Bei kaum einem Schauspieler liegen Licht und Schatten so nah beieinander wie bei Mel Gibson. Vor allem in den 1980er und 90er Jahren gehörte er zu den erfolgreichsten, beliebtesten und bestbezahlten Hollywood-Schauspielern. Im letzten Jahrzehnt haben seine schauspielerischen Engagements stark abgenommen. Er produziert nun lieber Filme als selbst vor der Kamera zu stehen. Zudem holt ihn seine langjährige Alkoholsucht ein. Everybody`s Darling von einst hat sich zu einem kontroversen Charakter entwickelt. Anlässlich seines 60. Geburtstages wollen wir mit Euch einen Blick auf sein Lebenswerk und seine besten Filme werfen.


Vom Bühnendarsteller zum Hollywood-Schauspieler

Mel Columcille Gerard Gibson kam am dritten Januar 1956 als sechstes von elf Kindern in Peekskill, im US-amerikanischen Bundesstaat New York, zur Welt. Nachdem Mels Vater, der bei der Eisenbahn arbeitete, bei der TV Show Jeopardy! 25.000 Dollar gewann, zog die Familie nach Australien und ließ sich in New South Wales nieder. Nach Abschluss der Highschool nahm Gibson sein Studium am National Institute of Dramatic Arts in Sydney auf. Zu Beginn seiner Karriere trat er vorwiegend auf der Theaterbühne und in kleineren TV-Shows auf.


Der Actionheld in seinen Paraderollen

Mad Max (1979)

Sein erster großer Durchbruch gelang ihm 1979 mit der Hauptrolle in Mad Max. Das post-apokalyptische Drama mit kleinem Budget wurde ein internationaler Erfolg und Gibson zum Weltstar. So folgen 1981 Mad Max 2 – der Vollstrecker und 1985 Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel. In diesem Jahr erschien der viertel Teil des dystopischen Spektakels: Mad Max – Fury Road, mit Tom Hardy und Charlize Theron in den Hauptrollen. 1984 machte Gibson sein Debüt in Hollywood an der Seite von Anthony Hopkins in Die Bounty.

 

Die Lethal Weapon-Reihe

Zwei Jahre später erschien der erste Teil der Lethal Weapon-Reihe, die seinen Aufstieg zum Hollywood-Star manifestiert. Als suizidaler Officer Martin Riggs arbeitet er an der Seite von Sergeant Murtaugh (Danny Glover) und spielt sich in die Herzen der Zuschauer. Aufgrund des großen Erfolges folgen noch drei weitere Teile: Lethal Weapon 2 – Brennpunkt L.A., Lethal Weapon 3 – Die Profis sind zurück, Lethal Weapon 4. Die Lethal Weapon-Reihe ist nur einer der Gründe, warum Mel Gibson zu einem der bestbezahlten Schauspieler Hollywoods wird. Der nach Rache dürstende Actionheld ist eine der Paraderollen von Gibson.
Als solchen kann man ihn 1996 in Kopfgeld – Einer wird bezahlen sehen. An der Seite von Gary Sinise und Rene Russo, mit der er bereits zusammen in Lethal Weapon spielte, mimt er den Großindustriellen Tom Mullen, dessen Sohn vor seinen Augen entführt wurde.


Auftrag Rache – Edge of Darkness (2010)

Lethal Weapon ist nicht seine einzige Rolle in der er den kantigen Polizisten gibt. Neben The Million Dollar Hotel steht er auch in Auftrag Rache – Edge of Darkness auf der Seite des Gesetzes. Hier spielt er 2010 den altgedienten Inspektor Thomas Craven. Als seine Tochter in seinem Beisein ermordet wird, vermutet die Polizei, dass das Attentat ihm galt. Krank vor Trauer nimmt er die Recherche in die eigene Hand, um dabei festzustellen, dass seine Tochter ein Leben führte, von dem er nichts ahnte.

