Die besten Biopics – Filme aus dem wahren Leben

25.05.2012 von André Wagner Schlagwörter: , ,
Die besten Biopics

Es gibt Filme, die fesseln mit jeder Menge Action, andere wiederum begeistern aufgrund sensationeller Tricktechnik. Ich sehe mir solche Filme auch immer mal wieder gerne an, aber meistens besteht für mich nach dem Filmgenuss kein großer Bedarf, irgendwie noch ewig über solch einen Film zu diskutieren. Sie sind zwar unterhaltsam  und hie und da sicherlich auch beeindruckend, aber eben auch erfunden, entsprungen den Gedankengängen eines Drehbuchautors, der nach den typischen Regeln des Filmemachens sein Skript entwickelt.

Anders ergeht es mir da bei Biopics, also Biografie-Verfilmungen.  Sicher,  es gibt auch bei diesem Genre solche und solche Filme. Sie sind oftmals nicht spektakulär oder actionreich, aber die Geschichten sind real, eben Filme aus dem wahren Leben und das Leben schreibt bekanntermaßen immer noch die besten Geschichten. Daher hab ich mir einmal die Mühe gemacht, eine kleine Auswahl an sehenswerten Biopics herauszupicken.

Die besten Biopic Filme

Walk the line (USA 2005)

Cover Walk the lineWalk the line erzählt die Lebensgeschichte des Country-Sängers Johnny Cash, der nach dem tragischen Unfalltod seines Bruders und seiner Zeit bei der US Air Force eine Karriere mit Höhen und Tiefen erlebte.  Ein weiterer Erzählstrang beschreibt sein Aufeinandertreffen mit der Sängerin June Carter, die nach vielen Jahren an einen äußerst ungewöhnlichen Ort dann doch noch Cashs Heiratsantrag annahm.

Walk the line war 2006 für fünf Oscars nominiert, Reese Witherspoon durfte den Preis als beste Hauptdarstellerin entgegennehmen. Johnny Cash und June Carter starben zwar kurz bevor ihre Biografie Verfilmung ins Kino kam, aber sie waren beide bei der Erstellung des Drehbuchs eingebunden und stimmten auch beide der Wahl von Joaquin Phoenix und Witherspoon für die Hauptrollen zu. Letztere sangen übrigens alle im Film vorkommenden Musiktitel selbst ein.

 

J. Edgar (USA 2011)

J. Edgar Clint Eastwood beleuchtet in seiner 35. Regiearbeit das öffentliche und private Leben von J. Edgar Hoover.  Anstatt Hoover als Held oder Bösewicht darzustellen, gelingt es Eastwood in diesem Biopic gekonnt, den Menschen J. Edgar hinter der äußeren Fassade zum Vorschein zu bringen, ohne dabei jedoch historische Fakten zu vernachlässigen oder die angebliche Homosexualität des legendenumrankten FBI-Gründers unter den Tisch zu kehren .

Hollywood-Star Leonardo DiCaprio, der mit Aviator (Howard Hughes) und Catch me if you can (Frank W. Abagnale) schon in zwei früheren Biofilmen die Hauptrollen übernahm,  läuft als J. Edgar Hoover zur Höchstform auf und wurde zu Recht für den Golden Globe als bester Hauptdarsteller nominiert.

 

Wüstenblume (Deutschland, Österreich, Frankreich 2009)

WüstenblumeWüstenblume ist das bewegende Porträt von Waris Dirie, die als 13-jähriges Nomadenmädchen vor der  Zwangsheirat mit einem alten Mann durch die Wüste flieht und auf Umwegen nach London kommt. Dort wird sie als Putzfrau von einem Mode-Fotografen entdeckt und steigt zu einem internationalen Topmodel auf.  Sie bricht ein Tabu und erzählt den Medien vom grausamen Ritual der Genitalverstümmelung, welches auch  Waris über sich ergehen lassen musste.

Das Biopic Wüstenblume basiert auf dem autobiografischen Bestseller von Waris Dirie und wurde von Regisseurin Sherry Hormann einfühlsam in Szene gesetzt. Der Film zeigt den erstaunlichen Lebensweg von Dirie von ihrer Zeit als Nomadenmädchen bis hin zu ihrem Einsatz als UN-Botschafterin, die sich gegen das Ritual der Genitalverstümmelung einsetzt.

 

Der Pianist (Frankreich, Deutschland, GB, Polen 2002)

Der PianistDer Pianist handelt von der Überlebensgeschichte des gefeierten jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman, der im Jahr 1939 das Warschauer Ghetto übersteht und nun alleine in seinem Versteck ausharren muss. Eines Tages wird Szpilman von einem deutschen Offizier entdeckt, doch anstatt den jüdischen Pianisten auszuliefern oder gar zu töten, rettet er ihm das Leben.

