Hexe von Blair oder zumindest Spuren von ihr per Kamera festzuhalten. Eine dumme Idee, wie sie schnell erfahren müssen: Sie verlaufen sich hoffnungslos, stellen ihre Freundschaft aufgrund der Spannungen infrage und bekommen nächtliche Besuche von Etwas, das eindeutig nicht menschlich ist. Bevor sie überhaupt nur begreifen können, wie echt die Hexe der Blair-Wälder ist, bekommen sie es auch schon zu spüren…

 

Cloverfield (2008)

Der Geschäftsmann Rob Hawkins muss aufgrund eines Auftrags seiner Marketingfirma geschäftlich nach Japan reisen. Seine Freunde überraschen ihn mit einer Abschiedsparty, die jedoch nicht so heiter und fröhlich abläuft, wie sie erwartet haben, denn in der New Yorker City herrscht der blanke Horror – die komplette Stadt wird von einem riesengroßen Monster in Schutt und Asche gelegt. Ein Found-Footage-Streifen, der das bekannte Muster auf ein neues Level gebracht hat.

Durch den Einsatz der Handkamera gelingen packende Bilder, die den Zuschauer das Monsterspektakel direkt miterleben lassen. 2016 gab es eine Fortsetzung mit dem Titel 10 Cloverfield Lane, die jedoch nicht im Found-Footage-Stil gedreht wurde.

Paranormal Activity-Reihe (2007 – 2015)

Den Auftakt der höchst erfolgreichen Paranormal-Activity-Reihe beginnt mit einer einfachen Prämisse: Micahs Freundin Katie hat das Gefühl, von einer dämonischen Macht heimgesucht zu werden. Um sie zu beruhigen, stellt der skeptische Micah Kameras im ganzen Haus auf. Er will ihr beweisen, dass sie keinen Grund zur Angst hat. Leider hat Micah nicht mit dem gerechnet, was er auf den Aufnahmen sieht: Es passieren tatsächlich unheimliche Dinge in der Nacht. Nicht nur bewegen sich Dinge selbständig und die Elektrizität spielt verrückt – auch Katie selbst scheint im Schlaf von etwas befallen zu sein, dass nichts Gutes im Sinn hat…

In den Fortsetzungen der Reihe werden nicht nur Micah und Katie heimgesucht, sondern Katies beängstigende Vergangenheit beleuchtet und das Geheimnis um den unheimlichen Dämon gelüftet. Als Regisseur Oren Peli den ersten Teil einem Publikum in einem Kino vorführte, verließen die Zuschauer reihenweise den Saal. Er dachte erst, der Film wäre schlecht. Doch dann erfuhr er, dass die Zuschauer das Kino aus Angst vor den Geschehnissen auf der Leinwand verließen.

 

Grave Encounters (2011)

Grave Encounters ist eine Geisterjagd-Fernsehshow, die Kritiker wie Zuschauer gleichermaßen begeistert. Das Team um Producer Lance Preston möchte in der berüchtigten leerstehenden Collingwood Irrenanstalt eine Folge für ihre Show drehen. Schon seit Jahren werden der Anstalt unheimliche Ereignisse nachgesagt. Die Gruppe möchte der Sache auf den Grund gehen und filmt jedes noch so kleine Geschehen, das ihnen seltsam erscheint. Doch anders als bei den anderen Sendungen ihrer Show scheint es diesmal wirklich nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Als der erste des Teams qualvoll stirbt, ist es längst zu spät um aufzuhören…

Grave Encounters gehört zu den schockierndsten Vertretern des Found-Footage-Horrors, nicht zuletzt wegen seines furchteinflößenden Schauplatzes und der Annahme, das Ganze sei auf realer Basis für eine existierende TV-Show gedreht worden.

 

Diary of the Dead (2008)

Die Horrorvorstellung schlechthin – Als eine Gruppe von Filmstudenten das Projekt startet, einen Horrorfilm in den Wäldern von Pennsylvania zu drehen, wird aus dem fiktiven Film pure Realität. Durch das Radio erfahren sie, dass die Stadt von  wiederauferstehenden Toten belagert wird. Um der Zombieinvasion zu entfliehen, müssen die Studenten ein Rennen gegen die Zeit gewinnen, um heil und unversehrt  zu ihren Familien zurück  zu gelangen.

Mit Diary of the Dead hat Kult-Regisseur George A. Romero seine Zombiefilm-Reihe auf gelungene Art und Weise in das Zeitalter des Found-Footage Films transportiert.