 

Payback (1999) 

In Payback 1999 wechselt er wie in Tequila Sunrise die Seiten und spielt nicht mehr wie üblich den Polizisten oder rechtschaffenen Bürger, sondern einen professionellen Räuber. Da sein Partner ihn um seinen Anteil eines Raubüberfalls betrogen und niedergeschossen hat, setzt er alles daran Rache zu üben und sich sein Geld wiederzuholen. Sein ehemaliger Kompagnon hat sich jedoch mit diesem Geld in die Mafia eingekauft. Als sich Porter daraufhin mit dem Syndikat anlegt, beginnt für ihn ein lebensbedrohliches Spiel.

 


Auf zu neuen Charakteren!

Maverick – Den Colt am Gürtel, ein Ass im Ärmel (1994)

Gibson versucht sich auch in anderen Rollen, für die man den Schauspieler nicht instinktiv besetzen würde. Dabei beweist er mitunter komödiantisches Talent. In Maverick spielt Gibson 1994 an der Seite von Jodie Foster einen mit allen Wassern gewaschenen Poker-Spieler. Er will an einem Turnier teilnehmen, bei dem eine halbe Million Dollar Preisgeld winkt. Seine Filmpartnerin hat dasselbe Ziel – nur fehlen beiden die 25.000 Dollar Startgebühr. Die actiongeladene Western-Komödie zeigt genau wie Was Frauen wollen Gibsons breitgefächertes schauspielerisches Repertoire.


Fletcher`s Visionen
 (1997)

Ein bisschen Mystery, ganz viel Thriller und ein psychisch labiler Mel Gibson: das sind die Zutaten von Fletcher`s Visionen. Der schizophrene Jerry Fletcher ist Taxifahrer und klärt seine Fahrgäste gern über seine Verschwörungstheorien auf. Niemand glaubt Jerry, nicht die Journalisten, denen er seine Vermutungen schickt und auch nicht Staatsanwältin Alice, gespielt von Julia Roberts, in die er verliebt ist. Doch dann versucht tatsächlich jemand Jerry umzubringen und die Geschichte nimmt eine völlig neue Wendung.

 

Signs (2002)

In Signs spielt Gibson zwar wie in Lethal Weapon und in Braveheart einen Witwer, dennoch unterscheidet sich das Science Fiction-Drama erheblich von seinen übrigen Rollen. Pfarrer Graham Hess lebt mit seinen Kindern und seinem Bruder, der von Joaquin Phoenix gespielt wird, zurückgezogen auf einer Farm. Die Geschichte beginnt mit mysteriösen Kornkreisen auf ihren Feldern und kulminiert in der physischen Konfrontation mit Außerirdischen. Der Kontakt mit den Aliens ist eingebettet in eine verzweifelte Familiensituation, die durch den Tod von Grahams Frau ausgelöst wurde.

 


Gibson als historischer Held

Der Patriot (2000)
Abgesehen vom innerlich zerrissenen Polizisten und dem nicht aufzuhaltendem Racheengel, sind vaterlandsliebende Historienfilme Gibsons große Leidenschaft. Der Patriot aus dem Jahr 2000 spielt in dem durch den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gebeutelten South Carolina. Der Witwer Benjamin Martin ist fest entschlossen sich aus den Kriegswirren herauszuhalten. Als seine älteren Söhne jedoch in den Krieg eintreten und getötet bzw. gefangen genommen werden, hält Martin nichts mehr zurück. Er stellt eine Miliz auf die Beine und kämpft in Guerilla-Manier gegen die Engländer.

Braveheart (1995)

Gibsons größter Historienfilm ist zweifelsohne Braveheart. Ende des 13. Jahrhunderts führt die historisch überlieferte Figur des Schotten William Wallace den Kampf gegen die englische Besatzungsmacht an. Durch den Mord an seiner Frau in die Schlacht getrieben, beginnt Wallace einen aussichtslos scheinenden Krieg mit einer wild zusammengestellten Armee. Durch geniale Kampfstrategie schafft er es völlig überraschend die zahlenmäßig haushoch überlegenen Engländer zu besiegen. Sein Ziel ist Freiheit und ein unabhängiges Schottland. Schlussendlich fällt er den Intrigen der „Edelleute“ zum Opfer. William Wallace wird bis heute als Landesheld in Schottland verehrt und gilt weiterhin als Symbolfigur der schottischen Unabhängigkeitsbewegung. Gibson spielte nicht nur die Hauptrolle sondern führte auch Regie und produzierte den Film. Braveheart erhält fünf Oscars, unter anderem für Bester Film und Beste Regie.

