Arthouse Filme – Von Moonrise Kingdom bis Little Miss Sunshine

17.06.2013 von Anika Möller Schlagwörter: , , ,

Es gibt auch noch Kino neben den großen 3D-Blockbustern, die vielleicht nicht so laut daher kommen, aber einem oft viel länger in Erinnerung bleiben. Es sind kleine Schmankerl, die uns den Kino-Alltag durch ihre fantasievollen Bilder, ergreifenden oder skurrilen Geschichten versüßen und uns zeigen, dass man auch mit wenig ganz viel schaffen kann. Die Rede ist hier von Arthouse Filmen. Es sind filmische Experimente fernab der üblichen Konventionen und des Mainstreams, die oft einen hohen künstlerischen Anspruch haben. Arthouse Filme schaffen für uns ein ganz eigenes Filmerlebnis, dass sich am besten in den kleinen, charmanten Programmkinos in den versteckten Ecken der Stadt finden lässt, wo der Eigentümer noch selbst die Karten abreißt. Ich habe euch im Folgenden einmal ganz besondere Arthouse Werke zusammen gestellt. Viel Spaß beim Lesen und natürlich auch beim Gucken!

Liste der besten Arthouse Filme

Moonrise Kingdom (2012)

Moonrise KingdomDie Arthouse Komödie Moonrise Kingdom vom Meister des Skurrilen Wes Anderson ist ein wahres Goldstück unter den Filmen des letzten Jahres. 1965, als der zwölfjährige Pfadfinder Sam (Jared Gilman) die gleichaltrige Suzy Bishop (Kara Hayward) erstmals bei einer Schulaufführung in ihrem Rabenkostüm sieht, ist es um ihn geschehen. Danach führen beide eine intensive Brieffreundschaft. Einen Sommer später schmieden beide den wahnwitzigen Plan von zu Hause reißauszunehmen und in die Wildnis zu flüchten. Und so schleicht sich Sam eines nachts aus seinem Pfadfinderlager und macht sich mit Suzy und ihrem gelben Koffer auf den Weg. Allerdings gestaltet sich die Flucht schwieriger als gedacht. Moonrise Kingdom ist ein Arthousefilm mit ungewöhnlichem Staraufgebot: Bill Murray als Suzys Vater, Edward Norton in der Rolle des verplanten Pfadfinderleiter Ward und Actionheld Bruce Willis als hilfloser Dorfsheriff Sharp. Doch daneben darf man zwei kleine ganz Große nicht vergessen, nämlich die beiden Jungdarsteller Jared Gilman und Kara Hayward, die uns zeigen, wie wahre Liebe aussieht. Auch wenn in Moonrise Kingdom Traurigkeit und Komik sich ständig die Hände reichen, erzeugt der permanente Farbfilter nicht nur im Film ein wohlig warmes Gefühl.

Liebe (2012)

LiebeDer mehrfach ausgezeichnete und Oscar prämierte Film Liebe von Michael Haneke zeigt das kultivierte Seniorenpaar Georges (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva). Trotz ihres hohen Alters sind sie lebensfroh, genießen ihre gemeinsame Liebe zur Musik und zu einander. Doch eines Tages erleidet Anne einen Schlaganfall und das gemeinsame Leben der beiden und ihrer Familie ändert sich von einen zum anderen Tag. Liebe ist ein Film, der einem den Atem verschlägt und bei dem sich die Geister ganz sicher scheiden. Die Frage, warum man sich den körperlichen und seelischen Zerfall eines Lebens ansehen sollte, ist auch gar nicht so abwegig. Anderseits hat Michael Haneke die Liebe zwischen Georges und Anne so eindrucksvoll eingefangen, dass er mitreißt, berührt, weh tut und teilweise sogar empört. Dabei kommt der Film ganz ohne schnulzige Passagen oder herzreizende Hintergrundmusik aus. Liebe präsentiert die schonungslose Wahrheit, die kaum jemanden kaltlassen wird, weil sich so gut wie jeder, auf welcher Seite auch immer, in der Geschichte wieder finden kann.

Der Name der Leute (2010)

Der Name der LeuteSex gegen Faschismus, das ist die Devise der unkonventionelle Aktivisten Bahia (Sara Forestier) und damit nimmt sie den Sinnspruch „Make Love, Not War!“ dann doch sehr wörtlich. Als sie allerdings den charmanten, aber reaktionären Langweiler Arthur (Jacques Gamblin) kennen lernt, hat sie wenig zu tun, denn Arthurs Herz schlägt ohnehin links. Anders als Bahia, die durch ihre gesellschaftliche Hingabe auch so manche Schwierigkeit heraufbeschwört, flüchtet Arthur sich lieber vor der Konfrontation. Das ist auch in seiner Familie ein großes Problem, wie er bald feststellen muss. Doch durch die Bekanntschaft zu Bahia hat auch das ein jehes Ende. Der Name der Leute ist eine unglaublich liebeswerte und verrückte Liebeskomödie mit einer zuckersüß verpackten Weltverbesserungsbotschaft.