Der Pianist dürfte das persönlichste Werk von Regisseur Roman Polanski sein, der als Kind selbst das Krakauer Ghetto überlebte. Hauptdarsteller Adrien Brody  liefert die Darstellung seines Lebens ab und wurde 2003 verdienterweise mit dem Oscar und dem César als bester Hauptdarsteller belohnt. Den französischen Filmpreis bekam er bis dato als einziger US-Schauspieler.

 

Pollock (USA 2000)

Pollock16 Jahre lang hat Ed Harris daran gearbeitet, bis er als Hauptdarsteller, Regisseur und Produzent in Personalunion die Biografie des amerikanischen Expressionisten Jackson Pollock endlich verfilmen konnte.  Harris gelang ein hervorragendes Biopic und ein bedrückendes Psychogramm über einen Künstler, der zwar mit einem künstlerischen Talent gesegnet war und eine Frau hatte, die ihn stets unterstützte, jedoch auch mit psychischen Problemen und Alkoholismus zu kämpfen hatte und bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam.

Pollock wurde 2001 für zwei Oscars nominiert, Marcia Gay Harden konnte ihn als beste Nebendarstellerin entgegennehmen.  Im November 2006 wurde Pollocks Gemälde No. 5 (1948) bei einer privaten Transaktion für 140 Mio. US-Dollar verkauft und gilt seitdem als teuerstes Gemälde aller Zeiten.

 

Men of honor (USA 2000)

Men of HonorDieses Drama basiert auf der Biografie von Carl Brashear, dem ersten schwarzen Tiefseetaucher der US-Navy. Brashear muss während seiner Ausbildung nicht nur mit dem Sadismus seines Ausbilders, sondern auch mit erbarmungsloser Diskriminierung fertig werden. Trotz aller Steine die man ihm in den Weg legt, schafft Breshear die Prüfung.  Als er Jahre später bei einem Tauchunfall sein Bein verliert, entscheidet er sich für eine Amputation und gegen die Frühpensionierung.  Selbst mit einer Prothese gelingt es ihm weiterhin als Tiefseetaucher zu arbeiten.

Regisseur George Tillman Jr. gelingt mit Men of honor ein beeindruckendes Biopic über einen Mann, der seinen Traum verwirklicht und niemals aufgegeben hat. Mit den Oscar-Preisträgern Cuba Gooding Jr. als Carl Brashear und Robert De Niro als sadistischer Ausbilder ist Men of Honor zudem brilliant besetzt.

 

Ray (USA 2004)

RayRay ist ein energiegeladenes Biopic über den farbigen Soul-Musiker Ray Charles. Ray Regisseur Taylor Hackford widmet sich zwar verständlicherweise den Karrieretriumphen von Charles, aber im Vergleich zu vielen anderen Film-Biografien ist Ray kein reines Heldenepos, sondern beschäftigt sich auch zu einem großen Teil mit den negativen Begebenheiten des blinden Soul-Sängers z.B. seiner Drogensucht und seiner Vielweiberei.  Ray gefällt durch glaubwürdige Schauspielleistungen über denen  die Darstellung von Jamie Foxx in der Hauptrolle als Ray Charles thront, für die er, wie nicht anders zu erwarten, mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller geehrt wurde.

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The King’s Speech (GB, Australien 2010)

The King's SpeechEin bewegendes Biopic und Drama über den britischen König George VI., der sich an den australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue wendet,  um von seinem unkontrollierbaren Stottern erlöst zu werden. Anders als man es von einem Film erwarten könnte, der sich um Königshäuser dreht, ist The King’s Speech kein Kostümdrama, vielmehr gelang es Regisseur Tom Hooper auf exzellente Art und Weise ein Werk zu erschaffen, in dem es über die allzu menschlichen Nöte eines Königs geht und eine ungewöhnliche, aber nachvollziehbare Freundschaft, die bis in den Tod anhalten sollte.

Es ist aber nicht nur die Geschichte, die dieses Biopic so hervorragend macht, vielmehr sind es die beiden entfesselnd aufspielenden Hauptdarsteller, welche die Charaktere ihrer Figuren verinnerlicht haben und ihnen dadurch das gewisse Etwas verpassen konnten. Auf der einen Seite Colin Firth, der für seine Darbietung des stotternden und teilweise stocksteifen Königs mit zahlreichen Preisen  u.a. der Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde, auf der anderen Seite Geoffrey Rush, der den Lionel Logue so unorthodox und witzig darstellt, dass jede gemeinsame Szene der beiden ein purer Genuss ist.