Wir waren Helden (2001)

Ebenfalls auf wahren Begebenheiten beruht der Kriegsfilm Wir waren Helden von 2001. Er thematisiert die erste große Schlacht des Vietnamkrieges im la-Drang-Tal. Auch wenn die Geschehnisse auf dem ersten Teil des Buches „We were Soldiers Once … and Young“ von Generalleutnant Harold G. Moore, den Gibson verkörpert, basiert, wird die historische Genauigkeit kontrovers diskutiert. Den Filmemachern wird eine einseitige Darstellung und patriotische Heldenverehrung der eigenen Landsleute vorgeworfen.

 

Hinter der Kamera

Schon 1989 beginnt Gibson seine Filme selbst zu produzieren und gründet seine eigene Produktionsfirma Icon Productions. Nach seinen Erfahrungen als Regisseur bei Braveheart dreht er 2004 den Bibelfilm Die Passion Christi. Dieser handelt von der Verhaftung, über die Kreuzigung bis hin zur Auferstehung von Jesus. Der Film legt besonders großes Augenmerk auf eine sehr bildgewaltige Darstellung der Leiden Jesus. Um die Authentizität auf die Spitze zu treiben, wird ausschließlich in Latein, aramäisch oder hebräisch gesprochen. Es gibt Untertitel, aber keine Synchronisation. Die Passion Christi erzielte mit 212 Millionen Dollar an den Kinokassen das drittbeste Einspielergebnis nach 12 Tagen in den USA. Insgesamt spielte er über 600 Millionen US-Dollar ein und gilt als der erfolgreichste religiöse Film aller Zeiten.

Mel Gibson bei den Dreharbeiten zu Apocalypto

Das Historiendrama Apocalypto von 2006 ist kaum minder erfolgreich. Mel Gibson führt abermals Regie und erzählt die Geschichte der Maya um rund 1500 vor der Kolonisation Mittelamerikas. Auch dieser Film gewinnt an Authentizität durch Verwendung der Sprache der Maya, die nur mittels Untertiteln übersetzt wird.


Ausblick

Gibsons Werke – sowohl vor als auch hinter der Kamera – werden zumeist von den Kritikern gelobt und spielen an den Kinokassen viel Geld ein. Gibson scheint den Erfolg gepachtet zu haben. Stoppen kann er nur sich selbst. Seine jahrzehntelange Alkoholsucht und die daraus resultierenden Folgen lassen seine Ehe mit Frau Robyn scheitern und ruinieren sein Image in Hollywood dermaßen, dass seine Karriere fast zum Erliegen kommt. Momentan ist er wieder an einigen Projekten beteiligt. So arbeitet er als Regisseur an Hacksaw Ridge, der 2016 erscheinen soll. Der Kriegsfilm handelt von einem Armee Sanitäter, der sich im zweiten Weltkrieg die Ehrenmedaille verdient. Mit The Bombing produziert er einen weiteren Kriegsfilm. Dieser spielt ebenfall im zweiten Weltkrieg und erzählt die Geschichte von fünf Chinesen, die 1940 unter Beschuss der japanischen Luftstreitkräfte versuchen, einen wichtigen Teil der Militär-Maschinerie zu verteidigen.

Doch Gibson steht auch wieder vor der Kamera. Gerade drehte er den Action-Thriller Blood Father ab. Was bei Gibson nicht überrascht: aufgrund seiner Gewaltszenen ist der Film ab 18 Jahren freigegeben. Er handelt von einem Ex-Sträfling, der sich seiner entfremdeten und missratenen Teenager-Tochter wieder annähert, um sie vor Drogendealern zu beschützen, die sie umbringen wollen. Da Mel Gibson in den vergangen Jahrzehnten fast immer ein Garant für unterhaltsame und qualitativ hochwertige Filme war, freuen wir uns auf seine nächsten Werke und hoffen, dass er die Schwierigkeiten in seinem Leben überwindet und noch zahlreiche gute Filme folgen.

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