Wenn man seinen Namen nennt, dann denkt man sofort an Psycho, Die Vögel und Vertigo. Kaum ein anderer hat das Suspense Kino und den Begriff MacGuffin so geprägt wie Alfred Hitchcock. Und kein anderer Regisseur bis heute weiß wie er mit den Ängsten und Emotionen seines Publikums zu spielen hat. Nach mehr als 30 Jahren nach seinem Tod steht der Name Hitchcock noch immer für spannende und fesselnde Thriller. Geboren wurde Hitchcock am 13. August 1899 als drittes Kind des Gemüse- und Geflügelhändlers William Hitchcock und dessen Frau Emma. Er selbst soll gesagt haben, dass seine Kindheit von Angst geprägt war. Als er einmal zu spät nach Hause kam, bestrafte ihn sein Vater, in dem er ihn für mehrere Stunden in ein Gefängnis sperren ließ. Dieses anscheinend traumatische Erlebnis dürfte den Grundstein für das immer wiederkehrendes Motiv des unschuldig Verfolgten in seinen Filmen sein. Doch sein Talent kam nicht von ungefähr: Schon von der Pike auf an erlernte er das Filmgeschäft und schrieb bereits mit 20 Jahren Zwischentitel für Stummfilme.

Das Regieführen selber erlernte er in Deutschland in den Babelsberger Ufa-Studios, welche damals die modernsten der Welt waren. Seinen ersten Film drehte er 1922, ließ ihn jedoch unvollendet. Erst im Jahr 1926 hatte er seinen Durchbruch mit Der Mieter. Daraufhin folgten in den kommenden zwei Jahrzehnten diverse Hits wie Die 39 Stufen, Der Mann der zuviel wusste und Eine Dame verschwindet. Sein Ruf eilte ihm voraus und so lockte ihn der legendäre Produzent David O. Selznick (Vom Winde verweht) in die USA. Die erste Zusammenarbeit zwischen Selznick und Hitchcock wurde mit einem Oscar prämiert – Rebeca wurde 1941 als bester Film ausgezeichnet. Traurig aber wahr: Hitchcock ging dennoch leer aus,  da dieser Preis nur an den Produzenten vergeben wird. Doch damit ist er in bester Gesellschaft, denn andere Regie-Talente wie Stanley Kubrick oder Ernst Lubitsch gingen trotz grandioser Leistungen ebenfalls leer aus.

Der Fremde im Zug (1951)

Der Fremde im Zug

Der Fremde im Zug fängt genauso an wie er aufhört: laut. Der Zuschauer wird mit dem quietschenden Geräusch eines einfahrenden Zuges begrüßt und von einem Angst erfüllten Schrei verabschiedet. Basierend auf dem Roman „Zwei Fremde im Zug“ von Patricia Highsmith spannt Hitchcock ein für ihn so typisch fesselndes und überraschendes Netz. Der Tennis-Star Guy Haines (Farley Granger) ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Während einer Zugfahrt lernt er den Frauenschwarm Bruno Anthony (Robert Walker) kennen. Was zunächst wie ein Smalltalk zwischen zwei Reisenden beginnt entwickelt sich schnell zu einem mörderischen Tête-à-Tête. Bruno schlägt Anthony ein tödliches Tauschgeschäft vor. Er bietet ihm an, seine aktuelle Frau Miriam (Laura Elliott) umzubringen, die Anthonys Hochzeit mit der Tochter eines Senators im Weg steht. Im Gegenzug soll Anthony Brunos Vater umbringen. Nach einem eher verstörenden Anfang erzählt Hitchcock in einem rasanten Tempo einen wirklich fesselnden Thriller, der sich besonders durch seine innovative Kameraarbeit auszeichnet.