 

 

 Rec (2007)

Der Überasschungserfolg aus Spanien wird vielen Zuschauern noch einen bitteren Geschmack im Mund hinterlassen – kaum einer hat mit der Brutalität und Abgeklärtheit dieses Found-Footage-Horrors gerechnet, der sich sehr authentisch mit Epidemie und Quarantäne auseinandersetzt.

Eine junge Reporterin und ihr Kameramann begleiten ein Team der spanischen Berufsfeuerwehr, das einen Einsatz in einem Wohnhaus hat. Zum Entsetzen aller werden die Feuerwehrmänner und das Filmteam von einer krank wirkenden alten Frau attackiert. Bevor sich jemand auch nur orientieren kann, wird das Gebäude unter Quaränte gestellt. Die folgenden Ereignisse gleichen einem Horrorstreifen von George A. Romero und werden vom Filmteam festgehalten: Eine Art Virus befällt die Menschen der Reihe nach und macht sie zu massakrierenden Bestien. Entkommen kann niemand – das Haus ist komplett abgeriegelt.

 

Apollo 18 (2012)

Offiziell hat am 7. Dezember 1972 das letzte Mal ein Mensch seine Fuß auf dem Mond gesetzt.  Aber ist das wirklich so? Und wurde die akribisch durchgeplante Apollo-18-Mission wirklich nur wegen Finanzierungsproblemen auf Eis gelegt?  Die nun gefundenen Videoaufnahmen der Apollo 18 Besatzung dokumentieren etwas anderes: Die Mission fand statt . Doch diese Aufnahmen sind alles andere als angenommen. Auf dem Mond ist es doch nicht so einsam, wie man vermutet hat…

Apollo 18 beweist, dass sich im Found-Footage einiges getan hat. Waren es am Anfang Geister und Dämonen, die Hauptrollen übernahmen, den Zuschauern Angst und Schrecken einzuflößen, so wird sich hier auch im Science-Fiction-Bereich der Found-Footage-Technik bedient. Das macht die Geschehnisse auf dem Mond greifbar und sehr realistisch.

 

The Devil Inside (2012)

Mit dem Found-Footage-Stil lässt sich auch jede Sparte des Horrorfilms bedienen. Neben Geistern, Zombies und Aliens natürlich auch der Exorzismus-Horror. In The Devil Inside begibt sich eine junge Frau namens Isabella auf die Suche nach Erklärungen. Ihre Vergangenheit lässt sie nämlich nicht los: Ihre Mutter hatte vor 20 Jahren einen Dreifachmord begangen. Sie selbst spricht von einem Dämon, der sie dazu brachte. Die Justiz und die moderne Medizin sprechen ihr eine schwere Geisteskrankheit zu. Isabella will erfahren, was wirklich mit ihrer Mutter geschah und muss entsetzt feststellen, dass eine Geisteskrankheit das viel kleinere Übel wäre als dass, was ihr im Zimmer des Irrenhauses ihrer Mutter begegnet…

 

 

Katakomben (2014)

Der Film mit dem viel treffenderen englischen Titel As Above So Below erzählt von Scarlett, einer jungen Archäologiestudentin, die sich mit ein paar Freunden in die endlosen und wirren Katakomben unter Paris begibt, wo ihrem Vater zufolge der Stein der Weisen verborgen ist. Den Stein der Weisen finden die Jugendlichen nicht, dafür aber das blanke Grauen: Nachdem ihnen der Weg abgesperrt wird, begegnen sie morbiden Gestalten und müssen sich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen. Und dann entziffert Scarlett die Runen über einem Felsspalt, durch den sie hindurch müssen: Dies ist das Tor zur Hölle. Das klingt nicht ansatzweise so schlimm, wie das, was ihnen tatsächlich widerfährt…

 

 

The Pyramid (2014)

Der Archäologe Dr. Holden und seine Tochter Nora entdecken in Ägypten eine tetraedische Pyramide. Während der Ausgrabungen wird jemand verletzt, was die ägyptische Regierung dazuveranlasst, diese zu stoppen. Doch die beiden Archäologen lassen sich nicht abhalten und begeben sich mit zwei Fernsehleuten und einem Techniker ins Innere des Bauwerks. Dort kommt es zu grauenhaften Unfällen. Etwas oder jemand will das Team am Weiterkommen hindern. Als ein weiterer tödlicher Vorfall passiert befürchtet Dr. Holden mehr und mehr, dass etwas im Inneren der Pyramide eingeschlossen sein könnte, das nicht von dieser Welt ist…

 

 

Blair Witch (2016)

20 Jahre nach den Vorfällen rund um Heather und ihre Freunde, die in den Wäldern von Maryland verschwunden sind, tauchen Videos im Internet auf. Sie zeigen, wie die Gruppe auf der Suche nach der Hexe von Blair immer unheimlichere Vorkommnisse aufzeichnet und sich immer mehr einem großen Unglück nähern. Heathers Bruder beschließt daraufhin, seine Schwester in Maryland zu suchen, koste es was es wolle. Freunde und zwei Einheimische begleiten ihn auf seiner Suche, die sich als gleiche Höllentortur herausstelt, wie das, was seine Schwester durchmachen musste. Was auch immer da im Wald haust, es hat es erneut auf die Gruppe abgesehen, die hier campiert, um Heather und ihre Freunde zu finden.