 

Milk (USA 2008)

MilkMilk ist ein fragmentarisches Biopic und beschäftigt sich mit den letzten acht Lebensjahren von Harvey Milk, dem es 1972 in San Franzisco als erstem bekennenden Homosexuellen gelingt, ein politisches Amt im Stadtrat zu erobern. Milk ist eine von Regisseur Gus van Sant perfekt in Szene gesetzte und würdige Erinnerung an den 1978 ermordeten schwulen Polit-Aktivisten.  In der Hauptrolle als Harvey Milk ist Sean Penn zu sehen, der mit dieser Rolle erneut seine unglaubliche Wandlungsform unter Beweis stellt.

 

Goodbye Bafana  (Deutschland, Frankreich, Belgien , Italien Südafrika  2007)

Goodbye BafanaGoodbye Bafana ist die Geschichte der schicksalhaften Beziehung zwischen dem politischen Gefangenen Nelson Mandela und dem weißen Gefängniswärter James Gregory auf der südafrikanischen Gefängnisinsel Robben Island zu Zeiten der Apartheid. Regisseur Bille August drehte diese Biopic basierend auf den Memoiren von James Gregory der 20 Jahre lang als Bewacher von Nelson Mandela arbeitete.

Goodbye Bafana ist eine bewegende Biografie Verfilmung über die Begegnung zweier total unterschiedlicher Männer und der sich langsam entwickelten Freundschaft zwischen Gefangenem und Wärter verbunden mit der grundlegenden Änderung von Gregorys Weltbild. Joseph Fiennes als Gregory und Dennis Haysbert als Mandela laufen in Goodbye Bafana zu ganz großer Form auf und machen aus diesem Biopic einen Film, der zu Herzen geht und zum Nachdenken anregt.

 

Flash of Genius  (USA 2008)

Flash of GeniusFlash of Genius erzählt den Kampf des US-amerikanischen Ingenieurs Robert Kearns, der jahrelang gegen die Autoimperien Ford und Chrysler klagte, da diese seine Erfindung des Intervall-Scheibenwischers geklaut haben. Klingt anfangs wohl etwas langweilig, doch Regisseur Marc Abraham gelingt es, aus Flash of Genius ein beeindruckendes Biopic zu schaffen, in dem der Kampf eines Mannes für die Gerechtigkeit und Anerkennung seiner Leistung sein Leben ruinierte.

Ein moderner David gegen Goliath Film, der jedoch nicht zum Heldenepos verkommt, sondern auch die Schattenseiten der Besessenheit von Robert Kearns darstellt, der zwar am Ende vor Gericht als Gewinner dasteht, aber rückblickend eigentlich ein Verlierer ist, da ihn sein Kampf gegen die Automobil-Industrie nicht nur zwölf Jahre seines Lebens gekostet haben, sondern noch viel mehr. Ein tragischer Held in einer Geschichte, die das Leben schrieb und von Hollywood nicht hätte besser erfunden werden können.


Die Queen (Großbritannien, Frankreich, Italien 2006)

Die QueenBei diesem Titel könnte man meinen, es handele sich um eine verfilmte Biografie von Queen Elizabeth II. und sicherlich hätte ihr bisheriges Leben auch genug Stoff für solch ein Biopic geboten, doch Die Queen ist anders. Regisseur Stephen Frears nimmt den tragischen Unfalltod von Prinzessin Diana im Jahr 1997 zum Anlass, um in einem ungemein intimen und teilweise rührenden Drama über die Reaktionen  und die Beweggründen von Queen Elizabeth und dem damals neugewählten Premier minister Tony Blair in dieser krisengeschüttelten Zeit zu erzählen.

Noch nie wurde bis dato ein Mitglied einer königlichen Familie so menschlich dargestellt wie in der Darbietung von Oscar-Preisträgerin Helen Mirren. Auch Michael Sheen brilliert als Tony Blair, welcher der Queen ins Gewissen redet und sie zu einem Statement im TV bewegen kann. Durch das Einstreuen von Archivaufnahmen z.B. das Blumenmeer vor dem Buckingham Palace erzielt Frears zusätzliche Authenzität.

 

 

 

Biopic Filme online schauen

Selbstverständlich kann ich hier nur einen kleine Auswahl an Biopics vorstellen, wer aber noch Interesse an weiteren Biografie Filmen hat, findet bei maxdome noch zahlreiche andere Biopics zum online anschauen.

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