Ich beichte (1953)

Ich beichte Cover

Ich beichte gehört zu den Filmen, die Hitchcock selbst am meisten fasziniert haben. Inspiriert von einem Theaterstück, dass er Anfang der 30er Jahre gesehen hat, spielte er lange mit dem Gedanken, den Stoff selbst zu verfilmen. Das seine katholische Erziehung einen großen Einfluss hatten, merkt man diesem Film ganz deutlich an: Es ist mitten in der Nacht und ein Mord geschieht. Man sieht einen Mann durch die dunklen Straßen eilen. Ein Priester, wie es scheint. Er trägt schließlich eine Priester-Robe. Sein Ziel ist eine Kirche. Dort betritt er einen Beichtstuhl und beichtet einem echten Priester sein Vergehen. Der Pater Michael Logan (Montgomery Clift) ringt dem Täter das Versprechen ab, sich der Polizei zu stellen. Doch dieses Versprechen wird der Täter niemals einlösen. Durch eine Reihe unglücklicher Zufälle steht Pater Logan plötzlich selbst unter Mordverdacht. Hitchcock war besonders von dem Konflikt fasziniert, in dem sich der Priester befindet: bricht er das Beichtgeheimnis und rettet sich vor dem elektrischen Stuhl oder siegt sein Gewissen? Besonderer Hingucker für alle Cameo-Fans: Hitchcock selbst ist am Anfang des Films als Fußgänger am Kopf einer großen Freitreppe zu sehen.

Bei Anruf Mord (1954)

Bei Anruf Mord

Eine Affäre die in einem Drama endet lässt zunächst auf einen klassischen Hollywoodstreifen schließen, der den Filmeabend nicht unbedingt bereichert. Nimmt Hitchcock dieses Thema jedoch in die Hand, wird aus der Story ein wahres Feuerwerk an Intrigen und Verwirrungen. Der Ex-Tennis-Profi Tony Wendice (Ray Milland) erfährt von der Affäre seiner Frau Margot (Grace Kelly) mit dem Schriftsteller Mark Halliday (Robert Cummings). Die Affäre ist längst beendet, doch Tonys Ego will Margot nicht verzeihen. Eine Scheidung kommt aus finanzieller Sicht für ihn nicht in Frage. Stattdessen plant er den perfekten Mord: als Mark wieder in der Stadt ist, heuert Tony einen Mörder an, der Margot erwürgen soll. Doch der Anschlag geht schief und so stirbt der Angreifer und nicht Margot. Anstelle das Ganze auf sich beruhen zu lassen, will Tony sich seiner Ehefrau endgültig entledigen und lenkt den Mordverdacht auf sie. „Bei Anruf Mord“ ist der erste von drei Hitchcock-Filmen, in denen Grace Kelly eine Hauptrolle spielt. Besonders spannend zu beobachten ist, dass Kelly zu Beginn des Films ein weißes Kleid trägt. Je weiter die Handlung fortschreitet und je auswegloser die Situation von Margot wird, umso dunkler färbt sich das Kleid.

Über den Dächern von Nizza (1955)

Über den Dächern von Nizza

Der ehemalige Juwelen-Dieb John Robie (Cary Grant), bei der Polizei besser bekannt als „Die Katze“, hat sich vor Jahren zur Ruhe gesetzt. Als die französische Riviera plötzlich von einer Reihe Juwelendiebstählen in Luxushotels erschüttert wird, gerät er sofort wieder in den Fokus der Ermittlungen. So leicht will sich Robie aber nicht seinen „guten“ Ruf ruinieren lassen und so nimmt er die Ermittlungen unter dem Pseudonym Conrad Burns selbst in die Hand. Bei seiner Jagd nach dem wahren Dieb trifft er auf die bezaubernde Francis Stevens (Grace Kelly) und ihre Mutter. Das Knistern zwischen den beiden ist von der ersten Minute an nicht zu überhören. Die gut betuchte Mutter von Francis entpuppt sich bald als idealer Köder für den neuen Dieb, denn sie weigert sich ihre Juwelen im Hoteleigenen Safe zu verwahren. Ebenfalls in diesen Film hat Hitchcock einen Bildwitz eingebaut, den man bei genauerem Hinschauen erkennt: in der Busszene, in der auch Hitchcock selbst zu sehen ist, setzt sich Cary Grant zwischen Hitchcock und eine Frau mit einem Vogelkäfig. Die Vögel fängt sofort an nervös herumzuflattern, da ihnen die Nähe der „Katze“ nicht zu gefallen scheint.