Angekündigt unter dem Namen „The Woods“ ist das lange geheim gehaltene Found-Footage-Projekt eine direkte Fortsetzung zu Blair Witch Project aus dem Jahr 1999. Fast 20 Jahre nach dem Überraschungserfolg kann die Hexenlegende von Blair immer noch überzeugen und mit unheimlichen Symbolen, Geräuschen und wackliger Kamera punkten.

 

 

Found-Footage – ganz ohne Grusel

 

Chronicle- Wozu bist du fähig? (2012)

Andrew Detmer (Dane DeHaan), Matt Garetty und Steve Montgomery (Michael B. Jordan) sind die besten Freunde. Sie sind typische Teenager die sich durch die Herausforderungen des Schulalltags kämpfen. Als sie eines Tages herausfinden, dass sie nicht einfach nur ganz gewöhnliche Jugendliche sind, sondern besondere Fähigkeiten besitzen, ändert sich alles auf einen Schlag. Was am Anfang noch spaßig und unterhaltsam ist, schlägt nach und nach ins Negative um. Denn ihre Fähigkeiten nehmen viel mehr Einfluss auf ihr Verhalten als vorher angenommen. Chronicle ist zwar im klassischen Found-Footage Stil gehalten, bedient jedoch nicht das Horrorgenre, sondern zeigt eine neue Facette. Superhelden stehen hier im Rampenlicht und gewähren dem Publikum einen intensiven Einblick in den Handlungsverlauf, durch den Effekt des Einsetzens von einer Handkamera.

 

Project X (2012)

Found-Footage goes Komödie! Jetzt hat sich auch ein komplett anderes Genre des Found-Footage Stils bedient. Drei Nerds wittern die Chance, endlich in den Kreis der beliebten Leute an ihrer Schule aufzusteigen und wollen das anhand einer Hausparty schaffen. Doch das Ganze gerät völlig außer Kontrolle und ufert in einem Meer aus sexueller Zügellosigkeit und Zerstörung aus. Ein Muss für jeden, der auf durchgeknallte Action steht und sich durch den optimalen Einsatz der Handkamera live im Chaos dabei fühlen möchte.

Project X war ein überragender Kassenerfolg, nicht zuletzt dank der klugen Marketingstrategie. Filmsequenzen wurden ins Internet gestellt und als echte Aufnahmen einer eskalierenden Facebook-Party im Umlauf gebracht. Der hammermäßige Soundtrack tat sein Übriges.

 

 

Project Almanac (2014)

Der 17-jährige Hobby-Erfinder David träumt von einem Studium an der Elite-Universität MIT. Als er schließlich zugelassen wird, hat er ein neues Problem: Ihm fehlt schlicht das Geld, um die Studiengebühren des privaten Instituts zu bezahlen. Zusammen mit seiner Schwester  und seinen Freunden durchwühlt er die Hinterlassenschaften seines Vater in der Hoffnung, etwas zu finden, das er verkaufen kann. Dabei entdecken die Freunde eine alte Videokamera mit Aufnahmen vom siebten Geburtstag Davids. An diesem Tag verschwand sein Vaterspurlos. David traut seinen Augen nicht, als er plötzlich sich selbst auf den Aufnahmen entdeckt – und zwar wie er jetzt aussieht! Um der Sache auf den Grund zu gehen, sucht die Clique im Keller nach Hinweisen. Und tatsächlich entdecken sie in einem Versteck verborgen die Pläne für ein Regierungsprojekt, an dem Davids Vater gearbeitet hatte – eine Zeitmaschine mit dem Namen „Projekt Almanac“.

 

 

 

 

 

 

 

One Response to Die besten Found-Footage-Filme

  1. Roland sagt:

    Von den found footage filmen her finde ich grave encounters am besten.ich finde der ist zwar nicht verstörend im eigentlichen sinne aber er ist schon ganz schön heftig.der zweite teil finde ich ist ne beleidigung für den ersten grandiosen teil.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.