Der Junge im gestreiften Pyjama (2009)

Der Junge im gestreiften PyjamaDer Junge im gestreiften Pyjama ist die Literaturverfilmung des gleichnamigen Bestsellers vom irischen Autor John Boyne. Es sind die 1940er Jahre in Deutschland. Der achtjährige Bruno (Asa Butterfield) ist Sohn eines SS-Offiziers (David Thewlis). Als sein Vater die Position als Kommandant eines Konzentrationslagers bekommt, Bruno wenig begeistert. Nicht über den Beruf seines Vaters, denn er weiß gar nicht, was ein Konzentrationslager überhaupt ist. Er ist empört darüber, dass er nun von Berlin aufs Land ziehen muss, wo es sterbenslangweilig ist. Die Langeweile treibt ihn, trotz des Verbots seines Vaters, über die Grenzen des elterlichen Grundstücks hinweg. Er gelangt zu einem Zaun aus Stacheldraht, hinter dem er ganz viele Menschen in  Schlafanzügen sieht. Eines Tages trifft er dort auf der Schmuel (Jack Scanlon) und freundet sich mit ihm an. Beide können die grausame Realität in ihren Kinderköpfen nicht begreifen und halten das Ganze für ein großes Spiel. Als ich meiner Großmutter damals das Buch zu lesen geben habe, meinte sie danach zu mir, ich solle ihr nie wieder so etwas Grausames zu lesen geben. Und grausam trifft den Inhalt ziemlich gut. Und wie das Buch transportiert auch der Film dieses lähmende Gefühl in seiner gesamten Breite. Wir erleben eine der dunkelsten Passagen der Menschheitsgeschichte aus einer infantilen, unschuldigen Perspektive eines Achtjährigen, die überrascht und schockiert.

Persepolis (2007)

PersepolisPersepolis ist ein Zeichentrickfilm der ganz besonderen Art. Er basiert auf dem gleichnamigen vierteiligen Graphic Novel von Marjane Satrapi, die in darin ihre Kindheits- und Jugendgeschichte  während und nach der Islamischen Revolution im Iran erzählt.  So sieht man die achtjährige Marjane (gesprochen von Jasmin Tabatabai) behütet in Teheran aufwachsen, bis plötzlich der Schah Mohammad Reza Pahlavis ins Exil geht und die Islamische Republik ausgerufen wird. Alle sind in begeisterter Aufbruchstimmung. Doch die Republik kommt nie zustande, da stattdessen die Mullahs die Macht ergreifen. Marjanes Familie, die eben noch auf der siegenden Seite der Revolutionäre stand, wird nun von den Machthabern unterdrückt. Als die Situation in Teheran eskaliert und der Krieg ausbricht. Wird Marjane von ihren Eltern nach Wien geschickt. Sie findet in der neuen Stadt zwar schnell Anschluss, doch wirft eine unglückliche Liebe sie ganz schnell aus der Bahn. Persepolis erzählt auf ungewöhnliche Art und Weise eine ungewöhnliche Geschichte, von der man sich nur mitreißen lassen kann. Diese filmische Leistung wurde 2007 auch mit dem Jurypreis der Filmfestspiele in Cannes prämiert.

Science of Sleep (2006)

Science of Sleep - Anleitung zum TräumenDer Film des französischen Regisseurs Michel Gondry erzählt die Geschichte von Stéphane (Gael García Bernal). Er ist mit überaus lebhaften Fantasie begabt, die immer mehr droht auch auf sein reales Leben überzugreifen. Eigentlich ist es sogar sehr verständlich, dass er sich immer mehr in seine Traumwelt zurückzieht, denn der Job, den er gerade in Paris angenommen hat, entspricht in keinster Weise seinen Erwartungen. Der einzige Lichtblick in seinem Alltag ist seine hübsche Nachbarin Stéphanie (Charlotte Gainsbourg). Der sonst schüchterne Einzelgänger Stéphane schafft es schließlich auch in der Realität den Mut zu fassen und das zu tun, wo von er schon so lange träumt. Science of Sleep hat auch den Untertitel Anleitung zum Träumen und das ist dieser Film wirklich. Durch seine handgemachten Effekte versetzt es einen direkt in den Fantasiereichtum der Kindheit zurück und lässt einen zusammen mit Stéphane wieder träumen.

Little Miss Sunshine (2006)

Little Miss SunshineLittle Miss Sunshine ist ein überaus charmantes Roadmovie mit satirischen Seitenhieben an die amerikanische Kultur der Schönheitswettbewerbe. Dieser Film besticht besonders durch seinen Mix an Charakteren. Da haben wir Mr. Hoover (Greg Kinnear), der gescheiterte Motivationstrainer,den suizidgefährdeten Onkel Frank (Steve Carell), den Wahl-Stummen Bruder Dwayne (Paul Dano) und einen drogensüchtigen Opa (Alan Arkin), der noch den normalsten Eindruck von allen macht. Und alle versuchen sie die kleine, leicht verschrobene und  pummelige Olive (Abigail Breslin) bei ihrem Traum, der Teilnahme am Little Miss Sunshine Schönheitswettbewerb, zu unterstützen. Jeder auf seine Art. Little Miss Sunshine legte beim berühmten Sundance Festival  die Erfolgsgeschichte hin. Noch nie wurden die Filmrechte dort angeblich so hoch entlohnt. Und die Investition zahlte sich für Fox Searchlight mehr als aus. Doch das sympathische Roadmovie um die chaotische Familie Hoover war nicht nur ein finanzieller Erfolg. Little Miss Sunshine wurde mit über 30 Preisen ausgezeichnet, darunter sogar ein Oscar für Alan Arkin als Bester Nebendarsteller und einen für das Beste Originaldrehbuch.

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