Der falsche Mann (1957)

der_falsche_mann

New York City 1953. Christopher Emmanuel („Manny“) Balestrero (Henry Fonda) ist Musiker im New Yorker Nachclub “Stork Club” mit mäßigem Erfolg. Er ist glücklich mit seiner Frau Rose (Vera Miles) verheiratet und hat mir zwei Söhne – Robert und Gregory. Das einzige was das Familienglück trübt sind finanzielle Schwierigkeiten. Als Bassist in einem Nachtclub, in dem er sich nicht mal einen Drink leisten könnte, verdient Manny gerade so viel, dass es knapp für den Lebensunterhalt reicht. In echte Schwierigkeiten gerät die kleine Familie jedoch erst, als Manny vor seinem Haus verhaftet wird. Die Anklage: zahlreiche Zeugen wollen ihn dabei beobachtet haben, wie er zwei Mal ein Versicherungsbüro überfallen hat. Die Indizien sprechen alle gegen Manny und auch sein Alibi gerät ins Wanken. Von den drei Männern, mit denen er zur Tatzeit Karten gespielt hat, sind zwei tot und der dritte Mann bleibt unauffindbar. Auch wenn die Kritiken zu „Der falsche Mann“ durch aus durchwachsen waren, lohnt sich der Film alle male, da es einer der wenigen Filme Hitchcocks ist, die einen dokumentarischen Charakter haben. Das größte Schmankerl versteckt sich jedoch im Prolog: es ist der einzige Film, in dem Hitchcocks Stimme zu hören ist, während er den Prolog vorliest.

Der unsichtbare Dritte (1959)

Der unsichtbare Dritte Cover

Der New Yorker Werbefachmann Roger Thornhill (Cary Grant) wird plötzlich aus heiterem Himmel von Agenten entführt die ihn für den US-Spion George Kaplan halten. Er wird in ein Auto verfrachtet und zu einer abgelegenen Villa gebracht, an deren Einfahrt er den Namen  Townsend lesen. Der feindliche Agent Phillip Vandamm (James Mason) und sein Helfershelfer Leonard (Martin Landau) versuchen aus Thornhill bestimmte Informationen heraus zu bekommen. Dieser weiß jedoch gar nicht, worum es eigentlich geht. Da Thornhill den Agenten nichts nütz, schmieden sie einen Plan um sich seiner zu entledigen: sie machen ihn betrunken und setzten ihn in ein Auto – in der Hoffnung das er bei einem tödlichen Unfall stirbt. Ausgerechnet die Polizei verhindert schlimmeres, glaubt Thornhill seine abenteuerliche Geschichte jedoch nicht. Der einzige, der ihm jetzt scheinbar noch helfen kann ist der Diplomat Lester Townsend. Doch dieser wird vor Thornhills Augen umgebracht. Zu allem Überfluss fällt der Verdacht natürlich sofort auf Thornhill, so dass diesem nichts weiter übrig bleibt, als die Flucht. So begegnet er der ebenso verführerischen wie geheimnisvollen Eva Kendall (Eva Marie Saint). Der Landsitz auf dem Thornhill zu Beginn des Filmes alkoholisiert wird, ist in Wirklichkeit ein Teil einer öffentlichen Parkanlage namens Old Westbury Gardens auf Long Island, New York. In verschiedenen anderen Filmen wie Eiskalte Engel, Hitch – der Date Doktor oder Wolf – Das Tier im Mann zu sehen. Auch wenn es mit 136 Minuten der längste von Hitchcocks Filmen ist, lohnt es sich doch, dieses brillante Stück voller elektrisierender Suspense Elemente mit einer großen Portion Popcorn zu würdigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.