Der Babadook – Kritik zum neuen Horrorfilm

08.05.2015 von Daniela Barth Schlagwörter: , ,

„Wer das hier liest, schau hin und guck, wird ihn nicht mehr los, den Babadook.“ Aus einem Kinderbuch, dass den Kleinen das Gruseln lehren soll, wird ein Dämon, der auch den Großen das Fürchten lehrt. Seit gestern ist der Horrorfilm Der Babadook in den Kinos, bei der ein Dämon sich an Schmerz, Verzweiflung und Verlust einer alleinerziehenden Mutter nährt. Psychohorror für Harte oder doch nur ein Standardstreifen des Horrorgenres?

 

Der Babadook Film online schauenDer Babadook (2015)

Kinder sind ja eigentlich ganz süß, doch im Falle von Samuel (Noah Wiseman) einfach nur nervenaufreibend. Im Grunde will er nur die Aufmerksamkeit seiner alleinerziehenden Mutter Amelia (Essie Davis, The Wedding Party), für die er auch mal mit der Armbrust in die Schule geht oder sie mit ohrenbetäubendem Geschrei in Todesangst versetzt. Nach dem Tod ihres Mannes, der bei einem Autounfall in der Nacht von Samuels Geburt ums Leben kam, hat sie es nicht leicht, aber lässt sich gegenüber Samuel kaum etwas anmerken. Eines Abends holt er nichtsahnend für eine Gutenacht-Geschichte ein verstaubtes Buch mit dem Titel Mister Babadook aus dem Regal. Mit wenig Text aber dafür mit umso schaurigen Bildern setzt sich die Angst vor Babadook im Kopf des Jungen fest, die nur noch von seiner Panik seine Mutter zu verlieren übertroffen wird. Doch auch in Amelias Gedanken hat sich das Wesen festgesetzt und ergreift nach und nach ganz langsam Besitz von ihr…

 

Der Babadook Kritik

In dem Langfilmdebüt von Regisseurin Jennifer Kent kämpft eine verwitwete Mutter mit ihrem schwererziehbaren und aggressiven Sohn, einer unverarbeiteten Vergangenheit und ihrem eigenen Verstand. Weg vom klassischen Horror konzentriert sich der Film auf die psychologischen Aspekte der Geschichte, die teilweise etwas verstören aber nicht wirklich etwas Neues bieten. So erinnert er in der ersten dreiviertel Stunde an Paranormal Activity – man wartet gespannt darauf, dass etwas passiert, doch es folgt nur eine Aneinanderreihung von Szenen, die der Story nur bedingt mehr Tiefe und Konsistenz verleihen.

Düstere Bilder und kraftvolles Sounddesign

Durch extrem kalte und düstere Bilder, die an die Zeichnungen des titelgebenden Buches angelehnt wurden, wird auf jeden Fall über den ganzen Film gekonnt eine gruselige Stimmung erzeugt. Vor allem durch das kraftvolle Sounddesign, das dem Film einen unheilvollen Untergrund verleiht, wird die Spannung in die Höhe getrieben, doch lange halten kann sie dich dort nie. Der Zuschauer wird auf Schreckensszenen vorbereitet, die dann nur zu selten kommen. Auch die Erwartungen an das Monster waren meinerseits etwas höher. Es erinnerte mich an Freddy Krüger in einem Sensenmann Kostüm auf fahrbarem Untersatz, bei dessen Anblick man eher schmunzeln muss als angstvoll an den Fingernägeln zu knabbern. Auch wenn man das Monster nicht ganz so ernst nimmt, ist dafür die darstellerische Leistung der Hauptdarstellerin umso beeindruckender. Über den ganzen Film hinweg, zeigt sie uns mehrere psychologische Facetten ihrer Figur und ihre Entwicklung von der liebenswerten Mutter zu einem gestressten aggressiven Monster ist sehr gelungen. Zudem leuchtet das nächtliche Fernsehschauen die Psychologie von Amelia weiter aus.

Samuel allein zu Haus

Auch die Darstellung des Jungen gelingt, dessen Art und Stimme auch für den Zuschauer allerdings etwas nervenaufreibend ist. Sein Erfindungsreichtum erinnert an manchen Stellen etwas an Kevin allein zu Haus, nur dass er es mit einem Dämon statt mit einem Einbrecher zu tun hat. Bis zu einem gewissen Punkt ist man davon überzeugt, er wird das Opfer des Babadook. Doch durch das nichtbewältigte Trauma ihren Mann so früh verloren zu haben, setzt sich der Dämon im Kopf der Mutter fest und lässt sie durchdrehen. Die Handlung spitzt sich zu einem scheinbaren Exorzismus zu, bei dem nur die 360° Kopfdrehung fehlte. Wie ein Tintenfisch kotzt sie das Monster aus und versucht weiter vor ihm zu fliehen. Als der Spannungsbogen seinen Höhepunkt erreicht und man in die dunklen Abgründe eines Zimmers schaut, kündigt sich der Babadook mit Monstergeräuschen an, die an Godzilla oder Jurassic Park erinnern. Ja das ganze klingt etwas lustig – auch wenn Der Babadook kein schlechter Film ist, haben manche Szenen bei mir und den anderen Zuschauern im Kinosaal zu kleinen Lachern geführt, die die Gruselstimmung etwas zunichtemacht.

Solides Horrordrama mit unfreiwillig komischen Elementen

Alles in allem ist Der Babadook weniger ein schockender Horrorfilm als vielmehr ein trashiges Drama mit Gruselelementen und ein paar Lachern, der hauptsächlich durch Bild und Ton Spannung erzeugt. Eine solide und gut durchdachte Handlung, die für düstere Stimmung und gute Unterhaltung sorgt, jedoch nach meinem Geschmack mit etwas zu wenig Schockmomenten. Wahrscheinlich bietet der Film bei einem Fernsehabend allein zu Hause mehr Gruselfaktor. Für mich eher amüsant als schockierend.

 

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